Kurztest: Cadence of Hyrule Season Pass (DLC Pack 1)

Von Tim Herrmann am 27. Juli 2020

Die Band wird zum Orchester: Nintendo und Brace Yourself Games erweitern ihr Rhythmusspektakel Cadence of Hyrule. Erstmal kommen neue Spielcharaktere, dann auch neue Musik und eine ganz neue Kampagne. Ein Pflichtkauf?

„Durchschnittlich“ – so habe ich den Umfang von Cadence of Hyrule (der komplette Name des Spiels bleibe uns hier erspart) im Test bewertet, als der Titel vor ziemlich genau einem Jahr erschien. Immerhin war die Kampagne recht kurz und die Zahl der Spielmodi und spielbaren Charaktere blieb auch hinter dem spielerischen Vorbild Crypt of the NecroDancer zurück. Nach 90 Stunden, die ich bisher mit dem Rhythmus-Zelda verbracht habe, muss ich mein Urteil von damals wohl revidieren … Mich haben Zelda und der Necro Dancer voll in ihren Bann gezogen. Der jetzt angekündigte DLC ist für mich also Pflicht. Doch nüchtern betrachtet ist zumindest das Charakter-Pack nicht wirklich ein Must-Buy. Ein Kurz-Test.

Flottes Tempo, überraschende Tiefe und jedes Mal ein bisschen anders: Cadence of Hyrule zieht (sehr erfolgreich) die gleichen Register wie sein beliebtes Indie-Vorbild, Crypt of the NecroDancer. Jeder Run ist seine eigene kleine Challenge – und im Extremfall macht man es sich halt zur Aufgabe, die Story durchzuspielen, ohne zu sterben. Oder sie ganz ohne zusätzliche Herzteile zu schaffen. Oder mit minimaler Schrittzahl. In Crypt of the NecroDancer haben die Entwickler solche Hardcore-Spielstile mit besonderen Spielregeln unterstützt, die jeweils an Spezialcharakteren hingen. Der eine durfte keine Münzen einsammeln, die andere nur mit einer bestimmten Waffe kämpfen, wieder andere hatte besondere Fähigkeiten. Die gleiche Formel findet jetzt auch beim DLC zu Cadence of Hyrule Anwendung.

Superleicht, superschwer und „einfach nur ein bisschen anders“

Sechs neue Charaktere gibt es jetzt. Cadences Großmutter Aria triggert einen superschwierigen Modus. Ein Fehltritt (und das kann auch einfach nur ein verpasster Beat sein) und die Oma ist tot. Hammerhart und nur für die größten Hyrule-Masochisten geeignet. Den supereinfachen Modus bekommt ihr hingegen, wenn ihr mit Impa aus der Zelda-Hauptreihe spielt. Sie führt standardmäßig einen Speer, die einfachste Waffe des Spiels, mit der man stets aus sicherer Entfernung angreifen kann. Außerdem setzt Impa automatisch eine Spezialfähigkeit ein, mit der sie einzelnen Treffern ausweichen kann, sofern ihre Statusleiste dafür gefüllt ist. Wem Cadence of Hyrule in der Anfangsphase normalerweise zu schwierig ist, schafft es mit Impa bestimmt bis zu den Credits.

Außerdem dabei: der dauerschmetternde Händler Frederick, der einfach durchgehend lustige Geräusche macht und außerdem vor dem endgültigen Tod noch einen Treffer lang als Geisterhändler durchhält (dafür aber alle Rubine einbüßt). Schatten-Link und Schatten-Zelda sind jetzt auch spielbar. Sie haben aber augenscheinlich keine besonderen Fähigkeiten und sehen einfach nur anders aus. Im neuen Alle-Charaktere-Modus, in dem ihr mit jedem Charakter einen kompletten Dungeon-Run absolvieren müsst, könnt ihr außerdem mit einem kleinen Deku-Jungen spielen, der sich zum Schutz vergraben kann. 

Zu Beginn eines Spiels liegt es also an euch, ob ihr den Story- oder komplett zufällig generierten Dungeon-Modus spielen wollt, welchen Charakter ihr dafür auswählt oder ob ihr einen Run mit allen Charakteren anstrebt. Eine weitere neue Option: Der Mysterienmodus, bei dem ihr nie seht, welche Items ihr einsammelt oder welche Gegner ihr besiegt. Ebenfalls ziemlich Hardcore, schließlich müsst ihr es euch so inmitten des Gefechts erschließen, welche Power-Ups ihr gerade besitzt und welcher Gegner mit welchem Bewegungsmuster gerade vor euch steht.  

Ein Menü in drei Gängen

Dieses DLC-Paket 1 mit den neuen Charakteren und veränderten Spielmodi ist ab sofort erhältlich. Das zweite Paket soll im August erscheinen und 39 neue Musiktitel bringen, teilweise Remixe der bestehenden Songs. Im September wartet eine komplett neue Kampagne, in der ihr das Horror Kid aus Majora’s Mask spielt und mit wechselnden magischen Masken eine neue Spielwelt erkundet. Darüber ist inhaltlich aber noch wenig bekannt. Der Season Pass für alle drei Pakete kostet 14,99 Euro. Einzeln bezahlt ihr 5,99 Euro (für Pakete 1 und 2) oder 9,99 Euro (Paket 3). Das komplette Spiel mit DLC wird dann am Ende knapp 40€ kosten. Ein physischer Release ist bereits geplant.

Sparfüchsen stellt sich also vor allem eine Frage: Braucht man das Charakter- oder Musik-Pack wirklich oder wartet man am besten einfach auf den Story-DLC und spart sich die fünf Euro, die rechnerisch auf die Packs 1 und 2 entfallen? Nun, sagen wir so: 2,50 Euro tun für die neuen Charaktere und Modi nicht weh. Aber sie tun auch nicht besonders viel zur Sache. Wer Cadence of Hyrule bis hierhin ein Jahr lang die Treue gehalten hat, könnte sich über die Hardcore-Challenges mit null Fehlertoleranz freuen, alle anderen bekommen lediglich leichte optische oder spielerische Variation.

Fazit:

Die fünf bzw. sechs neuen Charaktere, die Käufer des Season Pass als kleines Bonbon schon jetzt bekommen, sind schön und gut. Sie bringen aber nur für echte Hardcore-Fans einen Mehrwert mit dem neuen superschwierigen oder dem Mystery-Modus. Alle anderen Charaktere haben kleinere Spezialfähigkeiten oder sehen einfach nur ein bisschen anders aus, machen aus Cadence of Hyrule aber kein gänzlich neues Spiel. Gleiches wird wahrscheinlich für das DLC-Pack 2 und seine neuen Songs gelten. Damit sind die beiden Vorläufer-Pakete eindeutig Vorspeisen auf den Hauptgang, der im September auf Fans des taktvollen Zelda-Abenteuers wartet – einen großen Story-DLC. Für rechnerisch 2,50 Euro, die Fans hier als Aufpreis zum eigentlichen Haupt-Act bezahlen ist das Charakterpaket aber vollkommen okay.

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