Test: Das Schwarze Auge: Satinavs Ketten

Von Michael Prammer am 29. Januar 2021

Die Zwölfe zum Gruße und willkommen in der Welt von Aventurien! Eigentlich im Rollenspiel-Genre angesiedelt, entführt uns Satinavs Ketten in die Sparte der Point-and-Click-Adventures und will zeigen, ob Das schwarze Auge auch hier begeistern kann.

Das Abenteuer hat bereits einige Jahre auf dem Buckel und stammt aus dem Jahre 2012, als es für PC veröffentlicht wurde. Jetzt kehrt das große Rollenspieluniversum um Das Schwarze Auge mit zwei Abenteuern, Satinavs Ketten und Memoria (zum NplusX-Test) aus dem Hause Daedalic Entertainment auf Nintendo Switch zurück. Chronologisch bauen beide Spiele aufeinander auf, weshalb wir mit Satinavs Ketten beginnen und gleich vorneweg die Handlung des Spiels loben müssen. Diese ist nämlich alles andere als Beiwerk, sondern stellt das ganz große Highlight des Spiels dar. Ihr schlüpft in die Rolle des Bauernjungen Geron, dem das Glück nicht wohlgesonnen scheint. Seit ein Seher ihm den Scheiterhaufen voraussagte, lebt der Unglücksrabe zurückgezogen als Einzelgänger im kleinen Dörfchen Andergast. Nach dem Tod seiner Eltern wächst er bei Ziehvater Gwinnling auf und verbringt seine Zeit als Vogelfänger. Nach einem gemütlichen Spielbeginn und den ersten Gehversuchen innerhalb der Story begegnen wir der Elfin Nuri, die das Leben des Geron mächtig durcheinander bringt und das Abenteuer so richtig in die Wege leitet.

Ein Unglück kommt selten allein

Wie bereits erwähnt, gehört die Erzählung zu den ganz großen Stärken des Spiel, was vor allem an der Art und Weise des Stils liegt. Zum einen liefert das Spiel ein vernünftiges Tempo der Geschichte, die einen nicht zu lahmen Einstieg bietet und uns sehr schnell zu fesseln weiß. Dann ist es die Abwechslung, die zwischen Dramatik, Spannung und immer wieder einer gut platzierten Brise Komik den genau richtigen Mittelweg findet. So ausweglos die Situation auch sein mag, Geron oder Nuri bringen durch ihre Dialoge immer wieder kleinere Lockerungen mit in die Erzählweise. So sind die knapp zehn Stunden, die für die Story benötigt werden, durchweg unterhaltsam.

Satinavs Ketten ist ein Point-and-Click-Adventure. Protagonist Geron wandert dabei von Bildschirm zu Bildschirm, untersucht die Gegend, sammelt alle wichtigen Gegenstände ein und unterhält sich mit anderen Personen. Dabei kommen immer wieder kleinere Rätsel zum Einsatz, die das Spielgeschehen auflockern. Unterschiedliche Gegenstände müssen beispielsweise kombiniert werden, um zu einem neuen Werkzeug geformt zu werden, das dann notwendig ist, um den Spielfortschritt voran zu treiben. Aber auch einige Dialogoptionen müssen sorgfältig abgewogen werden, um Erfolg zu haben. So oder so sind die Rätsel in den meisten Fällen logisch, nachvollziehbar und auch ohne Kenntnisse des Regelwerks von Das Schwarze Auge zu bewerkstelligen. Hier und da, vor allem im späteren Spielverlauf, muss man sogar richtig knobeln und wird vor die eine oder andere Herausforderung gestellt. Jedoch ist alles machbar, nie unfair, stets motivierend und fügt sich in die gute Geschichte ein.

Bei all den Lobeshymnen, die bislang auf das Spiel gesungen wurden, müsste nur noch die Technik passen, dann hätten wir ein fantastisches Abenteuer. Und an der Grafik selbst lässt sich kaum meckern, im Gegenteil. Die Zeichnungen sind teilweise richtig gut gelungen, die Hintergründe und das Charakterdesign wirken stimmig und wenn man bedenkt, dass der Titel neun Jahre alt ist, liefert das Spiel ein ordentliches Gesamtbild. Auch die Vertonung und die Musik passen wunderbar - wo bleibt das große Aber?

Hier kommt es: Die Technik wurde komplett verhunzt. Das beginnt mit Einblendungen des Optionsmenüs innerhalb des Spiels, was zur Folge hat, dass auf dem Bildschirm die ganze Zeit über das Wort „Lautstärke“ zu sehen ist. Das lässt sich durch einen Neustart zwar beheben, taucht jedoch beizeiten wieder auf. Dann wären da hin und wieder merkwürdige Ruckler und teils komische Animationen der Charaktere. Das führt dann zu misslungener Lippensynchronisation oder Situationskomik einiger NPCs, die gegen eine Wand laufen und sich erst befreien, wenn man das Gebiet erneut betritt. Glücklicherweise wirkten sich keine dieser Fehler auf den Spielfortschritt aus, sodass die Bugs lediglich kleine Randnotizen darstellen und keineswegs den Spielfluss gänzlich stören.

Fazit:

Das Schwarze Auge: Satinavs Ketten zeigt, dass die Welt von Aventurien auch sehr gut im Genre der Point and Click Adventure funktioniert. Die Story ist unterhaltsam, stimmig und mit über zehn Stunden von ordentlicher Länge. Die Rätsel, die geboten werden, sind logisch, motivieren und fügen sich gut in das Gesamtpaket ein, sodass wir im Grunde ein ordentliches Spiel bekommen. Dazu kommt, dass Satinavs Ketten nett ausschaut, hübsch gezeichnete Grafiken vorweisen kann und eine tolle musikalische Untermalung nebst gelungener Sprecher bietet. Leider hat man bei der Technik ordentlich versagt und das Spiel wirkt irgendwie nicht ganz fertig. Das ist bedauerlich, da durch solche Versäumnisse das Gesamtergebnis gehörig in den Keller gezogen wird.

Wertung:

6.0

Michael Prammer meint:

"Gelungenes Adventure, dem die Technik stark zusetzt und das Gesamtbild dadurch stark verwässert wird."
Spielerlebnis: Gut
Umfang: Gut
Technik: Mangelhaft

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