Test: Doom Eternal (Nintendo Switch)

Von Robert Emrich am 16. Dezember 2020

Wenn sich die Hölle auf kleinen Bildschirmen öffnet, kann das nur eins bedeuten: Der furiose zweite Teil der Doom-Neuauflage hat es endlich auf Nintendos Konsole geschafft.

März 2020: Der erste Lockdown beginnt, Klopapier und Nudeln sorgen in Supermärkten für Unruhen und id Software (bzw. Bethesda) bringt nach vier Jahren mit Doom Eternal den fünften Teil der Serie (bzw. den zweiten Teil nach dem Reboot) auf den Markt. Shooter-Fans am PC, der Xbox und der PlayStation zelebrieren die gelungene Kombination aus fordernder Action und cleverem Ressourcenmanagement. Nur die Nintendo-Gemeinde harrt weiter der versprochenen Portierung des Spiels entgegen, während man sich im Stillen fragt, wie drastisch der Titel, der gängige Hardware ins Schwitzen bringt, wohl beschnitten werden muss, um auf der Hybridkonsole laufen zu können. Knapp neun Monate später liefert Panic Button jetzt die Antwort in Form einer optimierten Switch Version des Spiels. Wir haben uns für euch erneut in den Kampf gestürzt und den Shooter mit Schrotflinte und Kettensäge bewaffnet auf Zombie-Herz und Dämonen-Nieren getestet.

I'm here to kick ass and chew bubblegum

Den Inhalt und das Spielprinzip des Titels hatten wir bereits in unserem Test im März ausführlich beleuchtet, weswegen es an dieser Stelle nur eine kurze Zusammenfassung gibt:

Nachdem ihr den Dämonen im 2016 veröffentlichten Teil auf dem Mars die Leviten gelesen habt und zum Dank vom Leiter der UAC in unbekannte Gefilde teleportiert wurdet, haben sich die Legionen der Hölle nun daran gemacht, die Erde anzugreifen. Bei der Invasion wurden 60% der Menschheit umgebracht oder in Zombie-Sklaven und Treibstoff verwandelt und auch für den im Untergrund versteckten Rest sieht es nicht sonderlich rosig aus. Zum Glück für alle taucht ihr plötzlich mitsamt einer Weltraumbasis im Orbit der Erde wieder auf und läutet damit eine weitere Runde Hintern-treten ein.

Mit einem stetig wachsenden Waffenarsenal und immer neuen freischaltbaren Fertigkeiten ausgestattet schießt, sprengt und sägt ihr euch durch 13 Missionen, die gleichermaßen durch ihren Umfang und ihr abwechslungsreiches Design bestechen. Dabei müsst ihr konstant Munition, Leben und Rüstung im Auge behalten, die ihr mit unterschiedlichen Aktionen wieder aufladen könnt, was dem Spiel eine für die Serie neue strategische Tiefe verleiht. Ansonsten bleibt Doom Eternal seinem Spielprinzip des „Push forward combat”, bei dem ihr dazu ermutigt werdet, die Gegner aggressiv und frontal im Nahkampf anzugehen, aber treu und präsentiert sich auch auf der Switch als großartiger Nachfolger des vorherigen Teils. Sämtliche Features und Spielmodi des Originals wurden von Panic Button übernommen und liebevoll eingepflegt. So bekommt ihr hier die vollwertige Doom-Erfahrung, die nur im Bereich der Technik einige Kompromisse eingehen musste.

Von der Kunst, aus wenig viel zu machen

Hier sind wir dann wieder an dem Punkt, an dem sich die meisten Geister scheiden können. Die Switch ist und bleibt die Switch und spielt damit in Sachen Leistung in einer ganz anderen Liga als aktuelle Konsolen der Konkurrenz oder zeitgenössische PCs. Dazu kommt, dass Doom Eternal ganze vier Jahre jünger als sein Vorgänger ist. Eine Zeit in der sich nicht nur die Leistung der Hardware gesteigert hat, sondern findige Programmierer auch gelernt haben, die Ressourcen von Konsolen wie der Xbox oder der PlayStation optimal auszunutzen, um noch eindrucksvollere Grafiken darstellen zu können. Für die Programmierer bei Panic Button bedeutete diese Entwicklung, dass sie jetzt noch besser aussehende Grafik mit den begrenzten Mitteln der Switch handhaben mussten, um euch ein spaßiges und zugleich optisch ansprechendes Spiel bieten zu können - eine Aufgabe, die das Studio tatsächlich sehr gut bewältigt hat.

