Test: Subnautica: Below Zero

Von Robert Emrich am 13. Mai 2021

Der Sommer naht - Zeit für einen Tauchgang in arktischen Gefilden.

Zweieinhalb Jahre ist es her, seit der Indietitel Subnautica den Weg aus dem Early-Access-Untergrund fand und ein wenig später auf dem Radar der breiteren Spielerschaft auftauchte. Auszeichnungen und Portierungen auf andere Plattformen folgten wenig später und so hatten auch wir uns in einem ausführlichen Test der Playstation-4-Version mit den Stärken und Schwächen des Survivalspiels befasst.

Jetzt wagt Entwickler Unknown Worlds Entertainment den Sprung ins Haifischbecken der Switch-Portierungen und liefert dabei neben einer Version des besagten ersten Teils auch gleich noch die brandneue Fortsetzung Subnautica: Below Zero ab, die wir uns einmal genauer angesehen haben.

Von toten Schwestern, riesigen Monstern und bösen Konzernen

Die anfängliche Geschichte, die nach dem ersten Teil spielt, mit diesem aber wenig zu tun hat, ist schnell erzählt: Als Forscherin Robin Ayou reist ihr auf den Planeten 4546B, der schon Schauplatz des ersten Teils war, um den Tod eurer Schwester Sam genauer zu untersuchen. Die war nämlich ebenfalls als Forscherin im Auftrag des Konzerns Alterra unterwegs und die Erklärung des Unternehmens, dass Sam aufgrund von eigener Fahrlässigkeit das Zeitliche segnen musste, kommt euch mehr als fragwürdig vor. So macht ihr euch mit eurer Landekapsel im Schutz eines Meteoritenschauers (was ironischerweise auch irgendwie fahrlässig ist) auf den Weg zur Oberfläche des Planeten, nur um nach ein paar Sekunden feststellen zu müssen, dass Felsen, die mit über 100.000 km/h unterwegs sind, keine gute Umgebung für den Eintritt in eine Atmosphäre sind.

Im Wrack eurer Kapsel mehr schlecht als recht auf der tiefgefrorenen Oberfläche von 4546B angekommen, macht ihr euch direkt daran, einen sicheren Unterschlupf in der deutlich wärmeren Unterwasserwelt des Planeten zu erreichen und das Mysterium hinter Sams Ableben zu erforschen.

Forsche, forsche, Häusle baue

Schon kurz nach dem Intro macht das reine Singleplayerspiel klar, dass Handlung vorhanden ist, diese von euch aber selbständig erforscht und verdient werden muss. Denn Subnautica: Below Zero ist wie gesagt ein Survival- und Forschungsspiel, was bedeutet, dass euch der Titel das Handwerkszeug für die ersten 30 Minuten Überleben und eine kurze aber umfassende Anleitung für alles weitere gibt und es danach euch überlässt, was ihr daraus macht. Wer im Anschluss artig im Umkreis seiner Rettungskapsel bleibt, Fische fängt und auf weitere Hinweise wartet, wird zwar stunden- und tagelang problemlos überleben, sich aber vermutlich irgendwann tödlich langweilen. Forschergeist und der Mut, fremde und gefährliche Gebiete zu erforschen sind dementsprechend das A und O für euer Vorankommen. Dabei geht es anfangs zugegebenermaßen eher langsam voran, da ihr ohne Ausrüstung das Lungenvolumen eines asthmatischen Hühnchens habt. Das wird auch mittelfristig nicht viel besser, wenn ihr trotz Ausrüstung alle zwei bis drei Minuten durch die schlichte Ansage “Oxygen” daran erinnert werdet, dass ihr in zehn Sekunden ertrinkt, wenn ihr nicht schnell an der Oberfläche oder anderer Stelle etwas frische Luft schnappt. Ein netter Kniff, um die mit vier Quadratkilometern vergleichsweise kleine Karte erstaunlich groß wirken zu lassen, zumal Tiefen jenseits der 100 Meter erst mit entsprechendem Gerät richtig besucht werden können. Und auch das arktische Klima an der Oberfläche macht längere Erkundungen zuerst nur schwer möglich, da ihr an Land erfriert, solange ihr nicht über die entsprechende Ausrüstung verfügt. 

