Test: Plants vs. Zombies: Schlacht um Neighborville

Von Robert Emrich am 27. März 2021

Pflanzen, Zombies und ihr Kampf ums Gehirrrrrrrrn finden ihren Weg auf die Switch.

Lange Zeit sah es im Bereich der (Multiplayer-) Shooter für Besitzer von Nintendo Konsolen trist aus. Zwar gab es mit Spielen wie Golden Eye, der Metroid Prime Trilogie und zuletzt den beiden Splatoon Spielen immer mal wieder Bemühungen, das Genre zu etablieren. Trotzdem ließen viele Drittentwickler, auch aufgrund der vergleichsweise schwachen Hardware, lieber die Finger von möglichen Portierungen ihrer Spiele. Erst die erfolgreichen Switch-Versionen von Spielen wie Skyrim, Witcher 3 und Doom (2016) brachten den Wandel. Sie machten den Entwicklern klar, dass Spieler auch grafische Einbußen in Kauf nehmen, solange sie ein Spiel dafür auf ihrer Wunschplattform spielen können und ebneten damit Spielen wie Overwatch, Crysis und Fortnite den Weg. Jetzt präsentieren uns Dice und EA mit Plants vs. Zombies: Schlacht um Neighborville nicht nur einen weiteren portierten Shooter, sondern das erste Spiel, das unter Nutzung der Frostbite Engine auf der Nintendo Switch läuft. Wie sich das Ganze spielt, haben wir für euch ausgiebig getestet. 

Kohlkopf, übernehmen sie!

Wer den Titel gelesen oder einen der vorherigen Teile gespielt hat, ahnt es vermutlich bereits: Zombies wandeln über die Erde und sind auf der Suche nach leckeren menschlichen Gehirnen. Die wollen allerdings lieber in ihren angestammten Schädeln bleiben, weswegen sich die Menschen in ihren Häusern verbarrikadiert haben und es der örtlichen Botanik überlassen, sich um die einfallenden Zombiemassen zu kümmern. Eine Aufgabe, der die Pflanzen mit brachialem Kampfgeist nachgehen. So findet ihr euch als frisch gewachsene Pflanze oder halbwegs frisch auferstandener Zombie nun in einem aberwitzigen Kampf wieder und müsst gemeinsam mit euren Mitspielern in die Schlacht ziehen, um das Schicksal der Menschen von Neighborville auf die eine oder andere Weise zu entscheiden.

Eine Geschichte vom Umkraut jäten und Gammelfleisch entsorgen

Plants vs. Zombies ist ein taktischer Multiplayer-Shooter, vergleichbar mit Titeln wie Overwatch oder Team Fortress 2. Als Mitglied eines der beiden Teams kämpft ihr je nach gespieltem Modus um die Vorherrschaft in einem Gebiet, möglichst viele Abschüsse oder ein anderes vergleichbares Ziel. Dabei spielt ihr eine der elf (Pflanzen) bzw. zwölf (Zombies) Charakterklassen, die jeweils Teil einer der vier Kategorien Angriff, Verteidigung, Unterstützung und Schwarm sind. Jede der insgesamt 23 Klassen ist einzigartig und erfordert einen eigenen Spielstil und kann euer Team mit individuellen Fähigkeiten unterstützen. Je nach Bedarf könnt ihr die Klasse natürlich immer wieder wechseln, wenn zum Beispiel mehr Schutzschilder als rohe Schusskraft gefragt sind, wobei die Leistung des aktuell gespielten Charakters diesem individuell Erfahrung einbringt. Die mit der Erfahrung freigeschalteten Level gewähren zusätzliche Klassenverbesserungen und Kristalle, die gegen kosmetische Items eingetauscht werden können. Wer sich jetzt sorgt, dass übermächtige Veteranen Neulingen jede Chance auf einen Sieg nehmen, kann aufatmen. Das Spiel versucht immer fair zu bleiben und limitiert die Zahl der gleichzeitig genutzten Klassenverbesserungen, während es auch Neulingen einen Grundpool an möglichen Verbesserungen zur Verfügung stellt. Auf diese Weise kann sich auch ein unerfahrener Spieler mit etwas Glück gegen erfahrene Gegner behaupten. 

