Test: Story of Seasons: Friends of Mineral Town

Von Michael Prammer am 19. Juli 2020

Das Leben auf einem Bauernhof kann so schön sein. Ob das auch für diesen Nintendo-Switch-Titel gilt, soll unser Test klären.

Zunächst einmal etwas Geschichtsunterricht, um zu klären, was es mit der Marke „Story of Seasons“ auf sich hat: Ursprünglich war diese nämlich unter dem Namen Harvest Moon bekannt. Als sich jedoch die beiden Spieleschmieden Marvelous und Natsume trennten, behielt Natsume die Namensrechte an der Serie. Weil Natsume das alte Qualitätsniveau der Serie nicht beibehalten konnte, geriet der Name Harvest Moon etwas in Verruf. Marvelous hingegen schuf in Japan eine „neue“ Serie, die im Westen unter dem Namen Story of Seasons bekannt wurde. Der Beiname „Friends of Mineral Town“ wird bei Fans der ersten Harvest-Moon-Spiele Erinnerungen wecken, hieß doch ein GameBoy-Advance-Ableger im Jahr 2004 exakt genauso. Ist Story of Seasons: Friends of Mineral Town nun ein Remake oder ist es ein komplett neues Spiel?

Das Leben auf dem Bauernhof

Story of Seasons: Friends of Mineral Town ist eine typische Farming-Simulation, wie wir sie schon oft gesehen haben. Ob Stardew Valley oder die originalen Harvest-Moon-Spiele, es beginnt wie immer: Man spielt einen Jungen (oder ein Mädchen), der die Farm des Großvaters erbt und fortan das gute Stück Land bewirtschaften soll. Der Großvater wäre so stolz auf euch. Natürlich sieht der Hof völlig daneben aus und so kommt erst einmal jede Menge Arbeit auf euch zu. All das und und genau diese Hintergrundgeschichte kommt in fast jedem Bauernhofspiel vor. Nun gut, der Einstieg ist nur Mittel zum Zweck, und immerhin wachsen ein paar Rüben auf dem Acker, ein paar Werkzeuge liegen in der Kiste und auch so steht der Hof schon relativ ausgebaut da.

Da gibt es in Stardew Valley vergleichsweise deutlich mehr zu tun. Der Hühnerstall, der Pferdestall oder sogar eine Getreidemühle – alles ist in Story of Seasons schon vorhanden. In dem Indiehit durften wir uns noch alles mühevoll aufbauen, was die Spielzeit bis zu diesem Zeitpunkt locker verdreifacht hätte. Aber kein Grund zur Sorge, auch in Mineral Town gibt es genug zu tun. Die Felder müssen erstmal sorgfältig von Unkraut, Steinen und Ästen befreit werden, um das erste Einkommen zu sichern. Dann geht es in die nahegelegene Stadt, um Samen für die ersten Pflanzen und Gemüsearten zu besorgen. Das Feld will bestellt, gegossen und das fertige Gemüse abgeerntet werden. In einer Verkaufsbox werden die hart erarbeiteten Güter zu Geld gemacht. Dieses wird dann relativ zügig in Tiere umgesetzt und so dürfte man bereits nach wenigen Spielstunden neben einem prächtigen Gemüsefeld auch ein paar Hühner und Kühe sein Eigen nennen.

Auch abseits dieser täglichen Arbeiten gibt es immer etwas zu tun. In einer Mine können Metalle geschürft werden, mit denen sich beim Dorfschmied bessere Werkzeuge fertigen lassen. Dann sind irgendwann auch die großen Baumstümpfe, die auf dem eigenen Acker liegen, kein Problem mehr. Immer wieder kommt zudem der Bürgermeister vorbei und lockert das Spielgeschehen mit kleineren Aufgaben auf. Wenn man im Besitz eines Pferdes ist, darf man beispielsweise an einem Derby teilnehmen und dabei tolle Preise gewinnen. Wirklich interessant ist die Option, eine eigene Familie zu gründen. Es gibt ein paar NPCs im Spiel, zu denen sich eine romantische Beziehung aufbauen lässt und wenn genug dafür getan wird, darf sogar geheiratet werden.

