Hands-On: Gwent

Von Lars Peterke am 18. August 2016

Die gamescom ist trotz ihrer Größe keine Messe für umfassende Enthüllungen. Die eine oder andere Premiere gibt es aber dennoch. So stellt der Polnische Entwickler und Publisher CD Project Red in Köln zum ersten Mal sein kommendes Spiel Gwent der breiten Öffentlichkeit vor. Dabei handelt es sich um das Kartenspiel aus “The Witcher 3: Wild Hunt”, welches nun im großen Stil neu aufgelegt und losgelöst von Geralts Abenteuern veröffentlicht wird. Wir haben den Titel angespielt.

Worum geht es bei Gwent?

Immer wenn die Spielfiguren aus dem Witcher-Universum eine Pause brauchen, geht es zu einem gepflegten Ale in den Pub. Hier kommen dann die Gwent-Karten (Im deutschen Gwint) auf den Tisch. Bei Gwent handelt es sich um ein Sammelkartenspiel, in dem zwei Spieler ihre Truppen gegeneinander in die Schlacht führen. Ein Gwent-Deck besteht aus mindestens 22 Karten, wobei es natürlich je nach Kartentyp gesonderte Regeln dazu gibt, wie oft diese Karte im Deck enthalten sein darf.

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Zu Beginn können bis zu drei Karten der Starthand neu gezogen werden, damit der Erfolg nicht vom Kartenglück abhängt.

Die Grundregeln von Gwent sind unglaublich simpel und in wenigen Minuten erklärt. Beide Spieler starten mit ihren Decks und ziehen zehn Karten. Im Anschluss können maximal drei dieser Karten abgeworfen und neu gezogen werden. Danach beginnt das Match, bei dem der Spieler gewinnt, der in zwei Runden die höhere Punktzahl erzielen kann. Es werden also maximal drei Runden pro Match gespielt. Der Clou: es werden keine Karten nachgezogen und ihr müsst mit euren 10 Handkarten ein komplettes Spiel lang zurechtkommen.

Nach dem Beginn der Runde spielen beide Spieler abwechselnd je eine Karte in ihrer Seite des Schlachtfeldes aus. Dies können Einheiten, Helden, Monster oder statusverändernde Zauberkarten sein. Das Schlachtfeld ist für jeden Spieler in drei Reihen unterteilt, die sich an den Einheiten-Kategorien für Nahkampf, Fernkampf und Belagerung orientieren. Oft verstärken gespielte Einheiten alle anderen Truppen in derselben Reihe. Und Zauberkarten wie der Schneesturm legen beispielsweise die Fernkampf-Reihen beider Spieler auf Eis.

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Auf dem Spielbrett werden die Einheiten abwechselnd gespielt und je nach Typ auf der Reihe für Nahkampf, Fernkampf oder Belagerung platziert.

Bluffen und Taktieren mit viel Spieltiefe

Spieler legen so lange abwechselnd eine Karte, bis sich einer der beiden entscheidet zu passen. Damit beendet er die Runde. Sein Gegenüber hat nun die Möglichkeit, ebenfalls zu passen oder beliebig viele weitere Karten auszuspielen, bis er mehr Punkte hat und damit die Runde für sich beansprucht. Ob dies allerdings taktisch klug ist, sei dahingestellt. Oft kann es auch sinnvoll sein, die erste Runde an den Gegner abzugeben, wenn sich daraus für die zwei folgenden Runden ein Kartenvorteil ergibt.

Schon die Basisregeln zeigen: Gwent ist ein hochtaktisches Spiel und setzt voll auf das Bluffen. Weil aber nur wenige Karten im Spiel sind, bleibt es stets überschaubar. Die Komplexität von Gwent ergibt sich wie auch bei anderen Kartenspielen wie Magic: The Gathering aus den Sonderkonditionen auf den Karten. So erlauben etwa manche Karten das Wiederbeleben einer toten Einheit vom Ablagestapel oder sie erlauben das Nachziehen einer Karte vom Hauptdeck.

