Test: Mushihimesama

Von Andreas Held am 24. Juni 2021

Ein legendärer Spielhallenshooter erscheint auf Nintendo Switch.

In der Zeit um die Jahrtausendwende waren Cave-Shooter aus japanischen Spielhallen kaum wegzudenken. Während viele andere Entwickler offensichtlich darauf aus waren, dem Spieler einfach nur möglichst viele 100-Yen-Münzen aus der Tasche zu ziehen, fühlten sich die Bullet-Hell-Shooter von Cave trotz des unglaublich intensiven Kugelhagels fast immer fair an. Titel wie DoDonPachi, ESP Ra.De. und DeathSmiles sind jedem Fan von 2D-Shoot'em-Ups ein Begriff, und auch Mushihimesama zählt zusammen mit seinem Nachfolger zum Kanon des Genres. Nachdem westliche Fans lange Zeit auf den sündhaft teuren Import japanischer Konsolen-Portierungen angewiesen waren, wurden viele Cave-Shooter in der jüngeren Vergangenheit einem breiteren Publikum zugänglich gemacht. Rund 17 Jahre nach seinem Einstand in japanischen Spielhallen findet Mushihimesama nun seinen Weg auf Nintendo Switch.

Umfassende, aber schnörkellose Portierung

Nach dem Start der Konsolenversion können wir uns im Hauptmenü für eine von vier Varianten entscheiden. Neben der ursprünglichen Spielhallenversion und einem Arrange-Modus finden wir hier auch die Version 1.5, die neben einem Remix des Soundtracks einige Balancing-Anpassungen enthält und insgesamt etwas einfacher sein soll - dafür aber auch den bei Fans sehr beliebten MAX-Modus enthält, der sowohl unsere eigene Feuerkraft als auch die unserer Gegner stark erhöht und somit eine sehr intensive Spielerfahrung bietet. Wer es hingegen etwas ruhiger angehen will, kann sich für den Novice-Modus entscheiden. Selbst dieser ist nicht unbedingt einfach, gibt geübten Spielern jedoch eine faire Chance, ohne den Einsatz eines Continues den Abspann zu erreichen.

Mit Ausnahme des Arrange-Modus bieten euch alle drei Varianten außerdem die Wahl zwischen den Schwierigkeitsgraden Original, Maniac und Ultra. Entscheidet ihr euch für letzteren, müsst ihr anschließend noch die Sicherheitsfrage "Are you prepared to battle sheer despair?" beantworten - eine Warnmeldung, die man eher bei der Anmeldung für eine Dating-Webseite als beim Start eines Videospiels erwarten würde. Zählt man das Kreuzprodukt aller Versionen, Schwierigkeitsgrade und Spielmodi zusammen, enthält die Konsolenportierung also insgesamt 13 Varianten des Spielhallen-Shooters, die vom Anfängermodus bis hin zum Ultra-MAX-Schwierigkeitsgrad der Version 1.5 ein breites Spektrum abdecken.

Auch im Handheld-Format solide

Die technische Qualität der Switch-Portierung kann eigentlich als sehr gut bezeichnet werden. Einen spürbaren Input Lag gibt es nicht und die auf den höheren Schwierigkeitsgraden sehr zahlreichen Slowdowns sind von den Entwicklern gewollt, damit ihr zumindest eine theoretische Chance habt, dem violetten Kugelhagel auszuweichen. Das Wort "eigentlich" kommt daher, dass die Replay-Funktion zumindest in der von uns getesteten Pre-Release-Version noch nicht funktioniert. Unsere Aufzeichnung eines Spieldurchgangs auf Novice/Maniac hat sich beim Abspielen im dritten Level desynchronisiert, was zu einem schnellen Game Over führte. Das lässt auf (minimale) Ungenauigkeiten in der Spiel-Engine schließen.

In Bewegung macht Mushihimesama auf Nintendo Switch eine deutlich bessere Figur, als unsere Screenshots vermuten lassen. Obwohl das Spielhallen-Original mittlerweile 17 Jahre alt ist und somit aus der PS2-Ära stammt, kann die Optik vor allem aus stilistischer Sicht auch heute noch überzeugen. Die wie Animatronic-Figuren aussehenden riesigen Käfer sind genauso zeitlos wie die beeindruckenden Schussformationen, mit denen wir im Spielverlauf malträtiert werden. Auch der Soundtrack ist Cave-typisch nicht schlecht, kommt aber nicht ganz an den Ohrwurmcharakter des Nachfolgers ran.

Fazit:

Cave bietet uns mit Mushihimesama eine umfassende und technisch solide Portierung eines sehr guten Danmaku-Shooters. Trotz des ganzen Lobes muss jedoch klar sein, dass der Titel wirklich nur für Fans geeignet ist, die die Motivation haben, den Titel über dutzende oder gar hunderte Spieldurchgänge hinweg zu erlernen, um am Ende mit möglichst wenigen Lebensverlusten und Bomben bzw. mit einer möglichst hohen Punktzahl den Abspann zu erreichen. Da ihr unbegrenzt viele Continues zur Verfügung habt, mit denen ihr das Spiel selbst nach dem Verlust eures letzten Extralebens an Ort und Stelle fortsetzen könnt, werdet ihr nämlich selbst auf dem Ultra-MAX-Schwierigkeitsgrad der Version 1.5 nach spätestens einer Stunde das Spielende erreicht haben. Auf Spielmodi wie den Chronicles-Modus aus Dariusburst Chronicle Saviours, der für Heimkonsolen optimiert ist, hat Cave vollständig verzichtet. Genrefans, die mit Mushihimesama eine wirklich gute und vergleichsweise fair bepreiste Portierung eines mindestens genauso guten Arcade-Shoot'em-Ups erhalten, dürfte das jedoch so gut wie gar nicht stören.

Wertung:

8.0

Andreas Held meint:

"Die Switch-Portierung von Mushihimesama richtet sich gezielt an Fans der Cave-Shooter - diese dürften mit dieser umfassenden Arcade-Umsetzung aber voll zufrieden sein."
Spielerlebnis: Sehr gut
Umfang: Gut
Technik: Gut

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