Mit welchen Aktivitäten ihr euch die Erfahrung letztlich verdienen könnt, hängt davon ab, ob ihr offline gegen die K.I. oder online gegen echte Spieler kämpfen wollt. Eine entsprechende Abfrage wird euch beim Start des Spiels gestellt und kann natürlich jederzeit geändert werden. Dennoch bieten beide Optionen einige unterschiedliche Spielmöglichkeiten, die wir uns im folgenden einmal ansehen:

Der Offline-Modus bietet euch, wie der Name schon sagt, die Möglichkeit, das Spiel ohne eine Internetanbindung zu spielen. Und anders als andere Multiplayer-Shooter, die auch bei lokalen Spielen gegen den Computer eine Verbindung ins Internet aufbauen, nimmt Plants vs. Zombies die Bedeutung des Wortes “Offline” durchaus ernst und kann in dem Modus wirklich überall gespielt werden. Gleichzeitig speichert das System aber trotz allem sämtliche eurer erspielten Fortschritte lokal, sodass ihr alles, was ihr offline erspielt später auch bei Kämpfen im Internet nutzen könnt. Herzstück des Offline-Modus sind die K.I.-Multiplayer-Matches, die sich wie reguläre Online-Kämpfe anfühlen, aber keine Internetverbindung oder andere Mitspieler benötigen sowie die Storygebiete. Letztere bieten euch insgesamt vier Zonen (für jede Fraktion zwei) in denen ihr als Pflanze oder Zombie Abenteuer erleben, Items sammeln, Missionen erledigen und die Grundmechaniken des Spiels erlernen könnt. Als Motivation gibt es in jeder Zone eine Questreihe mit mehr oder weniger alberner Handlung, die im Prinzip immer gleich abläuft, trotz allem aber gut unterhalten kann. Die Zonen an sich sind weder besonders groß noch klein, bieten aber aufgrund der vielen sammelbaren Items und der dadurch freischaltbaren kosmetischen Gegenstände jeweils ca. fünf Stunden Unterhaltung. Genug für den einen oder anderen langweiligen Nachmittag. Die eingangs erwähnten K.I.-Multiplayer-Matches geben euch die Möglichkeit, für die Kämpfe mit anderen Menschen zu üben, nicht zuletzt weil ihr in ihnen nahezu alles anpassen und einstellen könnt.

Im Online-Modus geht es dann, kaum dass ihr euch vom zentralen Sammelpunkt in die Schlacht gestürzt habt, ans Eingemachte. Nach einer kurzen Ladezeit, in der das System versucht, euch in einem möglichst passenden Team zu platzieren, findet ihr euch mit einer klaren Missionsvorgabe auf einer Karte wieder und habt in der Regel noch eine kurze Vorbereitungszeit, ehe sich die Tore öffnen und das tatsächliche Spiel beginnt. In den darauffolgenden fünf bis 15 Minuten müsst ihr, je nach Spielmodus, unterschiedliche Aufgaben erfüllen, wie zum Beispiel einen bestimmten Punkt angreifen und halten, oder die einstürmenden Gegner an genau diesem Plan hindern. Parallelen zur ebenfalls von Dice entwickelten Battlefield-Reihe sind nicht zu übersehen. Das äußert sich auch im Matchmaking, das euch nicht immer eurer bevorzugten Fraktion zuteilt, sondern in erster Linie Teams so schnell wie möglich auffüllen will, damit niemand lange warten muss. So kann es dazu kommen, dass Zombiefreunde öfter mal eine Pflanze spielen müssen und umgekehrt. Dafür arbeitet das Matchmaking auch um einiges schneller als beispielsweise das Gegenstück in den Splatoon-Spielen, obwohl es sich um doppelt so viele Spieler pro Partie kümmern muss.

Unabhängig vom gewählten Spielmodus ist der Schwindelpark euer zentraler Knotenpunkt von dem aus ihr alle eure Aktivitäten starten könnt. Zusätzlich bietet euch der Platz die Möglichkeit, weitere kosmetische Items oder Erfahrung zu kaufen, euren Charakter anzupassen, einer Klasse alle zehn Level eine Beförderung zu verpassen oder schlicht ein wenig auf Zielscheiben zu schießen. 

Stell Dir vor es ist Krieg und keiner ist sauer

Dass Mehrspieler-Kampfspiele nicht immer die besten Seiten in einem Menschen wecken, dürfte jeder wissen, der einmal einen Battlefield Titel oder etwas vergleichbares länger als 15 Minuten gespielt hat. Verwunderlich ist das nicht. Das Setting der meisten Spiele lebt vom Krieg und durch die empfundene Wettkampfatmosphäre entsteht oft mehr Frustration als Belustigung über das eigene Ableben, was dann in unglücklichen Fällen zu verbalen Ausbrüchen führt.

