Test: Cyberpunk 2077

Von Michael Prammer am 22. Dezember 2020

Cyberpunk 2077 hätte das Videospiel des Jahres sein können, es kam jedoch anders. Warum das RPG trotz allem ein überragendes Videospiel ist, verrät unser Test.

Wir schreiben das Jahr 2019. Auf einer Showbühne in Los Angeles strahlt Schauspiel-Legende Keanu Reeves im Rahmen eines bekannten Videospielevents in ein begeistertes Publikum. Er ist das Aushängeschild eines der am meisten erwarteten Games dieser Generation. Nach bis dato knapp sechs Jahren Entwicklungszeit, Unsummen an Entwicklungskosten und der „Hypothek“, das Nachfolgeprojekt des überragenden The Witcher 3: Wild Hunt zu sein, verspricht CD Project Red, im darauffolgenden Frühling Cyberpunk 2077 zu veröffentlichen. Der Hype ist real, die Welt noch in Ordnung. Was kann da schon schiefgehen?

Das Launch-Desaster

Jetzt, im Dezember 2020 wissen wir: Es ging beinahe alles schief. Das Spiel wurde mehrere Male verschoben, die Entwickler mussten unzählige Überstunden machen, um den Terminplan einzuhalten und das Endprodukt ist technisch dennoch die reinste Farce. Liest man sich momentan einschlägige Fachmagazine durch, wird man meist mit einem Thema konfrontiert: Cyberpunk 2077. Überwiegend thematisiert werden jedoch keineswegs die Verkaufszahlen, die Rekord um Rekord brechen. Es sind auch nicht die überschwänglichen Lobeshymnen sämtlicher Magazine, die mit Traumwertungen um sich werfen. Nein, es herrscht Tristesse und Missmut, kaum ein positives Wort ist derzeit über das großes Projekt des polnischen Entwicklers zu lesen. Spielabstürze, Glitches, Grafikfehler und zuletzt sogar Speicherbugs, die den Spielstand komplett zerstören, stehen auf der Tagesordnung. Das geht so weit, dass der Titel aus dem PlayStation-Store entfernt wurde.

Was heißt das alles für unseren Test? Die gute Nachricht ist, dass das Spiel während unseres Reviews nahezu fehlerfrei geblieben ist. Wir haben den Titel auf einer Xbox Series S gespielt und können demnach die ganz große Grafikpracht erst nach dem Next-Gen-Update erleben, welches im kommenden Jahr erscheint. Wir wurden aber immerhin nicht von der Fehlerhäufigkeit überrannt, die in vielen sozialen Medien durch frustrierte Spieler gezeigt wurde, welche das Spiel auf einer PlayStation 4 oder Xbox One gespielt haben.

Daher gibt es an dieser Stelle zwei Anmerkungen von uns: Erstens ist dieses Review komplett neutral und auf das bezogen, was wir in unserem Testlauf erlebt haben. Und zweitens sprechen wir aufgrund der bekannten Probleme eine klare Kaufwarnung für die „alte“ Konsolen-Generation aus und raten euch, auf weitere Updates im Jahr 2021 zu warten.

Von überragenden Geschichten...

Und damit widmen wir uns nach dieser üppigen Einleitung dem eigentlichen Geschehen. Cyberpunk 2077 ist ein herausragendes Videospiel, wie man es bisher selten erlebt hat. Ein ganz wichtiger Grund für diese Behauptung ist die komplexe Story. Diese ist, wenn man bei diesem Spiel überhaupt von einer einzigen Geschichte sprechen kann, schlichtweg so brillant wie fesselnd und spielt problemlos in einer Liga mit den bekannten Größen des Films. Das Videospiel basiert lose auf dem gleichnamigen Pen-&-Paper-Rollenspiel, was auch teilweise ins Spiel übertragen wurde, jedoch nur in den Klassen zum Ausdruck kommt. Ansonsten führt euch der Titel ins Jahr 2077 und die gesetzlose Stadt Night City. Der Mittelstand, wie wir ihn kennen, hat ausgedient. In der Stadt gibt es praktisch nur noch super-reiche Konzerner oder Menschen, die kaum genug Geld zum Überleben haben.

