Test: Bake ‘n Switch (Update 30.10.20)

Von Robert Emrich am 30. Oktober 2020

Mit Freunden auf der Couch backt man keine kleinen Brötchen.

Mit einem Update vom 30. Oktober 2020 haben die Entwickler einige Kritikpunkte aufgegriffen, mehr dazu unter dem eigentlichen Test.

Wer sich mit Couch Coop Spielen befasst, stolpert beinahe zwangsläufig irgendwann über die Spiele der Overcooked-Reihe, in denen mehrere Spieler als niedliche Charaktere herumwuseln und unter Umgehung von allerlei Hindernissen gemeinsam Essen zubereiten müssen. Ein familienfreundliches Spielprinzip, das nicht nur bei uns sehr gute Bewertungen verbuchen konnte. Dass solche Erfolgstitel gerne artverwandte Ableger zutage fördern, liegt in der Natur der Sache und so haben wir hier mit Bake ‘n Switch aus dem Hause Streamline Games ein weiteres Spiel, das sich bemüht, Essen, Kooperation und Spaß in Einklang zu bringen. Wenn auch mit eher durchschnittlichem Erfolg.

Aber zuerst einmal ein Hinweis:

Die aktuelle Version des Spiels bietet Euch keine Möglichkeit, das Spiel alleine zu spielen. Laut den Entwicklern wird ein entsprechender Modus wohl im Oktober zusammen mit weiterem Content nachgereicht, aber zum aktuellen Zeitpunkt gibt es keine K.I. und kein alternatives Steuerungsschema, das es Euch erlaubt, das Spiel ohne einen weiteren Spieler zu starten. Auch im Online-Modus, für den man eine Nintendo Online Mitgliedschaft benötigt, kann man sich nicht mit anderen zufälligen Spielern zusammentun, sondern kann nur Freunde aus der eigenen Freundesliste einladen, die das Spiel und eine Nintendo Online Mitgliedschaft ebenfalls ihr eigen nennen müssen.

Wen diese Hürde nicht abschreckt, dem sei der weitere Text ans Herz gelegt.

Worum geht’s?

Gute Frage. Laut der Beschreibung der Entwickler sind wir mächtige Bäcker, die eine Welt voller lebender Teiglinge vor dem Angriff bösartiger Schimmelwesen retten müssen, indem wir die alten hungrigen Wächter der Welt, die ebenfalls geschworen hatten den Planeten zu beschützen, mit eben jenen Teiglingen füttern, die ansonsten Schimmel und Wächtern zum Opfer fallen würden. Da die Wächter nur die Welt retten und wir nur den Schimmel besiegen wollen und die Teiglinge offenbar allen egal sind, kann man dieser Handlung mit viel gutem Willen eine gewisse Logik bescheinigen, auch wenn sie für das eigentliche Spiel nahezu irrelevant ist.

Und worum geht es wirklich?

Tatsächlich laufen wir in Bake ’n Switch durch Bildschirm-große Level und werfen kleine fröhlich lachende Teigwesen, die zum Teil auch noch die Form von Tieren haben, in einen Ofen, um dafür Punkte zu sammeln, bevor die Zeit abläuft. Segas Sonic wäre entsetzt.

Mehr Punkte gibt es, wenn wir die Tierchen vor dem Backen auf andere Teiglinge derselben Art werfen, da sie sich dann gegenseitig fressen und als zwei, drei, vier oder mehr Teiglinge auf einmal gelten.

Am Ende eines Levels erhalten wir basierend auf der erreichten Punktzahl ein bis drei Sterne, wobei mindestens einer benötigt wird, um ins nächste Level vorrücken zu dürfen. Eine feste Menge Sterne wird zudem gebraucht, damit wir weitere Abschnitte freischalten können.

Das Tempo des Spiels ist ein wenig langsamer als das anderer Kochspiele und damit auch für jüngere Spieler problemlos geeignet. Damit das Ganze aber nicht zu einfach wird, gibt es Naturgewalten und Feinde, die die Teiglinge aus unserer Reichweite tragen, Flüsse und Abgründe, in die wir und unsere Opfer reinfallen können, Schimmel-Wesen, die unsere Teiglinge befallen und deren Wert mindern und wählerische Öfen, die wechselnd nur bestimmte Tierarten annehmen, die wir dann zum Teil vorher noch in Flüssigkeiten mit einem spezifischen Geschmack werfen müssen.

Neben dem regulären Coop Modus gibt es noch einen PvP-Modus, in dem wir um die Wette Teigwesen in den Ofen werfen sowie boxend und slidend versuchen, den Mitspielern ihre besonders großen Teiglinge abzunehmen, um vor Ablauf der Zeit die höchste Punktzahl zu erzielen. Dieser ist aber mit seinem geringen Umfang eher ein nettes Feature, als ein ernsthafter Kaufgrund für das Spiel.

Gesteuert werden unsere Bäcker mit jeder Art von Controller, da neben dem Steuerkreuz nur vier Tasten für die Aktionen Werfen/Fangen, Sliden, Schlagen und die Power-Attacke benötigt werden. Selbst ein einzelner Joycon kommt also in Frage. Die Steuerung funktioniert zügig und problemlos, wobei die Controller-Vibration beim Wurf eines Teiglings recht schnell nervig wird und nur in den Optionen des Hauptmenüs, nicht aber in den Optionen im laufenden Spiel deaktiviert werden kann.

Vielerlei Nachholbedarf

Die fehlenden Optionen führen uns zum größten Problem des Spiels: Es wirkt an vielen Stellen unfertig. Die ansonsten hübsche Schrift des Spiels wird bei allen nicht-englischen Sprachen mit einer serifenlosen 08/15-Schriftart ausgetauscht und in der an sich schon beinahe überflüssigen Option für britisches Englisch wurden die Eigenheiten der britischen Schreibweise nicht konsequent übernommen.

