Test: Projection: First Light - Update

Von Jeremiah David am 05. Oktober 2020

Die Blowfish Studios präsentieren uns mit Projection: First Light einen eigentümlichen, stark stilisierten Platformer, der sich metaphorisch wie wörtlich mit Licht und Schatten auseinandersetzt. Lohnt sich der Ausflug? 

Projection: First Light beginnt mit einer Szene wie wir sie vermutlich alle aus unserer eigenen verkorksten Kindheit kennen: Eigentlich will unser Charakter nur einen Schmetterling auf einem Marktplatz fangen, demoliert dabei aber einen Kleinwagen, dessen Besitzer wohl vergessen hatte, die Handbremse anzuziehen. Unser Charakter ist in diesem Fall ein junges Mädchen namens Greta, und für ihre unbedachte Tat bekommt sie selbstredend Ärger mit ihren Eltern. Die sperren sie kurzerhand in ihrem Zimmer ein, aber Greta entkommt durch einen Geheimgang in der Wand und begibt sich auf eine Reise der Selbsterleuchtung. Klassisch, oder?

Schattenspiel

Die Geschichte von Projection: First Light wird ganz ohne Worte, nur mit Gesten erzählt. Weder Greta noch andere Figuren im Spiel können Sprechen. Es gibt eine Handvoll Dialoge, die aber lediglich mit Hilfe von simplen Symbolen in Sprechblasen ablaufen. Dass es sich um eine Reise der Selbsterleuchtung handelt, wissen wir tatsächlich nur, weil das auf der Webseite des Spiels steht. Auch Gretas Name haben wir von dort. Greta besucht auf ihrem meditativen Streifzug das altertümliche Indonesien und angeblich China, die Türkei und das viktorianische England. Wieso wir „angeblich“ schreiben? Dazu kommen wir noch. In den einzelnen Regionen trifft sie jeweils auf ein paar Charaktere, die in der Regel aussehen, als wären die Illustrationen alter Sagen und Legenden lebendig geworden. Der Clou an der ganzen Sache: Greta und sämtliche andere Charaktere sind Schattenfiguren und die Level sind aufgebaut wie unterschiedliche Bühnenbilder in einem Schattentheater. Wenn Greta springt, können wir den Stecken sehen, an dessen Ende sie von einem nichtexistierenden Puppenspieler geführt wird. Auch an ihren Händen sind dünne Stäbe befestigt, die allerdings im Nirgendwo enden und so kurz sind, dass sie den Eindruck erwecken, als würde sich Greta stets mit Nordic-Walking-Sticks durch die Landschaften bewegen.

Das Gameplay besteht aus dem Überwinden von Geschicklichkeitspassagen und dem Lösen von Rätseln, die alle mit dem Zusammenspiel von Licht und Schatten zu tun haben. Als Spieler bewegen wir mit dem linken Analogstick Greta, mit dem rechten jedoch eine Lichtkugel, mit der wir die Umgebungen direkt manipulieren können. Bewegen wir das Licht hinter einen Gegenstand, kreieren wir so einen Schlagschatten, der mit der Landschaft verschmilzt und Greta neue Wege eröffnet. Geschickt platzierte Schatten werden zu Türmen, Brücken, Plattformen oder sogar Aufzügen. Auch Bossgegner können mit Hilfe des Lichts besiegt werden. Allerdings ist ist das Level-Design bisweilen etwas unübersichtlich und das Platzieren der Schatten mühsam, denn selbst kleinste Bewegungen im Millimeter-Bereich können einen Schatten um ein vielfaches größer oder kleiner werden lassen. Die Analogsticks der Switch sind für so präzise Bewegungen, wie sie das Spiel erfordert, schlicht ungeeignet. Greta wird dadurch immer wieder aus Versehen von Vorsprüngen gestoßen. Die Steuerung ist aber immerhin akzeptabel und die erste Region lässt sich trotz einiger frustrierender Passagen problemlos beenden. Die anderen Regionen? Die konnten wir leider nicht spielen, und das bringt uns nun zurück zu dem „angeblich“ von oben.

