Test: Huntdown

Von Michael Prammer am 21. Mai 2020

Ein 16-Bit-Shooter im Jahr 2020, der einfach nur traumhaft schön aussieht - so lässt sich Huntdown treffend beschreiben. Aber auch spielerisch kann der Titel überzeugen.

Drei Kopfgeldjäger räumen auf: Anna Conda, John Sawyer und Mow Man erhalten ihre eiskalten Killeraufträge von einer mysteriösen Person, die nicht viele Worte verliert. Dementsprechend minimalistisch kommt auch die Story von Huntdown daher. Wir erfahren wen wir aus dem Weg räumen sollen – mehr nicht. Dass ein Spiel, welches in dieselbe Kerbe, wie Contra oder die Metal-Slug-Reihe schlägt, nicht viel mehr Story braucht, versteht sich aber hoffentlich von selbst. Die Action steht an oberster Stelle und die kommt nicht zu kurz.

Oder anders gesagt: es rumst an allen Ecken und Enden. Die drei Protagonisten, die sich lediglich äußerlich unterscheiden, spielen sich nahezu identisch, was vor allem daran liegt, dass die Standardbewaffnung nur zu Beginn der Level unser Inventar ziert. Schon bald rüsten wir uns als geneigter Attentäter mit allem aus, was im Weg herumliegt. Ob Maschinengewehr, Uzi, Schrotflinte oder Baseballschläger – jeder Gegenstand, mit dem wir Gegner um die Ecke bringen können, wird an den Mann (oder die Frau) genommen und zur Gegnerbeseitigung eingesetzt. Erweitert wird das Schuss- und Schlagwaffenarsenal mit Granaten und andere Wurfwaffen, die ebenfalls für viel Chaos auf dem Bildschirm sorgen.

Das Spielprinzip lässt sich, wie bereits angedeutet, mit Contra oder Metal Slug vergleichen, bringt aber ganz eigene Ansätze mit sich. Wir laufen mit unserer Figur genretypisch durch meist horizontal scrollende Level und versuchen durch das Ausschalten von Gegnern möglichst weit vorzudringen. Neben klassischer, schnörkelloser Baller-Action gibt es die Möglichkeit, in Deckung zu gehen. Das geschieht je nach Einstellung automatisch oder auf Knopfdruck. Die Gegner machen von dieser Taktik ebenfalls Gebrauch. Dadurch geht zwar etwas Spielgeschwindigkeit flöten, allerdings kommt die Mechanik der Spieltiefe und der Abwechslung zu Gute. Ansonsten steuern wir unseren euren Attentäter von links nach rechts, schießen alles über den Haufen, was uns im Weg steht und bahnen uns so einen Weg zum Endboss des jeweiligen Gebiets.

Die Bosse stellen stets eine besondere Herausforderung dar, da sie meistens in mehreren Phasen bekämpft werden müssen. Die erste Phase ist in der Regel noch relativ gemütlich und kaum der Rede wert. Die nachfolgende Phase hat es allerdings in sich und bedarf einer eigenen Taktik. Hier gilt es, Bewegungsmuster und andere Begebenheiten ausfindig zu machen und gekonnt auszunutzen. Für den Fall eines Scheiterns werden Checkpoints jedoch fair gesetzt, und zum Beginn des Spiels dürfen Spieler zudem einen von drei Schwierigkeitsgraden wählen. Hierbei sollte allerdings beachtet werden, dass sich der Schwierigkeitsgrad später nicht mehr ändern lässt und selbst der „normale“ Schwierigkeitsgrad nach einiger Zeit ordentlich anzieht. Wer dann mehrmals an einem der Bosse scheitert, muss das Spiel komplett von vorne beginnen, will er auf Stufe „leicht“ sein Glück probieren. Das gesamte Spiel ist jedoch nicht besonders groß. Der Umfang ist tatsächlich der einzige nennenswerte Kritikpunkt. Schon nach drei bis vier Stunden ist das Action-Abenteuer vorbei, aber in jedem Level gibt es drei Erfolge zu verdienen (kein Tod, drei Koffer finden, alle Gegner besiegen) und wer sich auf die Jagd nach diesen Erfolgen macht, kann die Spielzeit immerhin um zwei bis drei Stunden verlängern. Außerdem wird nach dem Beenden eines Durchgangs ein weiterer, besonders harter Schwierigkeitsgrad freigeschaltet.

Das ganz große Highlight des Spiels ist zweifelsohne die Präsentation. Der Cyberpunk-Stil im Retrolook hätte wunderbar auf ein Super Nintendo Anfang der 90er-Jahre gepasst. Damals wäre Huntdown wahrscheinlich zum Kultspiel avanciert. Aber auch im Jahr 2020 bietet der Titel mit seiner handgemalten 16-bit-Pixel-Art-Grafik in Kombination mit flüssigem 60-FPS-Gameplay ein Fest für die Augen. Ruckler oder andere Fehler traten während unserem Test nie auf. Die Klänge aus dem Synthesizer unterstreichen den Flair stimmig und runden das audiovisuelle Erlebnis ab. Dazu kommt eine makellose Steuerung, die keine Wünsche offen lässt und die Killer zielgerichtet durch die Level schnetzeln lässt.

Fazit:

Schade, dass Huntdown so kurz ist. Mit einem größeren Umfang hätten wir gut und gerne die Höchstpunktzahl vergeben. Optisch, akustisch und spielerisch kann es Huntdown so ziemlich mit jedem anderen Spiel des Genres aufnehmen. Wer über den bestenfalls durchschnittlichen Umfang hinwegsehen kann, bekommt schnörkellose Action gepaart mit feinen taktischen Elementen, tollen Bosskämpfen und einer audiovisuellen Präsentation, nach der man sich als Fan des Super Nintendos die Finger lecken kann. Der Schwierigkeitsgrad ist knackig, aber nicht unfair. Lediglich der bereits angesprochene Umfang trübt das Gesamtbild etwas, hindert uns aber nicht daran, für Huntdown eine klare Kaufempfehlung auszusprechen.

Wertung:

9.0

Michael Prammer meint:

"Überragender 16-Bit-Shooter, der audiovisuell voll einschlägt, aber etwas zu kurz ist."
Spielerlebnis: Herausragend
Umfang: Durchschnittlich
Technik: Sehr gut

Schreibe einen Kommentar: