Test: Olympische Spiele Tokyo 2020 – Das offizielle Videospiel™

Von Michael Prammer am 07. Juli 2021

Ready, Set, Oh No

Zwischen dem 23. Juli und dem 08. August steigen die Olympischen Sommerspiele in Tokio. Wir haben uns das dazugehörige Lizenzspiel von SEGA unter die Lupe genommen.

Die traditionellen Spiele unterschiedlichster Sportarten, bei denen Athleten aus aller Welt um begehrtes Edelmetall kämpfen, stehen auch in diesem Jahr unter keinem guten Stern. Die anhaltende Corona-Pandemie sorgte dafür, dass dieses Weltereignis überhaupt erst in diesem Jahr ausgetragen wird, eigentlich waren die Spiele für das vergangene Jahr angesetzt. Nichtsdestotrotz werden in ein paar Wochen die Augen nach Japan gerichtet sein, die das Beste aus der Situation machen möchten. Das dazugehörige Videospiel ist bereits jetzt erhältlich und soll einen Vorgeschmack auf die Veranstaltung geben.

Fehlende Karriere trotz viel Sport

Im Hauptmenü wartet die erste Enttäuschung auf die digitalen Athleten. Anstelle eines Karriere-Modus oder einer Geschichte bastelt man sich ganz nüchtern einen Sportler mittels Baukasten zusammen und wählt anschließend die einzelnen Disziplinen. Das ist dann doch etwas dürftig für ein Lizenzprodukt und an Lieblosigkeit kaum zu unterbieten, zumal es kaum ein Aufwand gewesen wäre, die Sportarten mittels kleiner Cutscenes, Animationen oder wenigstens Bildern und Texten miteinander in einer Geschichte zu verweben. Immerhin warten 18 unterschiedliche Sportarten auf euch, in denen ihr Punkte verdienen könnt, die ihr für neue Outfits ausgeben dürft.

Hier sind mit dem Astronaut oder einem Ninja zwar lustige Kostüme dabei, allerdings reicht das noch lange nicht aus, um den Spieler langfristig zu motivieren. Die Punkte hätten einfach cleverer eingesetzt werden müssen, wie zum Beispiel in die Status-Verbesserung des Athleten. Dann hätte die Wiederholung der einzelnen Sportarten auch Sinn ergeben, um eine beispielsweise nie zu erreichende Medaille plötzlich doch erreichen zu können. So aber dienen die Punkte rein kosmetischer Natur und das Erreichen der Erfolge hängt ganz von der eigenen Übung ab.

Per se ist das natürlich nichts Schlechtes, zumal in einigen Sportarten der Schwierigkeitsgrad herrlich ausgewogen scheint. Übersteht man beispielsweise den 100-Meter-Lauf in der Vorrunde mit einem gehörigen Vorsprung, so fordert das Spiel bereits ab dem Halbfinale alles von euch ab, um zu den besten Läufern zu zählen, die letztlich auch um Gold rennen dürfen. Leider sind nicht alle Sportarten so gut gelungen und manche steuern sich regelrecht furchtbar. Die „echten“ Olympischen Disziplinen, wie 100-Meter-Lauf, Hürden-Springen oder Hammer-Werfen gehen super von der Hand, sind toll durchdacht und machen auch Spaß. Diese Sportarten sind es, die dem Spiel das Prädikat Sportspiel verleihen.

Dann gibt es leider aber auch Fußball, Basketball oder Baseball und diese Sportarten sind einfach nur ein Krampf. Erstens fehlen wichtige Grundfunktionen, wie zum Beispiel die Flanke beim Fußball, um ein einigermaßen ordentliches Sporterlebnis zu generieren. Und zweitens spielt sich das ganze Spektakel relativ starr und behäbig, sodass kaum Freude bei den Turnieren aufkommt. Schlimmer noch ist der Schwierigkeitsgrad im Finale, in dem der Gegner so übermächtig wirkt, dass er durch die Abwehrreihen stolziert und dem überforderten Torhüter mit Leichtigkeit einen einschenkt. Das hat mit, in diesem Fall Fußball, einfach nichts zu tun. Wichtige Sportarten wie Speerwerfen fehlen gänzlich, was angesichts der Qualität anderer Sportarten unverständlich erscheint.

