Test: Xenoblade Chronicles: Definitive Edition

Von Deniz Üresin am 27. Mai 2020

Ein neuer Tag, eine neue Definitive Edition für Nintendo Switch.

Guten Morgen, liebe Kinder. Schlagt bitte die JRPG-Geschichtsbücher auf Seite 98 auf, wir behandeln heute ein besonders interessantes Kapitel: Monolith Soft und ihr neuestes Spiel, ein Remake von Xenoblade Chronicles. Bitte entschuldigt die etwas albernen Titel im Voraus, mir saß der Shulk im Nacken.  

XeNO oder doch eher XeYES?

Alles beginnt im Jahre 1995, als zwei Grafikdesigner des japanischen Spieleentwicklers Squaresoft heiraten: Kaori Tanaka, auch bekannt unter ihrem Künstlernamen Soraya Saga, und Tetsuya Takahashi, der seine Frau durch die Zusammenarbeit an Final Fantasy V und VI kennenlernt. Doch anstatt einfach glücklich und zufrieden bis an ihr Lebensende Hand in Hand durch Blumenwiesen zu hüpfen, entscheiden sich die beiden dazu, eine epische, sechsteilige Sci-Fi-RPG-Reihe mit Kampfrobotern und Einflüssen diverser deutschsprachiger Philosophen und Psychologen zu entwickeln, deren Geschichte sich über mehrere tausend Jahre erstreckt. Das ihnen zugesicherte Team ist jung und unerfahren, das Budget knapp, die Zeit ebenfalls, doch allen Widrigkeiten zum Trotz erscheint Xenogears 1998 auf der PlayStation. Bis heute sucht die gewaltige Story im Videospielbereich ihresgleichen, doch in vielen anderen Aspekten wirkt das Spiel schon zu Release unfertig und so geht das JRPG im Schatten des Blockbusters Final Fantasy VII unter. Die Geschichte, die das Grafikdesigner-Ehepaar erzählen will, findet ihr vorzeitiges Ende – zumindest bei Squaresoft. Denn Takahashi gibt nicht auf, gründet sein eigenes Studio Monolith Soft und wagt zusammen mit Publisher Bandai Namco einen weiteren Versuch: Xenosaga Episode I: Der Wille zur Macht erscheint 2002 für die Playstation 2 und greift unter anderem einige Aspekte von Xenogears auf. Streitigkeiten zwischen Monolith Soft und Bandai Namco über die Ausgestaltung des Nachfolgers führen schließlich dazu, dass auch diese Geschichte „nur“ eine Trilogie wird und mit Xenosaga Episode III: Also sprach Zarathustra endet.

Doch wo sich eine Tür schließt, geht eine andere auf und so hat Takahashi 2006 eine Vision von zwei gigantischen Göttern, auf deren Körper Menschen und andere Wesen leben. Mit Nintendo als Publisher wird Xenoblade Chronicles für die Wii auf der Grundlage dieser seltsamen Vision entwickelt und ursprünglich nur in Japan, nach vielen Petitionen von westlichen JRPG-Fans aber auch in unseren Gefilden veröffentlicht. Überschwänglicher Lob von Fans und Fachpresse zugleich festigen das Fundament, auf dem die nunmehr dritte Xeno-Reihe steht. Mit zwei spirituellen Nachfolgern, einem Port des Erstlings auf den New 3DS und Shulk als spielbaren Charakter in der beliebten Super Smash Bros.-Serie ist klar: Xenoblade ist noch lange nicht tot. Und nun kommt die Definitive Edition. Und genau die testen wir jetzt.

