Test: Blair Witch (Nintendo Switch)

Von Michael Prammer am 14. Juli 2020

The Blair Witch Project dürfte vielen Filmfans noch ein Begriff sein und so kommt es nicht von ungefähr, dass uns dieses Videospiel ausgerechnet in den sagenumwobenen Wald von Burkitssville führt, um dort eine ganz neue Geschichte zu erzählen.

Abseits des bekannten Waldes hat das Videospiel Blair Witch nämlich nicht allzu viel mit dem Film gemeinsam, auch wenn einige Stilmitteln aus dem Film ins Spiel übertragen wurden. Die Geschichte handelt dabei von dem ehemaligen Polizeibeamten Ellis, der in den mysteriösen Wäldern nach einem verschwundenen Jungen suchen soll. Zusammen mit seinem Schäferhund Bullet durchforsten die beiden die Wälder, ohne einen Anhaltspunkt oder eine Spur zu haben. Der Clou an der Geschichte: Ellis hat selbst eine ganze Menge Probleme und versucht diese während des Abenteuers zu verarbeiten. Die innere Zerrissenheit des Protagonisten und der Kampf mit der eigenen Vergangenheit werden immer wieder in Rückblenden dargestellt, versetzen den Spieler in andere Szenarien und sorgen so für die Highlights in der etwa fünf Stunden andauernden Haupthandlung.

In den Wäldern von Blair Witch

Der Titel präsentiert sich als Action-Adventure, das sich hauptsächlich auf Erkundungen konzentriert. Wirkliche Kampfhandlungen gibt es keine, die einzige Möglichkeit zu sterben ist es, den Verstand zu verlieren. Dies verhindert jedoch zumeist euer treuer Begleiter Bullet, zu dem im Laufe der Story eine immer tiefere Bindung aufgebaut wird. Der Schäferhund ist nämlich nicht nur eine gute Spürnase und hilft euch beim Auffinden wichtiger Gegenstände und Hinweisen, er sorgt auch dafür, dass die auftretenden „Flashbacks“ und Psychosen nicht außer Kontrolle geraten. Ist euer Hund zu lange alleine auf Erkundungstour oder ihr „verliert“ euch in einem der skurrilen Momente der Vergangenheitsbewältigung, ist der Bildschirmtod jedoch nahe. Dies geschieht allerdings eher selten und zudem wird euch der Titel immer wieder daran erinnern, wie wichtig der Vierbeiner für eure Mission ist. Nervig ist mitunter jedoch etwas, dass es gelegentlich zu Aussetzern der K.I. eures Hundes kommt. So fängt dieser hin und wieder an scheinbar willkürlich zu knurren, obwohl weit und breit nichts zu sehen ist oder er kommt nicht bei Fuß, obwohl man ihn wie wild ruft.

Neben dem Vierbeiner stehen aber vor allem die Wälder selbst im Fokus. Tagsüber fühlt sich der Ausflug eher wie ein netter Sonntagsspaziergang an, während nachts jedoch eine beklemmende Atmosphäre auf den Spieler zukommt. Hier kommt dann auch ein wichtiges Item zum Einsatz: die Taschenlampe. Mit dieser können die immer wieder plötzlich auftretenden Waldgeister verjagt werden. Überdies ist Blair Witch mit kleinen Rätseln gespickt, die zwar nie sonderlich fordernd sind, teilweise jedoch direkten Einfluss auf die Story haben. Und was natürlich auch nicht fehlen darf (Fans des Film werden es kennen): ein Camcorder, mit dessen Hilfe ihr euch in einer Spielpassage durch düsteren Nebel navigieren müsst. Der Schwierigkeitsgrad ist während der gesamten Spielzeit eher einfach gehalten, der Fokus liegt ganz klar auf der Story und der Spielwelt. Dabei lohnt es sich den Titel mindestens ein zweites Mal durchzuspielen, da es an manchen Stellen Entscheidungen gibt, die das Ende unmittelbar beeinflussen.

Technisch kann Blair Witch leider nicht vollends überzeugen, zumindest in der von uns getestenen Switch-Fassung. Matschige und teilweise verwaschene Texturen sind dabei eindeutig der Power der Hybridkonsole geschuldet, auf der Xbox One zeigt sich der Titel deutlich detaillierter und stimmiger. Gerade die nebligen Passagen, bei denen der Spieler eigentlich kaum etwas sehen dürfte, sind ziemlich vermurkst worden, da die ganze Faszination dieses Moments dahin ist, da einzelne Dinge zu deutlich erkennbar sind. Auch bei Nacht zeigt sich das Spiel nicht gerade von seiner Schokoladenseite. Die Spielwelt wirkt sehr eintönig und geizt vor allem am Detailgrad. Tagsüber wiederum können zumindest die Lichteffekte durchaus begeistern und lassen die Wälder deutlich glaubwürdiger als bei Nacht aussehen. Der Sound ist hingegen richtig gut gelungen und vor allem mit Kopfhörern kommt ein sehr gutes Horror-Feeling rüber. Hier knackt es, da raschelt es, dort bellt der Hund. Der Wald hat „stets etwas zu sagen“, die Synchronisation, wenn auch nur auf Englisch, ist zudem sehr gut. Wer möchte kann zusätzlich auch deutsche Untertitel anzeigen lassen.

Fazit:

Blair Witch ist ein durchaus solides Horror-Adventure, das allerdings einige Macken hat. Die Story ist relativ gut erzählt, und bringt trotz einiger vorhersehbarer Szenen einige interessante Momente mit sich. Das Spielgeschehen lebt vor allem von den Psychosen des Hauptdarstellers und von der Partnerschaft zu Schäferhund Bullet. Diese Kombination sowie die Möglichkeit, an einigen Stellen den Ausgang der Geschichte zu beeinflussen, verzeihen auch die kurze Spielzeit und laden zum nochmaligen Durchspielen ein. Etwas störend sind hingegen die KI-Aussetzer, die sich manchmal ins Spielgeschehen schleichen und den sonst so treuen Begleiter etwas dümmlich wirken lassen. Auch auf der technischen Seite kann Blair Witch nur bedingt überzeugen und man merkt die technischen Einbußen auf der Switch-Version zum Teil deutlich an. Wer sich auf einen netten Horrortrip einlassen möchte, ohne dabei das ganz große Feuerwerk zu erwarten, der wird hier dennoch für einige Stunden gut unterhalten.

Wertung:

6.5

Michael Prammer meint:

"Nettes Horror-Adventure mit guten Ansätzen, aber auch einigen technischen Macken."
Spielerlebnis: Gut
Umfang: Durchschnittlich
Technik: Mangelhaft

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