Kommentar: Wie viel Gewaltdarstellung muss sein?

Von Andreas Held am 21. Juni 2020

The Last of Us 2 ist erschienen und setzt in vielerlei Hinsicht neue Maßstäbe - auch in Sachen Gewaltdarstellung.

Man musste kein Prophet sein um vorherzusagen, dass The Last of Us 2 auf Metacritic weit jenseits der 90-Punkte-Marke landen wird. Doch das Medienecho war nicht einstimmig und das Review von Gamespot, welches mit seiner Endwertung von 8 aus 10 Punkten bereits weit unter dem internationalen Schnitt liegt, ging äußerst kritisch auf die Gewaltdarstellung des Titels ein. Die Autorin berichtete von Alpträumen, die sie aufgrund des Spiels gehabt hätte, da neben der Grafik und allen anderen Aspekten eben auch die Gewaltszenen in Videospielen immer realistischer werden. Die meisten Leser setzten sich mit diesen Argumenten natürlich nicht weiter auseinander und beließen es bei Kommentaren wie: „Wenn man eine empfindliche Schneeflocke ist, sollte man ein Spiel wie The Last of Us 2 halt einfach nicht testen“. Aber für mich persönlich bestätigte die kritische Rezension meinen Verdacht, dass ich mir den Nachfolger eines Spiels, das mich damals wirklich begeistern konnte, besser nicht kaufen sollte.

Eine historische Debatte

Die Diskussion um Gewalt in Videospielen ist alles andere als neu, und ihre Anfänge lassen sich sogar ziemlich genau datieren, nämlich auf den Oktober 1992, als das Spiel Night Trap für den Sega CD erschien. In dem Spiel waren mit realen Schauspielern gedrehte Szenen zu sehen, in denen unter anderem eine Frau von mehreren Männern festgehalten wurde, während ein weiterer mit einer Maschine ihr Blut absaugte. Das sorgte vor 28 Jahren vor allem deshalb für Aufsehen, weil Videospiele in der damaligen Gesellschaft fast ausschließlich als Spielzeug für Kinder im Grundschulalter angesehen wurden, die Night Trap im Regal sehen und einfach kaufen könnten und dann diesen Szenen ausgesetzt werden. Ergebnis der Debatte war die Gründung der ESRB und somit die Einführung von Altersbeschränkungen für Videospiele.

Da politische Aktivisten aber leider erst dann Ruhe geben, wenn sie alles was ihnen nicht passt verboten haben, ging die Debatte um Gewaltdarstellungen in Videospielen mit immer absurderen Thesen weiter. Figuren wie der amerikanische Anwalt Jack Thompson behaupteten, dass Videospieler auch im realen Leben zu Mördern würden - sodass das Entertainment-Medium bei Schul-Amokläufen gerne mal als Sündenbock herhalten musste. Die Politik hat diesen Köder gern geschluckt, schließlich konnte man komplexe Themen wie das Mobbing an Schulen, psychische Krankheiten oder fragwürdige Waffengesetze auf diese Weise leicht unter den Teppich kehren, ohne Wählerstimmen zu verlieren. Letztendlich erreichten Thompson und seine Mitläufer aber genau das Gegenteil von dem, was ihr Ziel war: Durch ihre Auswüchse wurde die bloße Idee, die Gewaltdarstellung in Videospielen zu kritisieren, ins Lächerliche gezogen und Spieleentwickler konnten immer mehr auf den Grundsatz "Violence Sells" setzen, ohne sich dafür rechtfertigen zu müssen.

Der Aufschluss zum Medium "Film"

Videospiele-Fans haben diese Debatte vor allem deshalb als absurd angesehen, weil Filme in ihrer Gewaltdarstellung schon immer deutlich weiter gingen. Politiker begründeten diese Diskrepanz damit, dass die interaktive Komponente in Videospielen die Sache deutlich schlimmer machen würde. Mein persönliches Empfinden war jedoch genau umgekehrt: Während mir die Blutfontänen in Titeln wie Mad World oder No More Heroes nicht viel ausmachten, sind mir selbst vergleichsweise harmlose Filme wie Indiana Jones II durchaus auf den Magen geschlagen. Der Grund dafür wurde mir erst später bewusst: Videospiele gingen in der Darstellung von Folter und körperlichen Qualen nicht annähernd so weit wie andere Medien, die Gewalt wurde meist sehr stark stilisiert und dadurch verdaulicher gemacht. Selbst diejenigen Studios, die es versucht haben, konnten mit ihren blutigen Szenen nur wenige echte Schockmomente erschaffen, da die Limitierungen der damaligen Hardware eine allzu realistische Darstellung unmöglich machten. Wer sich heutzutage Gameplay-Videos von Manhunt oder Postal ansieht, die damals selbst in den Augen vieler Fans eine rote Linie überschritten, wird diese Debatte nicht mehr nachvollziehen können.

