Test: Shantae: Risky’s Revenge Director’s Cut

Von Robert Emrich am 19. Oktober 2020

Ein Klassiker der letzten Dekade unterwegs auf aktueller Technik.

Zehn Jahre ist es her, seit WayForward den zweiten Teil ihrer Shantae-Reihe für den DSi veröffentlichten, nachdem acht Jahre zuvor bereits der erste Teil auf dem Game Boy Color erschienen war. In den Jahren darauf folgten, neben drei weiteren Teilen, Ports für verschiedene andere Systeme, die mit immer weiteren Funktionen ausgestattet wurden, bis das Spiel ab 2014 als “Directors Cut” vertrieben wurde. Nun fand Shantaes zweites Abenteuer jüngst seinen Weg auf die Nintendo Switch und obwohl wir den Directors Cut bereits vor viereinhalb Jahren für Wii U getestet haben, lassen wir es uns nicht nehmen, auch die Switch-Version ausgiebig unter die Lupe zu nehmen.

Dschinni with no bottle

Shantae hat es nicht leicht. Eigentlich wollte sie nur zusehen, wie der Schatzjäger Onkel Mimic sein neuestes Ausgrabungsobjekt präsentiert. Doch als sich das mysteriöse Artefakt im Stein als magische Öllampe entpuppt und Mimic plötzlich eilig bemüht ist, den Fund zu vertuschen, steht Risky Boots, die schon im ersten Teil Shantaes böse Gegenspielerin war, im Raum und stiehlt die Öllampe kurzerhand.

Nun ist es an Shantae die drei Amulette zu finden, die der Lampe ihre Macht geben können, Risky Boots zu stoppen und die Stadt Scuttle Town zu retten. Die Story erfindet sich und das Genre nicht neu, funktioniert aber als treibende Kraft für den weiteren Verlauf, welcher der Formel aller Shantae-Spiele folgt. So werden sich Freunde der Reihe auch in diesem, wenn auch leicht in die Jahre gekommenen, Teil schnell wohlfühlen, da im Prinzip alles beim Alten geblieben ist: Ihr steuert Shantae hüpfend, zaubernd und mit ihren Haaren peitschend in 2D Sidescroller-Manier durch schön designte Zonen, während ihr Gegner besiegt und Jump&Run-Passagen bewältigt. Im Verlauf des Metroidvania-artigen Spiels lernt ihr, euch in verschiedene Tiere zu verwandeln, wodurch ihr zuvor unerreichbare Stellen besuchen und neue Schätze, Schlüssel, Quest-Items oder Fähigkeiten entdecken könnt. Gespeichert wird an festen Punkten, die strategisch geschickt platziert wurden, sodass euch auch im Falle eines verfrühten Ablebens kein großer Zeitverlust droht. Lediglich die Weltkarte, die umständlich im Menü aufgerufen werden muss und besonders am Anfang des Spiels eine Legende vertragen könnte, trübt den Gesamteindruck ein wenig, der davon abgesehen aber sehr gut ist.

Wie spielt es sich?

Auch technisch bleibt alles beim Alten. Der Sound passt hervorragend zum Spiel und untermalt das Abenteuer mit fröhlichen Melodien, und auch die Steuerung funktioniert so ausgezeichnet und präzise wie man es aus den anderen Abenteuern der jungen Halbblut-Dschinnija kennt.

Lediglich die Grafik fühlt sich nach den letzten beiden Teilen ein wenig altbacken an und wirkt auf großen Fernsehern fast zu pixelig, funktioniert aber auf dem Bildschirm der Switch und besonders der Switch Lite sehr gut. Wer den Darstellungsmodus auf “Original” setzt, bekommt das Spiel auf der Switch übrigens in der originalen Größe des DSi Bildschirms präsentiert, während es auf dem Bildschirm der Switch Lite ein wenig kleiner ist, was der Pixeldichte zugutekommt. Das ist aber nicht notwendig, um mit dem Spiel Spaß zu haben, denn so oder so läuft alles durchgehend einwandfrei flüssig und mit kurzen Ladezeiten.

Und was gibt’s Neues?

Kurz gesagt: Nichts. Der Directors Cut des Spiels befindet sich seit 2014 in seiner finalen Version und seitdem ist dem Spiel nichts mehr hinzugefügt worden, vermutlich weil sich WayForward ab dem Zeitpunkt eher um den frisch veröffentlichten Nachfolger Shantae and the Pirate's Curse gekümmert hat. So umfasst der Directors Cut neben dem regulären Spiel die nachträglich hinzugefügte Schnellreisefunktion und den freischaltbaren Magic Mode, in dem Shantae in einem neuen Kostüm mehr Schaden austeilt, aber auch einstecken muss. Das mag wie ein überschaubarer Umfang erscheinen, zumal das Spiel in sechseinhalb Stunden entspannt durchgespielt werden kann. Jedoch verdreifachen der zweite Modus und die vielen weiteren optionalen Items, die überall zu finden sind, die Spielzeit mühelos und machen den aktuellen Preis von 8,39 Euro im eShop mehr als wett.

Fazit:

Als liebevoll in die Jahre gekommener zweiter Teil der Reihe entspricht Shantae: Risky’s Revenge in etwa dem zweiten Teil der Assassin’s-Creed-Reihe: Technisch leicht angestaubt und noch nicht mit allen Finessen ausgestattet, die wir an modernen Spielen lieben, kann das Spiel Menschen, die es immer größer, schöner und detaillierter haben wollen nur schwerlich hinter dem Ofen hervor locken. Fans von Jump & Runs und dieser ausgezeichneten Spielreihe können aber bedenkenlos zugreifen und sich für ein paar Stunden der Nostalgie des DSi-Zeitalters hingeben.

Von uns getestet: Nintendo-Switch-Version

Wertung:

8.0

Robert Emrich meint:

"Liebevoll gealterter zweiter Teil der Serie mit überschaubarem Umfang, sehr guter Technik und viel Nostalgie."
Spielerlebnis: Sehr gut
Umfang: Gut
Technik: Sehr gut

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