Test: Ponpu

Von Robert Emrich am 03. Dezember 2020

Enten, Dungeons, explodierende Eier und Multiplayer-Schlachten. Der handgezeichnete Wahnsinn!

Auch wenn man es heute nicht mehr unbedingt mitbekommt: Bomberman war vor einigen Jahrzehnten eine Referenz, wenn man spaßige Mehrspieler-Kämpfe suchte. Auf nahezu jede mögliche Plattform portiert konnten der Titel oder eine seiner unzähligen Fortsetzungen in den meisten Spielesammlungen gefunden werden und nicht wenige Firmen versuchten, mit einer Kopie des Spielprinzips ein Stück vom Kuchen zu ergattern. Nun wagt das argentinische Entwicklerstudio “PurpleTree” einen weiteren Versuch und präsentiert euch Ponpu, in dem ihr als explodierende-Eier-legende Enten die Welt retten und eure Mitspieler in die Luft jagen müsst. Wir haben uns das ganze für Euch einmal angesehen.

Alle 2.000.000.000 Jahre wieder, kommt der Entengott...

Die komplett nebensächliche Story, die ihr im Spiel selber nur angedeutet findet, ist schnell erzählt: Ihr seid der Bote des allmächtigen Entengottes, der die Schöpfung gerne alle zwei Milliarden Jahre komplett neu erschafft und dies aus unerfindlichen Gründen vorher durch euch ankündigen lässt. Bei der Reise zur Erde landet ihr aber dummerweise auf dem Kopf und könnt euch ab diesem Moment nicht mehr an euren Auftrag erinnern. Derart geläutert, seid ihr natürlich auch nicht sonderlich scharf auf die Zerstörung allen Lebens und macht euch daran, den Entengott zu bekämpfen und die Welt zu retten. 

Sprengt in die Luft, was euch in die Luft sprengt!

Wer schon einmal ein Bomberman Spiel gespielt hat, wird das Spielprinzip augenblicklich wiedererkennen. Ihr steuert eure Ente in der Draufsicht über das Spielfeld und legt Eier (im weiteren Text “Bomben”), die nach ein paar Sekunden explodieren und allen Gegenständen und Charakteren im Explosionsradius Schaden zufügen. Anders als der Held im Vorbild, verfügt ihr außerdem über einige zusätzliche Fähigkeiten. So könnt ihr neben einem Schutzschild und einem Sprint auch noch alternative Bombentypen nutzen und eure Bomben in gerade Bahnen über das Spielfeld treten, um Gegenstände zu beschädigen. Wie es sich für einen Brawler gehört, passt die komplette Tastenbelegung auf einen einzelnen Joycon, sodass gemeinsamen Kämpfen vor dem Fernseher nichts im Weg steht.

Im Multiplayerteil des Spiels stehen euch drei verschiedene Modi zur Auswahl: Der Münzen-Diebstahl, das Mal-Duell sowie das klassische Deathmatch. Während das Deathmatch, in dem ihr wie üblich mit den meisten Kills am Ende der Runde gewinnt, traditionelle Kost bietet, gehen die beiden anderen Modi gänzlich andere Wege. Beim Münzen-Diebstahl lässt jede Ente, die durch fremden oder eigenen Beschuss das Zeitliche segnet, Münzen fallen, die von allen anderen Spielern eingesammelt werden können. Sieger ist, wer am Ende der Runde die  meisten Münzen besitzt. Da ihr mit jedem Tod aber alle gesammelten Münzen verliert, wird das Spiel besonders in der letzten Minute spannend, wenn ihr den potentiellen Sieger jagt, oder geschickt dem Beschuss der Mitspieler ausweichen müsst, um euren Schatz zu schützen. Fast noch witziger ist das Mal-Duell, bei dem vier Spieler zwei Teams bilden und dann, vergleichbar mit dem Spielprinzip von Splatoon, möglichst viel Fläche des Spielfeldes mit ihren Bomben einfärben müssen. Hier kommt eure Fähigkeit, Bomben über das Spielfeld zu kicken besonders zum tragen, da die Geschosse auch den Weg ihrer Laufbahn einfärben und der Sieg somit deutlich einfacher zu erreichen ist. Doch auch die anderen beiden Modi profitieren von der Beherrschung dieser Technik, die ihr am besten im Singleplayer-Modus trainieren könnt.

Im Singleplayer-Modus macht ihr euch auf den Weg, den Entengott in seine Schranken zu weisen und die Schöpfung vor der totalen Zerstörung zu retten. Hierfür besucht ihr Welten, die jeweils in vier Zonen aufgeteilt sind und am Ende mit einem skurrilen Endboss aufwarten. Diese erfordern individuelle Taktiken, die herauszufinden besonders in späteren Leveln mehr als einen Versuch benötigt. Die Aufgabe in den einzelnen Abschnitten vor den Bossen ist jedes mal gleich: Ihr sprengt euch durch mit Gegnern und Fallen gespickte Dungeons, um erst den Schlüssel zum Ausgang und dann den Ausgang selber zu finden. Die Zonen ähneln den Dungeons in Spielen wie The Binding of Isaac, bieten allerdings deutlich einfachere Gegner und zu einem beachtlichen Teil sind es nicht die NPCs, sondern die eigenen Bomben, die einem das Leben schwer machen. Dankbarerweise habt ihr in dem Modus aber nicht nur unendlich viele Leben, sondern auch einige gut platzierte Speicherpunkte, die den Fortschritt in den Zonen speichern, während besiegte Gegner solange tot bleiben bis ihr die Zone verlasst. Leider bietet der Modus keinen Couch-Koop und die witzige Story wird traurigerweise kaum genutzt. Als netter und stellenweise sehr fordernder Zeitvertreib sowie als Möglichkeit, die Steuerung zu erlernen, taugt die Jagd auf den Entengott aber allemal und kann für mehrere Stunden unterhalten. 

