Test: SNK vs. Capcom: The Match of the Millennium

Von Andreas Held am 26. Februar 2021

SNK portet derzeit einige seiner Spiele für den Neo Geo Pocket Color auf Nintendo Switch - wir haben uns eines davon angesehen.

Der Neo Geo Pocket Color erschien im Jahre 1999 als direkte Konkurrenz zum Game Boy Color, konnte jedoch zumindest im westlichen Markt überhaupt keinen Fuß fassen. Insgesamt sind in den USA lediglich 30 Spiele für den Handheld auf den Markt gekommen. Einen Teil dieses Angebots hat SNK in den letzten Monaten auf die Nintendo Switch gebracht, sodass Liebhaber von Obskuritäten nun für relativ kleines Geld ein paar Deep Cuts aus der Spielebibliothek des traditionsreichen Spieleentwicklers erleben dürfen. Einer dieser Titel ist SNK vs. Capcom: The Match of the Millennium, das ebenfalls 1999 erschienen ist und bis auf das Genre und die meisten spielbaren Figuren nichts mit Capcom vs. SNK: Millennium Fight 2000 zu tun hat, das ein Jahr später für die Sega Dreamcast erschien.

Solides Kampfspiel mit solidem Drumherum

The Match of the Millennium lässt euch die Wahl aus über 20 verschiedenen Figuren aus Prügelspiel-Serien wie The King of Fighters, Street Fighter, Samurai Shodown und Darkstalkers. Diese könnt ihr entweder in Einzelkämpfen, in Tag-Team-Matches oder in Dreierteams gegeneinander antreten lassen. Außerdem erlaubt euch SNK noch die Wahl eines Spielstils: Neben dem Standard-Modus stehen zwei weitere Kampfstile zur Verfügung, die auf Gegenangriffe bzw. auf schnelle Combos ausgelegt sind. Sämtliche der genannten Spielmodi können entweder im Story-Modus gegen die KI oder in Multiplayer-Splitscreen-Matches eingesetzt werden. Auch das Kampfsystem selbst ist so komplex, dass es seinen damaligen Vorbildern auf Heimkonsolen und in Spielhallen kaum hinterher hinkt: Mit schwachen und starken Angriffen, Blocks, Würfen, Spezialattacken und aufladbaren Super-Moves bis hin zum "Level 2 Super Impact Blast" hat der Handheld-Prügler fast alle Features zu bieten, die man vor zwanzig Jahren von einem State-of-the-Art-Kampfspiel erwartet hätte. Dass das alles halbwegs vernünftig auf einem Handheld mit einem Analogstick und zwei Knöpfen zum Laufen gebracht wurde, ist durchaus eine beachtliche Leistung der Entwickler.

Als ob das noch nicht genug wäre, hat SNK hinter dem Menüpunkt "SC Olympics" noch ein umfangreiches Extra versteckt. Neben den üblichen Time-Attack- und Survival-Modi sowie einem speziellen Spielmodus, in dem alle Kämpfe nach dem ersten gelandeten Treffer enden, findet ihr hier auch noch vier Minispiele, die in Nicht-Kampfspiel-Serien der beiden beteiligten Studios angesiedelt sind. In diesen dürft ihr unter anderem im Metal-Slug-Universum auf Aliens schießen oder mit Sir Arthur aus Ghosts'n'Goblins auf Schatzsuche gehen. Selbst ein rudimentäres Musikspiel, das Felicia aus Darkstalkers in den Mittelpunkt stellt, haben die Entwickler mit auf die Cartridge gepackt. Als Belohnung für gute Leistungen erhaltet ihr (symbolische) Medaillen und Versus-Punkte, mit denen ihr für jeden der spielbaren Kämpfer einen weiteren Special Move freikaufen könnt. Wenn ihr SNK vs. Capcom: The Match of the Millennium also aus irgendeinem Grund zu 100% beenden wollt, werdet ihr damit eine ganze Zeit lang beschäftigt sein.

Nicht schlecht für einen Handheld aus den 90ern

Audiovisuell macht SNK vs. Capcom: The Match of the Millennium eine gute Figur - zumindest im direkten Vergleich zu anderen Handheld-Spielen aus den Neunzigern. Die Hintergrunde und alle größeren Sprites sind gut gelungen und haben auch heute noch einen gewissen Charme. Spürbar unter den damaligen Hardware-Beschränkungen gelitten haben lediglich die Charakter-Sprites, die mit drei Farben pro Kämpfer auskommen müssen, was sich auf einige Figuren absolut nicht schmeichelhaft auswirkt. Die dudeligen Chiptune-Versionen bekannter Hintergrundmelodien laden hingegen wieder zum ganz unironischen Schmunzeln ein.

Bei der Portierung auf Nintendo Switch hat SNK nicht viel mehr als das zwingend Notwendige getan. Um die Fläche auszufüllen, die nicht von dem fast quadratischen Bildschirm des Handhelds bedeckt wird, wird gleich ein kompletter Neo Geo Pocket Color eingeblendet, den ihr bei Bedarf verschieben und heranzoomen könnt. Neben einem Scan der originalen Spielanleitung findet ihr im Emulator-Menü schließlich noch eine Rewind-Funktion, die euch allerdings nur wenige Sekunden weit zurückspulen lässt und in einem Kampfspiel ohnehin nur begrenzt viel Sinn macht. Offenbar existiert diese Funktion nur deshalb, weil professionelle Spieletester bei ihrem Nichtvorhandensein Wertungspunkte abziehen würden. Wir haben uns stattdessen den Input Lag ganz genau angesehen und festgestellt, dass dieser zwar vorhanden, aber insgesamt hinnehmbar ist. Innerhalb der Kämpfe gibt es eine deutlich stärkere Verzögerung bei der Erkennung von Eingaben, was aber vermutlich am Spiel selbst und nicht am Emulator liegt.

Fazit:

SNK vs. Capcom: The Match of the Millennium war für damalige Verhältnisse ein wirklich guter Handheld-Titel - so viel kann man dem Spiel auf jeden Fall gutschreiben. Aber auch wenn ich generell eher allergisch auf Aussagen wie "dieses Spiel war vor zwanzig Jahren gut, aber heute nicht mehr" reagiere, muss man sich bei dieser Portierung wirklich fragen, wer sich im Jahr 2021 noch wirklich ernsthaft damit auseinandersetzen soll. The Match of the Millennium war ja schon damals eigentlich nur eine Notlösung, um ein 2D-Kampfspiel auch unterwegs spielen zu können, und ist absolut nicht mit Genregrößen wie dem sogar noch zwei Jahre älteren Street Fighter III: New Generation vergleichbar, die auch heute noch von einer Turnierszene gespielt werden. Mittlerweile braucht man diese Notlösung nicht mehr, da selbst Serien wie Blazblue oder Guilty Gear ohne nennenswerte Abstriche auf Nintendos Handheld lauffähig sind. 

1999 hätte ich jedem, der unbedingt ein tragbares Prügelspiel sucht, eine klare Kaufempfehlung für SNK vs. Capcom: The Match of the Millennium ausgesprochen. Wenn ihr aus irgendeinem Grund richtig Bock auf ein Kampfspiel auf Game-Boy-Color-Niveau habt, dann empfehle ich euch den Titel gerne auch heute noch.

Wertung:

7.0

Andreas Held meint:

"Skurrile Nischen-Portierung für eine winzige Zielgruppe."
Spielerlebnis: Gut
Umfang: Sehr gut
Technik: Durchschnittlich

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