Gleichzeitig werden die einzelnen Straßenviertel von Gangs beherrscht, die Tag und Nacht ihr Unwesen treiben und die Polizei auf Trab halten. In dieser chaotischen Stadt übernehmen wir die Hauptrolle von V, einem Söldner, dessen Herkunft wir bei der Charaktererstellung selbst festlegen. Dabei haben wir die Wahl, ob wir von der Straße kommen, den Konzernern angehören oder einem Nomadenvolk außerhalb der Stadt beiwohnen. Im Spiel wirkt sich der Unterschied in verschiedenen Startgebieten und ein paar Dialogoptionen aus, die wir hin und wieder je nach gewählter Abstammung haben. Ansonsten ist das Spielgeschehen komplett identisch - wer allerdings alle Erfolge sammeln möchte, muss das Spiel mit drei Charakteren beginnen und ein Stück weit spielen, um die notwendigen Erfolge für jeden Charaktertypen zu bekommen.

...und tollem Spieldesign

Obwohl wir es mit einen Protagonisten zu tun haben, der auf jeden Fall V heißen wird, haben wir im Charaktereditor unzählige Möglichkeiten, die eigene Figur anzupassen. Das reicht von Standardeinstellungen wie Gesicht, Körpergröße oder Haare bis hin zu bizarren Details wie Geschlechtsteile oder Implantate. Es ist auch möglich, weibliche Charaktere mit männlichen Geschlechtsteilen zu erstellen und umgekehrt – der Fantasie bzw. den Vorlieben der Spielern sind kaum Grenzen gesetzt. Fakt ist allerdings auch, dass man sich in diesem Charaktereditor durchaus verlieren und bereits an dieser Stelle die ersten Spielstunden opfern kann. Der Einstieg in das Spiel erfolgt dann relativ human, dank diverser Tutorials bekommen wir erstmals die Grundmechaniken erklärt.

Die Story allerdings nimmt schon sehr schnell Fahrt auf. Bereits der erste Akt hat es komplett in sich und die rund 35 Stunden lange Hauptquest kann es von der Dramaturgie her locker mit jedem guten Science-Fiction-Streifen aufnehmen. Das liegt nicht nur an der grandiosen Spielwelt, auf die wir später im Test noch eingehen werden, sondern auch und vorwiegend an den tollen Charakteren. Egal wie klein die Rolle des Darstellers auch sein mag, jeder Typ, der in irgendeiner Form etwas mit dem Spielgeschehen zu tun hat, kommt hier absolut glaubhaft rüber. Und jeder Charakter besitzt seine eigene Geschichte. Deshalb sind nicht nur die Hauptquests absolut phänomenal, sondern auch die Nebenaufgaben wissen total zu begeistern. Diese reichen von kleineren 30-Minuten-Aufgaben, bei denen ihr neue Details über euch selbst oder andere Figuren im Spiel in Erfahrung bringt, bis hin zu größeren Questreihen, die sich über mehrere Stunden hinziehen.

Sex, Drugs,...

Cyberpunk 2077 ist dabei ein klassischen Action-Adventure mit vielen Rollenspiel-Anleihen, das beinahe komplett aus der Ego-Perspektive gespielt wird. Es gesellen sich außerdem mehrere Spielelemente in das Geschehen, welche viel Abwechslung versprechen und dafür sorgen, dass sich viele Missionen auf unterschiedliche Art und Weise erledigen lassen: Eine Prise Stealth-Action, garniert mit Shooter-Elementen und einem Hauch Hacker-Taktik-Features – fertig ist der Cyberpunk-Mix. Bei vielen Missionen ist es euch überlassen, wie ihr an die Aufgabe rangeht. Der „Rambo“ nimmt das Gewehr in die Hand, ballert alles kurz und klein und beendet die Quest auf die harte Tour. Der Taktiker schaltet die Wachen leise und behutsam aus dem Hinterhalt aus, während der Vorsichtige komplett ohne Kampfeinsatz auskommen kann.

