Test: Hyper Brawl Tournament

Von Robert Emrich am 06. November 2020

Handball im Weltraum. Kein Scherz.

Gute sportliche Partyspiele, die man mit Freunden vor dem heimischen Fernseher zusammen oder gegeneinander spielen kann, sind eine feine Sache und können einen Abend legendär machen, während schlechte Spiele mitunter genau das Gegenteil bewirken.

Das in Liverpool ansässige Milky Tea Studio schickt euch jetzt in seinem neuesten Spiel Hyper Brawl Tournament in actiongeladene 2v2 Spieler Duelle, die zeigen sollen, ob ihr die wahren Champions des Universums seid. Wir haben uns das Spiel einmal für euch angesehen, um herauszufinden auf welche Art von Abend ihr euch mit euren Freunden und dem Spiel vorbereiten könnt. 

Die etwas anderen Guardians of the Galaxy

Wie in Sportspielen üblich, ist die Handlung eigentlich komplett nebensächlich, soll euch aber der Vollständigkeit halber nicht vorenthalten werden:
Die uralten Beschützer des Universums sind auf der Suche nach dem größten Helden des Universums und durchstreifen zu diesem Zweck seit Jahrtausenden Raum und Zeit. Die im Laufe ihrer langen Suche gefundenen Kandidaten, bringen sie zu einem geheimen Turnier, dem Hyper Brawl Tournament, das sie geschaffen haben, um den ultimativen Helden im sportlichen Wettkampf ermitteln zu können. Und im Prinzip war es das auch schon.
Leider lässt die Handlung einige essentielle Punkte wie die Fragen, ob Wächter des Universums nichts besseres zu tun haben, Handball wirklich der beste Weg ist, um einen ultimativen Helden zu bestimmen oder aber warum es in einem geheimen Tournament einen Stadionansager gibt offen. Das ist für das Spiel selber nicht weiter tragisch, hinterlässt aber einen faden Beigeschmack, wenn man bedenkt, dass selbst das Genre-verwandte Alpaka Ball: Allstars einen plausibleren Plot bietet.

Schlagen, treten, werfen und das ganze noch einmal von vorne

Hyper Brawl Tournament ist schlicht gesagt ein Handball-Spiel in dem alles erlaubt ist. Mit drei anderen Spielern, die online oder offline wahlweise von anderen Spielern oder dem System gesteuert werden, bildet ihr zwei Mannschaften und versucht den Ball in das Tor eures Gegners zu werfen, oder eurem Gegner den Ball abzunehmen, indem ihr ihn mit Schlägen, Tritten und Waffen verprügelt. Hierfür stehen euch acht unterschiedliche Waffen und zwölf mögliche Helden zur Verfügung, die sich in die Kategorien Tank (zäh und langsam), Stürmer (schnell und fragil) und Allrounder (ausgeglichen) einteilen lassen. Während alle acht Waffen komplett eigene Spielstile fordern und fördern, ist die Wahl des Helden weitestgehend irrelevant, da sie keine individuellen Fertigkeiten besitzen und auch die Kategorien nur gering ins Gewicht fallen. Gespielt wird auf einem von zwölf möglichen Feldern, die alle genau einen Bildschirm groß und mit unterschiedlichen, teilweise beweglichen Hindernissen versehen sind. Diese könnt ihr umgehen, indem ihr euch entweder geschickt positioniert, den Ball über eine Bande abprallen lasst oder den Wurf des Balls anschneidet, was im Spiel HyperCurve genannt wird, und ihn in einem Bogen um Gegner und Hindernisse herum fliegen lässt.

Jedes Match geht über mehrere Runden, die jeweils 90 Sekunden dauern. Gewonnen hat, wer die meisten Runden für sich entscheiden konnte, wobei das Spiel vorzeitig beendet wird, wenn das schwächere Team keine Chance mehr hat, das Match mit einer gewonnenen Runde für sich zu entscheiden.

Der Ball ist rund mit Ecken und Kanten

Technisch gibt es an dem Spiel wenig zu beanstanden. Alle Controller-Eingaben reagieren online und offline problemlos und zeitnah und das Matchmaking benötigt zum Erstellen eines Matches angenehm schnelle 15 bis 30 Sekunden. Die Grafik ist für einen Sportbrawler in Ordnung, lockt aber keine Jubelstürme hervor und ist besonders in den Menüs zeitweise leicht ruckelig und gröber, als es auf der Switch nötig wäre. Der Soundtrack des Spiels ist ähnlich wie die Grafik zweckmäßig minimalistisch, während die obligatorisch englische Sprachausgabe kaum ins Gewicht fällt, da der Stadionansager eh immer nur dieselben sechs Sprüche bringt. 

