Test: Crash Bandicoot 4: It's About Time (Switch)

Von Robert Emrich am 18. März 2021

Der rote Beuteldachs wirbelt nun auch auf der Switch durch die Dimensionen.

Anmerkung: Wir haben die PS4-Version des Titels bereits im vergangenen November mit einem exklusiven Testvideo genauer betrachtet, das ihr hier finden könnt.

Was lange währt...

Die Crash-Bandicoot-Reihe hat in den vergangenen Jahrzehnten so einiges mitmachen müssen. In den 90ern veröffentlicht, waren die ersten drei Teile sowie der Fun-Racer-Ableger Crash Team Racing durchweg erfolgreich und verhalfen dem bis dahin eher unbekannten Studio Naugthy Dog zum großen Durchbruch in der Branche. 

Doch mit dem Beginn des neuen Jahrtausends ging die Lizenz für die Reihe durch allerlei Hände, die die Charaktere in einer beeindruckenden Anzahl höchst mittelmäßiger Titel verwursteten. Erst beinahe 17 Jahre später nahm sich der Publisher Activision der Sache an und ließ von den beiden Tochterstudios Vicarious Visions und Toys for Bob als erstes das Remaster Crash Bandicoot N.Sane Trilogy (zum NplusX-Test) der ersten drei Teile produzieren. Letztgenannte durften sich im Anschluss an einem offiziellen vierten Teil versuchen und so kam Crash Bandicoot 4: It's About Time im Oktober 2020 für die PlayStation 4 und die Xbox One auf den Markt.

Fünf Monate später ist der Titel jetzt endlich auch für die Switch verfügbar und wir haben uns für euch einmal genau angesehen, wie sich der Beuteldachs auf Nintendos Handheld schlägt. 

Guess who’s back

Erinnern wir uns: Am Ende des dritten Teils wurden der böse Dr. Neo Cortex und seine Schergen zu Kleinkindern verjüngt und in eine andere Dimension verbannt, während der Erzähler uns (unwissend wahrheitsgemäß) vorhersagte, dass wir sie für eine lange Zeit nicht wiedersehen würden. Jetzt, mehr als 20 Jahre später, sind die immer noch in der Schattendimension gefangenen Schurken wieder erwachsen und schaffen es nach unzähligen Fehlversuchen endlich, die Wand zwischen den Dimensionen einzureißen, um mit neuen bösen Plänen in ihre Heimat zurückzukehren. Dass Löcher in Dimensionen gepaart mit machthungrigen Wissenschaftlern selten Gutes bedeuten, ist selbstredend und so machen sich Crash und Coco ein weiteres mal auf den Weg, um ihren bösen Schöpfer aufzuhalten.

Die Story ist in weiten Teilen Platformer-Durchschnitt, der gut unterhält und zum Spielen motiviert, ohne besonderen Tiefgang zu entwickeln. Auch der Humor ist, wie in der Serie üblich, oftmals albern und hin und wieder sogar ein wenig infantil. Und doch muss man vor einigen Handlungselementen, wie zum Beispiel den auch in Echtzeit gealterten Schurken, den Hut ziehen. Hier waren offenkundig Fans der ersten Teile am Werk, die - durchaus erfolgreich - einen würdigen Nachfolger schaffen wollten.

Jump around

Spielerisch orientiert sich der neue Titel in weiten Teilen an den Maßstäben der Vorgänger. Ihr bewegt euch durch vorgegebene Parcours, die ihr wahlweise mit Crash oder seiner Schwester Coco absolvieren könnt, wobei sich beide Charaktere identisch spielen. In den Leveln, die immer wieder zwischen der 2,5D- und 3D-Perspektive wechseln, zerstört ihr auf eurem Weg zum Ziel Kisten, besiegt Gegner und sammelt nebenbei Obst ein. Damit das gelingt, sind die gewohnten Sprünge, Doppelsprünge, Drehattacken und Rutschangriffe sowie unterschiedliche Kombinationen aus den genannten Fertigkeiten auch allesamt wieder mit dabei und werden sogar durch einige Neuerungen ergänzt. Da wären zuerst einmal die vier Masken, die Crash und Coco in fest definierten Levelabschnitten unterschiedliche Fähigkeiten, wie zum Beispiel die Verlangsamung der Zeit, verleihen und damit das Gameplay um ein paar neue Herausforderungen erweitern. Dann sind da noch die Charaktere Tawna, Dingodile und Cortex. Diese besitzen komplett eigene Fertigkeiten und können in zusätzlichen Leveln gesteuert werden, um die Erlebnisse der Crash-Geschwister einmal aus einem cleveren anderen Blickwinkel sehen zu können.

Ihr wollt ein Beispiel? In einem sehr frühen Level bekommt Crash nur deswegen einen Vorsprung vor einem ihn verfolgenden Truck, weil dieser offenbar sabotiert worden ist. Erst eine Weile später, wenn ihr die Zone mit Tawna noch einmal auf einem anderen Weg durchquert, zeigt sich, dass ihr mit Tawna an dem Truck herumgespielt habt.

