Test: Immortals Fenyx Rising

Von Robert Emrich am 07. Dezember 2020

Ubisofts neustes Werk mischt Assassin's Creed Odyssey mit The Legend of Zelda: Breath of the Wild.

Aller guten Dinge sind drei. Nachdem die aktuelle Pandemie überall in der Videospielindustrie für Verzögerungen gesorgt hat, lässt Ubisoft sich die Chance auf den Hattrick in der Vorweihnachtszeit nicht nehmen. Innerhalb von knapp fünf Wochen veröffentlichte die Firma erst die beiden Blockbuster Watch Dogs Legion und Assassin's Creed Valhalla, ehe sie jetzt mit Immortals Fenyx Rising ein komplett neues Spiel für alle aktuellen Plattformen nachlegt. Wir haben uns für euch auf die goldene Insel begeben und das Abenteuer in epischer Länge getestet.

Doch zuerst (rein optional und stark zusammengefasst):

Am Anfang herrschte im Kosmos der griechischen Mythologie (laut Hesiod) das wortwörtliche Chaos und aus dem Chaos bildeten sich die fünf Urgötter, von denen hier aber nur Gaia für euch wichtig ist. Gaia schuf aus sich selbst ihren Sohn Uranos, der der erste Herrscher der Welt wurde und mit ihr diverse andere Göttergruppen wie die Titanen zeugte. Die Titanen, zwölf Geschwister, wollten selber herrschen und stürzten Uranos vom Thron, nachdem Kronos, der jüngste Sohn, seinen Vater entmannt hatte. Kronos und seine Schwester Rhea brachten danach die ersten sechs olympischen Götter und damit auch Zeus zur Welt. Zeus, ganz seines Vaters Sohn, entmachtete wiederum die Titanen, verbannte sie in die Unterwelt und wurde selbst der neue Herrscher über die  Erde.

Gaia, nicht angetan von der Verbannung ihrer Kinder durch die vorlauten Enkel, schuf daraufhin mit ihrem Bruder Tartaros den Titanen Typhon, ein Monster, das die olympischen Götter vernichten wollte. Der Kampf zwischen Zeus und Typhon war vermutlich recht episch, denn er endete erst, als Zeus den Vulkan Ätna auf seinen Onkel warf und ihn unter diesem gefangen nahm.

Auch Zeus’ Cousin Prometheus machte nur Ärger. Erst schuf er die Menschen und dann enthielt er Zeus bei einer Opfergabe das gute Fleisch vor, weil er es lieber seinen Schützlingen geben wollte. Zeus, der die Menschen nicht sonderlich leiden konnte, enthielt der Menschheit zur Strafe das Feuer vor, doch Prometheus überging seinen Herrscher abermals, stahl das Feuer und brachte es den Menschen, um diese zu den nächsten Göttern zu machen. Die Strafe hierfür war grausam: Die Menschheit erhielt mit der Büchse der Pandora sämtliche Übel, die uns bis heute plagen, während Prometheus an einen Felsen gekettet wurde, wo ein Adler jeden Tag ein Stück seiner Leber aß, die sich in der Nacht aufgrund der Unsterblichkeit des Gottes immer wieder regenerierte. 

Hier endet der für das Spiel relevante Teil der Geschichtsstunde und alle Handlungen innerhalb des Spiels wurden von Ubisoft frei erfunden, auch wenn sie auf der bekannten Mythologie basieren und immer wieder auf sie verweisen.

