Angespielt: Humankind & Immortals: Fenyx Rising

Von Nico Zurheide am 29. Oktober 2020

Mein Ersteindruck mit Google Stadia.

Google Stadia hat bis zum 28. Oktober im Rahmen der sogenannten Open Dev Days einige Demoversionen zu kommenden Spielen angeboten, darunter auch exklusiv Demos zum Rundenstrategiespiel Humankind und zum Open-World-Adventure Immortals: Fenyx Rising, welches bis vor einigen Monaten noch als Gods & Monsters bekannt war. Ich habe mich bei dem Streamingdienst registriert und die beiden Testversionen ausprobiert.

Gleich vorweg: Bisher habe ich News zu Google Stadia zwar verfolgt, den Dienst aber eher mit Desinteresse abgestraft, weil mir das Preismodell nicht zusagte und zu wenige Spiele angeboten wurden. Die exklusiven Demos zu derart bekannten Spielen bewegten aber nun sicher nicht nur mich zum Anmelden bei Stadia, daher ist es für mich nicht verständlich, warum Google den schwächelnden Dienst nicht stärker mit dieser Aktion bewarb. Nun, das weiß der Softwaregigant sicher selbst am besten, also gehe ich lieber auf die beiden Spiele ein und beginne mit Humankind.

Endless Civilization

Das Rundenstrategiespiel kommt vom französischen Entwickler Amplitude Studios, die sich bisher hauptsächlich mit den ebenfalls rundenbasierten Strategiespielen Endless Space 1 & 2 und Endless Legend einen Namen machten. Wie bereits bei den bisherigen Spielen des Studios tritt auch beim neuen Titel Sega als Publisher auf, inzwischen ist Amplitude ohnehin ein Tochterunternehmen der japanischen Firma. Sowohl Endless Legend als auch Humankind sind sogenannte 4X-Strategiespiele, wir kontrollieren also Einheiten und Städte auf einer Hexagrid-Karte und versuchen Runde für Runde unser Imperium zu erweitern. Der größte Name in dieser Sparte dürfte sicherlich Sid Meier's Civilization von Creative Assembly und 2K sein - und vielleicht auch weil ein großer Teil der Genre-Fanbase bereits an das Spielprinzip der Civilization-Reihe gewöhnt ist, näherte sich Amplitude mit dem Gameplay von Humankind noch weiter an den Konkurrenten an. Herausgekommen ist dabei ein Mix aus Endless Legend und Civilization VI, der sich durch einige eigene Einfälle aber doch etwas anders spielt.

In der Stadia-Demo starten wir direkt mit Nubien ins Spiel und verfügen auch bereits über eine Stadt und einige Spähertruppen. Wie in den anderen genannten Spielen auch geht es nun erstmal darum, die umliegenden Gebiete zu erkunden und potenzielle Orte für neue Siedlungen ausfindig zu machen. Eine platzierte Stadt nimmt dabei stets direkt ein ganzes der vordefinierten Gebiete der Karte ein. Dabei fällt direkt auf, dass die Grafik sich zwar an der Farbsättigung von Civilization VI orientiert, aber doch nochmal etwas hübscher daherkommt. Wilde Barbaren laufen auch hier herum und wollen unseren Spähern das Leben schwer machen, dazu existieren aber auch wilde Bären als Gegner ohne feste Zielsetzung. Die Kämpfe finden zwar ebenfalls rundenbasiert statt, sind aber vom eigentlichen Spielgeschehen etwas abgekoppelt. Starten unsere oder gegnerische Truppen einen Kampf, geht es nach einer vorangestellten Platzierungsphase der Armeen in drei Kampfrunden gegeneinander. Die Entwickler setzen hier also nicht wie sonst üblich auf ein erweitertes Schere-Stein-Papier-Prinzip, sondern würzen die Kämpfe mit einer gehörigen Portion Strategie, die mich durchaus an die Total-War-Reihe erinnert.

Ebenfalls große Unterschiede zu anderen Genrevertretern gibt es beim Voranschreiten durch die Zeitalter. In Humankind verdienen wir durch verschiedene Taten in sieben unterschiedlichen Kategorien Sterne. In jeder der Kategorien (beispielweise Wirtschaft, Militär, Wissenschaft, ...) gibt es drei Sterne zu sammeln und mit sieben angesammelten Sternen können wir ins nächste Zeitalter vorrücken. Alle gesammelten Sterne und auch sonstige Heldentaten und außergewöhnliche Aktionen lassen außerdem unseren Ruhm wachsen, der am Ende des Spiels ausschlaggebend für den Gesamtsieg sein wird. Andere Siegbedingungen existieren derzeit leider nicht.

Jedes Mal, wenn wir in ein neues Zeitalter voranschreiten, werden wir vor die Wahl gestellt, ob wir unsere bisherige Zivilisation behalten wollen, wobei dann die Boni der speziellen Einheiten und Gebäude der Zivilisation verstärkt werden, oder ob wir eine völlig neue Zivilisation übernehmen wollen, die dann ihrerseits andere exklusive Einheiten und Gebäude besitzt. Die zur Wahl stehenden Kulturen orientieren sich dabei an dem aktuellen Jahr des Spiels, so stehen uns beim ersten Wechsel beispielsweise Römer, Griechen, Karthager oder Perser zur Verfügung. Über das gesamte Spiel gesehen gibt es also reichlich Abwechslung. Insgesamt sollen übrigens eindrucksvolle 60 Zivilisationen ihren Weg ins Spiel finden.

Wie das Verdienen der Sterne sind auch die Politiken in sieben verschiedene Kategorien eingeteilt, die jeweils einzigartige Gesetze bieten. Mit dem Erlassen neuer Gesetze drängen wir unser Imperium immer in eine bestimmte Richtung, was bedeutet, dass beispielsweise auf Kosten der Nahrung mehr Fokus auf die Produktion gelegt wird oder unsere Leute sich eher mit Geld als mit Forschung beschäftigen. Neue Gesetze können unser Reich wieder in die andere Richtung pushen, doch da zum Erlassen dieser Gesetze sogenannte Civic Points gebraucht werden und diese rar gesät sind, sollten wir unsere Entscheidungen hier gut überdenken.

Ausblick:

Insgesamt hinterlässt Humankind bei mir einen bereits sehr fertigen und spielerisch auch hervorragenden Eindruck. Konnte mich Endless Legend noch wenig begeistern und nicht von der Civilization-Reihe loseisen, so hat Humankind definitiv das Zeug dazu. Grafisch präsentiert sich der Titel hervorragend und auch musikalisch lässt Amplitude hier wenig anbrennen, dem Komponisten Arnaud Roy stand ein ganzes Orchester zur Verfügung. Mit Sega steht außerdem ein auf dem PC erfahrener Publisher hinter dem Titel. Hier kann ein ganz großer Titel des Genres auf uns zukommen!

The Legend of Assassin's Creed Odyssey

Auf der E3 2019 wurde der Titel noch als Gods & Monsters angekündigt, inzwischen heißt das nächste Action-Adventure von Ubisoft Quebec (Assassin's Creed Syndicate, Assassin's Creed Odyssey) aber Immortals: Fenyx Rising und auch sonst hat sich hinter den Kulissen wohl noch einiges geändert. Ubi Quebec hatte nach der Entwicklung von Assassin's Creed Odyssey wohl noch so viel Bock auf griechische Mythologie, dass sie direkt noch ein Spiel hinterherschieben mussten. Da beklage ich mich sicher nicht, schließlich sagt auch mir das sagenhafte Setting zu. Starten wir die Stadia-Demo, bekommen wir erstmal ein Gespräch zwischen dem aus unerfindlichen Gründen völlig idiotischen Göttervater Zeus und dem gefesselten Titanen Prometheus zu sehen. Die beiden erzählen durch ihre Unterhaltung quasi die Geschichte der Demo, in der die Protagonistin Fenyx einen von der Zauberin Circe vereisten Zyklopen mithilfe des Gesangs der Sirenen wieder zum Leben erwecken will, um von diesem das Geheimnis der Götter zu erfahren. Das klingt für euch alles etwas konfus oder sogar komplett falsch? Ist es ja auch. Vielleicht wird die Art und Weise, wie Zeus hier dargestellt wird, noch im Hauptspiel erklärt, so wie es jetzt allerdings aussieht, soll der allmächtige Göttervater eher eine billige Anlehnung an US-Präsident Trump sein, braucht der Blitzschwinger doch wortwörtlich „nicht auf Fakten zu achten“.