Da hat das rote Schwert sich einfach umgekehrt

Wie in unserem Preview bereits angeteasert, handelt Xenoblade Chronicles von einem mysteriösen Schwert, das einigen Auserwählten erlaubt, in die Zukunft zu sehen. Auf den beiden Giganten, die sich gegenseitig vor Jahrtausenden im Schwertkampf ausgeschaltet haben, haben sich vielfältige Floren und Faunen ausgebreitet. Auf dem Bionis hausen dabei organische Wesen wie Menschen und Tiere, während auf dem Mechonis Lebewesen mechanischer Natur leben, die von den Homs (so wie sich die Menschheit in Xenoblade Chronicles selbst nennt) als Mechon bezeichnet werden. Der junge Amateur-Wissenschaftler Shulk, der auf dem Bionis in der Kolonie 9 lebt, wurde als Kind zusammen mit einem roten Schwert bei einer Expedition gefunden. Bei dem Schwert handelt es sich um das Monado, einer seltsam futuristischen Waffe, die zwar durch die fast unverwundbaren Mechon wie Butter geht, einem Homs aber nichts anhaben kann. 

Der Held Dunban führte die Klinge während eines Großangriffs der Mechon vor einem Jahr und war damit der Schlüssel zum Sieg, allerdings kann er seinen rechten Arm seitdem nicht mehr bewegen, da er das Monado nicht vollständig beherrscht und sich das Schwert wie eine Diva aufführt, die ihr Snickers noch nicht gegessen hat. Bei einem weiteren Angriff verlieren Shulk, Dunban und ihr Kumpel Reyn nicht nur viele Freunde, sondern auch ihre Fassung, als sich die Ereignisse überschlagen. Shulk greift in einem verzweifelten Moment zur roten Klinge und kann plötzlich kurzzeitig in die Zukunft blicken. Verärgert über sich selbst, die vorhergesehenen Ereignisse nicht verhindern zu können und geschockt von der Tatsache, dass es Mechon gibt, gegen die selbst das Monado machtlos zu sein scheint, brechen Shulk und Reyn auf. Ihre Ziele: Rache an den Mechon üben, mehr über das Mechon mit dem Eisengesicht herausfinden und den Umgang mit dem Monado perfektionieren. Ihre Reise führt sie quer über den gesamten Bionis, von der gigantischen Graslandschaft auf dem Knie des Riesen zum geheimnisvollen Satorl-Sumpf auf der Hüfte bis hin zum Eryth-Meer auf dem Nacken. Früher oder später müssen sie natürlich auch ihren gewohnten Heimatriesen verlassen und über das enorme Schwert, das in ihm steckt, rüber zum Nachbarn Mechonis reisen. Während des linearen Abenteuers treffen Shulk und Reyn natürlich JRPG-typisch auf neue Freunde und Feinde, lernen die Welt um sie herum und sich selbst besser kennen und klären Stück für Stück auf, was es mit den beiden Riesen, dem seltsamen Schwert und Shulks Visionen auf sich hat.

Die Story von Xenoblade Chronicles ist eine der größten Stärken des Spiels. Zwar gibt es jede Menge Klischees aus dem Shonen-Anime-Bereich, doch ohne euer eigenes Monado werdet ihr kaum jede Storywendung vorhersehen können. Lasst euch nur gesagt sein: Monolith Soft sind bekannt dafür, gegen Ende ihrer Spiele Plot-twists einzubauen, die die gesamte Welt der Protagonisten völlig auf den Kopf stellen.

Die teils langen Cutscenes dienen nicht nur der Weitererzählung der Story, sondern bieten neben den seichteren Momenten auch herzzereißende Dramatik, nicht zuletzt dank der ordentlichen englischen Sprachausgabe und großartig choreografierten Kampfszenen, die zwar nicht ganz an die Intensität und Akrobatik der Kampf-Cutscenes aus Xenoblade Chronicles 2 herankommen, aber trotzdem zum Mitfiebern anregen.

Ist nun endlich Reyn Time?

