Test: Clea (Nintendo Switch)

Von Jeremiah David am 07. November 2020

Clea ist ein Survival-Horror-Abenteuer, das auf Geschicklichkeit basiert und keine Schreckmomente beinhaltet. So beschreibt Entwickler InvertMouse das eigenwillige Spiel auf Steam. Kann ein Horror-Abenteuer ohne Schreckmomente überzeugen? Inzwischen hat es der Titel auch auf Nintendos Hybridkonsole geschafft und wir haben uns die Switch-Version angeschaut, um euch genau diese Frage zu beantworten.

Happy Birthday!

Die Rahmenhandlung des Spiels ist schnell beschrieben: Clea und ihr Bruder Ed sind ganz allein, und das ausgerechnet an Cleas Geburtstag. Die Eltern sind verschwunden, das Kindermädchen ebenso. Dafür schlurfen aber bösartige Chaos-Diener durch das alte Gemäuer der Familie Whitlock, außerdem wird Clea regelmäßig von einem dämonischen Zwilling heimgesucht.

Die Story wird hauptsächlich durch spärlich animierte Cut-Scenes zwischen den einzelnen Levels erzählt, es gibt im Laufe der drei bis vier Stunden Spielzeit aber auch einige Bücher und Notizen zu finden, die weitere Hintergrundinformationen liefern. Unabhängig davon ist die Story allerdings mehr Mittel zum Zweck und dient letztlich nur als unnötiges Gerüst für das Gameplay.

Clea ist definitiv ein Survival-Spiel und so ist es stets das Ziel, in der Rolle des titelgebenden Mädchens unbeschadet das Ende eines Levels zu erreichen. Was den Titel von den üblichen Konkurrenzprodukten mit stärkerem Horroreinschlag absetzt ist jedoch die Präsentation: Clea setzt auf 2D-Sidescrolling und einen zugegebenermaßen düsteren, aber zugleich bunten Anime-Grafikstil. Alle Charaktere wurden außerdem so animiert, als wären sie Gliederpuppen aus Papier. Das bedeutet, dass sie immer nur im Profil zu sehen sind und sich ziemlich hölzern bewegen. Horrorfeeling kommt dadurch trotz bisweilen düsterer Themen nur äußerst selten auf.

Katz-und-Maus-Spiel in der Villa Whitlock

Als Spieler lenken wir Clea mit Ed im Schlepptau in der Seitenansicht von links nach rechts (oder umgekehrt) durch unterschiedliche Teile des whitlockschen Anwesens. In jedem Teil des Hauses und des Gartens gibt es einige Korridore, ein paar Zimmer und einen oder mehrere unsterblichen Gegner, denen wir aus dem Weg gehen müssen indem wir uns in Schränken oder leeren Räumen verstecken. Ob ein Raum leer ist, erfahren wir durch Drücken der B-Taste, denn dann kann Clea auf die andere Seite einer Türe schauen.

In den Räumen versteckt sich Clea nicht nur vor Chaos-Dienern, dort findet sie auch Gegenstände, die zum Weiterkommen benötigt werden. Gelegentlich müssen dazu auch kleinere Rätsel gelöst werden. In der Praxis heißt das, dass wir als Clea immer auf der Hut vor einem Chaos-Diener sind, während wir ausnahmslos alle Zimmer abklappern, um die relevanten Items aufzusammeln. So entwickelt sich das Gameplay zu einem Arcade-artigen Katz-und-Maus-Spiel, das mehr an ein düsteres Pac-Man als an andere Horrorspiele erinnert. Der Clou dabei ist, dass die Schritte der Chaos-Diener immer hörbar sind. Anhand der Lautstärke ist also die Nähe des jeweiligen Gegners auszumachen. Ebenso reagieren diese auf unsere Geräusche. Cleas normale Gangart ist eher gemächlich, macht dafür aber nicht viel Lärm. Noch weniger Lärm macht sie beim Schleichen, ist dann aber langsamer als eine altersschwache Schildkröte nach einem Bandscheibenvorfall. Mit gedrückter Y-Taste sprintet Clea, klingt dabei aber wortwörtlich wie ein Hammer, der wiederholt auf ein Holzbrett schlägt und dann lockt sie selbstredend den jeweiligen Chaos-Diener in der Nähe an.

Die Zimmer hinter den vielen Türen sind äußerst lieblos gestaltet und machen inhaltlich noch nicht einmal Sinn. Wohnzimmer, Esszimmer, Schlafzimmer, Badezimmer? – Nope! Zur Standardausrüstung der meisten Räume zählen lediglich eine Toilette und ein Schrank. Copy-and-paste eben. Die Gegenstände, die es zu finden gibt sind ähnlich einfallslos und schweben in der Luft: Um Türen zu öffnen, findet Clea unterschiedlich eingefärbte Schlüssel oder Bausteine, die sie zu Schlüsseln zusammensetzen muss. Der gelbe Schlüssel öffnet eine gelbe Türe, der blaue Schlüssel eine blaue Türe, und so weiter. Rote Tränke beseitigen Narben und sind somit praktisch Health-Items. Mit blauen Kerzen kann Clea zudem Gegner vorübergehend aufhalten oder alternativ an willkürlich herumstehenden Geburtstagstorten speichern, wobei die Kerzen auf dem einfachsten Schwierigkeitsgrad nicht zum Speichern nötig sind. Härtere Schwierigkeitsgrade können nur frustresistenten, äußerst geduldigen Spielern empfohlen werden, denn das Spiel ist vorbei, sobald Clea von einem Gegner berührt wird, was aufgrund des verwirrenden Leveldesigns durchaus schnell passieren kann. Eine Sterbeanimation oder ähnliches gibt es übrigens nicht, nur einen harten Cut und den Schriftzug "Ende".

Fazit:

Clea ist nicht nur ein Horror-Spiel ohne Schreckmomente, es ist auch ein Horror-Spiel ohne Horror. Das Spiel schafft es nur in Ausnahmesituationen Spannung aufzubauen. Themen wie Suizid, Schizophrenie und Wahnvorstellungen werden bestenfalls angeschnitten, aber nie konsequent ausgearbeitet. Es ist ein 2D-Survival-Spiel mit einer seichten Story, hölzernen Animationen, dummen Gegnern und einfallslosem Leveldesign. Ungeachtet dessen ist es jedoch einwandfrei spielbar und kann als old-school Arcade- beziehungsweise Geschicklichkeitsspiel durchaus über kürzere Strecken hinweg annehmbare Unterhaltung bieten.

Auf Steam kostet die PC-Version 8,99 Euro. Dieser Preis scheint für ein Spiel dieser Art angemessen. Im Nintendo eShop sollen Spieler fast das Doppelte für die Software hinlegen. Das ist schlicht zu viel.

Wertung:

5.5

Jeremiah David meint:

"Clea ist ein seichtes, old-school Geschicklichkeitsspiel fast ganz ohne Horror."
Spielerlebnis: Durchschnittlich
Umfang: Gut
Technik: Durchschnittlich

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