NplusX Unplugged: Das LEGO Super Mario Starterset im Test

Von Michael Prammer am 10. August 2020

LEGO und Nintendo sind aus den Kinderzimmern vieler Haushalte kaum mehr wegzudenken. Mit der LEGO Super-Mario-Reihe betreten beide Unternehmen nun Neuland. Wir haben uns das erste Ergebnis dieser Zusammenkunft etwas näher angesehen.

LEGO und Nintendo sind eine Partnerschaft eingegangen, die jetzt erste Früchte trägt. Die Produktreihe, die Anfang August auf den Markt gebracht wurde, ist mit klassischen LEGO-Sets kaum zu vergleichen. Es handelt sich aber auch nicht um ein neuartiges Videospielerlebnis, in das Nintendo irgendwie die LEGO-Steine mit einbezieht. Von der Grundidee her könnte man die Produktreihe stattdessen eher mit einer lebensechten Mario-Maker-Reihe vergleichen.

Ein Mario voller Technik

Das Herzstück des Startersets bildet die Super-Mario-Figur, die deutlich größer ausfällt als klassische LEGO-Figuren. Sie ist vollgepackt mit Technik und bildet den Dreh- und Angelpunkt der ganzen Spielreihe. Will heißen: Ohne das Starter-Paket, in dem der Klempner drin ist, geht gar nix. Bewegungssensor, LCD-Monitor, Lautsprecher, Bluetooth und eine kleine Kamera machen das Spielzeug digital. Mario erkennt unterschiedliche Untergründe, reagiert auf diese, interagiert mit seiner Umgebung, zeigt diese auf einem Bildschirm auch an und drückt unterschiedliche Reaktionen durch Mimik und Geräusche aus. Vor allem kleine Kinder werden eine Menge Spaß mit dem Plastik-Mario haben.

Das Starterset enthält zusätzlich allerdings noch etwa 200 LEGO-Steine, aus denen man einen Parcours errichten kann. Eine Start-Röhre und eine Zielflagge, wie wir es aus dem Super-Mario-Universum kennen, grenzen den Kurs ab. Dazwischen warten Münzblöcke, Wolken oder sogar Bowser Junior, die alle aus den beliebten Klemmbausteinen gebaut sind und ohne Aufkleber auskommen. Letzteres ist toll, weil diese nach einigen Jahren ihre Klebekraft verlieren und sich ablösen könnten.

Die eigentliche Spielerei funktioniert über die Kamera unter den Füßen der Mario-Figur. Diese „scannt“ diverse Felder im Spielfeld ab, sodass die Figur darauf reagieren und je nach Feld andere Interaktionen anzeigen kann. Die Röhre beispielsweise sendet das Startsignal mitsamt der ikonischen Melodie. Münzblöcke enthalten Münzen, die in der Figur gespeichert werden; Felder mit Widersachern lösen bestimmte Kampfgeräusche aus.

Der Preis ist NICHT heiß

Ein Spieldurchlauf durch den selbst erstellten Kurs ist nach einer Minute beendet. Doch LEGO wäre nicht LEGO, wenn man nicht bereits im Vorfeld dafür gesorgt hätte, dass die Sets ordentlich erweitert werden können. Hier ist für jeden Geldbeutel etwas dabei. Die Add-Ons reichen von der Wüstenerweiterung, welche knapp 20 Euro (UVP) zusätzlich kostet, bis hin zu Bowsers Schloss, welches über 1000 Teile bietet, dafür aber auch knapp 100 Euro (UVP) von euch verlangt. Das Starterset kostet übrigens auch schon 60 Euro (UVP), weshalb sich die Preisgestaltung der Produktreihe als erster ganz großer Kritikpunkt herausstellt. Wer das volle LEGO Super-Mario-Erlebnis haben möchte, muss dafür gut und gerne die 400 Euro auf den Tisch legen, vielleicht sogar noch mehr. Das ist ein stolzer Preis für ein Spielzeug, das auch für Kleinkinder geeignet sein soll.

Eine ganz klare Zielgruppe für das Set können wir allerdings ohnehin nicht ausmachen: Ein vier Jahre altes Kind hat zwar tierischen Spaß mit der Figur, kann mit dem eigentlichen Kurs jedoch noch nicht unbedingt etwas anfangen. Etwa zehnjährige Kinder, für die das Set eigentlich sein sollte, bauen das Set (oder die Sets) auf, dürften allerdings schnell das Interesse am Bespielen verlieren, weil die Kurse zu schnell beendet sind. Und AFOLs (erwachsene LEGO-Fans)? Die meisten von ihnen lachen über die Produktreihe und fragen sich bis heute, was sich LEGO und Nintendo eigentlich dabei gedacht haben. Somit dürften nur Kinder zwischen fünf und sieben Jahren, die nintendobegeisterte Eltern haben, wirklich mit dem Spielzeug zufrieden sein. Ärgerlicherweise liefert LEGO mit den Sets jedoch keine Anleitung in Papierform mehr aus und verlangt stattdessen ein aktuelles Smartphone. Mit diesem kann eine App heruntergeladen werden, in der die Bauanleitungen und weitere Spielfeatures enthalten sind. Wer seinen Kindern LEGO-Bausätze kauft, damit sie weniger Zeit mit dem Smartphone verbringen, erreicht mit diesen Sets also das genaue Gegenteil.

Natürlich ist nicht alles schlecht: Die Sets enthalten gute und vor allem auch viele neuartige Teile, bei denen sich allerdings noch zeigen muss, ob sie sinnvoll zur Modifizierung klassischer Bausätze eingesetzt werden können. Die Idee, unterschiedliche Kurse bauen und diese immer wieder umgestalten zu können, kommt der kreativen Grundidee hinter den Klemmbausteinen sehr nahe. Auch die mit Technik vollgestopfte Figur gefällt von Anfang an; es fällt schwer, sich nicht über den kleinen Klempner zu amüsieren. Wer sich die Sets dauerhaft ins Wohnzimmer oder Kinderzimmer stellen möchte, sollte allerdings sehr viel Platz haben. Allein das Starter-Set mit seinen vielen Einzelteilen ist für ein normales Regal zu großflächig.

Fazit:

Die LEGO Super-Mario-Reihe ist ein nettes Experiment, das aber leider an den meisten Zielgruppen vorbeientwickelt wurde. Ganz kleine Kinder können sich nur mit der Figur sinnvoll beschäftigen, und die etwas älteren dürften sich nach dem Aufbau der Kurse sehr schnell langweilen, da das eigentliche Spielprinzip kaum Substanz hat. Von den meisten erwachsenen Fans werden die neuen Sets derweil eher belächelt. Trotz aller Kritikpunkte dürfte es viele Neugierige geben, die sich die neue Spielwelt zumindest einmal ansehen möchten. Aber aufgrund der ausgerufenen Preise dürfte LEGO Schwierigkeiten bekommen, die Produktreihe in der Breite zu etablieren. Schon zum Verkaufsstart fiel das Starterset teilweise auf 45 Euro, was ein erster Vorgeschmack auf das zukünftige Preisniveau sein dürfte. Wer das Ergebnis der Kollaboration zwischen LEGO und Nintendo unbedingt ausprobieren möchte, sollte also zumindest abwarten, ob die Preise noch weiter fallen. Und dass man bei einem Spielzeug, das für Kinder entwickelt wurde, ein Smartphone voraussetzt, ist aus meiner Sicht eine bodenlose Frechheit.

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1 Kommentare:


Ozymandias
vor 2 Monaten | 0
Hat Potenzial, das neue Labo zu werden. :ugly