Test: Cook, Serve, Delicious! 3?!

Von Andreas Held am 12. Oktober 2020

Betreibt im postapokalyptischen Amerika euren eigenen Food Truck.

Wir schreiben das Jahr 2042. Amerika ist von einem Krieg zerrüttet und der Teragon Tower wird kurzfristig zur Zielscheibe eines Raketenangriffs. Das in dem Hochhaus gelegene Restaurant "Cook, Serve, Delicious" ist komplett zerstört, doch der Koch des Restaurants wird von zwei Bergungsrobotern gefunden, die sich kurzerhand entschließen, ihr Dienstfahrzeug zu einem Food Truck umzubauen. Zu dritt tourt ihr anschließend durch etliche Gebiete der USA, die vom Krieg völlig unberührt zu sein scheinen, und serviert euren Kunden rund zweihundert verschiedene Gerichte.

Wenig Krieg, viel Truck

Während der tobende Krieg im weiteren Spielverlauf kaum zu spüren ist, hat der Umstieg auf einen Food Truck recht große Auswirkungen auf das grundlegende Gameplay der Kochsimulation - wer dieses noch nicht kennt, findet in meinem Review zum zweiten Teil eine Erklärung der Basics. In Rahmen eines Levels fahrt ihr diesmal eine vorgegebene Strecke ab und bedient an verschiedenen Haltestellen eine Schar von Kunden. Die Anzahl der Haltestellen, die Menge der dort wartenden Kunden, und auch die Länge der Wegstrecken zwischen euren Zielpunkten kann dabei stark variieren. Unterwegs könnt ihr schon einmal einige Speisen vorbereiten und warmstellen.

Eure beiden Retter fungieren im Gameplay als Servierroboter, die auf Knopfdruck eine große Menge an Kunden gleichzeitig abfertigen können. Theoretisch könntet ihr also alle Mahlzeiten schon unterwegs zubereiten und hättet dann an den tatsächlichen Verkaufsstellen nichts mehr zu tun, aber das funktioniert nur äußerst selten. In der Praxis bietet auch der dritte Teil dasselbe intensive und hektische Gameplay, das Fans von Cook, Serve, Delicious! vor sieben Jahren kennen und lieben gelernt haben. Ihr könnt eure Kunden zwar sehr effizient bedienen, habt dafür aber auch deutlich mehr hungrige Mäuler zu stopfen als früher.

Der Sandbox-Modus aus den Vorgängern, in dem ihr euer eigenes Restaurant immer weiter ausgebaut habt, wurde für die dritte Iteration der Serie komplett gestrichen. Stattdessen entspricht das Gameplay eher dem des aus dem zweiten Teil bekannten Chef-for-Hire-Modus: Vor jeder Strecke müsst ihr aus einer vorgegebenen Auswahl an Gerichten, die meistens zu einem Thema passen (z.B. "Frühstück" oder "Salat") eine Speisekarte zusammenstellen. Im Ziel erhaltet ihr im Erfolgsfall eine von drei Medaillen - und die Goldmedaille nur dann, wenn ihr im kompletten Level keinen einzigen Fehler gemacht habt. Zum reinen Durchspielen des Titels sind die weniger wertvollen Edelmetalle aus Silber allerdings ausreichend, Goldmedaillen haben außer dem Freischalten von Bonuslevels kaum eine Funktion.

Neuer ist nicht gleich besser

Neben dem Sandbox-Modus fielen auch einige andere Spielinhalte der Schere zum Opfer: Arbeiten wie die Toilettenreinigung oder das Geschirrspülen, die in den ersten beiden Teilen immer wieder auftauchten, sind im dritten Teil komplett verschwunden. Dabei hätte sich doch gerade die Food-Truck-Thematik dazu angeboten, das Gameplay mit Aufgaben wie dem Wechseln eines platten Reifens aufzulockern. Ebenfalls Potential verschenkt wurde bei den sogenannten Food-Truck-Attacken: Die Imbisswagen der anderen im Teragon Tower ansässigen Restaurants wollen euch immer wieder einen Ast in die Speichen werfen, allerdings äußern sich diese Angriffe lediglich in bestimmten Debuffs, mit denen ihr dann für den Rest des Levels leben müsst. Ihr könnt bei diesen Angriffen nur einstecken und nicht selbst austeilen - letzteres hätte deutlich mehr Spaß gemacht.

Anders als im Chef-for-Hire-Modus des zweiten Teils könnt ihr außerdem eure Speisekarten recht beliebig gestalten, und dieses Feature ist Fluch und Segen zugleich. Auf der einen Seite räumt es den Spielern viele Freiheiten ein und gibt ihnen die Möglichkeit, den Schwierigkeitsgrad des Titels größtenteils selbst zu bestimmen. Auf der anderen Seite verleitet es jedoch dazu, sich den Weg zu einer Goldmedaille möglichst einfach zu gestalten, indem man immer wieder dieselben, möglichst einfachen Rezepte auf die Karte nimmt. Denn warum sollten wir mit komplizierten Gerichten aus der Sterneküche auffahren, wenn wir uns mit gekochten Eiern oder Grillhähnchen genausogut eine Goldwertung verdienen können? In einigen Levels und natürlich im späteren Spielverlauf werden wir durch verschiedene Zusatzregeln dazu gezwungen, unbekannte oder komplexere Speisen zu servieren, aber an vielen anderen Stellen des Spiels verkommt das Sammeln von Goldmedaillen zur Routine.

