Test: Summer in Mara

Von Michael Prammer am 25. Juni 2020

Ein Indie-Titel, der seine Inspirationen von Stardew Valley und The Legend of Zelda: The Wind Waker zu ziehen scheint. So könnte man Summer in Mara beschreiben. Ob mehr dahinter steckt, verrät unser Test.

Das Abenteuer startet gemächlich und relativ unscheinbar auf einer einsamen Insel. Wir schlüpfen in die Rolle des jungen Mädchens Koa und sind damit Herrin über das kleine, beschauliche Eiland, auf dem es nicht allzu viel zu sehen gibt. Nach einigen „Tutorial-Momenten“ wird die Spielmechanik etwas nähergebracht: Die ersten Bäume werden gefällt, Fische gefangen und Gemüse angepflanzt. Das erinnert ein wenig an einen großen Exklusiv-Titel aus dem Hause Nintendo, doch Summer in Mara ist mehr als nur ein billiger Animal Crossing-Abklatsch. Spätestens, wenn das Wesen Napapo auf der Insel landet und Koa beim Bau eines Schiffes unterstützt, nimmt das Abenteuer ganz andere Formen an und entfaltet so allmählich sein Potential.

Ahoi, Koa!

Im Prinzip beginnt das Abenteuer erst mit dem Verlassen der Insel. Koa begibt sich auf das Meer Mara, und das Spielprinzip, das uns fortan begleitet, umfasst ab diesem Moment mehrere Facetten. Koa kann im Laufe des 3D-Adventures bis zu 300 Aufträge von über 20 bunten Charakteren annehmen und mit dem Schiff 30 verschiedene Inseln erkunden, die nach und nach freigeschaltet werden. Die meisten Missionen sind simple Fetch-Quests. Einer der Bewohner bittet Koa beispielsweise um Sonnenblumen. Unsere Aufgabe ist es dann als Koa auf die eigene Insel zurückzukehren, die Sonnenblumen anzupflanzen und nach dem Ernten wieder beim Auftraggeber abzuliefern. Neben allerhand Gemüsesorten, wie Karotten, Salat, rote Beete oder Kartoffeln, lassen sich auch Obstbäume anpflanzen und Tiere halten. Nahrung ist wichtig, denn während sämtlichen Aktivitäten müssen wir stets zwei Aspekte im Auge behalten: Koa muss essen und schlafen. Dazu müssen immer wieder zwei passende Balken aufgefüllt werden. Fehlt etwas, wird die Protagonistin an die eigene Hütte zurückteleportiert, was den Spielfluss immer wieder unterbricht.

Das ist nervig, aber Hunger und Müdigkeit stellen keine großen Herausforderung dar. Generell ist das Spiel sehr kindgerecht gehalten, kommt komplett ohne Kampfhandlungen aus und ist nur auf Crafting und die Quests der Inselbewohner ausgelegt. Letztere können zwar motivieren, jedoch manchmal auch nervig sein, da Koa bei einigen Missionen unnötig in der Gegend herum gescheucht wird. Beispielsweise soll Koa einer Dame in einem Leuchtturm ein paar Dinge bringen, um von dieser dann wieder zum Strand geschickt zu werden. Von den dort ansässigen Bewohnern erfährt sie dann, dass sie auf die eigene Insel muss, um etwas bestimmtes herzustellen, um diese Gegenstände dann wiederum zu der Dame im Leuchtturm zu bringen. Das klingt genauso mühselig wie es ist.

Zwischen Erkundung und Crafting

Abseits dieser manchmal nervigen Questreihen kommt aber viel Freude beim Erkunden der Inseln und bei den heimatlichen Besuchen auf. Im Spiel gibt es viel zu entdecken, neue Leute zu treffen und nicht zuletzt wichtige Dinge für einzelne Quests zu finden. Unterwegs lassen sich mittels Minispiele Fische angeln oder Schätze aus dem Ozean bergen. Auf der eigenen Insel werden Bäume gefällt, neue Bäume gepflanzt, der Acker bestellt, Tiere gefüttert und immer bessere Werkzeuge hergestellt. Nebenbei darf Koa auch noch neue Kochrezepte erlernen, um ihren Hunger effektiver zu stillen. Rezepte und Anleitungen gibt es dabei immer wieder von Questgebern oder im Laufe des Abenteuers, sodass die Motivation während des Spielens immer hoch bleibt. Und  dann wäre da noch die interessante Story rund um das Wesen Nopapo, zu dem wir an dieser Stelle jedoch nicht mehr verraten wollen.

Die Optik des Spiels erinnert sehr an The Legend of Zelda: The Wind Waker. Auch das Charakter-Design ist vorzüglich, aber der Titel patzt leider auf technischer Ebene. Gerade im Wasser treten immer wieder grafische Bugs und Framerate-Einbrüche auf. Außerdem stören teilweise sehr lange Ladezeiten und fühlen sich unnötig an. Auch die Musik, die meist schön zum Südseeflair des Spiels passt, kann urplötzlich aufhören oder ins Stocken geraten. Das alles ist wirklich sehr schaden, denn abgesehen davon läuft der Titel auf der Nintendo Switch relativ rund und sieht gelungen aus. Hoffentlich werden dem Spiel ein paar Patches spendiert, um die Performance zu verbessern - verdient hätte es die sympathische Welt allemal.

Fazit

Summer in Mara ist trotz seiner malerischen Südseekulisse und seinem paradiesischen Flair eher wie ein schwarz-weiß Gemälde. Auf der einen Seite sind die gelungene Optik, die mit ihren schönen Charaktermodellen aufwartet, die schönen Musikklänge, welche den Spieler sofort in ein Urlaubsfeeling versetzen und die abwechslungsreiche Spielmechanik, die trotz der kindgerechten Art und einiger nerviger Questreihen lange zu motivieren weiß. Auf der anderen Seite sind katastrophale Grafikfehler zu verzeichnen, Aussetzer in der Musik und völlig übertriebene Ladezeiten. Sollte all dies nachgepatcht werden, dann haben wir einen wirklich gelungenen Titel, der jedem Spieler ein lächeln ins Gesicht zaubern kann.

Von uns getestet: Nintendo-Switch-Version

Wertung:

6.5

Michael Prammer meint:

"Viele schöne Ansätze, die durch technische Schnitzer jedoch etwas verblassen."
Spielerlebnis: Gut
Umfang: Sehr gut
Technik: Mangelhaft

Schreibe einen Kommentar: