Test: Grave Keeper

Von Robert Emrich am 14. Oktober 2020

Diablo Lite für den mobilen Grinder.

Vor einer Weile hatte ich die Idee, mir die preiswertesten Spiele im Eshop anzusehen und für einige von ihnen Reviews zu verfassen. Zum Teil aus Spaß aber auch immer in der Hoffnung, eine Perle zwischen all den Handyspielportierungen zu finden. Als Grave Keeper den Weg auf meine Switch fand, war es im eShop gerade um 90% Prozent heruntergesetzt und kostete nur einen statt der üblichen zehn Euro. Perfekt für ein weiteres Low Budget Review.

Also gut *sic*... Worum geht’s dieses mal?

Grave Keeper ist ein Hack-and-Slash-Spiel, in dem ihr euch in einer Fantasywelt durch Monstermassen schießt und prügelt, Beute sammelt, euren Charakter aufwertet und letztlich den Skelettkönig zum großen Showdown herausfordert. Soweit die Theorie.

Praktisch läuft das Spiel nach dem immer gleichen Schema ab: 15 Monster spawnen überall auf einer ca. zwei mal zwei Bildschirme großen Karte und stürmen auf euch zu. Sobald ihr alle getötet habt, wird das Spiel einen Level schwerer und 15 weitere Monster erscheinen, die ebenfalls in den Monsterhimmel gebracht werden wollen. So geht es im Prinzip immer weiter. Alle fünf Level erscheint statt einer Monsterwelle ein einzelner, nicht wirklich schwerer Boss und läutet nach seiner Niederlage den Vorstoß in eine neue Region ein. Alle 30 Level erscheint statt einem Boss ein Eliteboss, der tatsächlich das Stärkste ist, was einem das Spiel vorsetzt.

Bosse und Elitebosse lassen nach ihrer Niederlage eine Truhe mit zwei zufälligen Items aus den möglichen Kategorien Nahkampfwaffe, Fernkampfwaffe, Rüstung und Spezialangriff liegen. Unser Held ist immer mit jeweils einem Item aus jeder Kategorie ausgestattet und alle Items können mittels Gold, das ihr bei besiegten Monstern findet, für mehr Schaden bzw. Schutz aufgewertet werden, um den immer stärker werdenden Gegnern Paroli bieten zu können.

„Der Skelettkönig“ oder „Die fortwährende Belästigung eines Bosses“

Nachdem der erste Elitegegner besiegt, Level 31 erreicht und das Tutorial, das einen eigenen Abschnitt weiter unten verdient hat, überstanden wurde, lädt einen das Spiel zu einem Besuch des Skelettkönigs in seinem Verlies ein. Einen Teleport später befindet ihr euch schon im vermeintlichen Endkampf, nur um vom Boss kurz vor seiner Niederlage mit etwas Beute in den Taschen wieder aus seinen Gemächern geworfen zu werden.

So findet ihr euch unversehens im ersten Level der Welt wieder, nur noch mit der Grundausrüstung und den gesammelten Heiltränken ausgestattet, dafür aber zum ersten Mal im Besitz von Power Stones mit denen man den eigenen Helden dauerhaft verbessern kann. Hier wird jetzt auch so langsam die Idee des Endgames klar: Alle 15 Level steigert sich die Beute, die ihr beim Skelettkönig erhalten könnt, wobei er immer erst frühestens ab Level 31 besucht werden kann. Damit der Spieler nicht auch die niedrigsten Stufen immer wieder durchspielen muss, bietet das Spiel hin und wieder Portale in höhere Stufen an, die dann auch gleich die Ausrüstung auf einen zum Level passenden Stand bringen und tägliche Quests und wechselnde Zusatzaufgaben versorgen einen zusätzlich mit Gold und Ausrüstung.

Ab einem bestimmten Level, der leider nicht genau angesagt wird, schaltet das Spiel bei der Rückkehr ins Hauptmenü den Multiplayer Modus frei. In diesem könnt ihr online mit anderen Spielern Monster um die Wette verhauen und euer Können vergleichen. Ein kurzweiliges Vergnügen für alle, die eine Abwechslung zum regulären Kampf durch den Spielinhalt suchen.

