Test: Skully (Nintendo Switch)

Von Jeremiah David am 04. August 2020

Akte X ohne Mulder?

Der Titel des Spiels hat natürlich nichts mit den FBI-Agenten Fox Mulder und Dana Scully zu tun. Es gibt auch keinen mysteriösen Mordfall aufzuklären, aber eine Leiche ist trotzdem vorhanden: Skully ist ein Totenschädel, mit dem sich der Spieler rollend und hüpfend durch 18 verschiedene Kapitel bewegt. Wieso? Weil Terry, der Gott der Erde und der Steine einen Verbündeten braucht, um im Streit mit seinen göttlichen Geschwistern Wanda, Brent und Fiona die Oberhand zu gewinnen. Die Geschichte ist nicht sonderlich spannend und wird zudem nur durch Standbilder und im Hintergrund ablaufende Gespräche erzählt, was wirklich schade ist, denn die einzelnen Figuren sehen lustig aus und die englische Sprachausgabe ist sehr gelungen. Speziell der hyperaktive Brent ist für einige Lacher gut.

Skully: Elements of Kameo

Skully wurde vom Meer angespült, und Terry hat dem Schädel mit seiner Magie kurzerhand neues Leben eingehaucht. In seiner Grundform – also als loser Schädel – kann Skully rollen, springen und an mit Moos bewachsenen Felswänden hochklettern. So bewegt er sich durch verschiedene Landschaften, immer bedacht, nicht mit Wasser in Berührung zu kommen. Plumpst er irgendwo in einen See oder ein Wasserloch, wird er automatisch an den letzten Speicherpunkt zurückteleportiert. Habt ihr früher schon mal im heimischen Wohnzimmer Der Boden ist Lava gespielt? Hier wird die Lava praktisch nur mit Wasser ersetzt – bis später dann tatsächlich Lava dazukommt.

Als Speicherpunkte dienen dunkle Schlammlöcher und dort darf sich Skully zudem in eine von drei magischen Formen verwandeln. Diese Wesen sind alle aus Lehm geformt und haben keine eigenen Namen. Das erste ist ein langsamer, dicker Lehmhaufen, der Felswände zerschlagen und Gegner – kugelförmige Wasser- oder brennende Lavamonster  – mit einem Druckwellenangriff aus dem Weg räumen kann. In seiner zweiten, deutlich kleineren Form kann Skully schneller rennen und Steinplattformen horizontal verschieben. In seiner dritten und letzten Form vermag der Schädel als schlankes Lehmmonster mit Hirschgeweih einen Doppelsprung auszuführen oder die eben schon erwähnten Steinplattformen vertikal zu verschieben.

Die erste Hälfte des rund acht bis zehn Stunden langen Spiels dient hauptsächlich dazu, als Skully durch die Gegend zu rollen, um nach und nach die drei Formen freizuschalten und den Spieler mit deren Fähigkeiten vertraut zu machen, ehe es in der zweiten Hälfte vorrangig darum geht mit den erlernten Fertigkeiten immer komplexere Rätsel zu lösen. Teilweise erfordert Letzteres auch das Kombinieren mehrerer Fähigkeiten. So muss Skully eine Plattform als schlankes Lehmwesen beispielsweise erst in die Höhe heben, bevor er sie als kleines Lehmmonster dann an einen anderen Ort ziehen kann. 

Wenn Skully in einer seiner drei Alternativformen die Gegenden erkundet, ist das Spiel zum Teil wirklich spaßig und bietet sowohl unterhaltsame Geschicklichkeitspassagen als auch herausfordernde Rätsel, aber leider nur dann, und das ist zweifelsohne der größte Kritikpunkt des Spiels. Immer wieder zwingt das Leveldesign Skully dazu, als Schädel umherzurollen und diese Geschicklichkeitspassagen können leider nicht immer überzeugen.