Big Trouble in Little Pantheon 

Typhon ist zurück! Getrieben von Vergeltung an seinem alten Widersacher und Bezwinger Zeus, gelang dem Titanen jüngst die Flucht, nachdem er Jahrtausende in seinem Gefängnis unter dem Vulkan Ätna gefangen war. Nun macht sich Typhon erneut an die Vernichtung der olympischen Götter, die er der Reihe nach entführt und verwandelt, während er Zeus, alleine und seiner Blitze beraubt, vergleichsweise machtlos zurück lässt. In seiner Verzweiflung wendet sich der Gottvater einem alten Widersacher und ehemaligen Verbündeten der Titanen zu: Prometheus, der immer noch an einen Felsen gekettet seine Bestrafung ertragen muss. Leider sieht auch Prometheus sich außerstande, dem wütenden Titanen Einhalt zu gebieten. Dafür legt er sein Vertrauen aber voll in die Menschen, von denen er sicher ist, dass sie dem Gottvater (im O-Ton) „seinen göttlichen Arsch retten werden“. Zeus ist anderer Meinung und so schließen die beiden Götter eine Wette ab: Gewinnen die Menschen und damit Prometheus, wird er begnadigt und muss nicht länger als Adlerfutter herhalten. Gewinnt Zeus, hilft Prometheus ihm im Kampf, koste es was es wolle. So nutzt Prometheus nun seine Gabe, in die Zukunft zu sehen und berichtet Zeus von den Abenteuern, die ihr als scheinbar unbedeutende/r Schildträger/in Fenyx erlebt, um euren Bruder, eure Kameraden und natürlich auch die Götter selber zu retten.

Der göttliche Funke

Noch bevor euer Charakter das erste mal den Kopf hebt, geht es direkt ins Menü, in dem ihr Geschlecht, Aussehen und Stimme festlegen könnt. Ubisoft bemüht sich um größtmögliche Diversität und bietet neben allen möglichen (und auch einigen unmöglichen) Hautfarben alle Frisuren, Bärte und Stimmen für beide Geschlechter an. Das funktioniert bei fast allen Optionen sehr gut. Lediglich die Bärte sehen immer leicht angeklebt aus. So oder so ist aber keine eurer Entscheidungen endgültig: Schon kurz nach Abschluss der Intro-Questreihe könnt ihr das Aussehen eures Charakters jederzeit und kostenfrei wieder ändern. 

Ist euer Fenyx-Charakter erst einmal fertig, führt euch eine kurze Questreihe über eine kleine Insel, die dem Gott Hermes gewidmet ist. Hier sammelt ihr eure erste Ausrüstung, während euch elementare Fertigkeiten wie Kämpfen, Ausweichen, Springen, Gleiten, Bogenschießen, Tragen und Werfen beigebracht werden.

Eure Ausrüstung besteht zu jeder Zeit aus einem Schwert für schnelle und leichte Angriffe, einer schweren Axt, die langsamer aber härter trifft und Gegner betäuben kann und einem Bogen mit einem sich selbst auffüllenden Köcher für Fernangriffe. Für die Verteidigung gibt es außerdem noch einen Brustpanzer und einen Helm. Jeder dieser Gegenstände hat mehrere unterschiedliche Bonuseffekte und kann durch später gefundene Items ausgetauscht werden. Abhängig von eurem Spielstil könnt ihr auf diese Weise unterschiedliche Synergien schaffen und euch das Leben ein gutes Stück einfacher machen.

Während der gesamten Intro-Questreihe werdet ihr verstärkt von Prometheus’ Narration begleitet, während Zeus entweder humorvolle Kommentare oder kurze Informationen zur Mythologie einstreut. Die Unterhaltungen der beiden Götter nehmen nach dem Intro ab und begleiten euch dann nur noch, wenn ihr Quests erledigt. Auftragslos in der Welt unterwegs herrscht Ruhe im Pantheon. Auffällig ist, dass Ubisoft sich offenbar viel Mühe gegeben hat, das beinahe kindgerechte Spiel mit einigen subtil eingestreuten Witzen auch für erwachsene Spieler interessant zu machen. Der betreffende Humor ist so unterschwellig, dass Kinder ihn für ganz normale Dialoge halten können und doch sorgt er vereinzelt für Gelächter, wenn einem klar wird, was da gerade durch die Blume gesagt wurde.