Diese bastelt ihr euch mit dem schon aus dem ersten Teil bekannten Fabrikator im Laufe des Spiels selber. Zuerst aus simplen Materialien wie Algen und Erzen. Später aus immer komplexeren Teilen, deren Baupläne ihr bei euren Erkundungen findet. Das Spiel schafft es sehr gut, Mut und Forscherdrang angemessen zu belohnen und gerade Ideen wie “Heute tauche ich einfach mal geradeaus nach Westen und schaue, was ich da so finde” führen entweder in neue Gebiete oder lassen euch Materialien und Baupläne finden, die euch über kurz oder lang das Leben erleichtern. Viele Mechaniken und Head-up-Display-Elemente wurden aus dem ersten Teil übernommen, sodass Kenner sich sofort heimisch fühlen dürften. Ein wenig frischen Wind bringen, neben der neuen Landschaft und Handlung, einige neue Spezies und neue Baupläne, die zum Teil auch Geräte und Objekte aus dem ersten Teil ersetzen. Spätere Entwicklungen geben euch letztlich die Möglichkeit, Fahrzeuge, Basen und Hilfsmittel zum Navigieren zu basteln und so nach und nach etabliert ihr euch als feste Größe in eurem neuen Umfeld. Wie schon im ersten Teil stellt euch das Spiel auch Baupläne zur Verfügung mit denen ihr eure Basis mehr oder weniger hübsch und sinnvoll aufwerten könnt, wenn euch danach ist. Und parallel zum technischen Fortschritt versorgt euch das System immer wieder mit Handlungselementen in Form von gefundenen Texten oder kurzen Zwischensequenzen, die nach und nach ein Bild vom großen ganzen enthüllen.

Bis es aber soweit ist, vergeht eine ganze Weile und gerade Neulinge, die sich ohne Hilfe mutig durch die Gewässer der statischen Karte schlagen, werden ein paar Dutzend Stunden zu tun haben, ehe sie den Abspann erreichen, während Genre-Kenner und Nutzer von externen Hilfen die Spielzeit lässig halbieren können. Hier zeigt sich auch ein kleiner Nachteil gegenüber anderen Survivalspielen, die mit einer prozedural generierten Karte aufwarten können. Denn im Gegensatz zu diesen Titeln bietet Subnautica nur einen begrenzten Wiederspielwert. Dafür ermöglicht die vergleichsweise statische Welt aber komplexere Handlungsverläufe, als beispielsweise Titel wie Valheim oder Don’t Starve, in denen die Handlung eher nebensächlich ist. Was einem letztlich lieber ist, bleibt eine Frage des persönlichen Geschmacks.

Das war’s, Fisch! Ich bring’ dich urgggll blub blub blub…

Bezüglich der Flora und Fauna gibt es eine gute und eine schlechte Nachricht. Zuerst die Gute: Etwa 85% der reichhaltigen Pflanzen- und Tierwelt von 4546B sind für euch harmlos und entweder essbar oder hübsch anzusehen. Die schlechte Nachricht: Bei den übrigen 15% läuft es genau anders herum und im Falle einer solchen Begegnung ist die Flucht oftmals das einzige Mittel, um heil aus der Situation zu kommen. Subnautica setzt grundsätzlich deutlich mehr auf Umsicht und Planung, als auf Kampf und Geschicklichkeit. So ist euer größter Feind immer der Ozean selber, wenn ihr mal wieder zu spät bemerkt, dass ihr bald Sauerstoff braucht, zumal die “Noch 30 Sekunden Sauerstoff”- Erinnerung vom Spiel in unregelmäßigen Abständen vergessen wird. Doch auch Hunger, Durst und (ganz neu) Körpertemperatur müssen wie schon im ersten Teil permanent im Auge behalten und mit Essen, Wasser und Heizelementen behandelt werden, um nicht überraschend aus dem Leben zu scheiden. Glücklicherweise ist der Tod im Spiel aber nur in einem der vier angebotenen Spielmodi permanent und damit tragisch. Im normalen Spiel findet ihr euch im zuletzt besuchten sicheren Areal wieder und habt lediglich die Items verloren, die ihr im Laufe des letzten Tauchganges eingesammelt habt, womit der Schwierigkeitsgrad des Spiels moderat und auch für Survival-Neulinge geeignet ist.

Zwischen all den hübschen und gefährlichen Wesen, die eure Bahn kreuzen werden, verdient nur der Seekobold, eine eigentlich niedliche Spezies, die im zweiten Teil neu eingeführt wurde, eine besondere Erwähnung. Mit seinem Hang, Spielern regelmäßig das gerade genutzte Werkzeug aus der Hand zu reißen und damit herumzuschwimmen, bis man es ihm wieder abgenommen hat, hat sich die Spezies einen besonderen Platz in meinem Herzen ergattert. Und so ist er das einzige Tier im Spiel hinter dem ich mit einem Messer hergetaucht bin, um es wortwörtlich abzustechen und kalt zu machen.

