Test: Mafia Definitive Edition

Von Michael Prammer am 13. Oktober 2020

Ein Remake, das ihr nicht ablehnen könnt.

Mafia zählte seinerzeit zu einem der besten Actiontitel überhaupt. Ein Remake schien eine Frage der Zeit. Ob es gelungen ist, verrät unser Test.

Der Entwickler Hangar 13 hat sich mit Mafia 3 nicht wirklich viele Freunde gemacht, schließlich gilt der dritte Teil der Saga als der Schlechteste und brachte das Franchise ein Stück weit in Verruf. Umso erstaunlicher ist es daher, dass eben genau dieses Entwicklerstudio nochmals sein Glück versuchen durfte und sich neben der Mafia-Trilogie auch dem Remake des Erstlings annahm, welcher seit 2002 eine große Fanbase geschaffen hatte. Die Entwickler setzten zunächst einmal auf die originale Geschichte, die damals schon neue Maßstäbe setzen konnte. Der Protagonist Tommy Angelo ist zu Beginn ein bedeutungsloser Taxifahrer und mausert sich ganz langsam zu einem anerkannten Mafioso. Dabei hat Hangar 13 einige neue und geschickte Story-Wendungen eingebaut, um die Inszenierung im Vergleich zum Original noch interessanter zu gestalten. Das ist in einer Mission ein neuer Dialog, in einer anderen Mission eine verbesserte Zwischensequenz. Bereits im Storytelling ist merklich am Original gefeilt worden.

Grand Theft Mafia

Das Spielprinzip wurde kaum verändert und folgt der Originalformel, spielt sich allerdings fantastisch. Fans des Originals werden sich zwar sofort heimisch fühlen, die Neuerungen im Gameplay werden sie aber direkt spüren. Da wäre zum Beispiel das neue Deckungssystem. Hier lassen sich Gefechte durch geschicktes Ausnutzen der Örtlichkeiten deutlich taktischer als im Original angehen und mit etwas Übung auch komplett unbeschadet überstehen. Auch wurde Tommy das Schleichen beigebracht. Im Original wurde diese Option nur in einer Mission benötigt, im Remake kann sie aber ständig verwendet werden und es lassen sich so einige Aufgaben im Verborgenen bewältigen. Was auch sehr positiv auffällt, ist das Spielgeschehen an sich. Viele Missionen im Original fühlten sich etwas in die Länge gezogen an, die offene Spielwelt war hier für den gebotenen Inhalt doch überdimensioniert. Das wurde im Remake alles etwas besser aufeinander abgestimmt.

Was sich der Titel damals schon gefallen lassen musste, war der Vergleich mit dem großen Vorbild Grand Theft Auto. Schließlich besitzen beide Open-World-Titel vordergründig die gleichen Grundelemente. Es gibt Gangster, eine offene Spielwelt, Autos und abwechslungsreiche Missionen. Mafia als 30er-Jahre-GTA abzustempeln, wäre allerdings nicht ganz fair. Während GTA viel auf Erkundung setzt und hier eher die vielen Nebenmissionen und Nebenbeschäftigungen den eigentlichen Reiz des Spiels ausmachen, ist das bei Mafia genau andersrum. Hier ist die Hauptstory der ganz klare Star des Spiels und die Geschichte motiviert immer wieder zum Weiterspielen. Was an dem Remake richtig gut gefällt, ist das Spielgefühl an sich. Steigt man in einen der alten Boliden und fährt durch die alten Straßen, dreht das Radio auf und genießt die passenden Klänge, dann taucht der Spieler voll in die lebhafte Spielwelt ein.

Technisch ordentlich aufgewertet

Technisch gesehen ist das Remake gut gelungen, bietet schöne Kulissen, läuft ordentlich und steuert sich gut. Gelegentlich aufpoppende Objekte, leichtere Ruckler und hin und wieder Unstimmigkeiten bei der Synchronisation fallen kaum ins Gewicht, sollten aber angesprochen werden. Richtig schön sind die Charaktermodelle geworden - hier merkt man, dass sich die Entwickler richtig ins Zeug gelegt haben. Das Spiel bietet drei Schwierigkeitsgrade, die allesamt sinnvoll ausbalanciert sind und jederzeit gewechselt werden können. Die KI dürfte hier und da etwas geschickter zu Werke gehen und stellt sich gerade in den ersten beiden Schwierigkeitsgraden teilweise etwas unbeholfen an. Es stört euch als Spieler dann zwar weniger, wenn ein Feind ins Leere blickt, während ihr auf ihn zugeht, wirklich immersiv sieht der Kampf aber so nicht mehr aus.

Vom Umfang her bekommt der geneigte Hobby-Mafioso durchaus etwas geboten. Die 20 Missionen aus dem Original in den bereits drei angesprochenen Schwierigkeitsgraden sind natürlich mit an Bord. Wer sich Zeit lässt, spielt die Story in etwa 20 Stunden durch, darf sich anschließend aber noch über Bonusaufgaben freuen.

Fazit:

Mit Mafia: Definitive Edition ist Hangar 13 ein mehr als ordentliches Remake gelungen. Die Geschichte ist nicht nur genauso gut wie im Original, sie wurde sogar durch geschickte Kniffe der Entwickler nochmals spannender gemacht und verbessert. Das Spielerlebnis profitiert merklich von den Aufwertungen, ohne dass das Spiel zu viel von dem Charme des Originals einbüßt. Technisch wurden an den richtigen Schrauben gedreht, wenn auch nicht alles perfekt und komplett rund läuft. Wer das Original nicht kennt, erlebt eine fantastische Geschichte in den 30er-Jahren, in die sich der Spieler bestens hineinversetzen kann. Kenner des Originals freuen sich über die vielen Verbesserungen und erleben eines der besten Actionspiele der damaligen Zeit in einem neuen Gewand.

Von uns getestet: PlayStation-4-Version

Wertung:

8.5

Michael Prammer meint:

"Mehr als gelungenes Remake, welches das Herz des Hobby-Mafioso höherschlagen lässt."
Spielerlebnis: Sehr gut
Umfang: Gut
Technik: Gut

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2 Kommentare:


Asinned
vor 1 Monat | 0
Viel von dem Remake gehört. Denke wenn die PS5 einen Port mit Raytracing bekommt (was es ja schon auf PC gibt) bin ich dabei.

nibez
vor 1 Monat | 1
Da das Remake auch wirklich gelungen ist, werde ich mir das definitiv noch holen. Hatte eh Bock auf die Reihe und vor Teil 3 kann ich dann ja noch den ersten in neuem Look spielen, perfekt.