Technisch rund mit eckiger Steuerung

Ponpus Alleinstellungsmerkmale sind die liebevoll handgezeichnete Grafik sowie der verrückt-überzeichnete Manga-Stil in dem sich das Spiel präsentiert. Die konsequent braun-weiß gehaltenen Level funktionieren durchweg sehr gut und die wenigen farblichen Akzente der Enten sorgen dafür, dass ihr den eigenen Charakter so gut wie nie aus den Augen verliert. Lediglich die Tatsache, dass Gegner im Singleplayer Modus auch nur braun-weiß dargestellt werden und so vom ungeübten Auge schnell für Teile der Landschaft gehalten werden können, verwirrt hin und wieder ein wenig.

Die Bosse der Singleplayer Kampagne sind eine Klasse für sich und bestechen durch ihren kruden Humor, ohne dabei etwaige Grenzen zu überschreiten. Auch in allen anderen Bereichen bleibt Ponpu trotz aller Verrücktheiten sauber und jugendfrei und präsentiert sich immer hochauflösend und ruckelfrei, ohne die Switch dabei sonderlich ins Schwitzen zu bringen. Der gut zum Spiel passende Soundtrack unterhält mit poppigen Arcade-Melodien und die bewusst reduzierten Effekte unterstützen durch ihre Eindeutigkeit den Spielfluss, nachdem ihr gelernt habt, was welches Geräusch bedeutet. Auch die Netzwerkanbindung funktioniert größtenteils tadellos und von der Suche nach Spielpartnern im Internet bis zum Start des Matches vergeht nur etwa eine halbe Minute. 

Das einzige wirkliche Problem des Spiels ist die Steuerung. Diese funktioniert zwar nach einer Eingewöhnung ganz okay, orientiert sich aber, wie auch der Rest des Spiels, stark an den alten Bomberman-Spielen. Dementsprechend könnt ihr euch vertikal oder horizontal bewegen, während diagonale Bewegungen nicht möglich sind. Das mag im Vorbild, in dem sowieso jeder zweite Stein nicht sprengbar war, zwar Sinn gemacht haben. In den offenen Gebieten der Level ergibt es aber wenig Sinn, während es Bosskämpfe zeitweise schwerer als nötig macht. Einziger Trost ist, dass diese Regel der Steuerung nicht nur für euch, sondern auch für alle Gegner gilt, egal ob vom System oder von anderen Spielern gesteuert. 

Fazit:

PurpleTrees Versuch, mit Ponpu an die guten alten Tage der Bomberman-Reihe anzuknüpfen, funktioniert in weiten Teilen sehr gut. Die Spielmodi sind jeder für sich unterhaltsam und bieten einige Stunden lang Spaß. Egal ob alleine oder mit mehreren Mitspielern. Auch der Grafikstil funktioniert ausgezeichnet und sorgt gerade am Anfang für den einen oder anderen Lacher, ohne den Spielfluss mit seiner Albernheit zu stören, während der Soundtrack das Geschehen passend untermalt.

Trotzdem kommt das Spiel nicht an sein Vorbild heran. Das liegt zum einen an der fehlenden Möglichkeit, die Kampagne mit einem Mitspieler zu spielen und zum anderen an der leicht hakeligen Steuerung, die dem Original zwar gut nachempfunden wurde, heute aber leider nicht mehr ganz zeitgemäß ist. Man kann nur hoffen, dass die Entwickler sich zumindest dem zweiten Kritikpunkt in späteren Patches noch annehmen werden, um dem Spiel den nötigen Feinschliff zu geben. So schafft es der Titel in den guten Bereich der Party-Brawler und kann von Spielern, die gerne einen lustigen Abend mit Freunden auf der Couch verbringen möchten ohne weiteres gekauft werden. Zur Referenz in dem Genre reicht es aber leider nicht.

Von uns getestet: Nintendo-Switch-Version

Wertung:

7.0

Robert Emrich meint:

"Amüsante Neuinterpretation der Bomberman-Spiele mit origineller Aufmachung, der aber der letzte Feinschliff fehlt."
Spielerlebnis: Gut
Umfang: Gut
Technik: Gut

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2 Kommentare:


Denios
vor 1 Monat | 1
Dieser Artstyle und besonders die Farbgestaltung empfinde ich persönlich als ziemlich anstrengend^^ Der Rest klingt ganz lustig, aber für mich wird das eher nix. Mein Pile of Shame würde mich sowieso erwürgen.

2null3
vor 1 Monat | 0
Die Farben gehen tatsächlich, weil man die Explosionen etc. immer nur sehr kurz sieht. Hat mich auch diverse Anläufe gekostet, Screenshots hinzubekommen auf denen man sie anständig sehen kann, damit das Bild nicht nur braun in weiß ist.
Der Artstyle selber ist natürlich Geschmackssache. Die Farben gehen aber gerade im laufenden Spiel echt okay. :)