Test: Hyrule Warriors: Zeit der Verheerung

Von Deniz Üresin am 18. November 2020

Das Breath-of-the-Wild-Prequel ist ein Warriors-Spinoff geworden. Wie verheerend wirkt sich diese Entscheidung auf das Spiel aus? Erfahrt es in unserem NplusX-Test.

Die Mädels und Jungs vom japanischen Entwickler und Publisher Koei Tecmo haben in der Vergangenheit nicht nur beteuert, dass sie große Nintendo-Fans sind, sie haben es auch mehrfach bewiesen. 2010 entstand mit Metroid: Other M auf der Wii die erste große Kollaboration mit einem Nintendo-Franchise, vier Jahre später führten sie in Hyrule Warriors für die WiiU dann zum ersten Mal Dynasty-Warriors-Gameplay und Zelda-Charaktere zusammen. 2017 bekam dann auch das Strategierollenspielfranchise Fire Emblem einen Warriors-Anstrich verpasst und auch am neuesten Hauptteil der Reihe, Fire Emblem Three Houses, haben die fleißigen Koei-Tecmo-Bienen mitgewerkelt. Die Zusammenarbeit wird mit Hyrule Warriors: Zeit der Verheerung weitergeführt, welches gleichzeitig als Sequel zum ersten Haudrauf-Zelda-Spinoff und als Prequel zum neuesten Teil der Hauptreihe, Breath of the Wild, dient.

Es war einmal vor 100 Jahren

Ein kleiner Wächter springt während der Verwüstung von Schloss Hyrule durch die Verheerung Ganon durch ein Portal in die Vergangenheit – zu einem Zeitpunkt vor dem Angriff, bevor Zeldas Kräfte erwacht sind. Nachdem der Ritter Link und Zeldas Getreue Impa eine Horde von Feinden vor den Toren des Schlosses abgewehrt haben, finden sie den kleinen Roboter, der einen mysteriösen Turm aktiviert, der sich aus dem Boden erhebt. Sofort brechen Zelda und ihre beiden Kameraden zu Impas Schwester Purah und ihrem Kollegen Robelo auf, die die Untersuchung dieses Phänomens einleiten. Anschließend gilt es, die vier Recken ausfindig zu machen, die die mächtigen Titanen steuern sollen, mit denen sich das Blatt in der Schlacht um Hyrule wenden kann. Doch auch das Böse trifft seine Vorbereitungen. Die Yiga-Bande schickt sich an, Zeldas Unternehmungen zu verhindern und immer mehr Monster werden beschworen und gegen alle Völker Hyrules in den Krieg geschickt. In den fast aussichtslos erscheinenden Schlachten muss Link all seinen Mut zusammennehmen und sich auf die Stärke seiner Kameraden verlassen, wenn er die Verheerung Ganon noch aufhalten will… oder ist das Schicksal Hyrules etwa doch unvermeidlich?

In liebevoll gestalteten, in mehreren Sprachen vertonten Cutscenes könnt ihr die dramatische Geschichte der Helden von Hyrule mitverfolgen, während ihr in den Missionen ausufernde Schlachten gegen die Monsterhorden Ganons schlagt.