Bereits in den ersten Sekunden des Spiels wird klar, dass eine flüssige und stabile Wiedergabe des Geschehens oberste Priorität bei der Portierung hatte. Doom Eternal läuft in jeder Situation stotterfrei und flüssig, egal ob beim Blick über die Landschaft der Außenlevel oder beim Gefecht mit dutzenden Gegnern und zu keiner Zeit geratet ihr in unfaire Ruckel-Situationen, die euch das Leben kosten könnten. Natürlich hat die stabile Leistung ihren Preis und so nutzt der Titel eine reduzierte Auflösung, die wie schon in anderen von Panic Button portierten Spielen dynamisch an die Aufwendigkeit der Szenerie angepasst wird. Das fällt ganz besonders in Gebieten mit weitem Ausblick auf, die dann in den meisten Fällen ungewohnt grob und schwammig aussehen. Überschaubarere Levelabschnitte und Level die sich nur in Gebäuden abspielen wirken dafür direkt um einiges schärfer. Spätestens bei den vielen Kämpfen zahlt sich die „Framerate ist wichtiger als Optik”-Philosophie aber aus, da diese dank der flüssigen Wiedergabe so schnell sind, dass ihr gar keine Zeit habt, euch auf grafische Details zu konzentrieren. So wirken auch alle Screenshots, die wir hier für euch präsentieren, um einiges klobiger (wenn nicht sogar hässlicher) als im laufenden Spiel. Doom sieht am besten aus, wenn ihr euch den Vorgaben des Gamedesigns folgend im Spiel bewegt. Ruhige Momente mit idyllischen Landschaften haben keinen Platz in der Hölle auf Erden.

Anders als der Vorgänger bietet Doom Eternal leider kaum Optionen, die Einfluss auf die Grafik haben. Helligkeit und Körnung des Bildes können je nach Belieben justiert werden. Beim Rest müsst ihr zumindest vorerst mit den fest eingestellten Werten vorlieb nehmen, die aber auch tatsächlich gut aussehen. Noch besser wirkt das ganze natürlich auf den Bildschirmen der Switch und der Switch Lite, auf denen fehlende Details weniger auffallen als auf einem großen Fernseher im Docked-Modus. Zwar wird die Auflösung im Handheld-Modus sogar noch ein wenig weiter reduziert, auf der Switch selber fällt das aber nicht auf, während die Switch Lite es aufgrund der kleineren Bauweise sogar schafft, das Spiel am schärfsten darzustellen. Letztlich hat aber jede Darstellungsweise ihre Vorteile, besonders unter Berücksichtigung der Steuerung.

Die funktioniert in allen Varianten überaus gut. Panic Button hat die Bewegungssteuerung diesmal direkt mitgeliefert und gibt euch damit, zusammen mit einem Haufen von anpassbaren Controller-Optionen die Möglichkeit, Monster auch in der größten Hektik relativ gezielt um die Ecke zu bringen. So steuert ihr mit dem linken Stick euren Charakter, steuert mit dem rechten Stick in die gewünschte Blickrichtung und nutzt die Bewegungssteuerung (wenn ihr sie nutzen wollt) zur Feinjustierung, ehe ihr mit der rechten Schultertaste abdrückt. Das funktioniert wie gesagt grundsätzlich sehr gut, kann im Handheld-Modus aber dazu führen, dass ihr beim hektischen drehen und neigen der Konsole den Bildschirm kurzzeitig nicht mehr richtig sehen könnt, da dieser zumindest bei der Switch Lite ja an den Controllern hängt. Dementsprechend hat der Docked-Mode in Kombination mit einem Pro Controller beim Komfort leicht die Nase vorn. 

Akustisch geht das Spiel aber keine Kompromisse ein. Mick Gordons Soundtrack untermalt die Aktion der Kämpfe mit wuchtiger Musik, während düstere Mönchsgesänge und Ambient-Klänge in den kampffreien Passagen ertönen. Auch die Soundeffekte klingen so gut wie eh und je. Lediglich Audiophile Spieler mit teuren Surroundsound-Anlagen könnten hier nicht ganz auf ihre Kosten kommen. Am heimischen Fernseher und auf den Konsolen selber gibt es aber nichts zu meckern.

Die Ladezeiten des Spiels liegen mit etwa 15 Sekunden in einem sehr angenehmen Bereich und werden nur beim Starten und Verlassen einer Mission benötigt, während in den Leveln selber alles übergangslos läuft.