Plants vs. Zombies vermeidet Vorfälle dieser Art auf zwei Weisen. Zum einen ist es, ähnlich wie in anderen Nintendo-Spielen, gar nicht möglich, Gefühlsausbrüchen in einem Chat Ausdruck zu verleihen, da das Spiel euch nur vorgefertigte Textnachrichten und Emotes zur Verfügung stellt, um euch mit euren Mitspielern abzusprechen. Und dann ist da noch der Umstand, dass die Kämpfer beider Parteien einfach zu witzig sind, um ernsthaft schlechte Laune aufkommen zu lassen. Wenn eine lachende “Lalala” singende Sonnenblume euch von hinten erschießt, oder ein 80er Jahre Actionheld-Zombie euch in die Luft sprengt, kann man bei all der jugendfrei dargestellten Gewalt gar nicht anders, als sich an den Kopf zu fassen, um es ein weiteres mal zu versuchen. Eben diese sehr gute Vermeidung jeglicher Frustration macht Plants vs. Zombies auch zu einem der zugänglichsten Titel in diesem Genre. Natürlich wird es statistisch gesehen immer irgendwo irgendwen geben, der sich auch in diesem Spiel über Niederlagen ärgern wird. Aber in der Switch-Version des Spiels kann die Person ihren Ärger zumindest nicht an euch, seinen Mitspielern, auslassen. 

Im Wandel der Zeiten

In den letzten Jahren schaffte EA es mehr als ein Mal, sich mit grundsätzlich anständigen Spielen schlechte Presse einzuhandeln. Zu oft und zu gerne wurden schon frühzeitig Inhalte als DLC gesondert vermarktet oder in Vollpreistiteln Pay to Win Systeme eingesetzt, um den Spielern zusätzliches Geld aus der Tasche zu ziehen. Ob die damit erwirtschafteten Milliarden den Wandel im Image wert waren, können heute wohl höchstens noch EAs Aktionäre beurteilen und doch scheint sich hinter den Kulissen des Publishers ein Wandel abzuziehen, den ihr auch in der vorliegenden Plants vs. Zombies Version spüren könnt. So wird das Spiel für die Switch ausschließlich als Complete Edition angeboten in der alle DLCs und sonstigen Inhalte bereits enthalten sind und für die auch keine weiteren Inhalte mehr veröffentlicht werden. Zusätzlich wurde jeglicher Echtgeld-Handel aus dem Spiel entfernt und alle kosmetischen Items und Charakteranpassungen sind auf der Switch ausschließlich mit im Spiel verdienter Währung erhältlich. Kurz: Die Complete Edition ist in diesem Fall wirklich komplett.
Ob sich dieser Wandel durchsetzt und andere EA Veröffentlichungen diesem Beispiel folgen werden, bleibt abzuwarten und aktuell eher ein Sieg der Hoffnung über die Vernunft. Im Interesse der Spieler wäre es aber allemal. 

Technik

Als die Switch 2017 auf den Markt gebracht wurde, war man sich in den zuständigen Pressestellen noch einig: Die von Dice entwickelte Frostbite Engine mit der zuerst Battlefield-Titel und mittlerweile alle von EA herausgebrachten 3D Spiele laufen, kann auf der Nintendo Switch nicht laufen. Dementsprechend ging man für Spiele wie die FIFA-Reihe über außergewöhnliche Längen und entwickelte eigens an die Konsole angepasste Grafik-Engines, um die Spiele dann doch noch in mehr oder weniger vorzeigbarer Qualität vermarkten zu können.

Heute, ein paar Jahre später, ist man endlich an dem Punkt angekommen, die hauseigene Engine auch auf der Switch laufen lassen zu können - ein bedeutender erster Schritt, der (mit etwas Glück) die Portierung von Titeln aus den Battlefield-, Sims- oder Star Wars-Spielereihen einläuten könnte, auf die Nintendofans bisher verzichten mussten. Umso erfreulicher ist es, dass dieser erste Versuch ausgesprochen anständig läuft. Plants vs. Zombies skaliert seine Auflösung basierend auf dem Geschehen und schafft in ruhigeren Bereichen im stationären Modus bis zu 900p bei stabilen 30 Bildern pro Sekunde, während im Handheld-Modus sogar die nativen 720 Pixel des Konsolenbildschirms erreicht werden können. Dabei liegt der Titel, wie bei solchen Spielen üblich, mit der Switch-Fassung optisch hinter den Versionen für andere Plattformen wie den PC oder die Playstation, spielt sich aber trotz allem sehr ordentlich. Lediglich der auf allen anderen Konsolen Verfügbare Splitscreen hat es (vermutlich leistungsbedingt) nicht in die Switchversion des Spiels geschafft. Ein Feature, das dem Titel besonders auf dem kleinen Bildschirm der Konsole eh keinen Gefallen getan hätte. 