Aber was soll's, in einem Spiel geht es schließlich viel eher ums Gameplay als ums Drumherum. Oder war es die Grafik? Diese befindet sich hier tatsächlich eher auf einem gehobenen Comic-Smartphone-Niveau à la Fortnite, die zum Reveal von Immortals gezogenen Vergleiche zur Grafik von The Legend of Zelda: Breath of the Wild sind also spätestens jetzt absolut unangemessen. Es hilft der Optik aber auch sicherlich nicht, dass das Spiel durchgehend leicht unscharf angezeigt wird und die Auflösung ständig hin- und herspringt. Hier sollte Google dringend für Stabilität sorgen, denn was in einem YouTube-Video schon nervt, wird in einem Videospiel beinahe zum K.O.-Kriterium.

So ganz abschreiben kann ich die Vergleiche zu Zelda Brot aber nicht, denn das Gameplay von Immortals guckt sich tatsächlich einiges von Nintendos Titel ab. So können wir ausnahmslos alle senkrechten Hindernisse hochklettern und die Schwingen des Daidalos auf Fenyx' Rücken sind das Äquivalent zu Links Parasegel. Da uns die Welt so in wirklich alle Richtungen (außer direkt nach unten natürlich) offensteht, gibt es auch an allen Ecken und Enden etwas zu looten, was wiederum an die überall verteilten Krog-Samen erinnert. Darüber hinaus können wir auf Knopfdruck eine Zoomfunktion nutzen und mit dieser verschiedene, farbliche Markierungen setzen, um interessant aussehende Orte für einen späteren Besuch abzuspeichern.

Natürlich gibt es auch einige Aspekte, die nicht direkt von Nintendos Hittitel abgekupfert wurden. Eine weitere Inspirationsquelle lässt sich - Überraschung! - in der Assassin's-Creed-Reihe ausmachen. So sind beispielsweise alle Waffen und Rüstungsteile aufwertbar, der Kompass am oberen Bildschirmrand zeigt einige (wenn auch wenige) interessante Orte und die aktive Quest an, es wurde ein stärkerer Fokus auf die Kämpfe gelegt und vor allem kann sich Fenyx in Büschen verstecken und von hinten an Gegner heranschleichen, um einen Überraschungsangriff auszuführen. Das Action-Kampfsystem geht dementsprechend auch keine Risiken ein und ist schnell zu erlernen. Verschiedene mächtige Fähigkeiten und vier verschiedene Arten von Tränken runden das Kampfsystem ab. Das ganze bleibt sogar so simpel und ist derart schnell zu erlernen, dass ich beim Boss der Demo nicht ein einziges Mal getroffen wurde. Im fertigen Spiel darf es also ruhig etwas fordernder zugehen.

Der herausragende Aspekt des Spiels aber ist für mich - zumindest in der Demo - das Design der offenen Welt an sich. Da Fenyx überall hochklettern kann und über einen Gleiter bzw. Flügel verfügt, besitzen die zwei Inseln der Demo ein Terrain mit dem nötigen Schuss Vertikalität. Aber auch an Weitläufigkeit und genügend Raum zum Gleiten wurde gedacht, sodass die Spielwelt zum Erkunden einlädt und auch einige interessante, ja sogar spektakuläre Anblicke bietet. Es gibt vielen verschiedenen Loot, der teils zum Brauen von Tränken genutzt wird, teils aber auch in der Demo noch nutzlos ist. Das ist aber aufgrund der kurzen Spielzeit von etwa einer Stunde auch nicht weiter schlimm.

Ausblick:

Ubisoft Quebec gönnt sich mit Immortals: Fenyx Rising mal eine Pause von den Assassinen, nicht jedoch von griechischen Mythen und Sagen, die in Immortals voraussichtlich wieder ordentlich verwurstet werden. Der Ersteindruck mit einem dubiosen Gespräch zwischen Zeus und Prometheus sowie einer wahrlich nicht gerade vielversprechenden Grafik besserte sich immerhin im Verlauf der Demo, auch wenn die Gegner und Charaktere nicht unbedingt vor kreativem Design strotzten. Das Kampfsystem ist leicht zu erlernen und enthält Potenzial, aber vor allem das gelungene Design der Welt und die relativ groß angelegten Umgebungsrätsel könnten Fenyx vor der Mittelmäßigkeit retten. Kann die große Open World dann auch so sehr zum Erkunden einladen wie die beiden Inseln der Demo? Ich bin auf jeden Fall auf das fertige Spiel gespannt.

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1 Kommentare:


Tobsen
vor 3 Wochen | 0
Sauberer Artikel - die beiden Spiele sind allerdings absolut nichts für mich.