Nach der ersten Questreihe, die euch neben der Handlung auch weitere Charaktere vorstellt, gelangt ihr in den zentralen Tempel, der eure Basis darstellt und euch die Möglichkeit gibt, euren Charakter und seine Ausrüstung aufzuwerten. Die hierfür benötigten Items findet ihr entweder in Truhen, bei Kämpfen oder bei allen möglichen Nebenaufgaben, die Ubisoft überall in der Welt verteilt hat. Die berühmt-berüchtigte Ubisoft-Formel kommt einem hier zwangsläufig wieder in den Sinn und doch haben die Entwickler es durch zwei markante Änderungen geschafft, das ganze nicht wieder in eine sinnlose Sammelorgie ausarten zu lassen. Zuerst einmal haben alle gesammelten Items einen Zweck. Vorbei sind die Zeiten, in denen ihr Federn, Notizzetteln oder anderem Unrat nachjagen musstet, nur um dann mit einem Schulterklopfer und einem Spielfortschritt im Promillebereich belohnt zu werden. Alle Funde sind entweder Teil der Handlung oder nötig, um einen Gegenstand oder eine Fertigkeit aufzuwerten. Wer daran kein Interesse hat, hat es leicht, denn die wenigen Aussichtstürme auf der gesamten Insel decken zwar das aktuelle Gebiet auf und nehmen den Nebel von der Landkarte, zeigen aber keine Items oder Nebenaufgaben mehr an. Diese können entweder von jeder höheren Stelle aus mit eurem Fernglas gefunden und auf der Karte festgehalten oder beim regulären Spielen nebenbei entdeckt werden. Das Spiel überlässt euch vollständig die Wahl.

Auch der weitere Verlauf des Spiels kann von euch frei bestimmt werden. Zwar könnt ihr nicht sofort zu Typhon gehen und das Spiel direkt beenden, sondern müsst erst in mehreren Questreihen die gefangenen Götter befreien und deren Segen empfangen. Doch von dieser Einschränkung abgesehen, könnt ihr immer selber entscheiden, welches Gebiet ihr besichtigen und in welchem Tempo ihr die Handlung erleben wollt. Auch ein Wechsel zwischen den Zonen ist kein Problem und im lockeren Abstand platzierte Schnellreisepunkte bei genutzten Aussichtspunkten und abgeschlossenen Gewölben ermöglichen einen erneuten Besuch der Gebiete, falls ihr nachträglich noch etwas erledigen müsst oder wollt.

Zu den Nebenaufgaben in den Gebieten zählen neben Bogenschießen, Wettrennen, dem Lösen einfacher Rätsel und fröhlichen Klettereien auch sogenannte Gewölbe. Das sind Löcher im Boden, die euch in einen abgetrennten Bereich der Unterwelt teleportieren. In diesem müsst ihr in der Regel mehr oder weniger knifflige Parcours überwinden, die entweder mit Rätseln oder tödlichen Fallen gespickt sind, um einen von Zeus’ Blitzen einzusammeln. Nur selten kommt es hier zu Kämpfen - diese finden primär auf der Oberwelt statt.

Das Kampfsystem bietet mehrere Funktionen für den Angriff und die Verteidigung inklusive dem Schießen mit Pfeil und Bogen, dem Auffangen und Werfen von Objekten sowie diverse Spezialangriffe, sowohl am Boden als auch mitten in der Luft. Trotzdem kommt das System nicht an die Finesse anderer Rollenspiele heran: Im Vergleich ist es zwar bei weitem nicht das einfachste System und in langen Kämpfen mit Bossen und anderen speziellen Gegnern könnt ihr gerade in Sachen Schlagkombinationen einiges aus dem Spiel herausholen. Dennoch können viele Kämpfe mit gutem Timing und genug Geduld auch mit denselben drei Tasten erledigt werden. Das ist gut für Leute, die in anderen Spielen beispielsweise Probleme damit hatten, Laserstrahlen mit einem Schild zu reflektieren, kann versierten Kämpfern aber irgendwann langweilig werden. Letztlich geht es in Immortals Fenyx Rising aber nur nebensächlich um die Kämpfe, sondern viel mehr um die Geschichte, die Götter und die Insel auf der sie leben.