Spielerisch sieht es da abhängig von der Spielerzahl zuweilen anders aus. Dass Partyspiele mit nur einem Spieler meistens nicht ihr volles Potential entfalten können, macht Sinn. Doch Hyper Brawl Tournament schafft es mit einigen fragwürdigen Designentscheidungen den Frust auf ein gefährlich hohes Niveau zu heben. Das beginnt offline damit, dass Spieler und NPCs in identischen Teamfarben herumlaufen und das Spiel dem Spieler entweder automatisch oder manuell wechselnd die Kontrolle über beide Charaktere gibt, ohne deutlich sichtbar zu machen, welchen der beiden Charaktere man gerade steuert. Auch die Anzeige, wer gerade den Ball hält ist in der Hitze des Matches so leicht zu übersehen, dass wir nicht selten dachten den Ball gerade ins Tor zu werfen, während wir tatsächlich mit dem anderen, falschen Charakter abseits des Kampfes gegen eine Wand liefen. Auch das durchweg aktive Friendly-Fire verhindert gerne einmal Tore, wenn der eigene NPC den vor uns stehenden Gegner und uns selber mit einem Tritt erwischt. In einer besonders legendären Aktion positionierte sich ein Team-NPC in letzter Sekunde zwischen uns und dem Tor, wodurch der Ball erst ihn und dann, per Abpraller, unseren eigenen Charakter K.O. schlug, um dann ins eigene Tor zu rollen. Kann man sich nicht ausdenken.
Auch online kommt alleine leider wenig Spaß auf, wenn man mit seinem NPC im Team auf zwei menschliche Gegner trifft, die in so einem Fall dank der durchschnittlichen K.I. leichtes Spiel haben. Hier könnte das Matchmaking noch ein wenig besser arbeiten und entweder zwei einzelne Spieler online zu einem Team machen oder Einzelspieler nur gegen andere Einzelspieler antreten lassen. 

Fast alle der oben genannten Probleme kann man mit einem Mitspieler auf der Couch und ein wenig Training umgehen, zumal man die Figuren im Match online individuell einkleiden und damit besser erkennen kann. Das entschuldigt aber nicht die fragwürdigen Designentscheidungen des Einzelspieler-Modus zumal diese bei anderen Genrevertretern bereits deutlich besser gelöst worden sind.

Fazit:

Hyper Brawl Ultimate fügt sich nahtlos in die Liste der bereits vorhandenen Couch-Coop-Sport- und Partyspiele ein, ohne sich von der Konkurrenz abzuheben. Im Gegenteil: Die selbst für einen Vertreter dieses Genres dünne Story und mehrere Designentscheidungen machen das Spiel für Einzelspieler stellenweise zu einer frustrierenden Erfahrung, die auch die deutlich spaßigeren Mehrspieler-Matches nicht vergessen machen können. So bietet das Spiel höchst durchschnittliche Unterhaltung, die für Freunde des Genres mit schnellem Zugriff auf Mitspieler den Kauf wert sein, von allen anderen aber getrost ignoriert werden kann. 

Von uns getestet: Nintendo-Switch-Version

Wertung:

6.0

Robert Emrich meint:

"Durchschnittlicher Party-Sport-Brawler, der mit Freunden unterhält, alleine aber enttäuscht."
Spielerlebnis: Durchschnittlich
Umfang: Gut
Technik: Gut

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3 Kommentare:


Tobsen
vor 2 Wochen | 1
Irgendwie tust du mir Leid, dass du immer diese Indie-Shovel-Ware testen musst. lol.
Ich denke, ich skippe HBT.

Jerry
vor 2 Wochen | 2
Ich kann aus Erfahrung sagen: So kommt man aber auch immer wieder zu Perlen, die man sonst nie gespielt hätte.
2null3
vor 2 Wochen | 0
Nett von Dir, aber mir macht es nichts aus und hin und wieder sind da tatsächlich nette Sachen dabei. Foregone z.B. war super und Alpaka Ball macht vermutlich zu mehrt wirklich Spaß, auch wenn es mir keiner so recht glaubt (und meine Freundin sich weigert, es mit mir zu testen).
Außerdem fand ich es für die ersten Artikel auch ganz entlastend, erst einmal kleinere Titel zu testen, da der Anspruch an das Review zumindest bei mir bei einem teuren AAA Spiel höher ist, als bei einem Titel wie Grave Digger. :D