Test: Crysis Remastered (Nintendo Switch)

Von Michael Prammer am 06. August 2020

Crysis zählte im Jahr 2007 zu den technisch anspruchsvollsten Spielen überhaupt. "But can it run Crysis?" hat sich seitdem zu einer humoristischen Frage gemausert, die jede neue Konsole über sich ergehen lassen muss. Läuft Crysis auf der Nintendo Switch? Die Antwort ist offensichtlich "ja", sonst gäbe es diesen Artikel nicht, aber kann die Remastered-Fassung auf Nintendos Hybrid-Konsole knapp 13 Jahre nach dem ersten Release auch qualitativ überzeugen? Das verrät unser Test.

Starkes Gameplay, schwache Story

Erzählerisch riss der Shooter bei seiner Erstveröffentlichung auf dem PC keine Bäume aus und dementsprechend tut er das heute natürlich auch nicht. Ihr schlüpft in die Rolle eines Elite-Soldaten der US-Army, der zusammen mit einigen Kameraden auf einer fiktiven Insel abgesetzt werden soll. Selbstredend verläuft der Einsatz nicht ganz nach Plan. Die Kameraden landen ganz woanders und so muss sich der Protagonist erst einmal alleine zurechtfinden. Als würde es nicht vollkommen ausreichen, dass eine nordkoreanische Armee die Insel in ihrer Gewalt hat, tauchen zu allem Überfluss auch noch außerirdische Lebensformen auf, die euch den Tag zusätzlich vermiesen wollen. Die Story bleibt über die gesamte Spielzeit hinweg blass und kann kaum Höhepunkte vorweisen. Wichtig ist aber eigentlich sowieso nur, dass auf irgendetwas geschossen werden darf. Immerhin sind die Zwischensequenzen toll inszeniert und sorgen für Stimmung.

Spielerisch kann der Shooter dafür überzeugen. Das liegt vor allem daran, dass Crysis viel mehr als eine stupide Ballerorgie darstellt. Der Anzug, in dem der Protagonist steckt, verleiht diesem übermenschliche Kräfte, welche selbstverständlich auch gegen Widersacher eingesetzt werden dürfen und dem Spieler so einige taktische Finessen ermöglichen. Dank Tarnmodus könnt ihr euch an Gegner anschleichen und sie lautlos ausschalten. Auf Knopfdruck lässt sich außerdem ein Temposchub vollziehen oder eine zusätzliche Panzerung des Anzugs aktivieren, die dafür sorgt, dass ihr mehr Treffer einstecken könnt, ehe die Lichter ausgehen. Das geht alles gut von der Hand, spielt sich immer noch erfrischend und ermöglicht unterschiedliche Spielstile. Schade ist allerdings, dass nur wenige klassische Waffenmodelle wie Automatikgewehre oder Pistolen zur Auswahl stehen. Auch einen Multiplayermodus suchen Spieler vergeblich. Crysis ist auf der Switch ein reiner Solo-Spaß.

Tolles Leveldesign, aber Schwächen in der Technik

Der ganz große Star des Spiels ist das Leveldesign. Wenngleich Crysis auch kein Open-World-Spiel ist, sind die Level doch herrlich weitläufig, lassen so viel Platz und Raum für Erkundungstouren und bieten jedem Spieler viele Möglichkeiten, seinen eigenen Spielstil zu entfalten. So bleibt es euch überlassen, ob ihr beispielsweise den offenen Weg mitten durch die Gegnerhorden wählt und ein Gemetzel anrichtet oder ob ihr lieber im Schatten der Büsche und Sträucher einen etwas längeren Weg wählt, dafür aber weniger Gegner vorfindet und diese aus dem Hinterhalt tötet. Die KI stellt sich dabei übrigens keinesfalls dämlich an und sollte nicht unterschätz werden. So werden Suchtrupps losgeschickt und Verstärkung gerufen, wenn ein Posten ausgeschaltet wurde. Ein unüberlegtes Vorgehen ist daher selten ratsam.

All das bisher Beschriebene ist aus dem Original längst bekannt. Viel interessanter ist im Jahr 2020 also die technische Umsetzung auf der Nintendo Switch, und hier offenbart Crysis leider einige Schwächen. Flackernde oder verschwommene Texturen, Bildrateneinbrüche und Soundaussetzer gehören zu den Begleiterscheinungen, mit denen sich Nintendofans anfreunden sollten, wenn sie mit Crysis Spaß haben wollen. Sogar komplette Spielabstürze können vorkommen. Unspielbar ist der Shooter deshalb noch lange nicht, aber es ist mehr als offensichtlich, dass die Hybridkonsole hier an ihre Leistungsgrenze stößt. Immerhin bietet Crysis einige schöne Licht- und Schatteneffekte, hübsche Explosionen und eine schicke Wasserdarstellung. Die Neuauflage kommt außerdem mit einer optionalen Bewegungssteuerung daher, die durchaus ordentlich funktioniert.

Fazit:

Crysis Remastered ist ein toller Shooter, der heute noch genauso viel Spaß machen kann, wie damals im Jahr 2007. Das Spiel bietet einige nette Grafikeffekte und spielt sich flott. Auch das Design der offenen Level weiß zu überzeugen. Umso ärgerlicher ist es dann allerdings, dass die Technik einige Mängel aufweist. Schönheitsfehler wie grobe Texturen sind wohl der schwachen Switch-Architektur geschuldet und noch verkraftbar, deutlich schlimmer sind aber die Abstürze und Ruckler. Hoffentlich kann Crytek mit einem Patch nachhelfen, denn dann hätte Crysis auch auf der Switch das Potential zu einem Hit.

Wertung:

6.5

Michael Prammer meint:

"Toller Shooter, der auf der Nintendo Switch jedoch mit technischen Ungereimtheiten zu kämpfen hat."
Spielerlebnis: Gut
Umfang: Gut
Technik: Mangelhaft

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1 Kommentare:


GF0P
vor 1 Monat | 1
Ich glaube nicht, dass die Switch zwangsläufig an Ihre Grenzen kommt. Die CryEngine scheint vielmehr ein Biest zu sein, die kaum ein Entwickler gebändigt bekommt. Mein Lieblingsspiel der vergangenen Jahre (Kingdom Come: Deliverance) sieht auf Standbildern fantastisch aus. Auch alleine unterwegs in Wiesen und beeindruckenden Wäldern läuft es flott. Aber wehe es kommen Gebäude und andere Charaktere in Sicht. Dann lädt auch die XboxOneX sichtbar Texturen nach und ich habe meine mit einer SSD aufgerüstet. Ganz gruselig ist die Mission im Kloster. Der Lichteinfall durch die hohen Fenster ist der Hammer, aber bei mehr als 3 Mönchen im Kolonadengang schafft die BoxX nur noch 15-20 Frames.
Die CryEngine ist ein Biest, wahrscheinlich daher der Name, weil so mancher Entwickler in Tränen ausbricht...