Test: New Pokémon Snap

Von Michael Prammer am 03. Mai 2021

21 Jahre nach dem Nintendo-64-Abenteuer Pokémon Snap dürfen Hobby-Fotografen erneut auf die Suche nach dem ultimativen Taschen-Monster-Schnappschuss gehen. Ob sich der Trip lohnt, verrät unser Test.

Pokémon Snap galt als Geheimtipp unter den Nintendo 64-Spielern, das niemand so richtig auf dem Radar hatte, dennoch erfreut sich der Titel auch heute noch großer Beliebtheit. Kein Wunder also, dass Nintendo sich, in Zusammenarbeit mit Bandai Namco, an eine Fortsetzung gewagt hat und diese auf der äußerst erfolgreichen Nintendo Switch-Konsole veröffentlicht. Dabei ist eigentlich gar nicht sicher, ob man hier von einer Fortsetzung oder einer Neuauflage sprechen sollte. Die Unterschiede zum Nintendo 64-Klassiker sind schon enorm, was sich bereits an der Anzahl der vorhandenen Monster niederschlägt. Waren es vor über 20 Jahren etwa knapp 60 Pokémon, die es vor die Linse zu bekommen galt, warten jetzt 200 der Taschenmonster darauf, abgelichtet zu werden. Von der Grafik und dem damals fehlenden Online-Modus mal ganz zu Schweigen.

Auf in die Lentil-Region

Wie es sich für ein Pokémon-Spiel gehört, wird das Abenteuer in eine kleine Geschichte verpackt, die zwar relativ gut erzählt wird und an manchen Stellen den einen oder anderen mysteriösen Moment versprüht. Jedoch hätte es das Spiel auch komplett ohne Story ganz gut auf die Kette bekommen. Ihr begebt euch in die Lentil-Region zu Professor Mirror und  seiner jungen Assistentin Rita, um dem Gespann bei den Forschungen über die Pokémon auszuhelfen. Dabei stoßt ihr aus Zufall auf eine uralte Legende, die ihr nun mit Hilfe der beiden Forscher näher erkunden sollt. Am besten helft ihr dem Professor und seiner pfiffigen Helferin mit einer eigens entwickelten Kamera, mit der ihr Bilder der unterschiedlichen Bewohner der Region macht und dadurch deren Verhaltensweise studiert.

Was sich zunächst etwas langweilig anhört, entpuppt sich als Heidenspaß. In einem speziell entwickelten Schienengefährt werden bestimmte Routen bereist, sodass sich der Spieler voll und ganz auf die Natur konzentrieren kann. Mit einem „Magazin“ von 72 Bildern in der Kamera gilt es während der Reise, die nicht länger als 10 bis 20 Minuten dauert, so viele Pokémon wie möglich zu fotografieren. Anschließen wird abgerechnet. Der Professor bewertet die Fotos nach unterschiedlichen Kategorien, wie Pose, Größe, Position, etc. und ihr bekommt für jedes Bild Punkte. Jedes Pokémon kann zudem in vier unterschiedlichen Posen abgelichtet werden, welche in einem Sammelalbum, dem Fotodex festgehalten werden. Die Vervollständigung dieses Albums ist eine der Kernaufgaben im Abenteuer und einer der größten Motivationsfaktoren im Spiel.

Dadurch ist es nämlich notwendig, wieder und wieder die gleichen Strecken abzufahren, um die bereits fotografierten Pokémon in anderen Situationen zu erleben. Diese lassen sich auch „künstlich“ heraufbeschwören, beispielsweise wenn ihr einen speziellen Apfel werft oder den Sensor eurer Kamera betätigt. Dann gilt es, die Monster im richtigen Moment zu „erwischen“, um das perfekte Bild zu knipsen. Durch die Punkte werden dann auch neue Level freigeschaltet, welche neue Verhaltensweisen der Monster mit sich bringen. Egal wie oft man eine Route bereist, man findet immer wieder irgendetwas Neues. Und das macht der Reiz an New Pokémon Snap aus. Dazu kommen die Erkundungen bei Nacht, welche nochmal eine ganz andere Sichtweise auf die Monster zulassen. Einige von ihnen schlafen hier natürlich, während andere wiederum ausschließlich zur dunklen Zeit aktiv sind.

Gemütlich Fotografieren und Editieren

Wer immer noch nicht genug Abwechslung hat, der nimmt seine bereits geschossenen Bilder und verschönert sie. In einem aufwendigen Fotoeditor, der mit wachsendem Spielfortschritt erweitert wird, lassen sich allerlei Effekte auf die Bilder legen. Diese reichen von Kontrast und Farbgebung zu Rahmen,bieten aber auch andere Verzierungen, welche das Bild zu einem individuellen Kunstwerk machen. Das Foto darf dann ins Internet gestellt werden und von anderen Spielern bewertet werden. Anhand von Apfelmedaillen seht ihr dann, wie gut das Bild bei anderen Usern ankommt. Der Online-Modus ist eine nette Spielerei, um die Spielzeit zu strecken, wer etwas Affinität für Bildbearbeitung mit sich bringt, kann hier Stunden verbringen.