Kaum ein Riss in der Hülle

Wie so oft, wenn ein Titel plattformübergreifend veröffentlicht wird, stellt sich unweigerlich die Frage, ob ein Spiel, das auf der Playstation 5 veröffentlicht wird, auch auf der Nintendo Switch gut laufen kann. Und um es kurz zu machen: Ja, das kann es mit den üblichen grafischen Abstrichen, die auch schon Spiele wie Witcher 3 und Doom Eternal auf der Switch lauffähig machten, durchaus. Dabei schafft es Unknown Worlds zwar nicht ganz an die grafische Finesse eines Panik-Button-Ports heran, liefert aber dennoch eine durchaus ansehnliche und gut spielbare Version des Titels ab, die sogar einige der Probleme behebt, die uns beim Test der Playstation-4-Version des ersten Teils aufgefallen sind. Die Bildrate blieb beinahe durchgehend flüssig und sank während des ganzen Tests nur ein einziges mal in den 20-FPS-Bereich. Und auch die Felswände und Korallen, die im ersten Teil zeitweise zu spät geladen wurden, erscheinen jetzt rechtzeitig, sodass Kollisionen mit ihnen kein Thema mehr sein sollten. Dass es innerhalb des laufenden Spiels keine Ladezeiten gibt und ihr euch somit fließend zwischen allen Bereichen und Biomen übergangslos bewegen könnt, ist ebenfalls eine gute Sache und verstärkt den Eindruck, dass die Entwickler viel Zeit und Mühe in den Switch-Port investiert haben.

Leider bleiben bei all der Mühe aber trotzdem einige Funktionen auf der Strecke, die dem Spiel sehr gut getan hätten. So nutzt der Titel nicht die Möglichkeit der Bewegungssteuerung, die gerade in einem 3D-Spiel in dem ihr euch in alle Richtungen bewegen könnt, Gold wert gewesen wäre. Außerdem bietet Subnautica: Below Zero keine Autosave-Funktion, sodass sämtlicher Spielfortschritt seit dem letzten manuellen Speichern bei einem Systemabsturz verloren geht. Ein Anachronismus, der heute getrost mit dem Versuch verglichen werden kann, ein Auto ohne Airbags auf den Markt zu bringen, weswegen es schön wäre, wenn Unknown Worlds an dieser Stelle noch einen entsprechenden Patch nachreichen würde. Für den technischen Gesamteindruck wäre es die sprichwörtliche Kirsche auf der Sahnetorte. 

Fazit:

Subnautica: Below Zero ist eine größtenteils gelungene Fortsetzung des ersten Teils, die Survival-Freunden mit einer übersichtlichen Anzahl Neuerungen einen weiteren Grund gibt, auf Tauchstation zu gehen, um die Tiefen außerirdischer Ozeane zu erforschen. Die Mischung aus im ersten Teil etablierten Settings und einer Heldin mit einer ganz eigenen Geschichte macht das Spiel auch für Quereinsteiger interessant, und mit seinem moderaten Schwierigkeitsgrad kann das Spiel auch jenen unter euch empfohlen werden, denen eine hübsche Basis oder das kurzweilige Schwimmen durch Korallenriffe mehr liegt, als der nackte Kampf ums Überleben.
Lediglich die schmerzlich vermisste Bewegungssteuerung und eine Routine, die das Spiel an regelmäßigen Punkten speichert, dürften gerne noch nachgepatcht werden und Freunde von grafischer Opulenz, sollten wie bei allen Ports abwägen, ob sie das Spiel lieber tragbar auf der Nintendo Switch oder im vollen Glanz auf einer der anderen Plattformen genießen wollen. Spaß macht es aber so oder so.

Von uns getestet: Nintendo-Switch-Version

Vielen Dank an Unknown Worlds Entertainment für die Bereitstellung des Testmusters.

Wertung:

8.0

Robert Emrich meint:

"Gelungene Umsetzung eines gelungenen zweiten Teils mit minimalen Schwächen. "
Spielerlebnis: Sehr gut
Umfang: Sehr gut
Technik: Gut

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3 Kommentare:


Jerry
vor 1 Monat | 0
Cool! Werde ich mir sicher auch noch holen, wenn auch eher nicht für die Switch.

GF0P
vor 1 Monat | 0
Wie sind denn die Ladezeiten auf der Switch. Selbst auf der OneX mit externer SSD sind die beim ersten Teil grausam! Selbst Witcher 3 lädt da schneller! Manuelles Speichern auf der One S dauert manchmal über 5 (!) Minuten.
Da frage ich mich wirklich ob das auf der Switch überhaupt realisierbar ist.

2null3
vor 1 Monat | 1
Laden dauert irgendwas zwischen 30 und 60 Sekunden, was okay geht, da es ja nur beim laden eines Spielstandes oder Start eines neuen Spiels passiert. Ein Spiel manuell speichern dauert 5 bis 10 Sekunden. Da hat sich im zweiten Teil offenbar einiges getan.