Generell ist das Kampfsystem aber weniger auf flotte Action und mehr auf strategisches Einsetzen der Skills und die Platzierung eurer Kämpfer ausgelegt. Nehmt ihr in den weitläufigen Arealen ein Monster ins Visier (oder umgekehrt), geht das Spielgeschehen fließend in den Kampf über. Ihr steuert immer eines eurer drei aktiven Partymitglieder, könnt aber während der Kämpfe nicht mehr wechseln. MMORPG-typisch hauen dann eure Kadetten automatisch auf den anvisierten Gegner ein, während ihr Spezialattacken über eine Palette auswählt und einsetzt. Jeder Skill hat seinen eigenen Cooldown-Timer, um Gespamme zu unterbinden und euch zu einem taktischeren Vorgehen zu zwingen. Dabei hat eure Position relativ zum Gegner auch einen Einfluss auf die Wirksamkeit eurer Skills. Shulks Backslash zum Beispiel richtet deutlich mehr Schaden an, wenn ihr damit dem Gegner in den Rücken fallt. Manche Skills bringen den Gegner auch kurzzeitig ins Taumeln, was ihr für Kombo-Angriffe einsetzen könnt: Taumelnde Gegner können mit dem richtigen Skill umgeworfen und umgeworfene Gegner wiederum ohnmächtig geschlagen werden. Dies setzt Gegner nicht nur kurzzeitig außer Gefecht, sondern macht sie auch anfälliger für Angriffe. Neu in der Definitive Edition ist, dass ihr euch wahlweise anzeigen lassen könnt, welche Skills in der aktuellen Situation von Vorteil sind. So wird der Backslash-Skill mit einem Ausrufezeichen versehen, wenn ihr hinter dem Gegner steht, was gerade bei den amorpheren Widersachern, denen man nicht wirklich ansehen kann, wo vorne und hinten ist, eine willkommene Verbesserung ist.  

Das Kampfsystem von Xenoblade Chronicles hat aber auch noch ein paar weitere Eigenheiten. Eine Gruppenleiste mit drei Balken füllt sich während des Kampfes durch den Einsatz von Skills und kritischen Treffern auf. Einen Balken könnt ihr verwenden, um einen kampfunfähig gemachten Kumpanen wieder ins Rennen zu schicken. Füllt ihr alle drei Balken, könnt ihr aber auch einen Gruppenangriff starten, bei dem die Zeit angehalten wird und eure Charaktere der Reihe nach Skills auf die Gegner loslassen können. Diese Angriffskette kann, wenn sich eure Partymitglieder mögen und ihr rechtzeitig B drückt, sogar verlängert werden.

Das größte Alleinstellungsmerkmal des Kampfsystems ist aber Shulks Möglichkeit, in die Zukunft zu sehen. Gelegentlich sieht er nämlich einen besonders starken Skill eines Gegners vorher. Ihr wisst dann also genau, wann wer angegriffen wird und wie viel Schaden das Ganze anrichten wird. Schafft ihr es rechtzeitig, den betroffenen Kollegen zu warnen, könnt ihr durch gezielte Skillwahl den Angriff möglicherweise blocken oder verhindern.

Wer Xenoblade Chronicles 2 bereits gespielt hat, wird sich spätestens jetzt denken können, dass das Kampfsystem ähnliche Grundzüge hat, sich aber doch ein bisschen anders spielt. Was allerdings gleich bleibt, ist, dass Kämpfe in Xenoblade im Vergleich zu anderen Action-RPGs deutlich länger dauern, wenn auch im Schnitt nicht so lang wie im Nachfolger. Das Kampfsystem ist aber nicht das einzige Element, in denen Xenoblade Chronicles Ähnlichkeiten mit Online-Rollenspielen aufweist…

