Test: Doom Eternal: The Ancient Gods - Part One

Von Robert Emrich am 17. Juli 2021

id Softwares Vorzeige-Shooter hat auch auf der Nintendo Switch Nachschub bekommen.

Während das Jahr 2020 den meisten Menschen wohl nicht in bester Erinnerung bleiben wird, gab es zumindest für die FPS-Gemeinde unter den Videospielern einen Grund zum Feiern. Doom Eternal führte die Handlung der Doom-Serie, die 2016 einen Reboot erhalten hatte, konsequent weiter und verwöhnte die Spieler mit noch schnellerer und brachialer Action und einem ausgezeichneten Gameplay. Knappe neun Monaten nach dem PC-Release folgte dann die vom Spielstudio Panic Button angepasste Nintendo-Switch-Version des Titels, die uns trotz der limitierten Technik der Konsole ebenfalls begeistern konnte. Jetzt, etwa sieben Monate später (eine Wartezeit, die es so auch auf den anderen Plattformen gab), ist die erste Erweiterung des Gemetzels für die Switch verfügbar, die wir uns für euch natürlich genauer angesehen haben.

Wer will nochmal? Wer hat noch nicht?

Es könnte alles so schön sein. Nachdem wir die Invasion der Dämonen auf dem Mars (Doom 2016) und der Erde (Doom Eternal) aufgehalten haben, sollte man meinen, dass wir uns einen kleinen Urlaub redlich verdient hätten. Doch leider stehen die Dämonen immer noch vor den Toren Urdaks, der Heimatwelt der engelsgleichen Maykr und eine Eroberung würde alle Dimensionen und damit ebenfalls die Erde erneut gefährden. Also schnappen wir uns ein weiteres Mal Kettensäge und Schrotflinte, um dieses Mal legendäre und allmächtige Verbündete wiederzuerwecken und mit ihnen den ganzen Schlamassel aus der Welt zu schaffen.

Mehr zur immer komplexer werdenden Geschichte des Doom-Universums soll an dieser Stelle nicht verraten werden und doch können sich interessierte Spieler in dieser Erweiterung auf weitere Informationen zur Hintergrundstory inklusive der Geschichte um die Entstehung der Hölle freuen.

Zugabe!

Spielerisch bewegt sich The Ancient Gods - Part One routiniert in den Fußstapfen des Grundspiels. In drei ausladenden Zonen führt ihr die Handlung, die aus den Ereignissen des zweiten Teils resultiert, in sechs bis acht Stunden fort, sodass sich der DLC organisch in das bestehende Spiel einfügt und euch von den meisten Dingen insgesamt mehr bietet. 

Lediglich bei den Spielmechaniken bietet die Erweiterung wenig Neues und hat sich im Gegenteil sogar eher an eine Reduktion des Verfügbaren gemacht, um den Spielfluss noch weiter zu beschleunigen: Kleine Änderungen an Gegnertypen, die im Grundspiel als Bosse dienten, erleichtern den Kampf gegen diese ein wenig. Dafür greifen euch diese jetzt gerne in mehrfacher Ausführung und in regulären Kämpfen an. Auch die Fortress of Doom kann innerhalb des DLCs nicht mehr besucht werden, was aber eh nicht mehr nötig ist. Die neuen Level verzichten auf einen Großteil der im Grundspiel sammelbaren Collectibles und auch eure Waffen und Rüstung sind mit dem Start der Erweiterung schon maximal ausgebaut. Das Upgrade-System findet dementsprechend ebenfalls keine Verwendung mehr, was euch die Möglichkeit gibt, euch voll und ganz auf die Handlung zu konzentrieren, ohne in langen Pausen nach möglichen Verstecken für Items zu suchen.

Schwer war wohl nicht schwer genug...

Wer jetzt befürchtet, dass die neuen Inhalte dank der aufgewerteten Ausrüstung zu einem Spaziergang im Park verkommen, kann beruhigt aufatmen. The Ancient Gods führt nicht nur die Handlung des Grundspiels fort, sondern steigert auch den Schwierigkeitsgrad basierend auf der Schwierigkeit des letzten Levels immer weiter, was dazu führt, dass ihr bereits in der ersten Zone mit vielen ehemaligen Bossen mehrfach Kontakt habt. Tatsächlich arten die grundsätzlich sehr unterhaltsamen Kämpfe an einigen Punkten derart aus, dass wir uns mitten im schlimmsten Geballer auf die Suche nach übersehenen Schaltern, Totems oder anderen Mechanismen machten, die es aber schlicht nicht gab. Offenbar gehören Arenen mit 100 Gegnern jetzt einfach zum guten Ton in den Reihen der Dämonen. Wirklich grausam wird es dann ab der zweiten Zone, in der Geister als neue Gegnertypen eingeführt werden. Diese schlüpfen in einen nahen Dämonen, verstärken diesen massiv und können nur besiegt werden, wenn ihr den von ihnen besessenen Dämon besiegt und die Geister dann in einem nur wenige Sekunden andauernden Zeitfenster mit dem Beam des Plasmagewehrs tötet. Schafft ihr das nicht, zum Beispiel weil die Munition für die Waffe aus ist, oder ihr euch von anderen in der Zwischenzeit auf euch schießenden Dämonen habt ablenken lassen, übernehmen sie den nächsten Körper und der Kampf beginnt von neuem.