Auch in allen anderen technischen Bereichen schlägt sich der Titel tapfer und bietet euch durchschnittliche Ladezeiten, eine zuschaltbare Bewegungssteuerung sowie den üblichen Soundtrack der Spielreihe. Die Sprachausgabe der Charaktere im Spiel ist in jeder Sprache bewusst unverständliches Gemurmel vergleichbar mit den Gesprächen in The Legend of Zelda - Spielen, dafür bietet das Spiel aber sauber übersetzte Untertitel.

Online stellt das System auch über das WLAN ein stabile und schnelle Anbindung an die Spielserver zur Verfügung, die während der Tests kein einziges mal Probleme bereitete. Doch auch beim Netzwerk gab es einige kleine Abstriche, die nicht unerwähnt bleiben sollen. Die Spielerzahl pro Team wurde von zwölf auf acht Spieler reduziert. Vermutlich ebenfalls bedingt durch die Hardware der Konsole. Außerdem wurde auf ein mögliches Crossplay mit anderen Plattformen gänzlich verzichtet wodurch auch kein Charakter-Progress aus anderen Versionen des Spiels importiert werden kann. Das ist schade, bringt aber auch einige Vorteile mit sich, da sich nun alle Spieler unter den gleichen technischen Voraussetzungen begegnen und ihr euch nicht gegen einen Spieler mit besserer oder schnellerer Darstellung behaupten müsst. Auch die reduzierte Spielerzahl brachte dem Titel während der Tests keinen spürbaren Nachteil und fühlte sich immer noch sehr belebt und wuselig an. 

Fazit: 

Plants vs. Zombies: Schlacht um Neighborville ist ein rundum sauberer Port eines wirklich amüsanten Multiplayer-Shooters. Die schnellen, packenden und doch stets humorvollen Matches und der technisch reibungslose Ablauf, sowohl beim Matchmaking als auch bei den Kämpfen, überzeugen und machen den Titel zu einer ernsthaften Alternative für alle, denen Spiele wie Overwatch Freude bereiten. Auch die im Singleplayer spielbaren Storymissionen gefallen sehr gut und bieten für sich schon mehr Inhalt, als manch anderer vergleichbarer Titel. Die durch die Hardware der Switch bedingten Einschränkungen bei der Grafik und den Spielerzahlen, sowie das fehlende Crossplay sind natürlich ein wenig schade. Dennoch kann der Titel allen Freunden der Reihe und des Genres empfohlen werden und es bleibt zu hoffen, dass zukünftige Releases des Publishers der vorbildlichen Philosophie dieses Titels folgen werden.

Vielen Dank an EA für die Bereitstellung des Testmusters.

Wertung:

8.0

Robert Emrich meint:

"Sieht gut aus und spielt sich noch besser. Ein Titel, der auf der Switch in jede gute Multiplayer-Shooter Sammlung gehört. Alle (grünen) Daumen hoch."
Spielerlebnis: Sehr gut
Umfang: Sehr gut
Technik: Gut

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2 Kommentare:


GF0P
vor 2 Monaten | 0
Sehr schön, jetzt bitte Fallen Order auf die Switch wuppen! Aber verstehe ich es mit der reduzierten Spielerzahl im Onlinemodus richtig, dass damit Crossplay nicht funktioniert? Switch-Spieler bleiben unter sich?

2null3
vor 2 Monaten | 0
Korrekt. Switch-Spieler bleiben jetzt und in Zukunft bei PvZ unter sich. Vermutlich u.A. auch weil auf allen anderen Plattformen 24 Spieler gegeneinander kämpfen und bei der Switch halt 16.
Hat seine Vor- und Nachteile, aber so oder so sind die Server gerade voll.
Fallen Order wäre aber tatsächlich ein Traum.