Skully-Ball

Anders als die drei Alternativformen, die alle Beine besitzen, kann Skully als Schädel fast nirgends stehenbleiben. Als mehr oder weniger rundes Objekt rollt Skully von den meist leicht schräg oder gar abgerundeten Plattformen herab, wenn nicht ständig gegengelenkt wird. Es ist zudem nahezu unmöglich Skullys Verhalten beim Springen einzuschätzen, denn die Sprungrichtung ist von der Form des Terrains abhängig, die Sprungdistanz von der jeweils aktuellen Rollgeschwindigkeit. Das klingt eigentlich realistisch, aber Skully hält sich mitnichten an die bekannten Regeln der Physik. Der Schädel bewegt sich stattdessen wie ein seltsam schwereloser Fußball, der Steigungen genauso schnell hoch- wie Abhänge hinabrollen kann. Selbst vermeintlich simple Geschicklichkeitpassagen werden dadurch häufig zu frustrierenden Herausforderungen, die erst nach unzähligen Versuchen gemeistert werden können.

Wäre all das nicht schlimm genug, gibt es während weiten Passagen im Spiel keine automatische Kamera. Die Kamera folgt Skully zwar, muss aber trotzdem ständig mit dem rechten Analogstick nachjustiert werden, was speziell während schnelleren Sequenzen und beim Springen sehr lästig ist – bedingt auch durch die Tatsache, dass mit dem rechten Daumen immer nur die B-Taste zum Springen oder aber der Stick zum Steuern der Kamera erreichbar ist, nie beides gleichzeitig.

Was Skully als Gesamtpaket rettet, ist die Tatsache, dass diese Probleme fast alle verschwinden, wenn sich der Schädel im Körper eines der Lehmwesen befindet. Diese steuern sich zweckmäßig und bleiben einfach stehen, wenn der linke Analogstick nicht bewegt wird.

Der Weg ist das Ziel

Schade ist aber so oder so, dass es in den verschiedenen Gebieten so gut wie gar nichts zu entdecken gibt. Es geht immer nur darum, das Ende eines Levels zu erreichen, um das nächste Level beginnen zu können. Zwar dürfen gelbe Blumen eingesammelt werden, diese haben im Kontext des Spiels jedoch keinerlei Bedeutung und schalten lediglich Konzeptzeichnungen im Hauptmenü frei. Andere Schätze oder Charaktere gibt es nicht. Immerhin haben sich die Entwickler bemüht mit einigen besonderen Szenen etwas Abwechslung in das Geschehen zu bringen, so muss Skully beispielsweise Terrys Geschwister als Bossgegner besiegen oder vor einer großen Flutwelle entkommen.

Technisch zeigt sich das Spiel ebenfalls durchwachsen. Die ersten Kapitel, die noch in einer von Wasserlöchern gespickten Küstenlandschaft stattfinden, sehen vor allem im TV-Modus für Switch-Verhältnisse mehr als ordentlich aus und überzeugen mit satten Farben, gelungenen Texturen, schönen Glanzeffekten im feuchten Sand und tollen Wellendarstellungen an der Wasseroberfläche. Schon bald wird die Grafik aber deutlich schlechter. Das Sumpfgebiet, das direkt auf die Küstenregien folgt, sieht aus, als stamme es aus einem ganz anderen Spiel. Es bietet nur noch gedämpfte Farbtöne, schwammige Texturen und grob modellierte Objekte. Auch später wechseln sich optisch nette und unschöne Gebiete ab. Immerhin läuft Skully auf der Switch fast immer flüssig und ohne Bugs. Nur zu Beginn eines neuen Kapitels dauert es häufig ein paar Sekunden, bis alle Texturen richtig geladen wurden.

Fazit:

Skully ist ein Spiel der Gegensätze. Manchmal sieht es wie ein AAA-Titel aus, manchmal wie die schlechte Portierung eines 10 Jahre alten Klassikers. Manchmal spielt es sich wie ein spaßiges Action-Adventure mit interessanten Rätseln, manchmal dagegen wie ein störrischer Platformer mit inkonstanter Physik und schwammiger Steuerung. Manchmal ist das Spiel super leicht, manchmal bockschwer. Manchmal kann das Spiel wunderbar unterhalten, manchmal nur frustrieren. Unsere Endwertung ist dementsprechend eine Durchschnittswertung, die sämtliche Höhen und Tiefen des Spiels auf einen Nenner zu bringen versucht. Wer sich auf Skullys Abenteuer einlässt, sollte sich dessen bewusst sein.

Wertung:

6.5

Jeremiah David meint:

"Stellenweise unterhaltsam und kurzweilig, stellenweise frustrierend - Skully ist ein Spiel der Gegensätze."
Spielerlebnis: Gut
Umfang: Durchschnittlich
Technik: Durchschnittlich

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