Test: Go! Fish Go!

Nutzer-Story von 2null3 am 15. September 2020

Über Telespiele, Rennspiele und einen Fisch, der aus seinem Aquarium flüchtet.

Erinnert sich hier noch jemand an die tragbaren Videospiele der Pre-Gameboy Ära? Damals, bevor Nintendo auf die Idee kam, eine tragbare Konsole mit austauschbaren Cartridges auf den Markt zu bringen, gab es etwas, das bei uns gerne “Telespiele” genannt wurde. Kleine tragbare Videospiele mit fest installierten Spielen und Bildschirmen, die wie die alten Taschenrechner funktionierten. Meine Freunde hatten (für damalige Verhältnisse) coole Spiele, in denen man Aliens abschießen oder die Prinzessin retten musste. Ich hatte “Formel 1”, ein Spiel dessen Besitz ich in den letzten Jahrzehnten erfolgreich verdrängt hatte, bis Go! Fish Go! das erste Mal von mir angespielt wurde.

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Worum geht es?
In Go! Fish Go!, das ich zunächst irrtümlich für ein Rennspiel hielt, steuert man einen Fisch, der aus seinem Aquarium flüchtet und dann (offenbar auf der Flucht) Münzen sammelnd und Hindernissen wie z.B. Enten, Booten und Felsen ausweichend durch einen Kanal schwimmt. Vorwärts schwimmt unser Fisch von selber, sodass der Spieler sich voll darauf konzentrieren kann, den Fisch auf die linke, mittlere oder rechte Bahn des Kanals zu steuern, springen oder abtauchen zu lassen während das Spiel immer schneller wird und halsbrecherische Geschwindigkeiten erreicht, bis man letztlich doch mit einem Hindernis kollidiert und ein Leben verliert. Sind alle Leben aufgebraucht, bekommt man seinen Punktestand präsentiert und kann wieder von vorne beginnen. Und das ist so ziemlich alles worum es in diesem Spiel geht. Aber dazu komme ich im übernächsten Abschnitt noch einmal.

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Die Technik
Schon in den ersten Momenten des Spiels wird klar, dass Go! Fish Go! wohl ursprünglich für den Handymarkt entwickelt wurde, wenn eine animierte Hand andeutet, dass man seinen Fisch mit Wischbewegungen nach links und rechts steuern, springen und abtauchen lassen kann. Ein wahrlich bescheuertes Steuerungskonzept, das man zum Glück nicht benutzen muss, da man beim Wischen zwangsläufig mit der Hand den Bildschirm bedeckt und damit Sekundenbruchteile lang nicht sehen kann, was gerade auf einen zurast. Auch die Grafik wirkt insgesamt, als wäre sie eher für kleinere Bildschirme gedacht, wobei die grob modellierten Bäume und Häuser kein Nachteil sind, da sie eh zu schnell an einem vorbeiziehen, um bewusst beachtet zu werden. Tatsächlich ist ein Großteil des relevanten Geschehens zu jeder Zeit klar erkennbar, mit Ausnahme seltener Augenblicke in denen zum Beispiel ein Haufen Münzen einen Stein verdeckt, den das System uns (wie es scheint zufallsbasiert) in den Weg gelegt hat.

Auch der Sound ist, berücksichtigt man, dass das Spiel ohne Rabatt 2 Euro im Eshop kostet, akzeptabel. Einige der Soundeffekte, wie zum Beispiel das Quaken der Enten, wirkt nur mäßig authentisch und die drei möglichen Hintergrundmelodien, die das Spiel bereithält werden irgendwann ein wenig öde (und wer kam bitte auf die Idee, dass Disco-Musik eine gute Hintergrundmelodie für einen durch Kanäle schwimmenden Fisch ist?), aber davon abgesehen gibt es nichts zu beanstanden. Auch sonst läuft technisch alles solide und mit dem Steuerkreuz und dem Control Stick steuert sich unser Fisch in den meisten Fällen ohne größere Probleme.

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Das große Aber
Leider hilft all das nicht über die Tatsache hinweg, dass das Spiel kaum Wiederspielwert hat, wenn man es nach einigen Minuten das erste Mal zur Seite legt. Es gibt zwar einige Quests á la “Nutze Item X 3 mal” oder “Bleibe 120 Sekunden am Stück am Leben” und mit den gesammelten Münzen kann man in einem Ingame Shop neue Fische und für diese auch noch bessere Stats kaufen. Wer zudem ganz scharf darauf ist, kann sich für einen weiteren Euro den DLC mit noch mehr Fischen holen. Aber nichts davon macht das Ganze merklich interessanter.

Eine Anleitung, die einem einige der in den Quests geforderten Moves erklären könnte, sucht man im Spiel übrigens vergebens. Auch das bisschen Handlung, das man auf der Shopseite (nicht aber im Spiel selber) findet, macht alles eigentlich nur schlimmer, wenn einem nach etwa drei überlebten Minuten klar wird, dass sich die Welt nach der dritten durchschwommenen Zone wieder nahtlos wiederholt und man als Fisch auf der Flucht dazu verdammt ist, ewig im Kreis schwimmend überdimensionierten Enten auszuweichen, statt einfach irgendwann in einem See entspannen zu können.Eine Flucht um des Flüchtens willen. Nur wenige Kniffe im Gamedesign schaffen es zuverlässiger einem Spiel den Wind aus den Segeln zu nehmen.

FAZIT:
Aber gut, bleiben wir fair. Dies hier ist kein AAA-Vollpreistitel eines namenhaften Entwicklerstudios, das mit sinnlosen Aktionen die Spieldauer künstlich in die Länge zieht. Dies hier ist eines dieser Spiele, die man im öffentlichen Nahverkehr zwischen 3 Stationen auf dem Handy spielt und jederzeit sorglos unterbricht, eben gerade weil sie keine besondere Handlung haben. Auf dieser Ebene funktioniert das Spiel und wäre seinen Euro (zum Zeitpunkt des Kaufs war es heruntergesetzt) auch fast wert, wenn es nicht hübschere kostenlose Spiele wie z.B. Super Mario Run oder Rayman Adventures in allen größeren Appstores geben würde. Vor dem Hintergrund dieser Konkurrenz bleibt das Spiel trotz anständiger Technik leider inhaltlich zu unterwältigend um eine ernsthafte Option für den gelangweilten Spieler auf Reisen zu sein.

Wertung:

4.0

2null3 meint:

"Technisch solides und kurzfristig unterhaltsames Spiel mit wenig Handlung oder Wiederspielwert."
Spielerlebnis: Durchschnittlich
Umfang: Mangelhaft
Technik: Gut

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2 Kommentare:


Tobsen
vor 1 Woche | 0
Cooler Test, ich denke, ich skippe den Titel.

2null3
vor 1 Woche | 0
Danke. Mit ein wenig Sarkasmus ließe sich noch hinzufügen, dass es das Spiel offenbar nur auf der Switch gibt und es damit irgendwie ein Nintendo Exclusive ist. ;-)