Mit dem Release der HD-fähigen Spielekonsolen änderte sich das jedoch. Der erste Auslöser dafür, dass ich mich beim Spielen eines Videospiels wirklich unwohl fühlte, war die Elementarmunition in Borderlands. Auch die Folterszene mit Elizabeth am Ende von Bioshock Infinite ist mir auf eine Art und Weise in Erinnerung geblieben, durch die ich mir wünsche, dass ich den Titel besser nicht gespielt hätte. Noch belastender können solche Szenen übrigens für die Entwickler sein, die sie erschaffen müssen. Neverland-Mitarbeiter, die die Fatalities für Mortal Kombat X gestaltet haben, berichteten beispielsweise davon, dass sie sich als Referenzmaterial Videos anschauen mussten, in denen Tiere geschlachtet werden, um dem immer stärker werdenden Realitätsanspruch gerecht zu werden. Die Folge waren Alpträume und andere psychische Schäden.

Nein, Danke

Leider wird "Gewaltdarstellung" oft gerne mit "Erwachsenenunterhaltung" gleichgestellt, was auch gerne mal als Argument benutzt wird, um sich über Leute lustig zu machen, die diese eher ablehnen. Ich muss bei solchen Argumenten bis heute an den Sportstudenten denken, der sich bei einer Veranstaltung unserer Uni neben mich setzte, um sich darüber lustig zu machen dass ich mir ein alkoholfreies Getränk bestellt hatte. Der hätte wahrscheinlich gut in die Personengruppe gepasst, die bei einer Kinovorstellung von District 9 jedes Mal applaudierte und laut grölte, wenn Alien-Fleischklumpen gegen die Kameralinse geflogen sind. Ob dieses Verhalten nun "erwachsener" ist als die Tendenz, solche Szenen mal kritisch zu hinterfragen oder einfach nur als plump anzusehen, vor allem wenn sie ständig wiederholt werden, sei mal dahingestellt.

Grölende Sportstudenten sind aber natürlich längst nicht mehr die einzige Zielgruppe solcher Gewaltdarstellungen. Im eingangs erwähnten The Last of Us 2 wird diese gerne mal mit dem Argument verteidigt, dass man diese als Spieler ja gar nicht gut finden, sondern sich deswegen schlecht fühlen soll. Nun denke ich hier vielleicht in altmodischen Mustern, aber warum sollte ich ein Spiel konsumieren, durch das ich mich schlecht fühle? Nur, weil ich mich damit vom Kind sein distanziere? Falls es tatsächlich kindisch sein sollte, dass ich lieber in Animal Crossing meine Heile-Welt-Insel designe oder mich in Utawarerumono von einem mütterlichen Catgirl quasi adoptieren und umsorgen lasse, dann oute ich mich gerne als kindisch.

Fazit:

Natürlich ist an allererste Stelle immer noch der persönliche Geschmack entscheidend. Wenn euch The Last of Us 2 oder das kommende Cyberpunk 2077 gefallen und ihr etwas Positives aus diesen Spielen mitnehmen könnt, sei euch das absolut gegönnt. Die einleitende Frage dieses Artikels möchte ich auch gar nicht beantworten - denn das obliegt in einer freien Welt, in der die Kunstfreiheit gilt, ganz allein der persönlichen Entscheidung der Spieleentwickler und der Konsumenten. Es geht mir jedoch mittlerweile wirklich auf die Nerven, wenn das Fehlen einer Gewaltdarstellung oder allgemein eine nicht düstere Spielwelt sofort mit Kindlichkeit gleichgesetzt werden. Wer sich beim Spielen der genannten Titel unwohl fühlt und sich immer wieder fragen muss, warum er sich das überhaupt antut, sollte sich für die Entscheidung, lieber etwas anderes zu spielen, nicht rechtfertigen müssen. Auch dann nicht, wenn er das 30. Lebensjahr bereits überschritten hat.