Neverending (Side)Story

Ihr wisst ja nun, worum es in dieser Singleplayer-Rollenspielerfahrung mit japanischem Touch geht und wie die Kämpfe in etwa ablaufen. Doch auch wenn ihr mit der massiven Haupthandlung bereits alle Hände und vielleicht auch ein paar Füße voll zu tun haben werdet, ließen es sich die Entwickler nicht nehmen, eine Billiarde Sidequests (diese Zahl basiert auf groben Schätzungen) in das Spiel zu stopfen. Wie es in Online-Rollenspielen gang und gäbe ist, haben nämlich auch in Xenoblade Chronicles alle NPCs (nicht-spielbare Charaktere) einen geregelten Tagesablauf und so ziemlich keiner weiß sich bei dem kleinsten Problem selbst zu helfen. So werdet ihr, wenn ihr es denn wollt, in ein Geflecht aus Beziehungen zwischen eurer Party und den Bewohnern der beiden Riesen gerissen, das ihr zu einem Teil selbst mit dem Abschließen von Sidequests und dem Treffen diverser Entscheidungen beeinflussen könnt. Harmonie-Diagramm nennt sich das Ganze, denn wer braucht schon Ruhm, Ehre und Macht, wenn er Harmonie haben kann. 

Ein sehr großer Teil der Nebenmissionen besteht aus simplen Fetch- und Killquests, die in der Originalfassung oft in ein frustrierendes Gesuche ausgeartet sind. Wenn ihr Gegenstand X braucht und euch nur gesagt wird, dass dieser im Satorl-Sumpf zu finden ist, ist das natürlich schonmal ein Anhaltspunkt, aber der Sumpf ist, wie fast jedes Gebiet im Spiel, gigantisch. Hier kommt eine der zentralen Neuerungen der Definitive Edition zum Tragen: Das neue Quest-Navigationssystem. Optional könnt ihr euch damit nicht nur anzeigen lassen, wo sich Items, Gegner und Personen aufhalten, die ihr für den Abschluss der aktuellen Quest finden müsst, ihr könnt euch sogar dorthin navigieren lassen. Auf der Karte erscheint dann eine blaue Linie, der ihr einfach nur folgen müsst. Gepaart mit der neuen Auto-Lauf-Funktion, bei der euer Charakter automatisch geradeaus läuft und ihr nur noch Richtungsänderungen  eingeben müsst, werden viele nervige Suchaufgaben und ewig lange Märsche nun deutlich angenehmer zu bewältigen sein. Puristen können aber unbesorgt sein: Anders als in Trials of Mana lassen sich die Questmarker in Xenoblade nämlich auch ausschalten.

Absolvierte Sidequests erhöhen nicht nur den Harmonierang eurer Party für das aktuelle Gebiet, sie bringen auch oft den kleinen Handlungsstrang der geholfenen Person voran und öffnen neue Sidequests oder lassen euch teilweise Entscheidungen treffen, was die Zukunft der Person belangt. Ein höherer Harmonierang kann zu Preisnachlässen in den Shops des jeweiligen Gebiets, mehr verfügbaren Sidequests und mehr Tauschwaren der NPCs (jeder Charakter mit einem Namen im Spiel besitzt Items, die er mit euch gegen etwas vergleichbar Wertvolles zu tauschen bereit ist) führen. Auf die Harmonie eurer Gruppenmitglieder untereinander solltet ihr jedoch auch einen Blick haben, denn je höher die Harmonie zwischen zwei eurer Charaktere ist, desto mehr Boni bekommt ihr im Kampf, wenn beide aktiv daran teilnehmen. Außerdem schaltet ihr so die Möglichkeit zu optionalen, intimen Gesprächen zwischen den Partymitgliedern frei, die sogenannten Harmoniegespräche.

Neben den handelsüblichen Sidequests und dem Harmoniediagramm gibt es aber auch noch storybedingt zeitlich begrenzte Quests, die ihr, wenn ihr sie erledigen wollt, nicht zu lange aufschieben solltet und den optionalen Wiederaufbau der zerstörten Kolonie 6. Hier müsst ihr Materialien heranschaffen, um Häuser, Läden und andere Dinge bauen zu können und neue Bewohner anwerben. Dies schaltet, wer hätte es gedacht, mehr Sidequests frei.