Dank unterschiedlicher Hacker-Fähigkeiten lassen sich Kameras oder andere Geräte übernehmen, ausschalten oder vorübergehend austricksen. Dann könnt ihr an den Hindernissen einfach vorbeischleichen und geht der Konfrontation gänzlich aus dem Weg. Je nach Schwierigkeitsgrad, vier an der Zahl, ist es ratsam, alle Möglichkeiten in Betracht zu ziehen, um eine Aufgabe zu erledigen. Gerade in den beiden schwierigen Modi ist stupides Ballern nicht immer gewinnbringend. Cyberpunk 2077 bietet uns also viele unterschiedliche Stile an. Das Gameplay gestaltet sich dabei zwar immer solide, an keinem Punkt aber herausragend gut. Die Shooterelemente etwa sind gut implementiert, aufgrund der vielen verfügbaren Munition und teils merkwürdigen Trefferbildern jedoch auch nicht mehr als das. Auch die Stealthelemente zeigen sich von einer ordentlichen Seite, können aufgrund des teils dämlichen KI-Verhaltens aber nicht mit ganz großen Schleichspielen wie Metal Gear Solid mithalten.

Dafür hat Cyberpunk 2077 andere Vorzüge: Neben der überragenden Geschichte(n) ist da vor allem die Spielwelt hervorzuheben. Night City ist einfach ein toller Spielplatz, auf dem es überall etwas zu entdecken gibt. So fahren wir gerade gemütlich mit unserem frisch geklauten Sportwagen die Straße entlang, als wir plötzlich auf einen Überfall stoßen und die lokale Polizei unterstützen dürfen. Ein paar Meter weiter laufen wir ein eine hell beleuchtete Seitenstraße, in der überall Reklame für freizügige Angebote die Runde macht und neugierige Spieler in ihren Bann ziehen möchte. Dazu gibt es im Zeitalter sogenannter Implantate und Cyberware, also Körpermodifikationen, überall kleine, zwielichtige Geschäfte, in denen wir unseren Körper aufpolieren lassen können. An jeder Ecke befinden sich zudem irgendwelche sammelbare Objekte, alle Gegner lassen Waffen oder Kleidung fallen und wem das alles noch nicht ausreicht, der verdient sich über diverse Aufträge noch ein paar Scheine dazu.

Das dazugewonnene Geld investiert ihr in neue Kleidung, Cyberware, Waffen oder Autos. Vor allem von den Vehikeln gibt es eine beachtliche Anzahl, die ihr im Laufe des Spiels erwerben könnt. Der Kauf von Waffen und Kleidung empfiehlt sich jedoch weniger, da ihr während der Missionen genug dergleichen hinterhergeschmissen bekommt. Ihr werdet übrigens nicht nur durch Kleidung und Waffen stärker, sondern auch durch Erfahrungspunkte, die ihr in zwei unterschiedlichen Kategorien zugeteilt bekommt und diese auch einsetzen dürft. Street-Creds bringen euch mehr Vorteile bei den sogenannten Fixxern, also den Händlern für Cyberware, und Erfahrungspunkte leveln euren Charakter und lassen euch verschiedene Attribute verstärken. Beides gewinnt ihr durch das Erledigen von Missionen, Aufträgen und den Geschichten.

