Kommentar: XBOX Series S - kluger Schachzug oder Eigentor?

Von Michael Prammer am 27. September 2020

Macht die XBOX Series S Sinn und wenn ja, für wen?

Microsoft und Sony bringen Mitte November ihre neuesten Spielekonsolen auf den Markt. Die PlayStation 5 ist in zwei Versionen erhältlich: Mit Laufwerk und ohne. Ansonsten unterscheiden sich die beiden Konsolen technisch nicht. Microsoft geht einen anderen Weg. Die XBOX Series X verspricht die stärkste Heimkonsole aller Zeiten zu werden. Daneben setzt das Unternehmen aus Redmond aber auf eine deutlich abgespeckte und kompaktere Version der Konsole, die zu einem Kampfpreis von 300€ auf den Markt kommt. Der Preis hört sich im ersten Moment verlockend an, schließlich kostet selbst die günstigste Next-Gen-Alternative, die PlayStation 5 ohne Laufwerk, satte 100€ mehr, aber was kann die XBOX Series S? Welche Zielgruppe hat die Konsole? Ist die Konsole ein guter Deal oder ist man mit den großen Geräten doch besser dran?

Die XBOX Series S besitzt wie die Digital Edition der PlayStation 5 kein optisches Laufwerk, darüber hinaus hat sich Microsoft allerdings noch für weitere Einschnitte in die Hardware entschieden. Käufer des weißen Kastens bekommen 10 statt 16 GB Arbeitsspeicher, eine deutlich schlechtere Grafikeinheit, deren Leistung mit 4 statt mit 12 TFLOPS angegeben wird und eine CPU, deren Taktfrequenz bei 3,6 statt 3,8 GHz liegt. Die verbaute SSD bietet außerdem nur halb so viel Speicherplatz wie die der Series X, was besonders angesichts der Tatsache, dass die Series S eine rein digitale Konsole ist, etwas paradox wirkt, aber vermutlich konnte nur so der geringe Preis erreicht werden. Unabhängig von alledem sollen sämtliche XBOX-Spiele künftig aber auf beiden Konsolen laufen. Bis zu 120 Bilder pro Sekunde sind auf der Series S möglich, dazu eine Auflösung von 1440p, die auf 4K hochskaliert wird. Die SSD ermöglicht zudem blitzschnelle Ladezeiten und die Nutzung der sogenannte Quick-Resume-Funktion. Damit lässt sich zwischen mehreren Spielen hin und her wechseln, ohne dass diese komplett neu gestartet werden müssen. 

Der allgemeine Tenor scheint zu sein: Core-Gamer greifen zur XBOX Series X. Doch ist das wirklich so? Fakt ist: die XBOX Series X entfaltet ihr volles Potential erst dann, wenn ein 4k-Fernseher im Wohnzimmer steht. Wenn der heimische TV „nur“ eine HD- oder 2k-Auflösung unterstützt, muss nicht zwingend das Topmodell her. Potenzielle Käufer sollten sich zudem fragen, ob sie Spiele in physischer Form brauchen, und in diesem Zusammenhang kommen wir natürlich unweigerlich zum Thema Game Pass. Microsofts Abo-Service bietet ein unglaublich gutes Preis-Leistungsverhältnis. Abonnenten bekommen neben ausgewählten 3rd-Party-Games alle First-Party-Spiele von Microsoft zum jeweiligen Release-Termin ohne zusätzliche Kosten als Download. Das heißt im Klartext aber auch: Wer mit den Spielen im Game Pass zufrieden ist, kann problemlos auf das Laufwerk der Series X verzichten, zumal auch andere Spiele natürlich digital erworben werden können. Gerade für Gamer mit wenig Freizeit könnte die XBOX Series S mit Game Pass einen fantastisch guten Deal darstellen. Aber – und das ist ein großes Aber – der Speicher der Konsole ist klein. Sehr klein. Während die XBOX Series X mit 1TB Speicherplatz ausgerüstet ist, bietet die Series S lediglich 512GB, und ein Teil des Speichers ist bei beiden Konsolen natürlich für das Betriebssystem reserviert, sodass die eben genannten Zahlen in Wirklichkeit noch kleiner sind. Microsoft verspricht zwar, dass Spiele für die Series S etwa 30% weniger Speicherplatz benötigen werden als auf der Series X, aber bedenkt man, dass selbst Spiele der letzten Konsolengeneration nicht selten mehr als 100GB benötigten, ist das nur ein schwacher Trost. Der 2019 veröffentlichte Shooter Call of Duty: Modern Warfare kommt mit allen Patches und DLCs unlängst auf über 200GB benötigten Speicherplatz. 