Warriors of the Wild

Wenn ihr die Demo, das erste Hyrule Warriors oder irgendeinen anderen Ableger der Warriors-Reihe gespielt habt, wisst ihr eigentlich schon recht gut, welcher Gameplay-Loop euch in Zeit der Verheerung erwartet. In typischer Warriors-Manier wählt ihr entweder von der Oberweltkarte oder aus einer übersichtlichen Missionsliste die Schlacht, die ihr als nächstes schlagen wollt, die Charaktere, mit denen ihr in den Kampf zieht und dann geht’s auch schon los. Die Schlachtfelder, in diesem Ableger Orte aus Breath of the Wild vor dem Sturz Hyrules durch die Verheerung Ganon, wimmeln nur so von Monstern aus dem neuesten Zelda-Titel, die es mit Link, Zelda, Impa oder einem der vier Recken zu verprügeln gilt. Mit Kombinationen aus schwachen und starken Angriffen, Spezialattacken und in diesem Fall auch Elementarzauberstäben und den Modulen des Shiekah-Steins rückt ihr den Feinden zu Leibe und müsst für den erfolgreichen Abschluss der Mission einige Bedingungen erfüllen. Je nach Mission gilt es, einige feindliche Basen zu übernehmen, einen Kameraden unbeschadet zu einem bestimmten Zielort zu eskortieren, die eigene Basis zu verteidigen oder mehrere dieser Aufträge gleichzeitig oder hintereinander abzuschließen. Da die alliierten Krieger, ebenfalls in typischer Warriors-Manier, absolut nutzlos sind, könnt ihr euch auf diese zu keinem Zeitpunkt verlassen und müsst diese Missionen aus eigener Kraft abschließen. Immerhin könnt ihr aber Charakteren, die ihr gerade nicht steuert, einen Marschbefehl geben und sie damit schon einmal an den Ort laufen lassen, an dem ihr sie dann später übernehmt, um den entsprechenden Auftrag zu erfüllen. Am Ende der Schlacht erhaltet ihr Belohnungen in Form von Rubinen, Materialien, Waffen und eben allem, was ihr während des Kampfes so aufgesammelt habt. Mit diesem Zeug im Gepäck könnt ihr dann Liefer-Sidequests abschließen, euch neu ausrüsten, Waffen upgraden oder Level-Ups erkaufen. Dann geht es auch schon in die nächste Schlacht.

Dieser durchaus repetitive Gameplay-Loop hat sowohl seine treuen Fans als auch erbitterte Widersacher. Wer mit den hektischen Massenprügeleien gar nichts anfangen kann, sollte auch Zeit der Verheerung tunlichst meiden, denn diese sind nun einmal die Hauptdarsteller eines jeden Warriors-Spiels, unabhängig davon, welche IP ihre Charaktere und Welten dafür hergibt.

Nachschlag, bitte!

Der Umfang von Zeit der Verheerung mag nicht ganz mit dem Monster des Erstlings mithalten, der abseits des Story-Modus mit diversen Adventure-Maps (vor allem in der Definitive Edition, die alle DLCs enthält) hunderte von Missionen mit sich brachte, aber genug zu tun gibt es hier auch auf jeden Fall. Dutzende von Prüfungen, die kleinere Schlachten darstellen, oft mit einigen Zusatzbedingungen oder Kniffen, wollen bestanden werden, das Erfüllen sogenannter Hyrule-Aufträge (welche von euch das Abliefern bestimmter Materialien fordern) schaltet Shops oder neue Prüfungen frei oder stärkt einen eurer Charaktere und beim Waffenschmied könnt ihr eure gefundenen Waffen kombinieren, um sie zu verstärken oder ungewollte Waffen verkaufen. Auf dem Trainingsgelände könnt ihr schwächere Charaktere gegen einige Rubine aufleveln. Auf dem normalen Schwierigkeitsgrad solltet ihr mit etwas Übung in dem Genre zwar keine größeren Probleme haben, allerdings steigen die Level-Empfehlungen von Mission zu Mission rapide an, sodass das Absolvieren einiger Prüfungen fast schon obligatorisch wird, wenn ihr die Hauptmissionen nicht ständig wiederholen wollt, um Leveltechnisch up to date zu bleiben. Außerdem… wer weiß, was sich alles durch diese Prüfungen freischalten lässt?