Mit gleißenden Schwingen über die Welt

Euer gesamtes Abenteuer spielt auf der goldenen Insel, die (nur im Spiel) von Hephaistos geschaffen wurde und auf der jeder Gott des Olymp sein eigenes Gebiet hat. Die sehen zuweilen spektakulär aus und orientieren sich thematisch an der Natur des jeweiligen Gottes. So klettert ihr durch karges Ödland, erforscht Vulkane, reitet über grüne Wiesen, besteigt die riesigen Statuen von Göttern und gleitet von jeder erhöhten Stelle aus mit den Flügeln des Daedalus zu euren Abenteuern.

Immer wieder tauchen Nebenquests auf, wenn ihr euch einem Ort nähert, der Zeus eine vergangene Begebenheit in Erinnerung ruft. Diese stellen euch meist relativ einfache Aufgaben wie das Finden einiger Gegenstände, kurze Kämpfe oder andere Aktivitäten und belohnen euch mit einer Erzählung von Zeus oder Prometheus, Gegenständen oder Aufrüstungs-Währung. Letztere benötigt ihr früher oder später auch beinahe zwingend, denn die immer schwerer werdenden Gegner sind ohne etwas zusätzliche Lebensenergie und ein paar stärkere Waffen kaum zu schaffen, sodass es auch nicht schaden kann, hin und wieder mal ein Gewölbe oder eine Schatztruhe in der Landschaft mitzunehmen.

So oder so habt ihr gut zu tun. Die Spielwelt erreicht zwar nicht die Größe von Welten wie Hyrule oder Skyrim, bietet aber trotzdem mehr als genug Stoff, um euch, je nachdem wie sammelwütig ihr seid, 30 bis 60 Stunden lang beschäftigt zu halten. Selbst eilige Naturen mit Scheuklappen auf den Augen werden den Abspann wohl frühestens nach 15 Stunden zu sehen bekommen. Zu empfehlen ist so ein Speedrun aber nicht. Die Handlung des Spiels ist zwar nicht sonderlich ausgefallen, aber trotzdem unterhaltsam und aufmerksamen Zuhörern bietet das Spiel einen bemerkenswert umfassenden Einblick in die griechische Mythologie ohne dabei zu einer langweiligen Unterrichtsstunde zu verkommen.

Ganz motivierte Fans können sich bei dem Gott Hermes jeden Tag eine Quest abholen, die mit einer gesonderten Wahrung den Kauf von kosmetischen Items ermöglicht. Wer die gesonderte Währung gerne schneller haben möchte, muss dafür bezahlen. Ubisoft konnte es wie so oft leider nicht lassen und hat auch in diesem Spiel einen Echtgeld-Shop eingebunden. Dankbarerweise bietet der Shop aber keine käuflichen Vorteile und ist im laufenden Spiel nur unscheinbar in einem eigenen Menübereich präsent. 

Immortals - Breath of the Odyssey?

Egal ob ihr euch Trailer angesehen, andere Berichte gelesen oder euch mehr als zwei Minuten mit Fenyx durch die Welt bewegt habt: Wenn ihr irgendwann einmal Zeit mit dem Spiel The Legend of Zelda: Breath of the Wild verbracht habt, werden euch die Parallelen zwischen den beiden Spielen unweigerlich ins Auge fallen. Die Gewölbe, das Management der Ausdauer beim Klettern oder Gleiten, die Grafik, die Interaktion mit der Umwelt - an nahezu jeder Ecke des Spiels hat sich Ubisoft von Nintendos jüngstem Hyrule-Abenteuer inspirieren lassen und alle möglichen Spielmechaniken für ihr eigenes Werk übernommen. 