Durch die Sonderkonditionen der einzelnen Karten ergeben sich viele verschiedene mögliche Spielstile. Zu Beginn erhält der Spieler daher die Möglichkeit, sich für eine von vier Fraktionen zu entscheiden, deren Starter-Decks jeweils einen anderen Fokus setzen. Generell sind viele Karten so ausgelegt, dass sie unter gewissen Voraussetzungen ein komplettes Spiel drehen können. Wer ein ausgewogenes Deck spielt, kann jede noch so überraschende Aktion des Gegners kontern. Das allein ist sehr motivierend und sorgt dafür, dass man mitunter stundenlang an seinen Decks feilt.

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Konter! Hier friert eine Frost-Karte die Nahkampf-Reihen beider Spiele ein. Alle dort platzierten Einheiten bringen jetzt plötzlich keine Punkte mehr!

Kein Minispiel

CD Project Red gibt sich sehr viel Mühe, damit die Standalone-Variante von Gwent nicht wie ein Minispiel wirkt. Neben neuen Kartentypen und einer überarbeiteten Spielübersicht sind es vor allen Dingen die vielen Modi, die überzeugen sollen. So werden umfassende Tutorials und komplette Solo-Kampagnen angeboten, in denen der Spieler auf Kartenjagd gehen kann.

Die Entwickler wollen laufend weitere Inhalte für das Spiel anbieten. Dabei sind viele Story-Schreiber von The Witcher involviert. Rein inhaltlich wird Gwent also das Witcher-Universum erweitern und vertiefen. Trotz des Umfangs will man den Titel “free to play” auf den Markt bringen. Der Umsatz wird also vermutlich über den Kauf von Booster-Packs oder zusätzlichen Story-Kampagnen generiert werden. Am 25. Oktober soll aber zunächst eine Closed Beta für den PC und die Xbox One starten. Die Anmeldung dafür ist unter www.playgwent.com möglich. Auch für die PS4 soll es wenig später eine Closed Beta geben. Für den PC und die Xbox One wurde zudem bereits Crossplay bestätigt. PS4-Besitzer müssen beim Thema Crossplay wie auch bei Rocket League abwarten, inwieweit Sony seine Systeme künftig öffnen wird.

Fazit:

In unserem ersten Hands-On hat uns Gwent voll überzeugt. Die Regeln sind nach wenigen Minuten verinnerlicht und die Freude ist groß, wenn man mit einer einzigen Karte das komplette Spiel des Gegners dreht. Durch das hohe Maß an Taktik rückt der Sammel-Aspekt zudem in den Hintergrund und man wird wohl nicht gezwungen sein, viel Geld in das Spiel zu stecken, damit man mit seinen Decks eine Chance gegen andere Spieler hat. Bei CD Project Red sind die Karten also bereits jetzt im wahrsten Sinne des Wortes gut gemischt. Damit ist Gwent schon jetzt ein ernstzunehmender Konkurrent für Blizzards Heartstone oder das angekündigte Fable Fortune. Der Rest ist Fleißarbeit. Für die fertige Version erwarten wir einen Ingame-Chat, gutes Matchmaking und ein umfassendes, ausbalanciertes Set an Karten. Doch dass die Jungs und Mädels bei CD Projekt Red fleißig sein können, müssen sie nach der Arbeitsleistung hinter The Witcher 3 keinem mehr beweisen.

Eindruck: Sehr gut

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1 Kommentare:


Vyse
vor 3 Jahren | 0
Klingt cool. Falls es einen vernünftigen Online-Modus bekommt könnte es gut sein, dass ich mich mal tiefer damit auseinandersetze. Hearthstone macht seit WotOG keinen wirklichen Spaß mehr, aber Gwent stellt ja durch sein Regelwerk schon sicher, dass nicht fast alle Matches allein durch Kartenglück in den ersten 2-4 Runden entschieden werden.