An dieser Stelle verlagert sich das Spielgefühl und statt der Herausforderung des zuvor fordernden aber immer fairen Gameplays vermittelt das Spiel plötzlich mehrfach den Eindruck, am Bildschirm harte Arbeit leisten zu müssen. Das mag einigen Spielern gefallen, kann aber auch für Frust sorgen, wenn selbst gestandene Spieler, die Doom Eternal auf dem PC entspannt im schweren Schwierigkeitsgrad spielen, sich beim DLC auf der Switch plötzlich versucht fühlen, die Erweiterung ab der dritten Zone nur noch auf “einfach” anzugehen.

Und sonst?

Technisch hat sich in der Erweiterung erwartungsgemäß wenig getan und auch The Ancient Gods - Part One läuft so flüssig, wie ihr es mittlerweile von den Spielen, die Panic Button für die Switch anpasst, erwarten könnt. Bei zwei Kletter-Einlagen, bei denen weder Monster noch grafische Effekte eine Rolle spielten, brach die Framerate kurioserweise für jeweils eine Sekunde ein. Davon abgesehen lief das Spiel aber selbst im größten Getümmel reibungslos und dabei so schnell, dass ihr die reduzierte Auflösung der Nintendo-Switch-Version wieder einmal getrost ignorieren könnt, sofern ihr nicht explizit auf die grafischen Features besteht, die man mit moderner Hardware erzeugen kann. Das kann in ruhigen Momenten, etwa wenn ihr euch den beeindruckenden Ausblick in der ersten Welt für einen kurzen Moment gönnt, natürlich nicht davon ablenken, dass die Switch hinter allen anderen Konsolen weit hinterher hängt. Dennoch holen die Entwickler auch in diesen Momenten das meiste aus der Konsole heraus und schaffen es damit zumindest, einen guten Eindruck von der grafischen Opulenz zu vermitteln, die moderne High End Hardware liefert.

Auch bei der Steuerung und dem Soundtrack, der das Geschehen immer passend begleitet, bleibt fast alles beim Alten. Der ursprüngliche Komponist Mick Gordon und id Software arbeiten zwar leider nicht mehr zusammen, doch die neuen Stücke, die für die Erweiterung aufgenommen wurden, orientieren sich stark an der Musik des Grundspiels und stehen dieser in nichts nach. 

Fazit:

The Ancient Gods - Part One setzt die unendliche Geschichte des Doom Slayers und seines Kampfes gegen die Legionen der Hölle würdig fort und bietet Serien-Veteranen erneut beinharte Action. Dabei wurden dem Spielfluss zuliebe zwar einige Aspekte wie das Sammeln von Items und das Aufwerten von Waffen aus dem Spiel genommen. Doch in allen anderen Bereichen legt der Titel gerne noch eine sprichwörtliche Schippe drauf, ehe er sich ab der zweiten Welt übernimmt und auf die Schippe noch einen Schaufelbagger stellt, wodurch das Spiel manch einem eher wie Arbeit als wie Spaß vorkommen kann.

Wer eine derartige Herausforderung mag und die Geduld hat, einige Kämpfe abhängig vom Schwierigkeitsgrad mitunter ein gutes Dutzend mal zu versuchen, kann bei dieser Erweiterung aber bedenkenlos zuschlagen und wird mit dem ersten Doom Eternal DLC eine sehr gute Zeit verbringen. Wer von einem Shooter aber trotz aller Herausforderung lieber unterhalten werden möchte, ohne dabei Deos und Gamepads in Reihe zu verschleißen, der sollte den Kauf eines der anderen Ports von Panic Button in Erwägung ziehen oder auf die zweite Erweiterung warten.

Vielen Dank an Bethesda für die freundliche Bereitstellung des Testmusters.

Wertung:

7.5

Robert Emrich meint:

"Gelungene erste Erweiterung des zweiten Teils, die mit dem Schwierigkeitsgrad stellenweise dem Balancing ins Knie schießt."
Spielerlebnis: Gut
Umfang: Gut
Technik: Sehr gut

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