Test: Bug Fables: The Everlasting Sapling

Von Michael Prammer am 05. Juni 2020

Ist Bug Fables ein leckerer Appetitanreger für das kommende Paper Mario oder doch eher ein billiger Abklatsch einer beliebten Nintendo-Serie?

Tatsächlich ist Bug Fables: The Everlasting Sapling weder noch. Das Spiel bedient sich zwar am Artstile von Paper Mario und zieht sich damit ziemlich große Schuhe an, spielt sich aber dennoch sehr eigenständig. Nach einigen Stunden Spielzeit sind die Parallelen zum Pilzkönigreich in Papierform schnell vergessen, nicht zuletzt weil wir uns durch die Welt der Käfer und Insekten begeben, was schon in so manch anderen Videospielen ausgezeichnet funktioniert hat.

Das große Krabbeln

Die Geschichte ist im Insektenland Bugaria angesiedelt, welches in vier unterschiedliche Königreiche aufgeteilt ist. Innerhalb dieser Königreiche soll es der Legende nach einen sagenumwobenen Setzling geben, dessen Blätter ungeahnte Kräfte entfalten. Wer eines der Blätter verzehrt, so heißt es, erlange Unsterblichkeit. Die Ameisenkönigin möchte nur zu gerne ein ewiges Leben genießen und schickt deshalb ein Expeditions-Team, bestehend aus dem Käfer Kabbu und der Biene Vi, auf die Suche nach dem Setzling. Während der ersten Mission schließt sich dem Duo noch die Motte Leif an, die zwar kein Gedächtnis, jedoch viel Sarkasmus mitbringt und die Abenteurer fortan unterstützt.

Die Story ist zu Beginn etwas wirr und scheint kaum von der Stelle zu kommen. Es ist nicht so richtig klar, was die Abenteurer eigentlich zu tun haben. Klar, der Setzling soll gefunden werden, als Spieler jagt man in den ersten Spielstunden jedoch irgendwelchen Artefakten hinterher, für die es kaum richtige Belohnungen gibt. Diese erste Phase des Spiels verschenkt viel Potenzial, und der eine oder andere Spieler könnte während dieser Zeit durchaus die Lust am Abenteuer verlieren, aber im weiteren Spielverlauf nimmt die Geschichte Fahrt auf und kann vor allem durch die witzigen Dialoge der drei Protagonisten immer wieder begeistern. Dass auf eine Sprachausgabe komplett verzichtet wurde und die Bildschirmtexte nur auf Englisch sind, ist allerdings schade. Für Spieler ohne gute Englischkenntnisse können die sonst flotten Dialoge dadurch schnell anstrengend werden.

Viel spielerische Kreativität

Spielerisch kann Bug Fables auf ganzer Linie überzeugen. Bei dem Abenteuer rund um die kleine Insektengemeinschaft handelt es sich um ein Rollenspiel im 2D-Look. Kämpfe laufen rundenbasiert ab und jeder Charakter hat seine eigenen Fähigkeiten. Leif ist ein Zauberer. Er baut bei jedem seiner Angriffe drei Kreise auf dem Bildschirm auf. Drückt ein Spieler dann im richtigen Moment die passende Aktionstaste, resultiert daraus ein besonders effektiver Treffer. Bei Kabbu, der mit seinem Horn in den Kampf zieht, muss eine bestimmte Taste gehalten und im richtigen Moment losgelassen werden. Vi kämpft mit einem Bumerang, der mit Hilfe eines Zeigers und einer Leiste eingesetzt wird. Ist der Zeiger im grünen Bereich der Leiste angelangt, ergibt sich die beste Trefferquote. Durch diese spielerischen Aktionen kommt eine Menge Dynamik ins Gameplay, und das nicht nur während den Kämpfen. Mit seinem Bumerang kann Vi beispielsweise auch Schalter aktivieren. Kabbu räumt mit seinem Horn nicht nur Gegner, sondern auch Büsche aus dem Weg und Leif zaubert an bestimmten Stellen, an denen es tropft, Eisblöcke herbei, um neue Wege zu erschließen.

Insgesamt bietet das etwa 30 Stunden lange Hauptabenteuer dadurch sehr viel Abwechslung. 30 Nebenquests – von Sammelaufgaben bis hin zu kleineren Kämpfen – erweitern die Spielzeit noch einmal um 15 bis 20 Stunden. Die Charaktere selbst erhalten nach jedem Kampf Erfahrungspunkte, die zum nächsten Levelaufstieg beitragen. Bei einem Levelaufstieg darf dann einer von drei Werten erhöht werden: Die maximale Lebensenergie, die Angriffsstärke oder die Medaillenkapazität. Die Medaillen verändern in der Regel die Fähigkeiten des Teams oder einzelner Teammitglieder. Eine spezielle Medaille erhöht zudem den Schwierigkeitsgrad des Spiels. Schwierigkeitsgrade im sonst üblichen Sinne gibt es leider nicht und grundsätzlich ist das Abenteuer nicht schwer. In diesem Zusammenhang erwähnenswert ist allerdings, dass nur Kämpfe gegen neue Gegner Erfahrungspunkte bringen, ein klassisches Grinden durch das Besiegen einfacherer Gegner ist praktisch nicht möglich. Dies treibt die Story zügiger voran, hat aber auch zur Folge, dass jede Investition in die oben genannten Kategorien gut überlegt werden muss.

Technisch mehr als solide

Optisch und technisch braucht sich Bug Fables nicht vor der großen Genre-Konkurrenz zu verstecken. Der bunte Titel sieht recht simpel, aber dennoch wunderschön aus und kommt zwar mit vielen Käfern, aber ganz ohne Bugs daher. Ein paar schöne Grafikeffekte sind beispielsweise kleine Windböen oder sanft plätschernde Gewässer. Auch die vielen unterschiedlichen Landschaften gefallen. Egal ob Wüste, Herbstlandschaft oder eisige Höhlen – die stimmungsvollen Umgebungen bieten kaum Raum für Kritik. Die musikalische Untermalung ist ebenfalls super gelungen und bietet einige Stücke mit Ohrwurm-Charakter. Das einzige Manko ist hier, wie bereits erwähnt, die fehlende deutsche Sprachausgabe. Zumindest deutsche Texte wären wünschenswert gewesen.

Fazit:

Um auf die Einleitung zurück zu kommen: Bug Fables ist mehr als nur ein Vorgeschmack auf Paper Mario, welches in knapp einem Monat auf Nintendo Switch erscheint. Nach diesem Abenteuer muss der Papier-Klempner erst einmal zeigen, aus welchem Holz – oder Papier – er geschnitzt ist. Das Abenteuer rund um die Käfer und Insekten kann beinahe komplett überzeugen. Spielerisch wird viel Witz und Finesse geboten, die Welt kann mit Abwechslungsreichtum auftrumpfen und die Spielzeit von bis zu 50 Spielstunden ist aller Ehren wert. Der etwas fade Einstieg in die Story, die fehlenden deutschen Texte und die eine oder andere kleinere Designentscheidung innerhalb des Spiels (Stichwort Schwierigkeitsgrade) sind ärgerlich, aber kein Grund zum Frust. Im Gegenteil: Rollenspiel-Fans, die es nicht mehr erwarten können, Paper Mario zu spielen, bekommen einen mehr als würdigen Ersatz.

Wertung:

8.5

Michael Prammer meint:

"Tierischer Krabbelspaß, der mit Abwechslung und Spielwitz begeistert"
Spielerlebnis: Sehr gut
Umfang: Sehr gut
Technik: Gut

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