Es gibt nur ein Problem (oder ein paar mehr)

Sich durch den Inhalt des Spiels kämpfen dauert kaum eine halbe Stunde, bevor einem einige der stetigen Wiederholungen die Nerven rauben. Das fängt schon bei der Akustik an, die aus einigen lieblosen Soundeffekten und einem Soundtrack mit vielleicht drei unterschiedlichen Musikstücken besteht, die wechselnd in einer Endlosschleife laufen. Bei den Karten sieht es  nur wenig besser aus, da ihr in zufälliger Reihenfolge durch eine Handvoll immer gleicher, wenn auch schön designter, Zonen wandert und auch bei den Monstern ist die Auswahl gerade noch ausreichend.

Bei der sammelbaren Ausrüstung gibt es ein wenig mehr zu entdecken, da das Spiel ein Qualitätssystem besitzt und einige Ausrüstung erst in den höheren Stufen ausspuckt. Aber auch hier ist das System mit den Bonuswerten auf den Waffen so einfach gehalten, dass wir kaum von einem Rollenspielelement sprechen können.

Ein anderes Problem sind einige der Mängel in der Entwicklung des Spiels. Das fängt bei der Auswahl der Sprache an. Deutsch ist, anders als viele andere europäische Sprachen, nicht verfügbar. Die Sprachen können nur mit einer einzigen Taste der Reihe nach durchgeschaltet werden, bis ihr euch durch alle Sprachen durchgeschaltet habt und letztlich vermutlich mit der englischen Sprache begnügt, die jedoch mit diversen Grammatikfehlern übersetzt worden ist. Die weitere Steuerung ist an sich sehr solide und funktioniert im Nahkampf gut, während im Fernkampf nur schwer gezielt werden kann. Zusätzlich wirft das Tutorial viele Fragen auf, wenn etwa eine vollbusige Dame, die scheinbar nichts mit dem Spiel zu tun hat, abwechselnd mit Hut und ohne Hut mit einem Räuspern eingeblendet wird und Dinge erklärt - und das so oft, dass man nach zehn Minuten ein Hustenbonbon durch den Bildschirm seiner Switch drücken will.

Besonders frustrierend ist allerdings ein Fehler, der im Verlauf des Tutorials auftreten kann und das Spiel unspielbar macht. Wenig motivierend bleibt euch in so einem Fall nichts übrig, außer den Speicherstand zu löschen und das Spiel von vorne zu beginnen.

Fazit:

In den ersten 30 Minuten des Spiels und auch nachdem mein erster Speicherstand gelöscht werden musste, saß ich ungläubig lachend vor der Konsole. Ich formulierte in Gedanken die ersten Zeilen für diesen Text, stimmte mich schon mal auf eine vernichtende Endnote ein und startete das Spiel eigentlich nur aus Neugier ein weiteres Mal, um zu gucken, ob das Spiel immer an der selben Stelle kaputt geht. So prügelte ich mich ein weiteres Mal eher lustlos durch das Tutorial, erreichte zum ersten Mal den ersten Eliteboss und danach den Skelettkönig und musste mir nach diesem Kampf und dem endgültigen Abschluss des Tutorials eingestehen, dass mir das Spiel plötzlich doch irgendwie Spaß macht.

Trotz allem kann das Spiel niemandem guten Gewissens wirklich empfohlen werden. Die mangelhafte Technik und der für den Umfang viel zu hohe Preis rechtfertigen vielleicht den Kauf für einen Euro als Guilty Pleasure für leidenschaftliche Grinder. Alle anderen sollten lieber die Finger davon lassen und sich bei besseren Genrevertretern umsehen.

Von uns getestet: Nintendo-Switch-Version

Wertung:

3.5

Robert Emrich meint:

"Schön aufgemachter Grinder mit zu vielen Fehlern und zu wenig Umfang für den geforderten Preis."
Spielerlebnis: Gut
Umfang: Mangelhaft
Technik: Mangelhaft

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3 Kommentare:


Tobsen
vor 2 Wochen | 0
Ich denke, ich skippe den Titel.

2null3
vor 2 Wochen | 0
Und dabei habe ich mich wirklich bemüht, dem Titel was gutes abzugewinnen.

2null3
vor 2 Wochen | 0
Ich könnte noch hinzufügen, dass ich gerade durch puren Zufall entdeckt habe, dass der Versus Mode nach mehreren Stunden Spielzeit ohne Vorwarnung mit dem Erreichen eines bestimmten Levels freigeschaltet wird.
Keine Ahnung welcher Level es war. Irgendwann hieß es nur, dass ich jetzt gut genug bin.