Trotzdem ist Immortals keine blasse Kopie seines Vorbildes, denn in diversen wichtigen Punkten unterscheiden sich die beide Spiele dann doch: Während Zelda BotW euch eine Sandbox bietet, in der ihr euch frei bewegen und Dinge entdecken könnt und nur gelegentlich durch minimale Narration eine Richtung vorgegeben bekommt, bietet Fenyx Rising euch eine wesentlich kompaktere und mit vergleichsweise mehr Handlung versehene Spielerfahrung. Die Welt, das Kampfsystem, die Nebenaufgaben: All das wurde von Ubisoft verschlankt, und zu einem Spiel geformt, das in seiner konzentrierteren Form, je nach Vorliebe, eine interessante Alternative zu dem Vorbild von Nintendo sein kann. Wer zum Beispiel gerne mit Epona frei durch die Welt geritten ist, um dann plötzlich tief im Wald einen Tempel zu finden, der erkundet werden möchte, wird diese Freiheit in Ubisofts Werk vermissen. Wem die vielen in die Länge gezogenen und nur vom Klavier untermalten Momente, die ständig kaputten Waffen und Links Unwillen, mehr als nur „HEA!“ zu sagen, hingegen keine Freude bereitet haben, dem könnte Immortals Fenyx Rising vielleicht die Erfahrung bieten, die er sich in einem Zeldaspiel gewünscht hatte. Es ist letztlich wirklich eine Frage des Geschmacks.

Die Zahnräder des Hephaistos

Technisch überzeugt das Adventure in nahezu allen Belangen. Als mit Abstand schwächste Konsole hat die Switch an dieser Stelle natürlich einen schweren Stand, insbesondere wenn man die Version beispielsweise mit dem Port für die PlayStation 5 vergleicht, die die kleine Hybridkonsole in den meisten technischen Belangen locker an die Wand spielt. Dennoch hat Ubisoft mit der Version für die Switch gute Arbeit abgeliefert und das Spiel erreicht auf dem Fernseher und der Konsole selber Breath-of-the-Wild-Qualität. Die Ladezeiten bewegen sich alle im akzeptablen Bereich zwischen zehn und 30 Sekunden und werden nur beim Start des Spiels sowie bei Schnellreisen und dem Wechsel in Gewölbe benötigt. Alle anderen Gebiete können übergangslos besucht werden.

Der mehr als drei Stunden lange Soundtrack unterlegt Orte, Kämpfe und Handlung mit individuell abgestimmter orchestraler Musik, ohne sich in ruhigen Momenten nervig in den Vordergrund zu spielen. Auch die Sprecher der Charaktere leisten gute Arbeit und lassen die Götter bei aller Allmächtigkeit sympathisch und beinahe menschlich wirken.

Die Steuerung benötigt aufgrund der vielen Spezialfertigkeiten, die Fenyx im Laufe des Abenteuers erlernen kann, mehr Tasten, als reguläre Controller momentan zur Verfügung stellen, weswegen für einige Aktionen zwei Tasten in Kombination gedrückt werden müssen. Trotzdem sind alle Grundfertigkeiten schnell und unkompliziert erreichbar, während das System für die Belegung der Spezialfertigkeiten konsequent geplant wurde und dementsprechend schnell erlernbar ist. Für die Switch gibt es eine optional nutzbare Bewegungssteuerung, die das Zielen mit Pfeil und Bogen, sowie das Suchen von sammelbaren Items mit dem Fernglas ein wenig vereinfacht und gerade im Kampf wirklich nützlich ist.