...und andere Katastrophen

Ein wichtiger Aspekt von Cyberpunk 2077 ist aber auch die technische Seite. Grundsätzlich sieht das Spiel gut aus. Mehr noch, schaut man sich die Charaktere an, die neonfarbene Leuchtreklamen und die teils überwältigende Skyline von Night City, dann muss man sagen: Cyberpunk 2077 ist richtig hübsch geworden. Und es kann auch von der musikalischen Untermalung her überzeugen. Die Soundkulisse passt stilistisch einfach perfekt, der Mix aus Rock, Techno, House, Reggae und Dancehall ist bestens gewählt. Auch die Synchronisation kann sich in den meisten Fällen hören lassen. Von technischen Aussetzern sind aber auch wir nicht verschont geblieben. Ruckler, Pop-ups, merkwürdige Objekte, die in der Luft hängen, verwaschene Texturen und mehr stehen auf der Tagesordnung. Abstürze gab es bislang hingegen noch keine, auch von ganz großen Glitches sind wir während des etwa 25 Stunden andauernden Tests verschont geblieben. Trotzdem darf all das nicht passieren und gleicht im Grunde einer Bankrotterklärung. Es sind zumindest bei uns lediglich lästige Kleinigkeiten, doch hieße das Spiel nicht Cyberpunk 2077 und besäße es keine anderen Stärken, hätte die Technik dem Titel zum Verhängnis werden können. Da es sich allerdings hauptsächlich um teils lustige und teils kaum störende Nebeneffekte handelt, fällt dieser Aspekt in unserer Bewerung nicht so sehr ins Gewicht wie bei manch anderen Reviews. Wie eingangs bereits erwähnt wollen wir hier schließlich von unseren eigenen Erfahrungen berichten.

Eine Fußnote müssen wir aber noch einfügen. Seit „Vernetzt – Johnny Mnemonic“ und „The Matrix“ wissen wir, dass Keanu Reeves für Science-Fiction-Filme geradezu prädestiniert ist. Diesen genialen Schauspieler in ein Werk wie Cyberpunk 2077 zu integrieren und ihm quasi eine Art Hauptrolle zu überlassen, war definitiv ein Geniestreich der Entwickler. Denn Reeves stellt ganz klar einen weiteren Höhepunkt des Spiel dar. Johnny Silverhand ist bitterböse, zynisch und cool - aber eigentlich überhaupt nicht das, was man in dieser Form brauchen kann. Aufgrund der Spoiler-Gefahr wollen wir an dieser Stelle nicht weiter auf ihn eingehen, können allerdings so viel versprechen: Er spielt eine herausragende Rolle und besitzt im Spiel mehr Screentime als nur einen kurzen Zwischenauftritt.

Fazit:

Cyberpunk 2077 ist ohne Zweifel ein herausragendes Spiel. Abseits des kompletten Launch-Desasters, was CD Project Red womöglich noch viel Spott und Häme einbringen wird, haben die Entwickler ein wirkliche tolles Videospiel auf die Beine gestellt, was in einer technisch besseren Form neue Maßstäbe hätte setzen können. Die Geschichte ist absolut spitze und in einem Videospiel bislang kaum in einer derartigen Intensität umgesetzt. Oftmals sitzt man vor dem Bildschirm und fiebert regelrecht mit, hofft dass sich das eine oder andere zum Besseren wendet und ist dann enttäuscht, wenn eine Figur die Bühne verlassen muss. Das alles wurde in eine grandiose Spielwelt, welche Night City ganz einfach ist, verpackt und beschert uns ein Spiel, über das wir noch lange sprechen werden. 

Das liegt aber auch daran, dass der Titel bisher nie richtig fertig wurde und die Entwickler mit einem Patch nach dem anderen die Wogen zu glätten versuchen. Was sich auf den Next-Gen-Konsolen und dem PC als kleinere Schnitzer herausstellt, scheint auf den anderen System in einer Vollkatastrophe geendet zu haben, weshalb wir hier nochmal deutlich darauf hinweisen, das Spiel auf einer Xbox Series getestet zu haben. Es fällt mir an der Stelle wirklich schwer, eine passende Wertung zu finden, da nahezu alles richtig gemacht wurde, bei der Technik aber böse Patzer vorhanden sind. Die überragende Story, die herausragende Spielwelt und ein verdammt cooler Johnny Silverhand machen Cyberpunk 2077 aber dann doch zu einem der besten Spiele des Jahres 2020. Und nach entsprechenden Updates lässt sich der Titel hoffentlich auf allen Systemen genießen.

