Test: Golf with your Friends

Von Jeremiah David am 03. Juni 2020

Aktuell ist es schwierig eine Runde Minigolf zu spielen. Die meisten Plätze sind wegen der Corona-Pandemie noch geschlossen. Auf der Switch klappt es trotzdem.

Golf with your Friends ist ein Minigolf-Spiel für Nintendo Switch, PS4, Xbox One und PC, bei dem bis zu 12 Spieler on- oder offline gegeneinander antreten können. Auch ein Solospiel ist natürlich möglich.

Entwickelt wurde Golf with your Friends übrigens vom britischen Entwickler Team 17, der dem ein oder anderen Gamer durchaus bekannt sein dürfte, denn die Engländer sind schon ziemlich lange in der Branche aktiv und haben den Spielemarkt unter anderem um die Worms-Reihe oder auch neuere E-Shop-Hits wie Overcooked! (zum NplusX-Test) bereichert. Besonders auf die Worms-Spiele scheint Team 17 stolz zu sein, denn die suizidalen Würmer haben in Golf with your Friends eine eigene Welt spendiert bekommen, dazu aber später mehr.

Golf bleibt Golf

Im Grunde ist Golf with your Friends ein klassisches Golfspiel und so brauchen wir hier nicht viel über das Spielprinzip schreiben. Es geht wenig überraschend darum, einen kleinen weißen Ball über verschiedene Bahnen hinweg mit möglichst wenig Schlägen in ein Loch zu manövrieren. Um sich von anderen Genrevertretern abzuheben, hat Team 17 das altbekannte Spielprinzip aber um einige mehr oder weniger lustige Ideen erweitert. Das Spiel bietet elf Themenwelten wie „Wald“, „Grusel“, „Vulkan“ oder „Zuckerland“ mit jeweils 18 unterschiedlichen Bahnen. Der Name ist hier jeweils Programm und so golfen wir uns in den eben genannten Beispielen durch einen Wald, eine gruselige Villa, einen aktiven Vulkan oder ein mit Süßigkeiten gefülltes Schlaraffenland. Eine zwölfte Welt soll als DLC nachgereicht werden.

Gespielt wird fast nur mit den Analogsticks. Der linke Stick bestimmt die Schlagkraft, der rechte bewegt die Kamera. Mit der A-Taste wird der Schlag ausgeführt. Ein Effet-Effekt kann, muss aber nicht verwendet werden. Die Kurse sind häufig so weitläufig, dass unser Ziel vom Anfangspunkt aus gar nicht sichtbar ist, durch Drücken der Y-Taste dürfen wir deshalb 15 Sekunden lang frei über jeden Kurs fliegen und uns zumindest ansatzweise einen Überblick über das jeweilige Layout und die Hindernisse verschaffen.

Apropos Hindernisse - über die Kurse sind Minigolf-typisch unterschiedliche Hürden verteilt, dabei handelt es sich aber mitnichten nur um „normale“ Hindernisse wie Steigungen, Abhänge, Wippen, Loopings oder Windmühlen. Auch leuchtende Portale, Magnetfelder, Beschleunigungsstreifen und Fließbänder müssen überwunden werden. Hin und wieder bekommt unser Ball sogar Jetpacks umgeschnallt, um durch die Luft zu schweben. Besonders kreativ geht es in einer von Worms inspirierten Welt zu. Dort rollen uns heilige Handgranaten entgegen und Landminen jagen unseren Ball in die Luft. Der Einfallsreichtum der Entwickler ist beeindruckend, aber angesichts der vielen Hindernisse und verwinkelten Bahnen ist es bisweilen schwierig den Überblick zu behalten. Viele Kurse erfordern deshalb ein Trial-and-Error-Vorgehen ein, das frustrieren kann.

Was spielen wir hier nochmal?

Neben den unterschiedlichen Thematiken und den Hindernissen gibt es fünf Spielmodi, die das Gameplay weiter auflockern. Der Klassisch-Modus ist genau wonach er klingt: Klassisches Minigolfen. Der Erkundungsmodus unterscheidet sich kaum vom klassischen Modus, ist aber besonders für Anfänger geeignet. Hier spielen wir zwar ganz normal Minigolf, aber Zeit- und Schlaglimits sind ausgeschaltet. Wer dem Golfsport weniger abgewinnen kann als anderen Sportarten, der darf im Eishockey-Modus den Golfball einfach mit einem Puck ersetzen. Aus den Löchern werden dann Tore mit Pappkameraden als Torwart. Im Dunking-Modus werden aus den Löchern Basketballkörbe. Hier muss der Ball mit einem hohen Sprung in den Korb befördert werden.