Neben dem Artstyle haben sich viele weitere Elemente aus Breath of the Wild in Hyrule Warriors: Zeit der Verheerung geschlichen. Auf jedem Schlachtfeld haben sich einige Krogs versteckt, die euch fürs Aufspüren Samen schenken, mit denen ihr euer Waffeninventar vergrößern könnt. Viele der Ausrüstungsgegenstände, die Link im Action-Adventure tragen konnte, warten darauf, freigeschaltet zu werden, auch wenn sie hier nur einen kosmetischen Effekt haben. Die Werte eurer Kämpfe hängen lediglich vom Level und der ausgerüsteten Waffe ab (welche glücklicherweise hier nicht zerbrechen kann!). Die Karten sind deutlich interaktiver als gewöhnliche Warriors-Maps, so lassen sich Bäume fällen oder mit euren Elementarzauberstäben Seen einfrieren oder unter Strom setzen oder Grasflächen in Brand stecken. Auch das Kochen darf in einem Breath-of-the-Wild-Prequel nicht fehlen. Erlernte Rezepte können, wenn die entsprechenden Materialien vorhanden sind, vor Start einer Mission oder Prüfung genutzt werden, um ein Gericht zu zaubern, das euch einen Vorteil in der bevorstehenden Schlacht verschafft. So steigern manche Gerichte die in der nächsten Schlacht erhaltenen Erfahrungspunkte, lassen euch weniger Schaden erleiden oder verstärken den Effekt eines eurer Module – ein weiteres Element aus Breath of the Wild. Das Magnetmodul zieht alles aus Metall in der Umgebung an, mit dem Stasis-Modul können Gegner kurzzeitig in ihrer Bewegung eingefroren werden und das Bombenmodul generiert – wer hätte das gedacht – Bomben. Auch der Attackenhagel, eine Art Zeitlupenmodus, der aktiviert wird, wenn ihr einem gegnerischen Angriff im letzten Moment ausweicht, hat es in das Spinoff geschafft.

Ein Traum, den viele Breath-of-the-Wild-Spieler hatten, wird hier außerdem erfüllt: In manchen Missionen dürft ihr die Kontrolle über einen der vier Titanen übernehmen und mit deren Schlagkraft nicht nur hunderte, sondern gleich tausende Feinde vernichten!

Verheerende Technik?

Wie schon im Preview angesprochen leidet das Action-Spektakel unter einigen technischen Schwächen. Framerate-Einbrüche und schwankende Auflösungen, die sich im Handheld-Modus noch etwas stärker bemerkbar machen als im TV-Modus, können gelegentlich den Gesamteindruck etwas trüben. Gerade im Handheld-Modus kann das, zusammen mit dem ohnehin etwas weicheren Artstyle dazu führen, dass gut versteckte Krogs oder Schatzkisten auf den Maps noch ein Stück schwerer zu finden sind. Ein Lichtblick am Horizont ist allerdings bereits aufgetaucht: Einige Youtuber durften bereits Version 1.0.1 des Spiels antesten, was bedeutet, dass ein Patch existiert, den wir noch nicht zu Gesicht bekamen. Zwar war es den Youtubern nicht möglich, Framerate- oder Auflösungsanalysen durchzuführen, allerdings scheint der Patch das Spiel merklich flüssiger zu machen.

Wie schon im ersten Hyrule Warriors könnt ihr Zeit der Verheerung per Splitscreen mit einem zweiten Spieler angehen, auch wenn sich dieser Modus negativ auf die Übersichtlichkeit und die Framerate auswirkt. Auch die amiibo-Kompatibilität ist quasi eins zu eins aus dem Vorgänger übernommen worden. Täglich könnt ihr bis zu fünf amiibo einlesen, mit denen ihr zufällig generierte Materialien oder im Fall von Zelda-amiibos auch Waffen erhaltet. Exklusive Inhalte lassen sich nach derzeitigem Kenntnisstand nicht durch amiibos freischalten.

Der Soundtrack ist eine gelungene Mischung aus sorgfältig geremixten Stücken aus Breath of the Wild und neuen Kompositionen, die sich nahtlos in die Soundlandschaft des Spiels einfügen und die Hektik der Schlachten sowie die Dramatik der Cutscenes jederzeit sinnvoll untermalen.