Zweite Meinung von Jerry:

Ich möchte Kollege Andreas auf keinen Fall widersprechen. Dass der Begriff "erwachsen" in der Spielebranche häufig mit "gewalttätig" gleichgesetzt wird, ist traurig. Allerdings finde ich es etwas paradox, dass gerade The Last of Us 2 zurzeit häufig an den Pranger gestellt wird. Ich habe inzwischen rund 8 Stunden mit Naughty Dogs neustem Abenteuerspiel verbracht. Ja, das Spiel ist brutal und geht definitiv unter die Haut, eines kann man dem Titel jedoch nicht vorwerfen: Gewalt wird hier weder glorifiziert noch verharmlost. Gerade deshalb ist The Last of Us 2 auch so schockierend. Anders als beispielsweise in dem oben genannten Mortal Kombat X dient die Gewalt in The Last of Us 2 nicht dem Selbstzweck. Sie wird auch nicht stilisiert. Ellie kämpft ums Überleben und wird mehr oder weniger gezwungen, so rabiat vorzugehen wie ihre menschlichen und unmenschlichen Gegner. Das geht ihr und dem Spieler an die Substanz. Gegner, die von Ellie getötet werden, lösen sich nicht nach kurzer Zeit in Luft auf. Zum Teil liegen sie noch Sekunden lang wimmernd am Boden. Gegner, denen die Munition ausgeht, flehen um ihr Leben. Ellie selbst scheint emotional zum Teil sehr mitgenommen.

Wer Gewalt in Videospielen kritisieren möchte, sollte meiner Meinung nach dort anfangen, wo exzessive Gewalt verharmlost oder gar als cool dargestellt wird und das ist in The Last of Us 2 einfach nicht der Fall.

Dass gerade jetzt zum Launch des Spiels so viele Stimmen zum Thema Gewalt laut werden, erweckt für mich den Eindruck, dass vielen Leuten nicht die Gewalt per se zuwider ist, sondern nur die realistische Darstellung dieser. The Last of Us 2 ist kein Spiel, bei dem sich der durchschnittliche Spieler an den exzessiven Gewaltdarstellungen "aufgeilen" kann. Sollte man das dem Titel nicht zugutehalten? Wenn jemand in Mortal Kombat einem Gegner die Wirbelsäule aus dem Leib reißt, so folgt diesem brutalen Akt nicht selten ein breites Grinsen und/oder ein stolzes "Yeah!". Solche Reaktionen ruft The Last of Us 2 definitiv nicht hervor.

Mein Kollege fragt: Warum sollte ich ein Spiel konsumieren, durch das ich mich schlecht fühle? Wäre The Last of Us 2 nur darauf aus, dem Spieler Gewissensbisse zu bescheren, wäre die Antwort auf diese Frage ganz klar: „Es gibt keinen guten Grund.“ Aber TLOU2 auf die Gewalt zu reduzieren, wäre nicht fair. Es ist ein hervorragendes Action-Adventure, eine Charakterstudie und ein Drama. Es ist einfach unterhaltsam, die verlassenen Gebiete zu erkunden, es gibt wunderbar emotionale Momente, die nichts mit der Gewalt zu tun haben und andere Stellen sind spannend wie ein Thriller aus Hollywood. Ja, die Gewalt ist krass. Sie wird abartig realistisch dargestellt, aber das gilt für fast alle anderen Aspekte des Spiels auch.

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8 Kommentare:


Matthew1990
vor 2 Wochen | 0
"Die Autorin berichtete von Alpträumen, die sie aufgrund des Spiels gehabt hätte, da neben der Grafik und allen anderen Aspekten eben auch die Gewaltszenen in Videospielen immer realistischer werden."
Ich kann die Empörung der User verstehen, denn wieder einmal zeigt sich, dass Reviews und vor allem Zahlenwerte nichts weiter als subjektive Einschätzungen und textuelle Aufbereitung der eigenen Meinung.

"Nur, weil ich mich damit vom Kind sein distanziere? Falls es tatsächlich kindisch sein sollte, dass ich lieber in Animal Crossing meine Heile-Welt-Insel designe oder mich in Utawarerumono von einem mütterlichen Catgirl quasi adoptieren und umsorgen lasse, dann oute ich mich gerne als kindisch."
Ich glaube, die Darstellung von Gewalt eher für Erwachsene sind, sagt nichts über die Reife aus, sondern eher im Umkehrschluss, dass diese Darstellung nichts für Kinder sind.
Aber in der Tat ist dies meist eine Gleichung als eine Folge für viele.
Volljähige/Erwachsene brauchen keine Gewalt, aber Gewalt sollte für Erwachsene sein (nicht für Kinder)

Ich selbst habe vor allem solche Situation bei Game of Thrones erlebt, wenn dort auf brutaler Art geschlachtet wurde. Dennoch ziehe ich selbst das Fazit, dass ich so etwas nie ablehnen, gar gut finden würde. Denn egal, ob es Sicherheit, Angst, Ekel, Liebe, Mitleid oder Hass gegen über einer Situation oder Person empfinden lässt, ist es eine positive Sache in dieser Form mitzufiebern. Diese Eindrücke zu empfinden macht uns am Ende alle menschlich.

