Test: Fire: Ungh’s Quest

Von Robert Emrich am 19. Mai 2021

Ohne Worte: Daedalic Entertainments Steinzeit-Adventure erlebt seine Renaissance auf der Nintendo Switch

Es gibt die unterschiedlichsten Adventures, die euch ihre Geschichten jeweils auf ihre ganz eigene Weise erzählen. Manche bieten euch epische Geschichten und Kämpfe zwischen Gut und Böse. Andere behandeln historische Ereignisse oder präsentieren sich als Kriminalgeschichte. Einige legen den Fokus auf eine packende Atmosphäre und wieder andere kombinieren schrägen Humor mit intelligenten Rätseln. Zu dieser letztgenannten Kategorie kann man wohl auch das Spiel Fire: Ungh’s Quest zählen, das sich in den Studios von Daedalic Entertainment von einer kleinen Tech-Demo zu einem der verrücktesten Werke des Entwicklers gemausert hat, bis es 2016 auf diversen Plattformen und unter anderem auch der WiiU veröffentlicht wurde. Seit einigen Tagen könnt ihr das Adventure jetzt auch im Eshop finden und wir haben es uns für euch einmal angesehen.

Firestarter

Höhlenmensch Ungh hat es nicht leicht. Da schläft er ein einziges mal während seiner Nachtwache ein und lässt dabei das Feuer seines Stammes erlöschen und schon wird er aus dem Dorf geworfen, um neues zu besorgen. Zum Glück im Unglück findet Ungh im Baum vor dem Dorf zwar kein Feuer, dafür aber zehn mystische Glühwürmchen, die ihm den Weg quer durch die Welt zum Vulkan zeigen, der all seine Probleme regeln könnte. Und so macht er sich auf den verrückten Weg, der ihn bis zum Mond und wieder zurück führt, um seine Quest zu erfüllen.

Cleverer Minimalismus

Als relativ klassisches Point-and-Click-Adventure wartet Fire mit einigen Besonderheiten auf. Da wäre zuerst einmal der komplette Verzicht auf Texte und Sprachausgabe. Wichtige erklärende Elemente werden durch anschauliche Piktogramme dargestellt und die gesamte Handlung spielt sich in der Mimik und den Gesten der Charaktere wieder, was erstaunlich gut funktioniert, nachdem ihr euch an das Interface und die zur Verfügung stehenden Optionen gewöhnt habt. Dafür braucht man zwar ein paar Minuten, weil das Spiel wirklich absolut nichts mit Text erklärt, aber einmal verinnerlicht, läuft die Bedienung dann ohne weitere Probleme. 

Außerdem beschränkt sich das Spiel auf zwei Steuerungsarten zwischen denen ihr, je nach Spielstil wählen könnt: Im TV-Modus gibt euch Fire die Kontrolle über einen Cursor, den ihr mit einem einzelnen Joy-Con steuern könnt, während ihr im Handheld-Modus alle Eingaben auf dem Touchscreen selber vornehmt. Andere Möglichkeiten der Steuerung, wie zum Beispiel den Pro-Controller, unterstützt das Spiel leider nicht, braucht es dank seiner minimalistischen Steuerung aber auch nicht wirklich.

Auch das in Adventures übliche Inventar, in dem ihr Gegenstände sammeln, kombinieren und an anderer Stelle verwenden könnt, hat unter Ungh’s Lendenschurz keinen Platz gefunden. Stattdessen findet ihr die wenigen für die jeweiligen Rätsel benötigten Gegenstände in der Umgebung und könnt immer einen von ihnen aufheben und nutzen, um das vorliegende Rätsel zu knacken. 

Derartig in Text, Steuerung und Inventar begrenzt, konzentriert sich Fire vornehmlich auf die Rätsel, die euch die umgebende Landschaft bietet und die es in Sachen Kreativität und Schwierigkeit wirklich in sich haben. Ob ihr jetzt ein Dinosaurier-Hirn an neue Nervenbahnen anschließt, mit zeitreisenden Schmetterlingen einen Wirbelsturm heraufbeschwört oder die Welt vor einem Angriff außerirdischer Invasoren beschützt - Ungh hat überall etwas zu tun. Dabei zeigt euch ein einzelner Tastendruck alle Gegenstände an, mit denen ihr in der Welt interagieren könnt. Ein sinnvolles und zeitweise auch wirklich notwendiges Feature ohne das einige der gestellten Aufgaben vermutlich kaum lösbar sind, wenn ihr nicht zufällig mit Adleraugen oder viel Glück ausgestattet seid. Denn einige der für die Rätsel benötigten Gegenstände sind nicht einfach zu finden.

