Test: Drawful 2

Von Robert Emrich am 30. April 2021

Künstler aller Länder vereinigt euch! Ab dem 6. Mai könnt ihr in Drawful 2 auch in deutscher Sprache zum Montagsmaler werden.

Zugegeben: Drawful 2 ist kein neues Spiel. Zuerst 2016 auf den Markt gebracht, fand der Titel zwei Jahren später seinen Weg auf die Nintendo Switch, wo er seither im Eshop zu finden ist. Jetzt gönnt Entwickler Jackbox Games, der schon für Spiele wie die “You don’t know Jack” Reihe verantwortlich war, dem Spiel aber plattformübergreifend ein Sprach-Update und damit eine deutsche Übersetzung für sämtliche Spielinhalte. Grund genug, sich den Titel für euch noch einmal anzusehen.

Malen, betiteln, raten, punkten

Das Spielprinzip des handlungsfreien Partyspiels ist schnell erklärt: Zu Beginn einer Runde erhält jeder Spieler einen mehr oder weniger obskuren Begriff wie zum Beispiel “Eichhörnchen-Schal”, “Baumdoktor” oder “Keller-Käse-Party”, der zugleich der Titel eures zukünftigen Werkes ist. Diesen müsst ihr in relativ kurzer Zeit mit extrem groben Zeichenwerkzeugen zeichnen, ohne dass eure Mitspieler ihn sehen können. Im Anschluss werden die Werke aller Spieler nacheinander präsentiert und jeder von euch muss den Bildern der Mitspieler möglichst passende und idealerweise auch humorvolle Titel geben. Zuletzt werden euch die Bilder wieder nacheinander präsentiert und ihr müsst zwischen den falschen Titeln eurer Mitspieler den richtigen Titel erraten. Ratet ihr richtig, gibt es für euch und für den Künstler Punkte. Ratet ihr falsch, bekommt nur der Autor des falschen Titels Punkte gutgeschrieben. Bonuspunkte könnt ihr außerdem frei für besonders unterhaltsame Titel verteilen. Das Verfassen stimmiger Titel mit denen ihr eure Mitspieler auf das sprichwörtliche Glatteis führen könnt, ist also mindestens so wichtig, wie etwaige Zeichenkünste.

Wer es mit dem Zeichnen nicht so hat und deswegen von derartigen Spielen lieber die Finger lässt, kann an dieser Stelle beruhigt aufatmen. Drawful 2 gelingt es mit seinen minimalistischen Zeichenwerkzeugen und der zusätzlichen Gewichtung auf das Kreieren kreativer Titel, allen Mitspielern nahezu gleiche Chancen auf den Sieg einzuräumen. Die Fähigkeiten, ein erkennbares Strichmännchen zu zeichnen und dem gerade aktuellen Bild einen kurzen Titel zu geben reichen vollkommen aus.

Auf diese Weise hat Jackbox Games ein kurzweiliges und gelungenes Partyspiel geschaffen, das problemlos für ein paar Stunden unterhalten  und mit seiner großen Auswahl möglicher Begriffe auch an mehr als einem Abend für Spaß sorgen kann. Zumal das Spiel euch in einem zusätzlichen Modus die Möglichkeit gibt, Runden mit selbst gewählten Begriffen zu spielen.

Jetzt bitte alle mal ganz gesellig auf’s Handy gucken

Technische Besonderheit der Jackbox Spiele ist, dass sie zwar auf der Plattform, auf der sie gestartet wurden laufen, da aber nicht direkt gespielt werden. Vielmehr muss sich jeder Spieler mit einem Handy (mit Touchscreen), einem Tablet-PC oder einem regulären PC kostenlos auf der Webseite jackbox.tv mit einer Raumnummer anmelden, die das Spiel euch vor dem Start der ersten Runde mitteilt. Von da an tätigt ihr alle Eingaben direkt im Browser auf eurem Handy, Tablet oder PC während die Switch die Rolle des Moderators übernimmt und euch Dinge wie das aktuell präsentierte Bild oder den Punktestand anzeigt. 

Damit ist Drawful 2 je nach Sichtweise entweder das Spiel mit den höchsten Anschaffungskosten, da jeder von euch wenigstens ein Handy benötigt oder das mit den niedrigsten Kosten, da heutzutage eh fast jeder eines oder mehrere der benannten Geräte besitzt und ihr keine zusätzlichen Controller benötigt. 