Vyse
vor 2 Wochen | 1
"Ich kann die Empörung der User verstehen, denn wieder einmal zeigt sich, dass Reviews und vor allem Zahlenwerte nichts weiter als subjektive Einschätzungen und textuelle Aufbereitung der eigenen Meinung."

Was anderes können und wollen Reviews ja auch gar nicht sein. Aber wenn es so gemacht wird wie in diesem GameSpot-Review, dass die persönlichen Beweggründe für die Wertungsfindung transparent gemacht werden, finde ich es im Prinzip okay. Ich schaue mir jedenfalls gerne gezielt negative Reviews an um zu sehen, ob die Kritikpunkte für mich persönlich relevant sind.

Die wichtigere Frage ist, ob das Spiel es verdient hat, nun bei Metacritic (marginal) schlechter dazustehen, nur weil es in den persönlichen Ansichten einer Autorin, die offenbar gar nicht zur Zielgruppe des Spiels gehört, durchgefallen ist. Das sehe ich sehr kritisch.
Matthew1990
vor 2 Wochen | 0
"Was anderes können und wollen Reviews ja auch gar nicht sein."
Leider ist dies vielen nicht klar, sondern gilt für viele eher eine qualitative Einstufung statt ein subjektiver Richtwert. Wenn ich an vergangene Kommentare meinerseits zurückdenke, kann ich mich selbst nicht davon freisprechen. Es muss einem erst klar werden, dass Reviews nur die Meinung eines weiteren Spielers wiederspiegelt.

"Die wichtigere Frage ist, ob das Spiel es verdient hat, nun bei Metacritic (marginal) schlechter dazustehen, nur weil es in den persönlichen Ansichten einer Autorin, die offenbar gar nicht zur Zielgruppe des Spiels gehört, durchgefallen ist."
Ich würde behaupten, dass es auf diese Frage keine richtige Antwort geben wird. Ich denke, dies muss jeder für sich selbst entscheiden - vor allem Spieler, die einen guten Eindruck in das Spiel bekamen. :)


michi1894
vor 2 Wochen | 0
Ich finde beide Kommentare sehr gelungen. In Bezug auf TLoU2 regt mich auf, dass es Menschen gibt, die das Thema Gewalt aufgreifen, um das Spiel schlecht zu machen. Das wurde hier sehr gut behandelt und ich hoffe, dass es noch ein paar Leute gibt, die ein Spiel spielen, bevor sie urteilen.

Asinned
vor 2 Wochen | 1
Ich kann Jerrys Kommentar zu LoU2 voll unterschreiben auch Vyse Kommentar ist nachvollziehbar. Denn so sehr ich es wichtig finde, dass Spiele wie LoU2 in ihrer Botschaft nicht zensiert werden so sehr kann ich jeden verstehen der um solche Spiele einen Bogen macht.

Die Aussage das es Gewaltdiskussionen nicht bei Filmen gibt ist aber grob falsch. Hitchcook wurde extrem für Psycho deswegen kritisiert und es gibt Filmprojekte bei denen Schauspielern echtes Leid zumindest indirekt zugefügt wurde um die Gewalt/Angst authentischer zu machen. Filme sind dann eben noch deutlich etablierter als Videospiele so dass die letzten Mainstream Diskussionen schon etwas her sind, aber innerhalb des Mediums gibt es öfters Meinungsunterschiede wo die Grenze liegen darf.

Am Ende muss ich aber mal tadeln: Denn ich war mir bei dem Artikel gar nicht so sicher ob es eigentlich um Gewalt geht oder um das abhaten von Stereotypen. Es wirkte jedenfalls so als ob der anekdotische Teil von krassem Schubladendenken dominiert wurde.

Vyse
vor 2 Wochen | 0
Bei Filmen habe ich noch nie eine so große, öffentliche Diskussion gesehen wie damals die "Killerspiel"-Debatte. Natürlich gibt es immer wieder auch Kritik an Filmen wie Saw oder Hostel, die aber eher im privaten Rahmen stattzufinden scheint.