Nach der ersten Region ist Schluss

Die Regionen China, Türkei und England haben wir nie zu Gesicht bekommen, denn am Ende einer Cut-Scene kurz nach dem Bosskampf in Indonesien, stürzte uns das Spiel immer wieder ab. Standardlösungen, wie das Löschen und erneute Herunterladen des Spiels brachten uns nicht weiter. Auch war es egal, ob wir unseren aktuellen Speicherstand benutzten, oder das Level aus dem Stage-Select-Menü anwählten. Durch die Switch wurden keine fehlerhaften Daten erkannt, trotzdem bekamen wir an derselben Stelle insgesamt acht Mal dieselbe Fehlermeldung zu sehen, dann gaben wir auf. Anders formuliert: Lediglich ein Viertel des Spiels war für uns tatsächlich spielbar. Wir haben dem Publisher unser Problem in einer Mail geschildert, darauf aber bis heute keine Antwort bekommen.

(Ursprüngliches) Fazit:

Die ersten zwei Stunden von Projection: First Light bieten stilistisch einzigartige und stellenweise durchaus fordernde, aber auch relativ eintönige Rätselkost, die ein wenig unter der unpräzisen Steuerung des Spiels leidet. Mit mehr Inhalt hätten wir Projection: First Light vermutlich eine Wertung von 6.0 und eine Kaufempfehlung für Genrefans gegeben. Die wiederkehrende Meldung „Die Software wurde beendet, da ein Fehler aufgetreten ist“ macht eine solche Wertung aber leider unmöglich. Schade!

Von uns getestet: Nintendo-Switch-Version


Update vom 09.10.2020:

Inzwischen sind einige Tage seit dem Release des Spiels vergangen und die Blowfish Studios haben einen Patch für die Switch-Version veröffentlicht. Das Update beseitigt den oben beschriebenen Bug und erweitert das Hauptmenü zudem um einige Sprachoptionen. Projection: First Light lässt sich nach der Installation des Patches endlich durchspielen und so ändert sich natürlich der Umfang gewaltig. Die Gebiete China, Türkei und England sind nicht ganz so groß wie Indonesien, besitzen aber jeweils einen eigenen Charme und kommen mit einigen neuen Gameplay-Elementen wie beispielsweise Windbahnen oder zusätzlichen Lichtquellen daher. Die Rätsel werden mit der Zeit zudem immer besser. Es ist erstaunlich wie kreativ die Entwickler mit den limitierten Gameplay-Mechaniken rund um Licht und Schatten umgehen.

Einige Schwächen des Spiels kann der Patch aber nicht beseitigen. Die Steuerung des Lichts ist noch immer ungenau und das Level-Design inkonstant. Nicht jeder Gegenstand, der aussieht, als müsse er einen Schatten werfen, tut das auch. Harmlose Grashalme sehen beispielsweise gefährlichen Dornen zu ähnlich. An manchen Stellen ist der Sprung in einen Abgrund der einzige richtige Weg, anderswo endet ein identischer Sprung mit einem plötzlichen Tod.

Neues Fazit:

Projection: First Light bietet zum Budgetpreis von rund 20 Euro sieben bis acht Stunden stilistisch einzigartige und stellenweise sehr kurzweilige Rätsel- und Geschicklichkeitskost für geduldige Spieler. Die etwas unpräzise Steuerung kann leider für einige Frustmomente sorgen, außerdem leidet die Geschichte unter selbst auferlegten Zwängen: Während die Schattentheater-Thematik ganz ohne Text oder Sprachausgabe optisch durchaus zu überzeugen weiß, eignet sie sich nicht wirklich zum Erzählen einer spannenden Geschichte. Rätselfans und Freunden visuell einzigartiger Spiele sollte Projection: First Light trotzdem einen Blick wert sein.

Wertung:

6.5

Jeremiah David meint:

"Kurzweilige Rätsel- und Geschicklichkeitskost, die unter selbst auferlegten Zwängen leidet."
Spielerlebnis: Gut
Umfang: Gut
Technik: Durchschnittlich

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