Doch das ist noch nicht alles, was ihr neben der Haupthandlung tun könnt. Überall auf der Welt verteilt findet ihr Erzadern, an denen ihr Erze abgreifen könnt. Diese könnt ihr zu Juwelen umarbeiten, die sich in leere Slots eurer Ausrüstungsgegenstände einfügen lassen und diverse Kampf-Boni bereithalten. An manchen Orten könnt ihr durch ein Portal außerdem zum Nopon-Erzweisen reisen, der euch vielleicht bereits aus dem DLC für Xenoblade Chronicles 2 bekannt sein dürfte. Ähnlich wie in den Arena-Herausforderungen dort könnt ihr exklusiv in der Definitive Edition sogenannte Tempo-Herausforderungen annehmen und versuchen, schnellstmöglich bestimmte Gegnergruppen zu besiegen. Als Belohnung winken Noponkristalle, die ihr gegen exklusive Ausrüstungsgegenstände eintauschen könnt. Einige davon sind neue Designs, die es so im Original nicht gab. Dazu passend gibt es ein weiteres neues Feature: Ihr könnt nun euer Erscheinungsbild unabhängig von eurer getragenen Rüstung anpassen. Bedeutet im Klartext: Wenn ihr wollt, könnt ihr eure gesamte Truppe in Bikinis und Badehosen rumlaufen lassen, ohne auf die Statuswerte besserer Rüstungsteile verzichten zu müssen. Außerdem könnt ihr den kleinen flauschigen Nopon Riki als Ananas verkleiden. Das wollte ich nur einmal extra erwähnt haben.

Eine kleine Neuigkeit hat die Definitive Edition zudem noch auf Lager: Die neue Kampagne „Die verbundene Zukunft“.

Bionis zeigt die kalte Schulter

Wirklich kalt ist die Schulter des Bionis, das neue Gebiet, das ihr in der Zusatzhandlung besuchen könnt, allerdings nicht. In diesem Modus, den ihr unabhängig von der Haupthandlung im Startmenü des Spiels auswählen könnt, brechen Shulk und Melia ein Jahr nach den Ereignissen von Xenoblade Chronicles zur Schulter des Bionis auf, um herauszufinden, wie es den Hochentia dort so ergangen ist. In der 10-15 Stunden dauernden Kampagne steuert ihr Melia, Shulk und die beiden Nopon-Kinder Nene und Kino (die sich im Kampf fast exakt wie Sharla und Reyn verhalten), absolviert bei Bedarf eine Handvoll Sidequests und versucht herauszufinden, wie ihr den geheimnisvollen Nebelkönig besiegen könnt, der sich in Alcamoth (Melias Heimatstadt) breitgemacht hat und den Hochentia die Rückkehr nach Hause verweigert.

Die Story der Zusatzhandlung, die sich hauptsächlich auf Melia konzentriert, ist dabei mehr Fanservice und in keiner Weise mit der Intensität des Hauptspiels oder der DLC-Zusatzhandlung von Xenoblade Chronicles 2: Torna – The Golden Country vergleichbar. Dennoch ziehe ich meine imaginäre Batschkappe vor der Entscheidung, das nette kleine Abenteuer nicht als kostenpflichtigen DLC anzubieten.

Spielerisch hat sich in Die Verbundene Zukunft wenig getan, lediglich die Gruppenangriffe wurden gestrichen und durch die Noponspektoren ersetzt. Diese quirlige Truppe von Landvermessern ist überall auf der Schulter verstreut. Helft ihr ihnen mit ihren Problemen, schließen sie sich euch an und unterstützen euch in Kämpfen.

Ohne jetzt gierig klingen zu wollen, muss ich allerdings anmerken, dass ich die Galerie und den Sound-Test von Xenoblade Chronicles 3D auf dem New 3DS vermisse. Dort konnte man nach und nach die Charaktermodelle der verschiedenen Figuren und die Songs des Spiels freischalten und sich dann jederzeit ansehen/anhören. Die Definitive Edition ist mit ihren zahlreichen Neuerungen und Verbesserungen natürlich trotzdem noch die buchstäblich definitive Version des Abenteuers, aber diese beiden Features wären ein willkommenes i-Tüpfelchen gewesen.