Eigenwilliger Stil

Cook, Serve, Delicious! 3?! bietet zum ersten Mal in der Geschichte der Serie eine echte Story und somit auch kurze Sequenzen mit vertonten Dialogen. Wahrscheinlich aus Budgetgründen wurden die beiden Roboterdamen Whisk und Cleaver allerdings nicht von professionellen Synchronsprecherinnen, sondern von zwei Twitch-Streamerinnen vertont - mit erwartbarem Ergebnis. Noch nerviger als in den Cutscenes werden die beiden während des Gameplays, wo sie den Spieler mit überschwänglichem Lob überhäufen und dabei klingen wie zwei Kita-Mitarbeiterinnen, die gerade ein Buch über positive Verstärkung gelesen haben und ihr neu erlerntes Wissen übermotiviert anwenden.

Genau wie das Gameplay hat auch die gestalterische Komponente von Cook, Serve, Delicious! 3?! ein wenig gelitten. Zwar könnt ihr euren Food Truck immer noch mit einer großen Auswahl an dekorativen Collectibles individualisieren, aber anders als die Einrichtung eines kompletten Restaurants, mit der man sich stundenlang befassen konnte, wirkt dieses Feature eher wie Beiwerk. Außerdem sollte erwähnt sein, dass der Titel seine politische Agenda auf der Stirn trägt und dem Spieler einige politische Symbole zur Gestaltung seines Gefährts anbietet, die alle von derselben Seite des Meinungsspektrums kommen. Wer Videospiele genau aus dem Grund spielt, weil er diesen alltäglichen Themen mal eine Zeit lang entfliehen möchte, wird dieses Ziel mit Cook, Serve, Delicious! 3?! also nicht erreichen.

Dazu passt es dann auch, dass ihr Polizeisirenen oder Pistolenschüsse im Optionsmenü deaktivieren könnt, falls ihr euch von diesen Soundeffekten getriggert fühlt. Viel wichtiger ist die zum Glück ebenfalls vorhandene Option zum Stummschalten des unerträglich grässlichen und über alle Maßen hinaus grausamen Soundtracks des Spiels, der den aufdringlichen Gute-Laune-Faktor aus Katamari Damacy mit den Vocals von Smooth McGroove kreuzt. Die Spielwelt, die ihr bei eurem Streifzug durch die USA zu sehen bekommt, spiegelt den postapokalyptschen Touch des Spiels nicht wider; generell wirken die verschiedenen Hintergründe, die ihr - statt eures Restaurants - zu sehen bekommt, etwas einfallslos und langweilig. Die vielen verschiedenen Gerichte werden hingegen absolut ansprechend präsentiert und sehen so lecker aus, dass man sie am liebsten gleich nachkochen möchte.

Fazit:

Nach diesem sehr kritischen Review muss ich nun erst mal wieder ein bisschen zurückrudern und betonen, dass Cook, Serve, Delicious! 3?! natürlich immer noch ein sehr guter Indie-Titel ist. Das originelle Gameplay überzeugt wie eh und je und wurde im dritten Teil mit etwas Tiefgang erweitert - wenn ihr die neuen taktischen Möglichkeiten gut ausnutzt, könnt ihr an den Servierstationen viel Hektik und Chaos vermeiden. Dazu kommt ein mit 384 Leveln absolut gigantischer Umfang, der das Preis-Leistungs-Verhältnis des Titels auf ein herausragend gutes Niveau hebt. Die Lernkurve ist deutlich flacher als im Chef-for-Hire-Modus des zweiten Teils, da ihr den Schwierigkeitsgrad weitestgehend aushebeln könnt, wenn ihr beim Aufbau eurer Speisekarte möglichst einfache Rezepte auswählt; Serienveteranen könnten sich in den ersten Gebieten des Spiels also durchaus langweilen. Auch die Sprachausgabe und vor allem der Soundtrack des Titels sind sehr speziell und dürften nicht jedermanns Geschmack treffen.

Insgesamt besitzt Cook, Serve, Delicious! 3?! für mich persönlich nicht mehr die Genialität der ersten beiden Teile, was aber auch einfach daran liegen könnte, dass sich das im Zentrum stehende Gameplay mittlerweile etwas abgenutzt hat und daher nicht mehr denselben Aha-Effekt auslösen kann wie vor sieben Jahren. Trotz dieser Kritik auf hohem Niveau möchte ich sowohl für Serienfans als auch für Neueinsteiger eine uneingeschränkte Kaufempfehlung aussprechen.

Von uns getestet: PC-Version

Wertung:

7.5

Andreas Held meint:

"Sowohl Serienfans als auch Neueinsteiger dürfen bei Cook, Serve, Delicious! 3?! bedenkenlos zugreifen."
Spielerlebnis: Gut
Umfang: Herausragend
Technik: Gut

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3 Kommentare:


Falcon
vor 2 Wochen | 0
Kann man mit Teil 3 auch als Neueinsteiger starten? Oder würdet ihr da einen anderen Teil empfehlen?

Tobsen
vor 2 Wochen | 0
Die Lore ist äußerst vielschichtig und tiefgehend, da wäre mir mulmig zumute, direkt mit dem Dreier einzusteigen. Das wäre ja, als ob man direkt mit Candy Crush Soda beginnen und Candy Crush Saga skippen würde!?
Vyse
vor 2 Wochen | 0
Wie im Test gesagt: Da die Lernkurve des dritten Teils sehr flach ist und es keine wirkliche Story gibt, an die das Spiel anknüpft, muss man die ersten Teile nicht gespielt haben.

Wenn du unbedingt die komplette Trilogie spielen willst, würde ich 1 => 3 => 2 empfehlen. Dann kannst du in Teil 1 die Basics lernen, in Teil 3 anwenden und dich zum Abschluss am bockschweren Chef-for-Hire-Modus des zweiten Teils versuchen.

Ansonsten kannst du ruhig direkt den dritten Teil kaufen, weil er eben deutlich umfangreicher und abwechslungsreicher ist. Auf keinen Fall mit dem zweiten Teil einsteigen :P