Was uns nicht gefallen hat

Der größte Kritikpunkt an Doom Eternal, der nur indirekt mit der Technik des Spiels zusammenhängt, ist der Vertrieb des Spiels. Bethesda hat sich ein weiteres mal dazu entschlossen, keine Retail Fassung des Spiels auf den Markt zu bringen und das Spiel nur digital im eShop und auf der eigenen Plattform zu vertreiben. Man kann natürlich argumentieren, dass auch die zusätzliche Arbeit der Entwickler bei Panic Button finanziert werden muss. Trotzdem hinterlässt der Gedanke, aktuell 60 Euro für eine Spiel zu zahlen, das auf anderen Plattformen preiswerter angeboten wird und keine Kosten für ein Cartridge oder eine Hülle abdecken muss einen schalen Beigeschmack. Außerdem benötigt ihr ohne ein physisches Medium, das die meisten Daten halten kann natürlich genügend Platz und auch eine halbwegs schnelle Internetverbindung. Der Titel ist knapp 19 Gigabyte groß und benötigt eine kleine Weile, ehe er spielbar ist.

Zum Ausgleich, vielleicht aber auch als Anreiz schenkt Bethesda jedem Käufer bis zum 22. Dezember 2020 eine nicht übertragbare Kopie des Spiels Doom64 und ein spezielles „Rip and Tear Pack”, das zusätzliche kosmetische Items für Doom Eternal enthält. 

Macht es Spaß?

Kurz gesagt: Ja. Etwas ausführlicher: Doom Eternal ist, wie auch schon unser erster Test im Frühjahr bestätigte, ein sehr gutes Spiel, das sich gekonnt auf seine Stärken konzentriert und es mit einigen Neuerungen trotzdem schafft, frisch zu wirken. Auch auf der vergleichsweise schwachen Hardware der Switch bleibt dieser Eindruck durchgehend erhalten, wobei der Fakt, dass man das Spiel jetzt überall spielen kann eher einen Bonus als ein unbedingtes Kaufargument darstellt.

Natürlich gibt es immer Menschen, die Spielspaß mit grafischer Qualität verbinden und diesen Spielern können wir Doom Eternal auf der Switch nur eingeschränkt empfehlen. Wer das Spiel jedoch aufgrund seines Designs und aus Spaß am Spiel selber erleben möchte, kann auch bei dieser Version bedenkenlos zugreifen. 

Fazit: 

Mit Doom Eternal hat Panic Button wieder einmal bewiesen wozu findige Entwickler und die Switch Konsole in der Lage sind. Trotz einiger der Hardware geschuldeten Kompromisse im Bereich der Grafik, schafft es auch diese Portierung, den ursprünglichen Spaß an der Jagd auf die Armeen der Hölle perfekt wiederzugeben und bietet somit eine vollwertige Alternative zum Spiel auf den anderen verfügbaren Plattformen, die die mangelnde grafische Leistung durch die mögliche Mobilität ausgleichen kann. Schade ist nur, dass Bethesda auf den Retailvertrieb des Titels für die Nintendo Plattform komplett verzichtet und trotzdem einen verhältnismäßig stolzen Preis veranschlagt, der an dieser Stelle einer Must-buy-Empfehlung im Weg steht. Wer sich aber an dem Preis nicht stört und Doom Eternal auf jeden Fall auf der Switch erleben möchte oder dazu bereit ist auf eine Preissenkung zu warten, wird mit diesem Titel viel Spaß und eine gute Zeit haben. Und darauf kommt es doch letztlich an.

Vielen Dank an Bethesda für die freundliche Bereitstellung des Testmusters.

Wertung:

8.5

Robert Emrich meint:

"Ausgezeichnete Portierung der Shooter-Referenz auf Nintendos tragbare Konsole, die den Spielspaß trotz grafischer Einbußen perfekt rüber bringt."
Spielerlebnis: Sehr gut
Umfang: Sehr gut
Technik: Sehr gut

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3 Kommentare:


Tobsen
vor 4 Wochen | 0
Ich denke, ich skippe das Spiel. Mein letzter Ego-Shooter war Geist und den fand ich auch nicht sonderlich spaßig. Ich denke, das Genre ist nichts für mich.

Ozymandias
vor 4 Wochen | 0
Teil 2 war echt ein tolles Spiel, der mir persönlich auch besser als Teil 2 gefallen hat. Und das obwohl ich kein großer Fan von Ego-Shooter bin. Aber das Pacing und Gunplay waren einfach Top Notch.

SantiagoWinehouse
vor 3 Wochen | 0
Guter Test, vielen Dank dafür. Ego-Shooter sind nicht so meins, deswegen werde ich den Titel ausfallen lassen