Was ihr vor dem Kauf einer Xbox Series X wissen müsst

Von Andreas Held am 14. November 2020

Unser brutal ehrliches Review zur neuen Hardware von Microsoft.

Hochmoderne Hardware mit klassischem Controller

Zugegeben: Die meisten Eckdaten der neuen Xbox-Generation sind dank der etablierten Magazine, die ihre Hardware viele Wochen im Voraus erhalten haben, schon hinlänglich bekannt. Jedes Review im Netz lobt die kurzen Ladezeiten und die flüssigen Framerates, die mit der neuen Konsole erzielt werden können, während der Lüfter vergleichsweise sehr leise bleibt. Auch das von der Nintendo Switch bekannte Quick-Resume-Feature, das nun mit mehreren Spielen gleichzeitig funktioniert, wird in jedem Artikel gelobt. Kritik gibt es hingegen bei der Spieleauswahl, da Microsoft aufgrund der Verschiebung von Halo Infinite keinen einzigen großen Xbox-Exklusivtitel vorweisen kann, was die gelungene Abwärtskompatibilität jedoch teilweise wieder herausreißt. So weit, so bekannt.

Eher wenig Aufmerksamkeit wird dem neuen Controller der Maschine geschenkt. Im Gegensatz zur Konkurrenz verzichtet Microsoft gänzlich auf irgendwelche Gimmicks - das namenlose Pad hat keine Bewegungssensoren, kein Touchpad, keine LEDs, keinen NFC-Chip und kein Mikrofon. Gut so! Tatsächlich hat das Pad noch nicht mal einen Akku, sodass ihr für den kabellosen Betrieb entweder ein Play-and-Charge-Kit oder wiederaufladbare Batterien selbst dazukaufen müsst. Alternativ könnt ihr den Controller auch einfach über ein USB-C-Kabel anschließen, das jedoch ebenfalls nicht im Lieferumfang der Konsole enthalten ist. Trotz der fehlenden Features ist das Pad von Microsoft nur unwesentlich günstiger als die Controller der Konkurrenz.

Das Steuerkreuz wirkt auf den ersten Blick etwas befremdlich und wirft die Frage auf, wer hier unbedingt seine Verschlimmbesserungskünste zur Schau stellen musste. In der Praxis funktioniert es aber einwandfrei und setzt alle Eingaben absolut präzise ins Spiel um. Auch alle anderen Kommandos wurden bisher fehler- und latenzfrei übertragen: Nach mehreren Stunden mit dem anspruchsvollen 2D-Action-Titel Dead Cells hatte ich noch nie das Gefühl, dass ich einen HP-Verlust auf den Controller zurückführen könnte. Außerdem fällt nach einiger Zeit die angerauhte Unterseite des Pads sehr angenehm auf, die auch schwitzigen Händen sehr sicheren Halt bietet.

Mögliche Kaufgründe

Es gibt genau ein Spiel, das zeitgleich mit der Xbox Series X im Microsoft-Store erschienen und in dieser Form auf keiner anderen Plattform erhältlich ist - nämlich Tetris. Die Frage warum sich jemand, der kein Xbox-Fanboy ist und die Konsole allein wegen ihres Markennamens kauft, zum jetzigen Zeitpunkt eine Xbox Series X anschaffen sollte, ist also durchaus berechtigt - aber es gibt plausible Antworten.

Da wären zum einen die Upgrades, die einige existierende Spiele erfahren haben. Ich habe zwei Titel getestet, die laut Microsoft extra für die neuen Konsolen angepasst und verbessert wurden: Forza Horizon 4 und No Man's Sky. Ersteres ist klar und deutlich das bestaussehende Videospiel, das ich jemals gespielt habe und erreicht in 4K eine praktisch fotorealistische Optik, während Grafikfehler und Framerate-Einbrüche eine absolute Ausnahme darstellen. Und ich habe tatsächlich mal den Start eines Rennens verpasst, weil ich den vermeintlichen Ladebildschirm dazu nutzen wollte, einen Schluck zu trinken. Selbst das technisch gemeinhin eher durchwachsene No Man's Sky lässt im direkten Vergleich zur PS4-Pro-Version einen klar spürbaren Fortschritt erkennen. Die Optik ist merklich schärfer und detailreicher, die Ladezeiten viel kürzer und die Framerate absolut flüssig, ohne dass der Lüfter der neuen Konsole beeindruckt wäre. Dass selbst bei überarbeiteten Last-Gen-Titeln ein derart deutlicher Generationensprung zu erkennen ist, macht in jedem Fall Lust auf mehr.