Noch verrückter als Golf-Eishockey und Golf-Basketball ist jedoch der Party-Modus, der aber nur mit Mitspielern Sinn macht. Hier tauchen verschiedene Fragezeichen-Boxen auf den Kursen auf. Trifft unser Ball eine solche Box, bekommen wir wie in Mario Kart ein Item, das wir gegen unsere Mitspieler einsetzen können. Die sogenannte „Honigfalle“ verteilt gelbe, klebrige Klekse auf der Bahn, der „Doppelsprung“ schenkt dem Spieler zwei Sprünge in eine bestimmte Richtung und der „Frosteinbruch“ lässt den Ball an einer gewünschten Stelle stehenbleiben. Am lustigsten ist aber zweifelsohne der „Zufallsgenerator“, der den Ball der Gegenspieler verändert. Statt mit einer Kugel müssen sie dann unter anderem mit einem Quader, einem Zylinder oder einer Pyramide golfen. Dass diese Gegenstände nicht sonderlich gut rollen, sollte klar sein.

Lang, länger, am längsten

Der Party-Modus macht auf jeden Fall Spaß, aber bei vielen Mitspielern im heimischen Wohnzimmer zieht sich das Spielgeschehen wahnsinnig in die Länge, denn der Controller muss nach jedem einzelnen Schlag weitergereicht werden. Absolut unverständlich ist dabei auch, dass wir trotz unzähliger anderer Einstellungsmöglichkeiten nur ganze Welten auswählen dürfen, es müssen also immer volle 18 Bahnen bespielt werden. Zu zweit brauchten wir für einen Durchgang rund eine Stunde. Wir hatten dabei durchaus Spaß, aber danach absolut keine Lust auf eine weitere Runde. Wer mit elf Freunden so viele Bahnen passieren muss, dürfte locker einen halben Tag lang beschäftigt sein. Online dürfen Spieler dagegen gleichzeitig antreten. 18 Bahnen sind dann in rund 30 Minuten zu bewältigen. Egal ob online oder offline sollten alle Mitspieler jedoch halbwegs auf demselben Niveau spielen. Wer die Kurse mit etlichen Abkürzungen bereits gut kennt, hat definitiv einen großen Vorteil gegenüber Neulingen.

Für das erfolgreiche Absolvieren einer Welt belohnt uns das Spiel ab einer gewissen Punktzahl mit kosmetischen Items. Unser Ball darf sich dann beispielsweise einen Hut aufsetzen oder einen farbigen Schweif nach sich ziehen. Das kann speziell im Multiplaymodus lustig sein, ist ansonsten aber ziemlich sinnfrei und motiviert nur bedingt zum Weiterspielen. Trophäen, Medaillen, Bestenlisten oder andere Statistiken gibt es nicht.

Technisch bewegt sich Golf with your Friends auf mittelmäßigem Niveau. Die Ladezeiten sind zum Teil überraschend lang und die Grafik erinnert technisch wie stilistisch an 0815-Smartphonespiele mit einigen kantigen Objekten und unscharfen Texturen, aber das knallbunte Spiel läuft immer flüssig. Der Ball verhält sich auf den unterschiedlichen Bahnen außerdem stets physikalisch realistisch, die Steuerung ist zweckmäßig simpel. Wirklich nervig ist jedoch die Musik! Die einzelnen Melodien sind sehr kurz und wiederholen sich stets in Endlosschleifen, da jeder Welt nur ein einziges Lied spendiert wurde. Es sollte außerdem nicht unerwähnt bleiben, dass manche Teile des Spiels schlecht ins Deutsche übersetzt wurden. So beginnt Golf with your Friends wortwörtlich mit der Einblendung „Drücke die A-Knopf!“ und bietet auch später noch die ein oder andere seltsame Formulierung.

Fazit:

Golf with your Friends verspricht bereits im Titel Multiplayer-Spaß und enttäuscht in dieser Hinsicht nicht. Vor allem der Party-Modus macht Laune, ist aber offline etwas zu langatmig.

Solospielern wird weniger geboten. Sie bekommen ein solides, aber nicht überragendes Golfspiel mit einigen verrückten Ideen. Letztere können manchmal prima unterhalten, sind häufig aber einfach zu abgedreht oder wenig mehr als Gimmicks, die nur bedingt Einfluss auf das Spielgeschehen haben. Wer selten mit Freunden zockt sollte der Endwertung noch mindestens einen Punkt abziehen.

Wertung:

7.0

Jeremiah David meint:

"Mit Freunden kann Golf with your Friends für Spaß sorgen, für Solisten ist es weniger zu empfehlen."
Spielerlebnis: Gut
Umfang: Sehr gut
Technik: Durchschnittlich

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