Was die andere Kritik am Artikel angeht: Es fällt mir etwas schwer, darauf einzugehen, da ich ehrlich gesagt nicht 100%ig weiß worauf du hinaus willst. Aber es gibt definitiv eine Zielgruppe, die eine zum Selbstzweck eingesetzte Gewaltdarstellung wie in Mortal Kombat oder District 9 richtig abfeiert und sich über alle lustig macht, die das nicht so sehen. Ich hatte selbst mal eine Phase, in der ich mit Begeisterung alle Fatalities in Deadly Alliance durchprobiert habe und Starfox Adventures als Kinderspiel abgestempelt habe, weil ich mit 16 Jahren "zu alt" sei um "mit einem knuffigen Tierchen durch bunte Welten zu hüpfen". Natürlich gehört nicht jeder der Splatter-Filme schaut automatisch in diese Gruppe, aber das habe ich ja auch nie gesagt.
Asinned
vor 2 Wochen | 1
Zu den Filmen: Wie gesagt, diese öffentliche Fiskussionen geschahen bereits vor unsererer Zeit. Ein Hitchcook hat aus heutiger Sicht einen Riesen Shitstorm ausgelöst. Etwas aktueller aber nicht im Mainstream angekommen ist das Projekt DAU über das der Kanal Cinema Strikes Back ein gutes Video gemacht hat.

Zu der persönlichen Kritik: Ich hatten den persönlichen Eindruck, dass diese Gruppe (die es zweifellos gibt) als sehr homogen dargestellt werden beispielsweise durch den Sportstudent. Ich hatte das Gefühl hier war mehr Verallgemeinerung im Einsatz als notwendig.


2null3
vor 2 Wochen | 3
Gewalt kann in Medien vieles sein. In Filmen wie "Kill Bill" oder den jüngsten "Doom" Spielen ist sie ein Stilmittel, das seinen Teil zu Stimmung und Setting der Handlung beiträgt.
In Filmen wie der "Hostel" Reihe und den "Mortal Kombat" Spielen ist sie eher ein Katalysator, der den Werken Publicity bescherte. Wer würde sich schon "Hostel" wegen der feingeistigen Dialoge ansehen und auch der erste Mortal Kombat Teil war dem damals aktuellen Street Fighter 2 nur in Sachen gezeigter Brutalität überlegen. Beide Beispiele wären ohne die Gewalt wohl nur eine Randnote in den Mediendatenbanken unserer Zeit.
In "The Last of Us 2" transportiert die Gewalt nun eine Nachricht, die mir in den 7 Stunden, die ich das Spiel bisher gespielt habe, schon ein paar mal auch in den Dialogen begegnet ist: "Jede Tat hat Konsequenzen". Das ist unbequem für uns, da wir es gewohnt sind, in Spielen fleißig zu morden und dafür mit Münzen, Punkten oder Items belohnt zu werden, aber dieses Spiel lässt uns nicht so leicht vom Haken. Gnadenlos zeigt uns die Engine in schönster Grafik, was mit einem Menschen passiert, dem man ins Gesicht schießt oder dem man mit einer Schrotflinte ein Körperteil vom Körper reißt und lässt uns erkennen, was wir da gerade getan haben: Wir haben soeben einen virtuellen Menschen ermordet. Vergleichbares findet man heute nur selten, etwa wenn man sich als Fleischesser ein Video über Massentierhaltung ansieht in dem Kälber mit einem Bolzen in den Kopf geschossen wird. Wir leben mit dieser Gewalt und finanzieren sie gerne, denken aber äußerst ungern darüber nach, welche Geräusche ein Kückenschredder in Betrieb wohl macht.
Gnädigerweise maßt sich das Spiel diesbezüglich aber kein eindeutiges Urteil an. Man findet in den Dialogen Argumente für und wider die eigenen Taten und darf sich zumindest hier noch selber vormachen, dass man nur die eigene Haut in einem Kampf auf Leben und Tot gerettet hat. Aber der innere Zwiespalt bleibt trotzdem, so wie bei Lara Croft im Tomb Raider Reboot, die ihren ersten Menschen in Notwehr tötet und damit auch erst einmal klar kommen muss.
So stellt sich mir die Frage, welche Art von Gewalt eigentlich wirklich schlimmer ist: Die ehrliche in TLoU2 oder die verborgene in Battlefield Spielen, die es mir erlaubt Highscores zu sammeln, indem ich als Nazi Feinde am Omaha Beach mit dem MG zerstückeln kann.