Gerade aufgrund des Game Pass könnte sich die neue Konsole außerdem vor allem für Nicht-Fans lohnen. Wer noch nie eine Xbox-Konsole besessen hat, kann praktisch ohne zusätzliche Kosten auf Flaggschiff-Titel wie Gears 5, die Halo Master Chief Collection, Forza 7, Forza Horizon 4, Sea of Thieves, Ori and the Will of the Wisps, Rare Replay, ReCore oder New Super Lucky's Tale zugreifen und diese sofort spielen. Gerade aus diesem Blickwinkel heraus ist es jedoch etwas schade, dass ältere Titel - abseits von Rare Replay und EA Play - fast gar nicht im Game Pass vertreten sind. Das Mistwalker-RPG Lost Odyssey und Serien wie Project Gotham Racing oder Ninety-Nine Nights sind Beispiele für Titel, die bis heute nur für Xbox-Konsolen verfügbar sind und für ihre Publisher keine Gewinne mehr abwerfen, den Game Pass aber vor allem aus Sicht von Neukunden noch weiter aufwerten könnten.

Das beste Preis-Leistungs-Verhältnis aller Zeiten

Die größte Stärke des Game Pass ist jedoch ohne Zweifel der sehr starke Dritthersteller-Support. Abonennten können nämlich nicht nur auf sämtliche First-Party-Titel, sondern auch auf Spiele wie NieR Automata, Yakuza Zero, The Outer Worlds, Kingdom Hearts III, Star Wars Jedi: Fallen Order oder Hollow Knight zugreifen und diese einfach herunterladen und spielen. Darüber hinaus wird der Service ständig mit Neuzugängen erweitert. Wer sich eine Xbox Series X zulegt und ein Game-Pass-Abo abschließt, muss sich im Prinzip nie wieder ein Spiel kaufen und wird trotzdem niemals Langeweile haben - und jede Menge Geld sparen, zumal ihr euer Abo jederzeit beenden und zu einem späteren Zeitpunkt wieder fortsetzen könnt.

Darüber hinaus könnt ihr über Microsoft Rewards auf ein Punktesystem zugreifen, das im weitesten Sinne den auf Nintendo Switch Online eingesetzten Goldpunkten entspricht. Aktuell erhaltet ihr z.B. beim Kauf ausgewählter Spiele einen Bonus von 6.000 Punkten, was in etwa einem Gegenwert von 6 Euro entspricht. Darüber hinaus lassen sich Belohnungspunkte auch einfach erspielen, wenn ihr bestimmte Aufgaben erfüllt, die meist extrem schnell und einfach zu erledigen sind. Reich wird man auf diese Weise nicht, aber wer seine Xbox Series X regelmäßig nutzt und auf gute Angebote wartet, kann sicherlich mal das ein oder andere Add-On für lau ergattern.

Fazit:

Der Konsens im Netz ist eindeutig: Sowohl Sony als auch Microsoft haben mit der neuen Konsolengeneration technische Glanzstücke abgeliefert, die mühelos eine fotorealistische Optik in 4K und mit flüssigen 60 Bildern pro Sekunde darstellen können und Ladezeiten drastisch verkürzen. Nachdem ich mich nun selbst von Microsofts neuer Konsole überzeugen durfte kann ich bestätigen, dass es sich bei diesen Lobeshymnen um mehr als nur Geschwafel von bezahlten Influencern handelt. Selten war technischer Fortschritt direkt nach dem Start einer neuen Konsolengeneration derart stark wahrnehmbar. Dabei geht es nicht nur um Grafikblenderei; dank stabileren Framerates und kürzeren Ladezeiten profitiert auch die eigentliche Spielerfahrung von der stärkeren Hardware. Für welche der beiden Konsolen man sich nun entscheidet, ist hauptsächlich von der Spieleauswahl und dem persönlichen Geschmack abhängig. Sony liefert auf den ersten Blick das bessere Launch-Lineup, aber wenn ihr keine Xbox One besessen habt, könnt ihr euch allein mit den im Game Pass erhältlichen First-Party-Titeln monatelang beschäftigen. Und wenn ihr damit fertig seid, werden dutzende weitere Titel für den Abo-Service erschienen sein. Für mich persönlich steht daher fest, dass ich mir zwar so früh wie möglich eine PS5 besorgen möchte, die Sony-Konsole aber nur noch für wichtige Exklusivtitel und absolute Must-Plays verwenden werde. Ansonsten hat die Xbox-Marke für mich klar die Nase vorn, da Microsoft nicht nur eine herausragend gute Hardware, sondern mit dem Game Pass auch ein herausragend gutes Geschäftsmodell vorweisen kann.

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11 Kommentare:


TraxDave
vor 1 Woche | 0
Amen.

prog4m3r
vor 1 Woche | 0
Jetzt müsste man nur noch eine Series X bekommen. Wirklich doof gelaufen, aber nun gut. Nächstes Jahr sollte die Kiste doch wohl problemlos zu bekommen sein und ggf. dann sogar mit Spielen, welche ich nicht auf meiner Xbox One zocken kann.