Alles wie gehabt

Ansonsten läuft der Alltag immer relativ ähnlich ab. Aufstehen, Tiere füttern, Pflanzen gießen, neue Pflanzen setzen, Güter verkaufen, Events abarbeiten, wieder schlafen gehen. So ein virtueller Tag ist schnell zu Ende und kann im späteren Spielverlauf ziemlich hektisch werden. Grund hierfür ist der knapp bemessene Ausdauerbalken, der mit jeder Aktion leerer wird. Hat man in den ersten Spielstunden üppig Zeit, so kann es mit vielen Tieren und viel Pflanzen kaum noch machbar sein, auch noch irgendein Event zu managen. Dieses „Problem“ hat beispielsweise ein Stardew Valley auch, hier wirkt das Zeitfenster aber um einiges entspannter, auch wenn sehr viel zu tun ist. Story of Seasons: Friends of Mineral Town schafft es in dieser Hinsicht nicht, eine gute Balance zu finden. Auf der einen Seite wird der Bauernhofalltag ziemlich eintönig und man verliert die Lust, die „wichtigen“ Dinge, wie Tiere füttern, zu erledigen, auf der anderen Seite kommt man seinen Aufgaben aber trotzdem kaum hinterher.

Technisch zeigt sich Story of Seasons: Friends of Mineral Town in einem soliden Gewand mit einer putzigen Optik. Die Entwickler gehen absolut kein Risiko ein und dementsprechend funktioniert das Spiel tadellos, die Cartoon-Bildchen in den Dialogen und die allgemein stilisierte, kindgerechte Grafik sind aber wahrscheinlich nicht jedermanns Sache. Musikalisch kann das Spiel leider nicht ganz so überzeugen. Zwar hat man die Musik teilweise den Jahreszeiten angepasst, jedoch fehlen hier und da einfach Soundeffekte. Regen gibt es beispielsweise gar keinen zu vernehmen. Auch etwas dünn ist die Tatsache, dass sich die Bewegungen des Protagonisten auf jedem Untergrund gleich anhören. Ob auf Gras, Stein oder Sand - immer die gleichen Schritttöne. Das ist einfach zu wenig Detailarbeit. Die KI stellt sich zudem auch manchmal echt dämlich an und so kann es vorkommen, dass NPCs gegen eine Mauer laufen oder vor einem Weg stehen bleiben, sodass der Spieler nicht durchkommt.

Fazit:

Story of Season: Friends of Mineral Town ist ein solides Bauernhofspiel, das vor allem mit seiner putzigen Grafik auf sich aufmerksam machen kann. Die Grundmechaniken funktionieren, der Titel weiß kurzfristig zu unterhalten und bietet dabei die notwendige Motivation.

Und um auf die Frage aus dem ersten Absatz zurückzukommen: Ist Story of Seasons: Friends of Mineral Town denn nun ein Remake oder ein komplett neues Spiel? Nun, eigentlich ist es beides. Es ist zwar eine Neuinterpreation des GBA-Klassikers, wurde aber von Grund auf neu entwickelt und unserer modernen Zeit angepasst. Im Jahr 2004 war Friends of Mineral Town ein Top-Spiel, heute gibt es mit Stardew Valley jedoch einen großen Konkurrenten, der die gleichen Voraussetzungen bietet, dafür aber im Vergleich zu Story of Seasons keine Fehler macht und einfach mehr Liebe zum Detail besitzt. KI-Aussetzer, Sound-Fehler und die stressigen Tagesabläufe sucht man beim Indiehit vergeblich. Alles andere gibt es dort auch, nur eben in besser. Wer den originalen Harvest-Moon-Titel gespielt hat, dabei aber etwas modernere Optik bevorzugt, wird hier aber sicherlich nicht komplett enttäuscht.

Von uns getestet: Nintendo-Switch-Version

Wertung:

6.5

Michael Prammer meint:

"Solide Bauernhofsimulation für Nostalgiker, die Konkurrenz macht es jedoch besser."
Spielerlebnis: Durchschnittlich
Umfang: Gut
Technik: Durchschnittlich

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1 Kommentare:


prog4m3r
vor 3 Wochen | 1
Hätte nie gedacht dies mal zu sagen, aber ich glaube Michi hat ein Spiel niedriger bewertet als ich es tun würde. (ÒДÓױ)