Fazit:

Rein vom Gameplay-Standpunkt aus gesehen bietet Hyrule Warriors: Zeit der Verheerung gewohnte Warriors-Kost mit einigen Breath-of-the-Wild-Einlagen. Als Storyaufhänger dient die Zeitreise eines kleinen Wächters, die euch die Gelegenheit bietet, Hyrule und seine vielen schrulligen Charaktere vor der Verwüstung durch Ganon kennenzulernen. Gespickt mit optionalen Nebenaufgaben, sammelbaren Items und jeder Menge Zelda-Fanservice kann der Action-Titel jeden, der diese Art Gameplay nicht abstoßend findet, durchaus in seinen Bann ziehen und dutzende Spielstunden wie im Flug vergehen lassen. Besonders hervorzuheben sind die fulminanten Spezialattacken und die abwechslungsreichen Move-Sets, die jeden Charakter wirklich einzigartig machen. 

Einziger Wermutstropfen neben dem polarisierenden, repetitiven Gameplay ist zum Zeitpunkt des Tests der technische Aspekt des Spiels. Sollte der in Aussicht stehende Patch, der vermutlich im Release-Fenster erscheinen wird, auch dieses Problem beheben, macht das Hyrule Warriors: Zeit der Verheerung zu einem Pflichttitel für jeden Warriors- und/oder Zelda-Breath-of-the-Wild-Fan.

Wertung:

8.0

Deniz Üresin meint:

"Es macht einen Heidenspaß, mit Link, Impa oder Urbosa hunderte von Bokoblins niederzumähen! "
Spielerlebnis: Sehr gut
Umfang: Sehr gut
Technik: Durchschnittlich

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9 Kommentare:


2null3
vor 5 Tagen | 2
Wäre toll, wenn Du bei Gelegenheit noch ein kurzes Update nachschieben könntest, wenn sich die Technik nennenswert verbessern sollte. Bis es soweit ist, warte ich mit dem Kauf nämlich noch ab. :)

Denios
vor 5 Tagen | 3
Jo, mach ich.

SantiagoWinehouse
vor 5 Tagen | 1
Cooler Test, danke für deinen Eindruck! Ich bin jetzt richtig heiß auf das Spiel, hoffe aber wie 2null3, dass mit dem Update einige Technik-Patzer aufgebessert werden können.

Falco
vor 5 Tagen | 1
An und für sich der interessanteste Titel dieses Jahr auf der Switch.

Klingt alles nach sehr entspannten Sessions in einer tollen Welt.

Nur die Technik... Bin da ebenfalls gespannt auf weitere Berichte.
Weil sowas wie die Demo möchte ich bei aller Liebe zu Zelda und Spaß an Warriors nicht unterstützen, insbesondere, wenn es auf der U besser lief

GF0P
vor 5 Tagen | 0
*Prequel

Denios
vor 5 Tagen | 1
Oh ja, sorry, Brot-Prequel, HW-Sequel, da kam ich durcheinander^^

Tobsen
vor 5 Tagen | 1
Wenn "im TV-Modus zwischen 570p und 810p schwankt, während im Handheldmodus Auflösungen zwischen 380 und 540p gefunden werden können" durchschnittliche Technik ist, dann will ich nicht wissen, wie unterdurchschnittliche Technik aussieht^^.

Also 380p ist halt ohne zu trollen PSone-Niveau.

Denios
vor 5 Tagen | 0
wie im darauffolgenden Satz erwähnt werden die unteren Grenzen fast nie erreicht, eher die obere. Spiel mal die Demo oder schau dir Yt Vids an, dann siehst du, dass es, für Switch-Verhätnisse, eben durchschnittliche Technik ist.

TraxDave
vor 4 Tagen | 1
Für mich ist es ja sowieso ein Fixkauf. Weil aber gar so viel über die Technik des Spiels geredet wird, will ich's mir doch noch selbst anhand der Demo anschauen. Ändern wird das aber nix am Kaufentschluss, davon kann ich mich nicht abhalten. :P