Mehr Spieler – mehr Freude

Etwas mehr Freude, auch bei den Mannschaftssportarten, kommt im Mehrspielermodus auf. Hier darf wahlweise online oder offline in den einzelnen Disziplinen um das begehrte Edelmetall gekämpft werden. Ist man offline noch mit höchstens einem weiteren Spieler aktiv, dürfen online bis zu acht Spieler ran. Gerade das katastrophale Fußball, das im Einzelspielermodus kaum Freude macht, kann zumindest im Mehrspielermodus etwas besser überzeugen und kurzfristig motivieren. Allerdings geht auch hier schnell die Puste aus, den Olympischen Sommerspielen von SEGA fehlt es schlichtweg an Substanz. 18 Sportarten sind im ersten Moment ganz nett, allerdings fehlen einfach zu viele Disziplinen, manche spielen sich schlicht zu ähnlich und der fehlende Karrieremodus trägt ebenfalls nicht zur Langzeitmotivation bei. Letztlich spielt man alle Sportarten einmal auf Gold und legt das Spiel dann auf die Seite – wenn man die Nerven für alle Sportarten aufbringt.

Technisch gesehen ist das Lizenzprodukt von SEGA eher nüchtern und erinnert beinahe an eine aufpolierte Wii-Sports-Variante. Die Charaktere, die Hintergründe, die Stadien – alles wirkt relativ einfach gehalten und auf das Notwendigste reduziert. Rein technisch gesehen funktioniert die Prozedur und liefert sich keine Fehler. Allerdings wirken manche Animationen der Sportler wie von Vorgestern und nicht aus dem Jahr 2021. Das ist dann vor allem bei den bereits erwähnten Mannschaftssportarten besonders auffällig, wenn die Basketballer nicht wie Basketballer agieren, sondern wie Menschen, die diesen Sport noch nie ausgeübt haben. All das wirkt wie ein schnell zusammengeschustertes Produkt, um mit wenig Aufwand möglichst viel Gewinn zu erzielen und den Hype dieses Events mitzunehmen – sollte dieser überhaupt aufkommen.

Fazit:

Olympische Spiele Tokyo 2020 – Das offizielle Videospiel™ ist leider alles andere als ein gutes Sportspiel geworden. Es wird unglaublich viel Potential verschenkt, was mit einfachen Mitteln hätte ausgebügelt werden können. Vom fehlenden Karriere-Modus, zu den teils verkorksten Sportarten, über die lieblose Präsentation bis hin zu gänzlich fehlenden Disziplinen zieht sich die Mängelliste durch wie ein roter Faden. Die wirklich olympischen Sportarten und der Mehrspieler-Modus sind hierbei als Lichtblicke zu bewerten und bewahren das Spiel vor einem Desaster. Eine Kaufempfehlung können wir allerdings auf keinen Fall aussprechen.

Von uns getestet: Nintendo-Switch-Version
Vielen Dank an Sega für das Bereitstellen des Testmusters.

Wertung:

5.0

Michael Prammer meint:

"Das Spiel verpasst die Medaillen-Ränge klar."
Spielerlebnis: Durchschnittlich
Umfang: Durchschnittlich
Technik: Durchschnittlich

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3 Kommentare:


Matthew1990
vor 3 Wochen | 0
I guess.... Mario is Missing? *ba dam ts* :D

Nintendofan
vor 3 Wochen | 0
Mario & Sonic erschien ja schon im November 2019 :D

Pogopuschel
vor 3 Wochen | 0
Schade. Obwohl ich kein großer Fan der Olympischen Spiele bin (... insgesamt aber sehr sportbegeistert bin ^^), hatte ich immer ein Auge auf das Spiel. Werde trotzdem nochmal genauer draufschauen. Metascore liegt aktuell immerhin bei über 70.

Die Technik und der fehlende Karrieremodus würden mich gar nicht stören. Möchte einfach gut umgesetzte Sportarten. Allerdings ist bei solchen Sportsammlungen immer meine Befürchtung, dass Spiele wie Fußball nicht besonders gut umgesetzt werden und man sie letztlich nur ein paar mal spielt und dann war es das..
Werde aber trotzdem nochmal schauen, ob es mir vielleicht wert ist, mal im Angebot zuzuschlagen.