GF0P
vor 1 Woche | 0
Auf Twitter hat sich MS für die schleppende Auslieferung entschuldigt. Ein unvorhersehbares Ereignis sei Schuld. KP ob dank Covid eine Fabrik schließen musste, die EU Strafzölle Schuld sind oder ob es einfach eine Ausrede ist... Donald Trump ist Schuld!

michi1894
vor 1 Woche | 0
Die Series S ist eine gute Alternative. Die SSD ist klein, aber man bekommt locker 10 bis 15 Spiele drauf (Call of Duty braucht kein Mensch). Gears 5, Forza Horizon 4, Halo 5, Ori, Dead Cells, FIFA 20, Grounded, Cross Code, Star Wars Jedi: The Fallen Order, The Messenger, Battletoads, Streets of Rage 4 und Bright Memory befinden sich gerade auf meiner Platte. Das ist 90% Gamepass und genau dafür reicht die kleine, weiße XBOX locker aus.

Asinned
vor 1 Woche | 1
Zwischen Zeit und Geld ist Zeit das für mich deutlich wertvollere gut, darum gewichte ich das tolle Preis Leistungsverhältnis des Game Pass für mich persönlich als zweitrangig. Wenn MS‘s Studiokäufe in 1-X Jahre ihre Früchte zeigen habe ich natürlich 0 Probleme mit das Abo zuzulegen, aber ob ich dann zum spielen noch ne Series Konsole brauche ist dank XCloud fraglich.zum jetztigen Zeitpunkt ohne diese Titel die nur auf der neuen Hardware laufen fühlen sich die Series Konsolen mehr wie Xbox One XX an als wie nach einer neuen Generation.

dexter0201
vor 1 Woche | 2
Ich check nicht, wie man diesen game Pass feiern kann... Soviel Geld würde ich niemals für games im Jahr ausgeben, um mir diese nur zu leihen und finanziere dadurch auch noch games, die ich gar nicht mag und die Spiele, die ich feier können durch den mageren Gewinn im game Pass kaum ohne mikro Transaktionen erfolgreich sein.
Dann lieber Voll-Preis-Game kaufen. Meine Meinung.

prog4m3r
vor 1 Woche | 1
Ich hab den Gamepass Ultimate, obwohl ich ihn persönlich eigentlich nicht brauche. Letztendlich kostet mich der Spaß (aktuell) keine 60€ im Jahr, natürlich wäre dies ein Vollpreistitel, aber durch Gamepass/Gold-Rabatte und "Gratis"-Xbox(360) Titel habe ich den Betrag schnell wieder raus. Sei es wie es sei, es ist zumindest ein guter Weg um Titel anzutesten, welche man normalerweise nicht beachtet oder über deren Kauf man sich am Ende dann geärgert hätte. Was wirklich gefällt wird von mir dann sowieso permanent erworben - doppelt und dreifach.

Ich bin natürlich nicht wirklich die Zielgruppe des ganzen, aber gerade bei jüngeren wo Geld die wertvollere Ressource als Zeit ist, hat dieses Abo halt einen enormen Mehrwert und besser der magere Gewinn als Raubkopien - wie man es früher halt machen musste..., selbiges gilt mMn. für Gelegenheitsspieler.
michi1894
vor 1 Woche | 3
Ich kann ein Modell, wie den Gamepass auch nicht nachvollziehen. 23€ für 4 Monate bezahlen und Zugriff auf 100 Spiele zu bekommen ist schon frech. Netflix macht den gleichen Unsinn in der Fernseh-Industrie. 80€ für ein einzelnes Spiel oder 20€ für einen Film ergeben da schon deutlich mehr Sinn.

Vyse
vor 1 Woche | 2
Ich frage mich, wie viele oder welche Spiele man sich kaufen muss, damit 9,99€ oder maximal 12,99€ im Monat im Vergleich dazu "viel Geld" sind.
Ja, der Leihaspekt ist ein Kritikpunkt, zumal man beim Game Pass nie weiß wie lange die Spiele verfügbar sein werden. Aber im Gegenzug spare ich (als Vielspieler) mehrere hundert Euro im Jahr, bin gegen Fehlkäufe abgesichert und kann mir einfach selbst ein Bild von einem Spiel machen, wenn ich finde dass es interessant aussieht. Die Vorteile überwiegen extrem.

2null3
vor 6 Tagen | 0
Finde das Game Pass Konzept eigentlich ganz gut. Besitzen gefällt mir zwar auch besser als leihen, zugegeben, aber die meisten Spiele verstauben bei mir nach dem ersten, maximal zweiten Durchspielen im Regal und werden dann entweder verschenkt oder über Jahre verliehen, wenn überhaupt.
Der einzige Moment in dem ich Konzepte wie Netflix oder einen Game Pass blöde finde, sind die seltenen Momente in denen mein Internet nicht funktioniert und ich dementsprechend auch keinen zugriff auf die Spiele oder Serien im Angebot habe.


CaptainSatan
vor 1 Woche | 0
Die First Party Spiele von Microsoft erscheinen sofort im GamePass und verlassen ihn auch nicht mehr.