Test: Alpaca Ball: Allstars

Von Robert Emrich am 26. Oktober 2020

Alpakas, Bälle und eine Physik-Engine. Was kann da schon schief gehen?

Alpakas sind eine aus den südamerikanischen Anden stammende und eng mit den größeren Lamas verwandte Kamelform, die vorwiegend wegen ihrer Wolle, gelegentlich aber auch als Lasttiere gehalten werden. Als reine Pflanzenfresser fühlen sie sich in ihrer Herde am wohlsten und werden auch wegen ihres ruhigen und friedlichen Charakters geschätzt. Außerdem versuchen sie sich seit Mitte Oktober auf heimischen Computern und Konsolen als gnadenlose Fußballer und geben alles, um Bälle, Würfel, Bomben und andere Objekte im Tor ihrer Gegner zu versenken. Es wird Zeit, dieser neuen Entwicklung einmal auf den Zahn zu fühlen.

Al-packen wir es an.

Auch wenn es vermutlich jedem klar ist: Alpaca Ball: Allstars ist kein klassisches Fußballspiel und ein Vergleich mit der FIFA-Reihe oder den Pro-Evolution-Soccer-Spielen wäre genauso unpassend wie der Vergleich von Mario Kart mit Rennspielen wie Gran Torino oder Project Gotham Racing. Das Spiel wird von seinen Herstellern als Partyspiel beschrieben und genau das verkörpert es auch mit jedem seiner Bytes.

Mit bis zu sieben anderen Spielern liefert ihr euch ein- bis zehnminütige Matches auf einem von elf verfügbaren Plätzen, die zum Beispiel an Fußballstadien, Strände, Vulkane oder Ruinen angelehnt sind. Die meisten regulären Regeln des Fußballspiels, die sich mit Kleinigkeiten wie dem Aus, Ecken, Abseits-Positionen oder Fouls beschäftigen, haben keinen Platz in der harten Welt des Alpaka-Balls und so verbringt ihr einen beachtlichen Teil der Spielzeit damit, mit dem Kopf auf den Ball oder Gegner einzuschlagen, wenn ihr nicht gerade selber für einige Sekunden betäubt am Boden liegt. Zusätzlich zu den regulären Kopfschlägen können eure Alpakas außerdem über kurze Entfernungen sprinten, springen und Superschüsse ausführen. Die Steuerung ist nach einigen Minuten verinnerlicht und so kompakt, dass sie - wie es sich für ein Partyspiel gehört - auf einen einzelnen JoyCon passt. Um das Chaos noch ein wenig anzufachen, erhalten einzelne Alpakas gelegentlich und ohne erkennbares System eines von fünf zufälligen Power Ups, die entweder einen einzelnen Schuss verbessern oder den eigenen Charakter für einige Sekunden stärken. Anders als die PC-Version des Spiels kann die Switch-Variante nur lokal auf einer einzelnen Konsole gespielt werden. Eine Möglichkeit online oder mit anderen Switch-Konsolen im lokalen Netzwerk zu spielen, gibt es leider nicht. 

Neben dem Mehrspielermodus gibt es als einzig andere Option noch eine Kampagne, die ihr alleine oder im Couch-Koop mit einem anderen Spieler bestreiten könnt. In einer kleinen jugendfreien Story werdet ihr über den gesamten Globus geführt, um große Alpaka-Ball-Stars zu werden und eure Heimat zu retten. Die Story ist tatsächlich kaum eine Erwähnung wert, bietet aber einen Vorwand, das Spiel auch einmal alleine zu starten und gibt die Möglichkeit, ein wenig zu trainieren und sich an die Steuerung und Physik des Spiels zu gewöhnen.

Das Runde, das Eckige und das Chaos

Gerade die Physik hat es in diesem Spiel in sich. Ein wenig träge und zugleich gnadenlos, schafft sie den Balanceakt zwischen punktgenauer Steuerung und alberner Trägheit, die euer Alpaka gerne einmal mitten im Sprung auf dem Kopf landen oder quer über das Spielfeld fliegen lässt, wenn ein anderes Alpaka es, statt dem Ball, mit seinem Superschuss getroffen hat. Der Superschuss in Verbindung mit der Physik-Engine ist sowieso eine eher unberechenbare Größe, denn Bälle, die nicht genau im Tor landen, prallen auf den kleineren Feldern gerne mehrfach an Pfosten, Banden und Spielern ab, um dann plötzlich im eigenen Tor zu landen. Ein Garant für eine chaotische Situation, die mit Freunden auf der Couch für einen fröhlichen Abend, bei einem ambitionierten Fußballspieler aber unweigerlich für Frustration sorgen kann. Auch ist es zeitweise schwer, die genaue Flugbahn des Balls nach einem Tritt vorherzusagen, wenn dieser hoch in den Himmel und zeitgleich quer über das Feld geschossen wird. In einigen Fällen zeigt einem das Spiel den zukünftigen Landepunkt des Balls an. In anderen müsst ihr nach bestem Wissen und Gewissen mit dem Kopf nach dem Ball schlagen und auf einen geschickten Treffer hoffen. Glücklicherweise sind die vom System gesteuerten NPCs halbwegs clever und versuchen auch mal das eigene Tor zu beschützen, sofern kein menschlicher Spieler Torwart sein möchte und auch die Gegner werden nicht selten Opfer der Physik, wenn sie nach einem Superschuss ein Eigentor kassieren.

Alles läuft rund

Darüber hinaus läuft das Spiel problemlos und fehlerfrei auf der Switch. Die Grafik des Spiels ist ansprechend, stellt die Konsole aber vor keine besondere Herausforderung und nur in einem einzigen Fall verdeckte ein dekorativer Palmwedel den Blick der Kamera auf das Geschehen für einige Sekunden. Darüber hinaus schafft man es aber so gut wie immer, auch dank der Möglichkeit das eigene Alpaka individuell zu gestalten, dem Geschehen zu folgen. 

Der Soundtrack ist durchweg fröhlich gehalten, passt sich den Stadien und Örtlichkeiten entsprechend an und ist stellenweise beinahe schon nervig eingängig, was mehr als einmal zu einem Ohrwurm führte. Eine Sprachausgabe ist nicht vorhanden, hätte dem Spiel aber auch kaum Mehrwert gebracht. 

Fazit:

Charmant und selbstironisch gelingt es Alpaca Ball: Allstars die drei Themen Alpakas, Fußball und Physik zu einem unterhaltsamen Partyspiel zu verknüpfen, das mit ein paar Freunden im Gepäck zu einem großartigen Abend führen kann. Der überschaubare Inhalt und das chaotische Spielsystem machen das Spiel für Einzelspieler und Fans realistischer Sportspiele weniger interessant. Doch frei vom Ballast fragwürdiger Features und ohne den Anspruch mehr sein zu wollen, als es tatsächlich ist, bietet das Spiel einen klaren Blick auf die Vision der Entwickler und genau den Spaß, den man sich bei einem Fußballspiel mit Alpakas vorstellen kann. Nicht mehr und nicht weniger.

Von uns getestet: Nintendo-Switch-Version

Wertung:

7.0

Robert Emrich meint:

"Unterhaltsamer Partyspaß mit überschaubarem Umfang für alle, die Alpakas mögen und Fußball nicht zu ernst nehmen."
Spielerlebnis: Sehr gut
Umfang: Durchschnittlich
Technik: Gut

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1 Kommentare:


Tobsen
vor 4 Wochen | 0
Guter Test, aber ich denke, ich skippe den Titel.