Von uns getestet: Xbox-Series-S-Version

Wertung:

9.0

Michael Prammer meint:

"Eine überragende Geschichte in einer der coolsten Videospiel-Städte überhaupt lassen uns über die desolate Technik hinwegsehen."
Spielerlebnis: Herausragend
Umfang: Herausragend
Technik: Mangelhaft

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7 Kommentare:


Asinned
vor 3 Wochen | 1
Toller Test dem ich nur zustimmen kann. Auch auf der PS5 sind technische Schwächen auch (noch) vorhanden das Spielerlebnis und die wirklich geniale Story (auch in Nebenquests!) ragen aber trotzdem heraus. Noch ein kleiner Tipp von mir: Wer das Spiel spielen will aber weder Next Gen oder Gaming PC hat, der sollte sich die Stadia Version besorgen. Diese scheint echt gelunngen zu sein.

Tobsen
vor 3 Wochen | 2
Richtig sauberer Test, Michi! Bisher dein stärkster auf npx!

Zum Spiel: ich warte auf die "richtige" PS5-Version und warte Mal Reviews ab, wie die dann schlussendlich geworden ist. Die hat dann hoffentlich die beiden Februar- und März- Riesen-Patches inkludiert.

Fellory
vor 3 Wochen | 1
Uff, hohe Wertung. Ich habe bisher rund 15 Stunden auf meiner PS5 mit dem Spiel verbracht und seit dem Patch 1.05 auch keine Abstürze mehr, so viel zum Positiven. Allerdings muss ich sagen, dass es mich vorher auch nie richtig gestört hat, generell waren die Bugs für mich nebensächlich. Mich nervt mittlerweile das Gameplay extrem und ich muss mich fast schon zwingen es weiter zu spielen. Ja die Story ist mal was neues und Night City sieht bombastisch aus, aber die Spielwelt ist soooo langweilig. Im Prinzip nur Fassade, keine tiefe und Substanz. Die Tausenden Textlogs füllen es nun auch nicht mit leben. Es hookt mich bisher nicht. Das schiessen, schleichen, hacken, fahren fühlt sich für mich auch nie befriedigend an, eher als Mittel zum Zweck. Ich habe es mal für mich im Kopf mit BotW verglichen, auch ein Open World Spiel was zugegeben sicherlich nicht ganz so krass hohe Erwartungen hatte, aber sicher auch keine kleinen. Und für mich persönlich, ist es so viel besser als Cyberpunk. Die Story natürlich wesentlich simpler, im Prinzip 0815, die Grafik viel einfacher und weniger Details und dennoch macht es mir viel Spaß. Die Welt ist dort ein riesiger Spielplatz, überall gibt es was zu erkunden, viele kleine Rätsel und man wird für den Forschungsdrang fast immer belohnt. Jeder konnte seinen eigenen Weg gehen, z.B. direkt nach Hyrule und Ganondorf vermöbeln? Kein Problem. Sowas macht mir persönlich viel mehr Spaß. Wie auch immer, ich gönne jedem viel Spaß mit Cyberpunk, aber ich hatte mir was anderes unter dem Spiel vorgestellt. Mein persönliche Wertung liegt somit bisher bei 7,5.

Jerry
vor 3 Wochen | 0
Ich warte mit dem Kauf, bis eine "echte" Next-Gen-Version da ist, aber was du da schreibst klingt ernüchternd. Ich hab mir im Prinzip ein Witcher 3 oder Red Dead Redemption mit anderen Charakteren und Sci-Fi-Setting erhofft. Ist das nicht so?
Fellory
vor 3 Wochen | 0
Also für mich ist es überhaupt nicht so. Genau diese Art von Vorstellung wie du, hatte ich Anfangs auch. Ich hab es sogar gehofft. Zugegebenermaßen bin ich kein riesen Witcher 3 Fan, auch wenn ich es besser finde als Cyberpunk. Gerade die Charaktere finde ich besser in das Setting eingebettet und die Missionen passen viel besser in die Spielwelt. Bei Cyberpunk wird man überhäuft mit Textnachrichten und Anrufen von irgendwelchen Personen, die man vorher nur ganz kurz oder sogar nie vorher gesehen hat. WTF. Mir gefällt es leider nicht, auch wenn ich sagen muss, without a doubt, in dem Spiel steckt so viel Arbeit. Aber für mich an den falschen Stellen.