Ich kenne nichts, das so schön ist Wii du

Gut, die Überschrift mag etwas übertrieben sein, aber wenn wir schon dabei sind, sollten wir noch ein paar Worte über die Technik der Definitive Edition verlieren. Das Original erschien recht spät im Lebenszyklus der Wii, reizte die vergleichsweise schwache Konsole aber ordentlich aus. Die gigantischen Landschaften mussten sich die Entwickler aber mit Framerateeinbrüchen und einer geringen Draw Distance erkaufen. Auf dem New 3DS sah das im Kern wunderschöne Spiel auch nur bedingt wunderschön aus, denn dort wurde das 480p-Spiel einfach auf 240p herunterskaliert – das ist in etwa so, als würdet ihr mit einer sehr schlechten Internetverbindung ein Youtube-Video schauen wollen. Wie ist das nun auf der Switch? Nintendos Hybridkonsole ist auch nicht gerade für ihre Power bekannt und Xenoblade-2-Spieler erinnern sich vielleicht daran, dass jenes Spiel gerade im Handheldmodus gerne mal die Auflösung auf 360p herunterregelte.

Xenoblade Chronicles läuft auf der Switch mit derselben Engine wie Xenoblade 2 und Torna, hat also die gleiche Auflösungs-Spannweite. Im Handheldmodus also zwischen 368 und 540p, im TV-Modus zwischen 540 und 720p. Das klingt aber erst einmal schlimmer, als es ist, denn die Engine wurde in der Zwischenzeit etwas optimiert, sodass der Worst Case deutlich seltener eintritt als noch bei Xenoblade 2. Im Grunde bewegen sich die Auflösungen fast zu jeder Zeit in der Nähe der oben genannten Obergrenzen. Das ist natürlich nicht perfekt, aber das Spielerlebnis wird dadurch nur in den seltensten Fällen getrübt. Auch die Framerate weicht nur noch in den hitzigsten Gefechten kurz von den 30 FPS ab.

Mit den neuen Charaktermodellen und leicht verbesserten Umgebungstexturen kann es Xenoblade Chronicles Definitive Edition damit optisch mit seinem Nachfolger aufnehmen und in ein paar Instanzen sogar übertreffen. Lediglich die unwichtigeren NPCs bekamen nicht so viel Liebe ab und sehen teilweise noch etwas kantig und Wii-ig aus. Die Hauptcharaktere wurden sauber in den Xenoblade-2-Artstyle übersetzt und sehen lebendiger denn je aus.

Auch der Soundtrack kann sich hören lassen. Das Original war schon eine Klasse für sich mit über 90 Songs von namhaften Komponisten wie Yoko Shimomura, ACE+ und Yasunori Mitsuda, die allesamt wunderbar die Geschehnisse des epischen Abenteuers untermalten. Für die Definitive Edition wurden alle Tracks nochmal neu aufgenommen und klingen somit noch eine Ecke schärfer. Optional könnt ihr aber trotzdem den Original-Soundtrack spielen lassen.  

Fazit: Kann ich es wirklich fühlen?

Um es ganz, ganz kurz zu machen: Ja, ich kann es wirklich fühlen. Xenoblade Chronicles ist ein großartiges Abenteuer und das hat sich mit der Definitive Edition nicht geändert - im Gegenteil: Viele Probleme, die man mit dem Original hätte haben können, wurden beseitigt, um die Spielerfahrung so angenehm wie möglich zu machen. Es ist nicht an alles gedacht worden, so lässt sich das Wetter immer noch nicht manuell einstellen (manche Monster erscheinen nur, wenn es regnet, sodass ihr so oft die Zeit umstellen müsst, bis das zufällig geschieht) und ihr könnt verfügbare Sidequests und deren Ziele lediglich auf der Karte des Gebiets einsehen, in dem ihr euch befindet (allerdings hat das Spiel ein angenehmes Schnellreise-Feature mit vielen Teleportationspunkten und niedrigen Ladezeiten). Die Galerie und der Soundtest der 3DS-Fassung wären nett gewesen und die Auflösung ist nicht immer optimal. Unabhängig davon bietet Xenoblade Chronicles aber eine packende Story, toll geschriebene Charaktere, atemberaubend schöne Landschaften, ein tiefes Kampfsystem und haufenweise optionale Quests. Obendrein gibt’s eine neue, kleine Zusatzkampagne. Wer mit dem Spiel liebäugelt und es nicht bereits auf der Wii oder dem 3DS verschlungen hat oder einfach nur auf der Suche nach einem neuen, epischen JRPG ist, der kommt an Xenoblade Chronicles: Definitive Edition kaum vorbei.

