Test: Unrailed!

Von Michael Prammer am 15. Oktober 2020

Multiplayer-Party von Daedalic Entertainment?

Minimalistische Grafik gepaart mit minimalistischem Gameplay und das Ganze nett verpackt in einem chaotischen Mehrspielerabenteuer: Willkommen bei Unrailed!

Ihr kennt das sicher: Ihr habt gerade euren ersten eigenen Zug bekommen und möchtet nichts lieber als sogleich drauflosfahren, aber befindet euch mitsamt eures Stahlkolosses nebst Anhängerschaft mitten im Nirgendwo. Statt einem wunderschön ausgebauten Schienennetzwerk sind weit und breit nichts als Wald und Wiese zu sehen. Da bleibt euch natürlich nicht anderes übrig als selber Hacke und Axt in die Hand zu nehmen, um Schienen zu verlegen.

Zug um Zug

Mit dieser Einleitung ist das Spielprinzip auch schon erklärt. In diesem Pixelabenteuer aus dem Hause Daedalic Entertainment seid ihr mit bis zu drei Mitstreitern unterwegs, um einen Zug von einem Bahnhof zum nächsten zu begleiten. Es gilt Wälder abzuholzen, Steine abzutragen und aus den Rohstoffen mittels eines speziellen Waggons, der dem Zug angehängt ist, Schienen herzustellen. Diese wiederum müssen dann rechtzeitig vor den fahrenden Zug platziert werden, damit dieser nicht entgleist. Eigentlich wäre das eine nette Freizeitbeschäftigung, hätte der Zug nicht die dumme Angewohnheit, bereits fünf Sekunden nach Spielstart seinen Bewegungsdrang in die Tat umzusetzen. So gilt es, ohne groß zu überlegen, die ersten Gleise zu platzieren und dann Material zu besorgen, um weitere Schienen herzustellen.

Unrailed! kann alleine gespielt werden - ist dann allerdings so spannend wie eine Solopartie Schach. Ein Bot hilft zwar bei den Aktivitäten und kann Befehle annehmen sowie Aufgaben übernehmen, Spielspaß kommt im Alleingang allerdings nicht wirklich auf. Das liegt auch daran, dass das Spiel je nach Schwierigkeitsgrad relativ schnell hektisch wird. Und dann weiß man schnell nicht mehr, was man seinem Bot als Aufgabe geben soll und was man besser selbst erledigt. Die KI ist nicht immer besonders hilfreich. Spätestens, wenn Zusatzeinflüsse auf das Spielgeschehen einwirken - der Zug kann beispielsweise überhitzen und Feuer fangen oder von Räubern überfallen werden - ist der Einzelspielermodus ebenso stressig wie fordernd.

Am besten zu viert

Viel mehr Spaß kommt im Multiplayer auf. Ihr könnt das Spiel im Couch-Koop oder online mit zufällig gewählten Mitstreitern spielen. Besonders lustig ist Unrailed! im Koop-Modus, da die Kommunikation unter den Spielern dann natürlich am leichtesten fällt. Online kommunizieren die Schienenmeister mithilfe kleiner Emojis, mit denen die wichtigsten Gesten ausgedrückt werden können. Egal wie gespielt wird, das Ziel ist immer gleich: Überwindet alle Hindernisse und erreicht den Bahnhof. Dazu müssen Brücken über Flüsse gebaut, Bäume und Felsen beseitigt oder Tiere sanft auf die Seite geschoben werden. Dann gibt es Belohnungen in Form von neuen Zügen, neuen Avataren oder neuen Waggons.

Neben einem Endlosmodus steht euch noch ein VS-Modus und ein Sandbox-Modus zur Verfügung. Während im Endlosmodus der Zug vorgegeben ist und die Spielwelt frei generiert wird, darf im Sandboxmodus ein wenig herumexperimentiert werden. Denn nach und nach werden neue Züge und Waggons freigeschaltet, die sich nicht nur im Aussehen ändern, sondern teilweise auch neue Fähigkeiten haben. So gibt es beispielsweise Waggons, die eine bessere Kühlung produzieren, damit der Zug nicht so schnell erhitzt, einen Schienen-Bauwagen, der schneller Materialien verarbeitet oder Waggons, die noch mehr Schienen lagern können. All diese Verbesserungen gibt es auch im Endlosmodus, dürfen hier allerdings sofort eingesetzt werden, während man diese sonst nur an den Bahnhöfen ändern darf. Der VS-Modus lässt zwei Teams gegeneinander antreten, um herauszufinden, wer der geschicktere Schienenbauer ist.

Technisch kommt Unrailed! absolut minimalistisch daher und präsentiert sich in einem charmanten Voxellook. Allerdings ist das Spielgeschehen trotz des simplen Looks nicht immer übersichtlich, was der Kamera geschuldet ist. Diese lässt sich weder drehen, noch zoomen oder sonst irgendwie verstellen. Dadurch kann es gerade in hektischen Momenten aufgrund mangelnder Übersicht zu Chaos kommen. Nett ist auf jeden Fall die Implementierung eines Tag- und Nachtwechsels. Auch schön sind die verschiedenen Welten, die optisch trotz minimalistischer Grafik durchaus überzeugen können.

Fazit:

Unrailed! ist ein nettes Partyspiel für Zwischendurch - allerdings nur, wenn man die Möglichkeit hat, online oder besser noch mit mehreren Spielern in einem Raum zu spielen. Dann nämlich entfaltet das Multiplayerspiel sein volles Potential. Im Singleplayer hingegen kann das Spiel kaum begeistern, da der Bot, der anstelle menschlicher Personen zu Hilfe eilen soll, nicht wirklich hilfreich ist. Auch im Multiplayermodus nutzt sich das Prinzip nach einigen Stunden ab und eignet sich kaum dafür, länger an den Bildschirm zu fesseln. Für einen kurzweiligen Party-Abend mit Freunden ist Unrailed! aber wie geschaffen.

Von uns getestet: Nintendo-Switch-Version

Wertung:

7.5

Michael Prammer meint:

"Für Solisten kaum zu empfehlen, dafür bestens geeignet für lustige Mehrspieler-Abende."
Spielerlebnis: Gut
Umfang: Gut
Technik: Durchschnittlich

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