Die Grafik, die bei einem Spiel ohne Sprachausgabe und fröhlichem aber ansonsten durchschnittlichem Soundtrack neben dem Gameplay eigentlich das Haupt-Verkaufsargument sein sollte, wurde so vereinfacht, dass es den Eindruck aufkommen lässt, dass hier lieber schnell herunterskaliert, als gut portiert wurde, um das Spiel flüssig laufen zu lassen. Die Anzahl der Polygone der Modelle in der Switch-Version wurden im Vergleich zu anderen Versionen merklich reduziert. Texturen, kleinere Modelle und viele Texte wirken, besonders auf großen Bildschirmen, verwaschen. Das ist wirklich schade, denn stilistisch ist das Spiel tatsächlich überaus hübsch.

Hier ist also noch eine Menge Luft nach oben und es bleibt abzuwarten, ob die Entwickler weiterhin so fleißig an dem Spiel arbeiten werden, wie sie es in ihren Social-Media-Kanälen angekündigt haben.

Fazit:

Die Frage nach einem Fazit und einer endgültigen Bewertung ist nicht einfach. Zum einen weil sich das Spiel durch einen einzelnen Spieler nur unzureichend testen lässt und ähnlich wie andere Partyspiele vermutlich erst in großer Runde sein volles Potential entfaltet. Zum anderen, weil die Entwickler bereits für diesen Monat umfassende Anpassungen und Erweiterungen wie einen Einzelspielermodus angekündigt haben. Letzterer könnte zusammen mit einigen kleinen Verbesserungen die finale Bewertung deutlich beeinflussen.

Zum aktuellen Zeitpunkt könnte das Spiel für Genrefans, die auf der Suche nach einem neuen Partyspiel sind und sich nicht scheuen, den für den Umfang doch recht knackigen Preis zu bezahlen, interessant sein. Allen anderen kann an dieser Stelle nur empfohlen werden abzuwarten, bis die Entwickler nachgeliefert haben und der Umfang den Preis und die bis dahin hoffentlich gestiegene Qualität rechtfertigt.

Von uns getestet: Nintendo-Switch-Version

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Update vom 30.10.2020:

Streamline Games hat sein Versprechen gehalten und pünktlich zu Halloween einen kostenlosen Content Patch veröffentlicht, der das Spiel um das Halloween-Event „Shroomageddon“ und den lang ersehnten Einzelspielermodus erweitert. Letzterer lässt sich im Hauptmenü gesondert auswählen und bietet die exakt gleichen Level wie der reguläre Mehrspielermodus. Anstelle eines zweiten Spielers befinden sich jetzt aber an strategisch sinnvollen Orten Körbe, in denen ihr eure Teiglinge sammeln könnt, ohne dass diese weglaufen oder von Feinden angegriffen werden können. Nebenbei führen die spielbaren Charaktere jetzt kleine Gespräche während man über die Weltkarte von Level zu Level wandert, was dem Spiel ein wenig mehr Handlungstiefe beschert.

Mangels eines Match-Making-Systems kann man das Spiel online weiterhin nur mit Freunden spielen und auch die anderen im ursprünglichen Test beschriebenen Mängel existieren leider immer noch: Die Schriftart wechselt, wenn man das Spiel nicht in englischer Sprache spielt, die Vibration der Controller lässt sich im laufenden Spiel immer noch nicht deaktivieren und auch die Grafik wirkt wie gehabt gröber als es auf der Switch nötig wäre, wobei das Charakter-Auswahl-Menü ein wenig herangezoomt wurde, sodass man die Figuren bei der Auswahl besser erkennen kann. All diese Mängel beeinflussen das eigentliche Spiel kaum, vermitteln aber weiterhin einen unfertigen Eindruck.

Neues Fazit:

Bake ‘n’ Switch bietet ambitionierten Bäckern und Freunden von Coop Spielen einiges für sein Geld. Mehr als 100 stetig schwerer werdende Level sowie immer neue Inhalte, die von den Entwicklern nachgereicht werden, können problemlos für mehrere Abende Unterhaltung bieten und machen Hoffnung, dass das Spiel eines Tages zu einer weiteren Referenz im Couch-Coop-Genre werden könnte. Aktuell lassen kleine technische Mängel und die halbgar portierte Grafik diesen Zeitpunkt aber noch in einige Ferne rücken und sichern dem Spiel somit einen Platz im unterhaltsamen Mittelfeld des Genres. Die ursprüngliche Wertung von 5.0 heben wir somit auf eine 6.5 an.

Wertung:

6.5

Robert Emrich meint:

"Solider Couch-Koop Partyspaß mit Mehrspielerzwang und ausbaufähiger Technik."
Spielerlebnis: Gut
Umfang: Gut
Technik: Durchschnittlich

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3 Kommentare:


Terry
vor 1 Monat | 1
In diesem Sinne auch nochmal hier: herzlich Willkommen im Team, Robert aka 2null3!

Tobsen
vor 1 Monat | 1
Uh! Sauber!!
Willkommen! Dachte schon beim Lesen, dass das für eine Nutzi aber ein sehr ordentlicher Test ist! Gelungener Einstand, das Spiel werde ich aber dennoch skippen, denke ich!

2null3
vor 1 Monat | 0
Danke Euch. :)
Ich werde es mir nicht nehmen lassen, dem Review ein Update zu verpassen, wenn das Spiel irgendwann ein bißchen mehr her macht und auch alleine gespielt werden kann.