Die Technik im Schatten der Pandemie

Kenner der Jackbox Spiele werden es vermutlich bereits geahnt haben: Drawful 2 ist technisch so anspruchslos, dass es auch auf der Switch in absolut allen Belangen mit den Versionen der anderen Plattformen gleichziehen kann. Und doch gibt es unter Berücksichtigung der aktuellen Covid-19-Pandemie einen Aspekt, der verstärkt gegen den Erwerb der Switch-Version des Spiels spricht, auch wenn es 2016 beziehungsweise 2018 niemand ahnen konnte:
Drawful 2 ist ein Spiel für drei bis acht Spieler, die neben den Geschehnissen auf ihrem Handy auch der Moderation auf dem Gerät folgen müssen, auf dem das Spiel gestartet wurde. Was im Regelfall bedeutet, dass sich die Spieler im selben Raum aufhalten. Nun ist es heutzutage kaum noch ein Problem, den Inhalt eines PC-Bildschirms auf einer Streaming-Plattform für seine Freunde sichtbar zu machen und auch Konsolen wie die Playstation 4 oder XBox One können Dargestelltes mit einigen Abstrichen relativ problemlos ins Internet übertragen. Auf diese Weise könnt ihr Drawful 2 also auch unter Berücksichtigung der aktuellen Auflagen mit euren Freunden spielen. Nicht zuletzt, weil Jackbox Games das Spiel schon 2016 mit sinnvollen Optionen und Funktionen für Streamer ausgestattet hat.

Leider bildet die Switch hier aber eine traurige Ausnahme, da sie als einzige Plattform keine eigene Streaming-Funktionalität besitzt und es somit zwingend erforderlich macht, dass ihr euch mit euren Freunden persönlich trefft. Das bringt uns als Tester in eine einzigartige Situation, da Spiele in der Regel als eigenständige Werke, losgelöst von der realen Welt betrachtet werden. Drawful 2 ist ein gutes Spiel, das seinen ohnehin nicht allzu hohen Preis durchaus wert ist. Und doch wäre es fahrlässig, an dieser Stelle zum Kauf des Titels auf der Nintendo Switch zu raten, wenn ihr nicht zufällig über externe Streaming-Hardware verfügt oder in einem Haushalt mit vielen spielfreudigen Mitbewohnern lebt. 

Auf die Wertung des Spiels selber hat diese eingeschränkte Empfehlung aber keinen Einfluss. Man kann wohl schwerlich jemandem dafür einen Vorwurf machen, vor fünf Jahren keine Pandemie oder die technischen Möglichkeiten einer damals noch nicht veröffentlichten Konsole einzuplanen.

Fazit:

Drawful 2 ist ein amüsantes und kurzweiliges Partyspiel, das mit seinem einfachen Spielprinzip und der großen Zahl möglicher Begriffe immer wieder Spaß machen kann. Dank seiner durchdachten Spielmechanik haben auch Zeichen-Muffel immer eine faire Chance auf den Sieg und mit dem kommenden Sprach-Update wird das Spiel auch für Nicht-Anglisten interessant. Die für die Teilnahme zwingend erforderlichen zusätzlichen Geräte wie Handys oder Tablet-PCs stellen eine kleine Hürde dar, sollten in der heutigen Zeit aber in den meisten Haushalten in der einen oder anderen Form zu finden sein. Trotz all dem Lob muss ein weiteres mal erwähnt werden, dass die getestete Switch Version als einzige die Anwesenheit aller Spieler in einem Raum erfordert, sofern ihr nicht zufällig über Hardware verfügt mit der man Switch Spiele streamen kann. Dementsprechend solltet ihr euch solange die Covid-19-Pandemie nicht unter Kontrolle ist, gerne für das Spiel entscheiden, wenn möglich aber einer anderen Plattform als der Switch den Vorzug geben. 

Wertung:

7.5

Robert Emrich meint:

"Sehr gutes Partyspiel dessen Anforderungen in der Switch-Version mit den Gegebenheiten unseres aktuellen Alltags kollidieren."
Spielerlebnis: Gut
Umfang: Sehr gut
Technik: Gut

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2 Kommentare:


Tobsen
vor 3 Monaten | 0
Respekt, dass du so einen ausführlichen Test zu einem Montagsmaler-Spiel geschrieben hast!

2null3
vor 3 Monaten | 0
Vielen Dank.
Eigentlich war da gar nicht so viel berichtenswertes. Corona hat dem Text um 25% erweitert. ;-)