Eine 1TB-Erweiterung für Microsofts Next-Gen-Konsolen kostet etwa 200€ - eher etwas mehr, und spätestens angesichts dieses Preises sollte jeder für sich überlegen, ob er regelmäßig Spiele auf dem Gerät installieren und wieder löschen oder ob er nicht doch mit der größeren SSD der Series X starten möchte. Für den Preis einer XBOX Series S mit zusätzlichem SSD-Speicher ist immerhin auch die Series X mit Laufwerk und voller Power zu haben. Zwar können auch handelsübliche Festplatten über USB an das Gerät angeschlossen werden, aber spätestens dann ist die Next-Gen-Power zumindest teilweise Geschichte.

FAZIT:

Die XBOX Series S ist auf den ersten Blick ein toller Deal und in Anbetracht der Tatsache, dass sowohl PlayStation 5, als auch XBOX Series X komplett ausverkauft sind, wohl die letzte Möglichkeit, direkt zum Launch in die nächste Konsolengeneration einzutauchen. Für 300€ bekommen Gamer zwar nicht die bestmögliche Grafikleistung, aber eine Konsole, die alle aktuellen Spiele in 1440k abspielen kann. Und für den Game Pass ist dieses kleine Gerät wie geschaffen. Die Achillesferse der Series S ist allerdings die geringe Speicherkapazität. Microsofts Entscheidung die rein digitale Konsole mit weniger Speicher auszustatten als das Topmodell, ist unserer Meinung nach fragwürdig. Für Gamer, die sowieso nur an digitalen Spielen interessiert sind und nur ein paar Mal im Jahr neues Spielefutter benötigen, ist die XBOX Series S ideal, für alle anderen eher nicht.

Schreibe einen Kommentar:

3 Kommentare:


Asinned
vor 3 Wochen | 0
Speicher sehe ich tatsächlich nicht so kritisch, viel wichtiger ist, on die Entwickler die Spiele auf den kleineren Ram runterskalieren können oder die S-Version der Spiele oftmals unausgereift sein wird. Im Extremfall könnten Entwickler auch von den Specs abgeschreckt werden und dann ihr Soiel nur auf PC/PS5 bringen.

michi1894
vor 3 Wochen | 0
Das könnte ein Faktor sein, ich meine aber, dass Microsoft da bereits für Entwarnung gesorgt hat. Die Architektur der Konsole soll das scheinbar automatisch regeln und einfach nur die entsprechenden Auflösungen ausgeben. Kann aber auch nur PR-Gelaber gewesen sein, um die Kunden zu beruhigen.
prog4m3r
vor 3 Wochen | 0
Ich denke wir haben da zwei mögliche Szenarien, Spiele die auf der Xbox Series X in 4k laufen, werden auf der Series S problemlos in einer niedrigeren Auflösung abgespielt. Ich denke in der Hinsicht ist es nicht "nur PR-Gelaber". Wo es problematisch werden dürfte, ist wenn irgendwann womöglich Spiele kommen, die die Specs der Series X für andere Dinge als die (mMn.) unnötige 4k Auflösung nutzen. Ich halte es zwar für äußerst unwahrscheinlich, dass irgendein Entwickler die Power der Konsole für etwas aufregenderes als eine hohe Auflösung nutzt, aber es eröffnet halt Möglichkeiten, welche die Series S dann ggf. nicht so einfach runter skalieren kann. An und für sich würde ich mir diesbezüglich aber keine Sorgen machen, auch wenn die Series S schwächer ist, letztendlich ist sie dennoch stärker als die PCs der meisten Leute und darauf müssen Spiele halt auch laufen, weshalb die meisten Titel extrem skalierbar entwickelt werden. Man sieh sich bspw. The Witcher III an, auf was für Rotz Hardware (nein, ich meine damit nicht die Nintendo Switch) der Titel läuft ist unglaublich. Weshalb ich letztendlich jedoch von der Series S absehen würde - mal abgesehen vom internen Speicher der mir mit 1TB selbst bei der X noch recht knapp bemessen ist (obwohl es schon erstaunlich ist, dass da bei diesem Preis überhaupt 1TB verbaut wurde), ist wenn man plant diese Konsole längerfristig zu nutzen. Denn so wie die Xbox One S als erstes hinten runter fallen dürfte, wenn die Spiele höhere Ansprüche an die Hardware stellen, wird die Xbox Series S auch als erstes nicht mehr unterstützt, wenn dann die nächste "Generation" ins Haus steht. Ich kann mir jedenfalls gut vorstellen, dass dann in 5-7 Jahren die Series X aktuelle Titel nur noch in HD ausspuckt und die Series S in die Röhre guckt.