Zuletzt hat Toys for Bob dem Spiel neben dem klassischen Modus, bei dem man einen Level nach drei verlorenen Leben von vorne starten muss, noch einen “Modern Modus” spendiert, mit dem ihr das Spiel nach einem Ableben immer am letzten erreichten Checkpoint fortsetzen könnt. Der neue Modus nimmt dem ohnehin knackigen Schwierigkeitsgrad des Spiels ein wenig den Wind aus den Segeln und macht den Titel einer breiteren Masse zugänglich. Wirklich leicht wird das Spiel aber auch in diesem Modus nicht, zumal bestimmte Erfolge es auch weiterhin erfordern, dass ihr ein Level mit maximal drei Leben abschließt. Zwischen den Leveln könnt ihr euch auf der von euch bereits aufgedeckten Karte frei bewegen und bereits geschaffte Level immer wieder versuchen, um weitere Erfolge des jeweiligen Levels zu sammeln, die euch in Form von Kristallen angezeigt werden. Alle Kristalle eines Levels zusammen schalten einen zusätzlichen neuen Skin für Crash und Coco frei und wer wirklich alle Kristalle in allen Leveln gesammelt hat, wird wie schon in den vorherigen Teilen mit einem besonderen Ende belohnt. Diese letzte Aufgabe sollte aber nur mit einer großen Portion Frustresistenz angegangen werden, denn das nicht gerade einfache Spiel wird euch in diesem Fall einiges abverlangen.

Großer Spaß Allerorten

Wer nicht von an Masochismus grenzenden Perfektionismus getrieben ist und bei Crash Bandicoot auf einen unterhaltsamen Platformer hofft, der gleichermaßen bunt und fordernd ist, wird mit dem aktuellen Titel viel Spaß haben. Die Präsentation der abwechslungsreich und liebevoll gestalteten Level ist durchweg gelungen und weckt immer wieder die Neugier darauf, was sich die Entwickler wohl als nächstes ausgedacht haben. Die Eingewöhnung an die Steuerung eures Charakters, oft ein Problem in 3D-Platformern, erfordert zwar ein paar Minuten, sollte aber nach den ersten Leveln keine Schwierigkeiten mehr bereiten. Zu Hilfe kommt euch hier auch ein gut sichtbarer gelber Kreis, der während des Sprungs die Landeposition eures Charakters anzeigt.

Schwierige Passagen erfordern den einen oder anderen Neustart, belohnen euch mit dem Erreichen einer der geschickt platzierten Checkpoints aber auch immer mit dem guten Gefühl, etwas geschafft zu haben. Darüber hinaus wird das Spiel nie unfair und selbst anfangs unüberwindlich wirkende Endgegner werden mit etwas Übung zu einer Routineaufgabe. So spielt ihr euch in etwa 15 Stunden durch die eigentliche Handlung. Alles freizuschalten vervielfacht die Spieldauer aber, wie man es auch von anderen Platformern dieser Art kennt. Es gibt also mehr als genug zu tun. 

Auch akustisch lässt das Spiel keine Wünsche offen und gönnt euch neben der Synchronisation aller Dialoge einen hübschen kleinen Soundtrack, der zwar keine besonderen Höhepunkte besitzt, das Geschehen aber immer passend untermalt. 

Tolle Technik mit den üblichen Abstrichen

Wer dem Review Video von Ramy bis hierhin den Vorzug gegeben hat und eigentlich nur wissen möchte, wie sich das Spiel auf der Nintendo Switch spielt, soll hier eine schnelle Antwort erhalten: Crash Bandicoot 4 spielt sich toll auf der Switch.

Dass das Spiel auf Nintendos Handheld genauso viel Spaß wie auf einer PlayStation 5 machen kann, liegt an der großartigen Arbeit von Toys for Bob, die die Switch Version auf eine Weise angepasst haben, wie man es sonst oft nur von den Panic-Button-Portierungen kennt:

Mit vereinfachten Modellen, vereinfachten Schatten, reduzierten Wasserreflektionen und ebenfalls reduzierten Beleuchtungseffekten, läuft das Spiel auf der Switch im Docked Modus mit stabilen 30 Frames pro Sekunde in einer durchschnittlichen 720p-Auflösung. Das klingt erst einmal nicht sonderlich gut, funktioniert dafür aber umso besser und sieht im laufenden Betrieb deutlich schärfer aus, als es die bloßen Zahlen hier vermuten lassen. Tatsächlich wirkt die Version gegenüber den Portierungen der technisch überlegenen Konkurrenz nur auf Standbildern und in Zwischensequenzen unterlegen. Im laufenden Betrieb, wenn ihr konstant um euer Leben rennt und springt, fällt der Unterschied nur Spielern auf, die auf die bestmögliche Grafik wert legen und sich das Spiel in diesem Fall so oder so am besten für den PC, die Playstation 5 oder die Xbox Series X holen sollten.

Bei der Steuerung und den Ladezeiten gibt es ebenfalls nichts zu beanstanden. Joy-Con und Pro-Controller arbeiten reaktionsschnell und punktgenau und die Level werden in etwa 20 Sekunden angenehm schnell geladen. 

Fazit:

Man kann es schwerlich anders sagen: Crash Bandicoot 4: It's About Time ist eine rundum gelungene Erweiterung der Reihe und der erste würdige Nachfolger der originalen Trilogie von Naughty Dog nach einer 20 Jahre andauernden Durststrecke. Die Qualität des Switch-Ports steht dem Spiel selbst in nichts nach und liefert einen perfekten Kompromiss zwischen den Fähigkeiten der Switch und der liebevoll gestalteten Welt, die wir mit den Crash-Geschwistern (un)sicher machen können.

Der gehobene Schwierigkeitsgrad und die zum Teil gnadenlosen Anforderungen, die das Spiel an jene stellt, die alles sammeln wollen, können zwar auf einige Spieler abschreckend wirken. Wer aber Spaß an einer guten und fairen Herausforderung hat und den neuen Teil der Bandicoot Saga gerne auch unterwegs spielen möchte, kann hier und jetzt bedenkenlos zugreifen.

Vielen Dank an Activision für die Bereitstellung des Testmusters.

Wertung:

8.5

Robert Emrich meint:

"Ausgezeichneter Port, der euch durchgehend fordert, dafür aber auch immer Spaß macht. "
Spielerlebnis: Sehr gut
Umfang: Sehr gut
Technik: Sehr gut

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