Trotz aller Verrücktheiten haben aber alle Rätsel einen nachvollziehbaren und logisch durchdachten Hintergrund, auch wenn dieser auf den ersten Blick nicht unbedingt sofort einleuchtet. Doch auch ohne diesen, kann man sich in Momenten größter Ahnungslosigkeit damit behelfen, einfach einmal mit allen im Rätsel nutzbaren Gegenständen und Personen zu interagieren, um dann zu gucken, was sich verändert hat. So kommt man in vielen Situationen zumindest ein kleines Stück voran, auch wenn für die endgültige Lösung immer noch etwas Hirnschmalz benötigt wird. Zu einfach soll es ja auch nicht sein.

Kurz, gut und doch nicht genug?

So oder so brennt Fires Ideenfeuerwerk zwei bis drei Stunden, ehe ihr den Rückweg ins Heimatdorf antretet und der Abspann läuft. Das ist, verglichen mit anderen Adventures, eine wirklich kurze Spielzeit, die nicht der Qualität, sondern der Zahl der zur Verfügung stehenden Rätsel geschuldet ist. Zehn Rätsel bieten leider einfach nicht mehr Inhalt und gerade das in Fire genutzte System der inhaltlich bestenfalls lose verbundenen Abschnitte hätte massig Platz und Gelegenheit geboten, um den Umfang des Spiels sinnvoll zu vervielfachen. Das macht das Spiel in seiner aktuellen Form nicht schlecht, nur halt recht teuer für sein Geld, zumal es auf der Switch mit seinem regulären Preis stolze 50% teurer, als die Versionen für andere Plattformen ist - einschließlich der WiiU-Version!

Flamme an!

Zugegeben, nach dem Test der letzten beiden von Daedalic auf der Switch veröffentlichten Adventures Das schwarze Auge: Satinavs Ketten und Das schwarze Auge: Memoria hatte ich zuerst leichte Vorbehalte, was Fire wohl technisch abliefern würde. Doch schon kurz nach dem Start des Spiels wurde schnell klar, dass jegliche Sorgen unbegründet waren.

Fire, das wohl ursprünglich nur eine lose Anzahl von Rätseln zum Testen einer neuen Adventure-Engine war, läuft in allen Belangen so rund und sauber, wie man es von einem Adventure erwarten kann. Die Ladezeiten sind kurz und auch die Steuerung funktioniert reibungslos. Einige der antippbaren Bereiche auf dem Touchscreen im Handheld-Modus sind für große Finger vielleicht etwas klein geraten und erfordern deswegen hin und wieder mehrmaliges antippen, ehe sich Ungh zu ihnen auf den Weg macht. Wirkliche Probleme schafft das aber zu keiner Zeit, da der Titel grundsätzlich keine schnellen Interaktionen erfordert. 

Die Grafik des Titels passt hervorragend zu seiner humorvollen Geschichte und wirkt auf dem großen Fernseher genauso gut wie auf dem Bildschirm der Konsole, und auch der Soundtrack des Spiels kann gerne etwas lauter gedreht werden. Kurz gesagt: Verglichen mit den erwähnten Vorgängern setzt Fire technisch neue Maßstäbe und ist auch sonst ein würdiger Vertreter des Genres.

Fazit:

Fire: Ungh’s Quest ist ein tolles Adventure, das mit seiner humorvollen und originellen Aufmachung und den kniffligen aber stets sinnvollen Rätseln nur einen einzigen Fehler hat: Man hätte, wenn nach zwei bis drei Stunden Spielzeit der Abspann läuft, wirklich gerne mehr davon gehabt. Der im Vergleich mit anderen Plattformen überhöhte Preis im eShop verstärkt diesen Eindruck noch. Für rund 15€ wird Rätselfreunden ein höchstens durchschnittlicher Umfang geboten, und so bringt sich der Titel leider selber um den Rang einer Genre-Referenz.

Wer sich davon aber nicht schrecken lässt und entweder den Vollpreis bezahlt, auf eine Rabattaktion wartet oder sich den Titel kostengünstiger auf einer anderen Plattform holt, darf sich auf paar sehr unterhaltsame und kurzweilige Stunden freuen.

Wertung:

7.5

Robert Emrich meint:

"Hübsch, clever, humorvoll. Mit ein wenig mehr Umfang wäre Fire ein absolutes Muss für jeden Adventure-Fan."
Spielerlebnis: Sehr gut
Umfang: Durchschnittlich
Technik: Sehr gut

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