Wertung:

9.0

Deniz Üresin meint:

"Xenoblade Chronicles: Definitive Edition macht nur sehr wenig falsch und gehört ohne Wenn und Aber in jede gut sortierte JRPG-Kollektion."
Spielerlebnis: Herausragend
Umfang: Herausragend
Technik: Gut

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15 Kommentare:


Matthew1990
vor 1 Monat | 7
Schon am Titel merkt man dem Autor/Tester an, dass er wohl keinerlei Lust auf das Spiel hatte.
Es wäre schön ein Test zu einem JRPG zu lesen, wo er nicht voreingenommen rein geht und seine FIFA und Shooter Expertise außen vor lässt.

Spaß bei Seite: Cooler Text, finde ich nice - grob kann ich noch aus dem 3DS ja zustimmen und freue mich schon auf die schöne Optik und die Verbesserungen. :D

Denios
vor 1 Monat | 3
Das wird jetzt wohl zum rennenden Würger :D
Matthew1990
vor 1 Monat | 3
Ich glaube, das ziehe ich jetzt immer bei deinen Tests durch. :D


Tobsen
vor 1 Monat | 3
So ein Schmarrn von Test kommt dabei rum, wenn man JRPG-Hasser JRPGs testen lässt.

Jerry
vor 1 Monat | 5
Mir wollten sie den Test nicht überlassen :(
Vyse
vor 1 Monat | 4
JRPG-Hasser Denios wollte dem Titel sogar erst nur eine 5.5 geben, aber wir haben ihn dann dazu gezwungen eine 9.0 draus zu machen, weil es ein First-Party-Spiel von Nintendo ist.


Terry
vor 1 Monat | 4
Kommentarschreiber Tobsen hat wie immer recht. I'm really feeling it!

Falco
vor 1 Monat | 3
Hach, das klingt alles so schön. Freue mich wirklich seit längerem mal wieder auf ein Spiel, auch wenn ich aktuell auf ruhigere Zeiten warten muss.

Die Reise wird jedoch definitiv dieses Jahr beginnen... und irgendwann enden :D

Ribesal
vor 1 Monat | 1
Na, da war der Shulk in deinem Nacken ja richtig hartnäckig!
...

nibez
vor 1 Monat | 3
Richtig schöner Test!
Das Kampfsystem hat mich bisher immer davon abgehalten ein Xeno zu kaufen, aber vielleicht sollte ich einfach mal einem eine Chance geben. Denn auch wenn 720p/30fps ziemlich mies sind, das Setting der Welt hatte mich auch schon damals auf der Wii angesprochen.

Denios
vor 1 Monat | 0
Hmm, weiß nicht, ob du sooo viel Spaß mit dem Spiel hättest, es ist schon sehr "Anime" :D und es hat fliegende Zahlen.

prog4m3r
vor 1 Monat | 1
Trials of Mana ist ja mal definitiv das bessere JRPG. Deniz hat einfach keine Ahnung. Ich spiele jetzt lieber Bug Fables statt diesem DRISS.

KeeperBvK
vor 1 Monat | 1
Sehr schön geschrieben!

Denios
vor 1 Monat | 0
Danke :)

TraxDave
vor 1 Monat | 1
Seit Samstag liegt die Collector‘s Edition zuhause. Umso mehr freu‘ ich mich nach diesem Test aufs Spielen!
Muss aber vorher noch FFVII Remake beenden — diese Probleme.