Test: Hades

Von Michael Prammer am 29. September 2020

Das Rogue-like-Abenteuer Hades schickt sich an, den Olymp zu besteigen - im wahrsten Sinne des Wortes. Ob es für den Titel aus dem Hause Supergiant Games zur Spitze des Götterberges reicht, zeigt unser Test.

Zagreus, Sohn des Hades, Gott der Unterwelt in der griechischen Mythologie, hat das Leben in den Tiefen der Hölle satt. Sein immer wieder nörgelnder Vater trägt nicht wirklich dazu bei, ihm die Tage angenehmer zu gestalten. Was also tun? Logisch - abhauen! Das gestaltet sich jedoch als eine schwierige Mission, denn die Unterwelt besteht aus insgesamt vier Ebenen; Tartarus, Asphodeliengrund, Ebenen von Elysium und Tempel des Styx. Und keine Ebene macht es dem Neffen des großen Zeus besonders einfach den heiligen Berg zu erklimmen. Denn das Ziel unseres Gipfelstürmers ist kein Geringeres als der Olymp. Zagreus scheint dabei sogar auf göttliche Unterstützung zählen zu dürfen und so gesellen sich viele Helden und Götter der griechischen Mythologie auf die Seite des Helden.

Sterben und sterben lassen

So viel zur eigentlichen Geschichte, denn wir haben es hier mit einem Rogue-like-Adventure zu tun. Und das eignet sich vorzüglich für diese Thematik, denn das Sterben steht auf der Tagesordnung und ist ein elementarer Bestandteil des Spiels. Da trifft es sich ganz gut, dass man im Hades eigentlich sowieso mausetot ist. Doch ihr werdet schnell feststellen, dass es sich noch schwieriger gestaltet, den Hades zu verlassen. Hiermit wäre dann auch schon die grundlegende Spielmechanik erklärt. Der Held muss wieder und wieder die Dungeons von vorne betreten und fleißig Sachen sammeln, um stärker zu werden. Dann stirbt der Protagonist, rüstet das neu erworbene Loot aus und probiert es nochmal, um im nächsten Anlauf bestenfalls weiter voranzukommen.

Wer jetzt denkt, dass dies nicht motivieren würde, der irrt gewaltig. Ihr werdet zwar wieder und wieder auf die gleichen Gegner treffen. Und ihr werdet wieder und wieder dieselben Welten bereisen. Jedoch gestaltet sich das Spiel Hades um einiges abwechslungsreicher als so manch anderer Genrevertreter. Das liegt vor allem daran, dass es eine ganze Menge Charaktere gibt, die sich in der Hubwelt, also im Ausgangssaal, befinden als auch in den Level selbst. Und je öfter ihr mit diesen spricht, desto mehr erfahrt ihr über die Spielwelt und Charaktere oder erhaltet auch bessere Upgrades für eure Waffen. Deshalb lohnt es sich nach jedem Durchgang mit allen Charakteren zu sprechen, um nicht irgendwelche wichtigen Dinge zu verpassen.

Von Arena zu Arena

Das Leveldesign von Hades unterscheidet sich auch etwas von anderen Vertretern im Genre. In einer Diablo-ähnlichen Top-down-Ansicht steuert ihr euren Helden und betretet immer nur kleine, in sich abgeschlossene Räume. Diese sind wie eine Arena aufgebaut und erst wenn alle Gegner beseitigt wurden, geht es weiter. An der Tür ist dann bereits zu erkennen, was für eine Belohnung im nächsten Raum wartet. Das kann ein Erfahrungsboost sein, ein temporäres Waffenupgrade, Energie oder ein Schlüssel, mit denen ihr Waffen oder andere nützliche Dinge freischalten könnt. In manchen Räumen habt ihr mehrere Türen zur Auswahl, weshalb ihr euch stets überlegen solltet, welche Tür ihr jeweils betretet. Wichtig sind vor allem die Erfahrungsboost, mit denen ihr die Attribute des Hauptdarstellers dauerhaft verbessern könnt. Außerdem findet ihr hin und wieder Geschenke, die einer der NPCs in nützliche Gegenstände umwandeln kann. So darf der Held von Hades zu Beginn des Fluchtversuchs beispielsweise mehr Energie ausrüsten oder mehr Erfahrung pro Kampf einsacken – jedoch müsst ihr euch zunächst für eine dieser Fähigkeiten entscheiden.

Das Spielprinzip von Hades funktioniert dabei absolut hervorragend und bietet eine gut ausbalancierte Lernkurve. Zu Beginn werdet ihr euch regelmäßig auch an winzigen Gegner die Zähne ausbeißen. Doch schon bald habt ihr den richtigen Bewegungsablauf im Kopf, beherrscht die Kampfmechaniken und vermöbelt spielend leicht die zahlreichen Zwischenbosse. Richtige Herausforderungen stellen dann jedoch weiterhin die Endgegner eines jedes Areals dar. Diese sind knallhart, haben eine Menge Energie und einige heimtückische Tricks auf Lager. Aber auch hier wird Zagreus nur einige Male scheitern, ehe er herausgefunden hat, wie der jeweilige Boss tickt. Mit der richtigen Waffe und der passenden Taktik zur Hand sind auch die Endgegner gut zu meistern. Die Lernkurve in Hades ist angenehm steil, nicht frustrierend und lädt auch zum Experimentieren ein.

Hinzu kommt die wirklich gut inszenierte Geschichte von Hades. Die Entwickler haben eine gesunde Mischung zwischen ernstzunehmender Story und pfiffigem Humor gefunden, die das Spielgeschehen ungemein aufwertet. Auch technisch gesehen ist Hades richtig klasse geworden. Der Titel sieht auf der Nintendo Switch (die von uns getestete Version) richtig gut aus, ruckelt nicht und bleibt selbst in hektischen Kämpfen stets stabil. Lediglich bei wirklich sehr großem Gegneraufkommen kann man vielleicht hier und da die ein oder andere Unebenheit im Handheldmodus erkennen, das stört allerdings kaum den Spielfluss und fällt nur dann auf, wenn man wirklich darauf achtet. Der Sound ist überdies ebenfalls sehr gut gelungen. Musikalisch bekommt man viel Gutes um die Ohren und der Höllentrip wird stets passend untermalt. Die Sprachausgabe ist zwar ausschließlich auf englisch, macht aber einen mehr als ordentlichen Job.

Fazit:

Hades ist ein überragendes Rogue-like-Adventure! Ob sich der Titel auch mit dem Branchengrößen Hollow Knight oder Dead Cells messen kann? Auf jeden Fall! Ob Hades diese sogar überflügelt? Das muss wohl jeder für sich selbst entscheiden. Auf jeden Fall macht Hades beinahe alles richtig und liefert einen Genre-Vertreter der Extraklasse ab. Die Story ist stimmig, die Technik passt, der Wiederspielwert ist enorm und die Spielmechanik funktioniert hervorragend. Das Haar in der Suppe zu finden ist enorm schwierig, vielleicht die „nur“ in englisch gehaltene Sprachausgabe oder die ganz wenigen Ruckler im Handheldmodus bei erhöhtem Gegneraufkommen. Das ist allerdings Meckern auf ganz hohem Niveau. Kurzum: Hades ist ein Pflichtkauf für Fans des Genres.

Wertung:

9.0

Michael Prammer meint:

"Der Aufstieg in den Olymp des Genres geglückt! Hades ist ein überragendes Roguelike-Adventure."
Spielerlebnis: Herausragend
Umfang: Sehr gut
Technik: Sehr gut

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