Fazit:

Nachdem ich dem Titel in den Wochen vor dem Release immer leicht skeptisch gegenüber stand, bin ich jetzt gerne dazu bereit, es zuzugeben: Mit Immortals Fenyx Rising ist Ubisoft tatsächlich ein Überraschungshit gelungen. Schon lange hat mich kein Titel der Softwareschmiede mehr so gut unterhalten, ohne dabei zu ernst oder bemüht zu wirken. Die Dialoge zwischen Zeus und Prometheus lockern die Zeiten zwischen den stellenweise fordernden Kämpfen gut auf und es macht Spaß, sich mit Feynx von einem Felsen zu stürzen, um dann majestätisch über die Welt zu gleiten. Auch die Welt in der wir uns im Spiel bewegen ist ein Fest für die Augen und sieht (zumindest im Fall von Aphrodites Zone) so gut aus wie die Göttin selber. Die Story erfindet das Geschichtenerzählen zwar nicht neu, bietet aber eine gute Motivation und die vielen Nebenmissionen verleiten zu tagelangem Spaß auf der goldenen Insel.

Lediglich das stellenweise etwas zu einfache Kampfsystem und Ubisofts Neigung, auch in diesem Titel einen Ingame-Shop einzubinden, trüben den ansonsten durchweg positiven Eindruck ein wenig und verweigern ihm die beinahe-Bestnote seines Vorbildes.

Zu guter Letzt versuche ich mich an dieser Stelle, ähnlich wie Prometheus, mit einem Blick in die Zukunft: In ein bis drei Jahren wird Nintendo uns den Nachfolger von Zelda BotW präsentieren und ich für meinen Teil werde ihn mit relativer Sicherheit lieben. Mit Schwert und Schild bewaffnet werde ich mich vermutlich wieder daran machen, Prinzessinnen zu retten und Schurken zu vermöbeln und dabei sogar ignorieren, dass selbst der Vorgänger technisch schon hinter der Konkurrenz zurück blieb und sich der Abstand mit den Jahren nur vergrößert hat.

Bis es aber soweit ist, bietet Immortals Fenyx Rising allen Freunden des Genres eine nicht unbedingt innovative, aber dennoch wirklich gute Alternative, die auf leistungsfähigeren Plattformen sogar noch an Pracht gewinnt.

Vielen Dank an Ubisoft für die freundliche Bereitstellung des Testmusters.
Von uns getestet: Nintendo-Switch-Version

Wertung:

8.5

Robert Emrich meint:

"Ubisofts Gegenentwurf zu Breath of the Wild übernimmt viel Gutes aus seinem Vorbild, wirkt aber dank großartiger Unterhaltung und eigenen Ideen nie wie eine blasse Kopie."
Spielerlebnis: Sehr gut
Umfang: Sehr gut
Technik: Sehr gut

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6 Kommentare:


Ozymandias
vor 9 Monaten | 1
Scheint ein gutes Wild-like Spiel geworden zu sein. Und bis zur Erscheinung von Zelda Brot 2 kann damit gut die Zeit überbrückt werden.

2null3
vor 9 Monaten | 1
Ich hab auch schon überlegt, ob Botw-like ein neues Genre werden könnte. Generell dagegen hätte ich nichts.

Tobsen
vor 9 Monaten | 2
Richtig sauberer Test Mal wieder!
Leider ist das Spiel von Ubi, daher zu boykottieren. Bevor wieder gefragt wird, was das Problem mit denen ist: Rayman Legends WiiU, Steep Switch. Bitte vergesst das niemals!

2null3
vor 9 Monaten | 0
Ich hatte schon so den Verdacht, dass Du den Titel skippen wirst. :)

Ramy
vor 9 Monaten | 0
Ich glaube, ich werde mir das zulegen. Habe ziemlich Lust drauf bekommen. :)

GF0P
vor 6 Monaten | 0
Ich möchte hier noch mal eine Lanze brechen für das Spiel!
Wer BotW mochte, sollte sich den Titel wirklich ansehen. Und es wäre ein gutes Zeichen an Ubisoft, wenn der Mut zu etwas Anderem sich auch in akzeptablen Verkaufszahlen niederschlägt.