- Mit RDR2 habe ich mich auch mal in meinen Gedanken befasst. Hierzu kann ich sagen, dass ich gerade am Anfang meine Probleme mit dem Spiel und dem "langsamen" Gameplay hatte. Aber je länger ich spielte, umso besser passte es und ich "verstand" warum Rockstar sich für diesen Weg entschieden hat. Bei Cyberpunk ist für mich, zumindest bis jetzt, genau andersrum. Am Anfang hui (tolle Optik, interessante Story) und mittlerweile halt echt nervig. Naja, bin ja noch nicht durch, vielleicht brauch ich noch etwas Zeit, aber meine Euphorie ist halt längst weg.

Asinned
vor 3 Wochen | 4
Man muss ertsmal ganz klar zwischen C2077/Witcher 3 und GTA V/RDR2/BoftW unterscheiden. Beide Gruppen haben grundsätzlich andere Konzepten von Open Worlds. Weder C2077 noch W3 sind keine Sand Boxes. Also kein Spielplatz in dem man seine eigenen Geschichten schreibt, die sich dynamisch aus der Interaktionen des Spielers mit der Welt ergeben. Das ist der Schwerpunkt der anderen 3 Games. Bei CD Project RED sind alle Erfahrungen und Geschichten in der Welt sozusagen in Quests gescripted. Der Vorteil ist natürlich dass der Enrwickler so die einzelnen Geschichten viel besser inszenieren kann.

Also kurz: C2077 ist wie W3 keine Sand Box und möchte keine sein. Die Welt ist ein resieges authentisches Set in dem viele wirklich geniale Geschichten erzählt werden.

Insgesamt ist der Anfang aber etwas zäh. Weil der Spielablauf erstmal linear beginnt und trotzdem schnell einen mit der Open World erschlägt. Ja am Anfang gibt es viele Anrufe auf deinem Handy weil sich dort eben viele Handlungsstränge öffnendie sich präsentieren müssen, ABER das wird mit der Zeit weniger und vor allem deutlich relevanter. Denn Charaktere deren Quest Reihe du über teils Stunden absolviert hast und dir auch richtig ans Herz gewachsen sind sprechen mit dir so auch nach ihrem Story Arch.Während du in anderen Videospielen quasi nichts mehr von Charakteren hörst, deren Charakter Arc du abgeschlossen hast, schreiben die dich hier hin und wieder an, um die Ereignisse zu verarbeiten (die quasi vom Spieler selbst durch Entscheidungen beeinflusst wurden). Also ums kurz zu machen: Das Handy wirkt am Anfang nervig, wird aber schnell zu einem Element was die Spielwelt noch organischer und glaubwürdiger erscheinen lässt.

Fellory
vor 3 Wochen | 1
Sehr gut formuliert, du beschreibst aber eben genau mein Problem. Ich hüpfe von Questmarker zu Questmarker und kann dazwischen nur „Sightseeing“ betreiben, mehr ist es ja nicht. Damit habe ich vorher, auch aufgrund der Trailer von CDPR, nicht gerechnet.

Und mit der Bewertung von Storys in einem Videospiel tue ich mir persönlich schwer. Böse formuliert, wenn ich eine komplexe, ausführliche und tiefe Geschichte haben möchte, kann ich auch Bücher lesen. Bevor ich haue bekomme, natürlich ist das ne ganze andere Immersion die Story selbst zu erleben, aber ich habe überspitzt dargestellt, dass für mich persönlich, dass Gameplay wichtiger als Story ist. Daher liebe ich auch Nintendo, Story fast immer nebensächlich und wie gesagt 0815-Geschichten, dafür umso mehr Spielspaß und das fehlt mir einfach. Aber das ist eben nur meine Sichtweise und ich respektiere jede andere.