New Pokémon Snap zählt zu den entspannteren Vertretern im Videospiel-Segment und lässt Hektik und Action gänzlich vermissen. Das ist auch so gewollt, Stress kommt höchstens auf, wenn ein bestimmtes Motiv unbedingt erreicht werden möchte. Aber selbst dann kann man sich in einem weiteren Durchlauf exakt darauf konzentrieren und in aller Ruhe das gewünschte Foto schießen. Wenn es beim Spielprinzip einen Kritikpunkt gäbe, dann wäre das höchstens die Geschichte mit dem „Rail-Shooter-Aspekt“. Wie bereits beschrieben läuft das ganze Abenteuer auf „Schienen“ ab, wodurch manchmal auch die Übersicht leiden kann. Allerdings sind diese Momente eher selten und in den meisten Fällen sind alle Monster gut vor die Linse zu bekommen. Wenn die Entwickler dem Spielgeschehen die Krone aufsetzen hätten wollen, dann hätte man sich von dem „Rail-Shooter-System“ komplett verabschiedet. Wie toll wäre eine frei erkundbare Welt gewesen, in der man die Pokémon aus der Ego-Perspektive aus jedem Winkel zu jeder Zeit fotografieren kann?

Technisch gesehen macht New Pokémon Snap vieles richtig. Die Taschenmonster sehen richtig gut aus, gerade bei Nacht und mit den vielen Leuchteffekten zeigt Nintendos Hybrid-Konsole, dass das Gerät durchaus etwas auf dem Kasten hat. Auch die Animationen und Bewegungen der Tierchen sind sehr gelungen, wirken flüssig und laufen sauber über den Bildschirm. Bei den Bodentexturen und an manchen Hintergründen wurde leider etwas gespart. Hier wäre etwas Feintuning wünschenswert gewesen, hässlich ist das Spiel deshalb allerdings beileibe nicht. Auch hat Nintendo an verschiedenen Möglichkeiten der Bedienung gedacht. So bleibt euch als Spieler die Wahl, ob ihr die Kamera mittels Controllstick ausrichten wollt oder ob ihr von der Bewegungssteuerung Gebrauch macht. Beides funktioniert tadellos und läuft ohne technische Schnitzer von der Hand.

Fazit:

Nicht jeder Nintendo-Fan dürfte vor 21 Jahren das erste Pokémon Snap gespielt und die Faszination dieses entspannten Abenteuers erlebt haben. Umso besser ist es daher, dass sich Nintendo zusammen mit Bandai Namco dafür entschieden hat, diesen tollen Titel neu aufzulegen. Im Kern bleibt das Spielprinzip gleich: Es gilt, immer und immer wieder die gleichen Gegenden abzugrasen, um möglichst viele Monster in unterschiedlichen Posen und Situationen abzulichten. Doch die sinnvollen Neuerungen, nebst der etwa 200 Pokémon, unterhalten für mindestens 30 Stunden -  wenn nicht noch länger. Und das bei einem Spiel, in dem es nicht ums Kämpfen oder Ballern geht. New Pokémon Snap lädt zum entspannten Abschalten ein und bietet Pokemon-Fans, aber auch anderen Spielern kurzweilige, familienfreundliche Unterhaltung.

Wertung:

8.5

Michael Prammer meint:

"New Pokémon Snap bietet entspannende, familienfreundliche Unterhaltung für alle Pokémon-Fans und die, die es noch werden wollen."
Spielerlebnis: Sehr gut
Umfang: Gut
Technik: Sehr gut

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7 Kommentare:


Vyse
vor 2 Monaten | 0
Das Fotoalbum mit den Bildern die man sammeln und dann noch verbessern kann hat es mir beim Überfliegen eines Gameplay-Videos auch ziemlich angetan. Ist vielleicht ein gutes Spiel für den Sommer, wenn es für anspruchsvollere Titel zu heiß ist.

Tobsen
vor 2 Monaten | 2
Ist nice, wenn ich als JRPGer das sage, aber New Snap wirkt auf mich wie total aus der Zeit gefallen. Erstens sind Rail Shooter gar nicht mehr mein Ding und keine Ahnung, in es überhaupt sonst noch welche gibt. Die Pokémon sind zwar cool animiert, aber ich finde sie weiterhin zu glatt. Wenn ich mir Pokémon im Jahre 2021 in 3D vorstelle, dann so wie in dem Detektiv-Film. Hier haben alle Pokémon "Fell", das aus sieht wie die Haut von Nektarinen. Es gibt über 200 Pokémon, das ist cool. Aber wie viele gibt es nicht? 600? Das ist schon nicht nichts, das würde ich auf jeden Fall kritisieren. Und es gibt wieder keine richtige Story. * weary *
Also ich glaube, dass es manchen Spaß macht, aber da spielt man halt hinter der Nostalgia-Brille sitzend imho.

Denios
vor 2 Monaten | 0
ich hab da schon Bock drauf, fand Teil 1 richtig nice.
aber ka, ob und wann ich Zeit dafür finde ...

Nintendofan
vor 2 Monaten | 3
Kommt ja im Allgemeinen ganz gut an das Spiel. Aber trotzdem hat man hier wohl Unmengen an Potential verschenkt. Ich hab Anfang des Jahres Bugsnax gespielt und Pokémon Snap hätte sich so einiges davon abschneiden können.

Asinned
vor 2 Monaten | 0
Guter Punkt! Bugsnax fand ich auch super habe das aber bisher nicht mit Pokemon Snap in Verbindung gebracht. Aber ja genau die Story und die freien (aber nicht zu großen Levels) sind genau das was das neue Pokemon Snap bereichern würde

Samus_Aran
vor 2 Monaten | 0
Mir gefällt das Spiel sehr gut, da es die beiden Kernprobleme des Originals adressiert: zu wenig Inhalt und mangelnde Abwechslung. Bin bisher sehr angetan und ich wäre nicht überrascht, wenn das Spiel mit dem richtigen Marketing zur nächsten Casual-Granate nach Animal Crossing wird.

Ozymandias
vor 2 Monaten | 0
Pokémon, komm snap sie dir. In allem was auch ich auch fotografier. Du gehörst zu mir und du in mein Atelier. Pokémon.