Test: Trials of Mana

Von Deniz Üresin am 10. Mai 2020

Wenn es dem Jahr 2020 an einem nicht mangelt, dann an JRPG-Remakes. Heute im NplusX-Test: Die Nintendo-Switch-Fassung von Trials of Mana.

Der nächste Versuch des Mana

Die Mana-Reihe hat zwar seit 2007 keinen neuen Ableger mehr erhalten, der nicht auf Smartphones und exklusiv in Japan erschienen ist, aber mit diversen Remakes versucht Publisher Square Enix bereits seit 2016, sowohl alte Fans zu erfreuen als auch neue zu gewinnen. Der erste Teil der Action-RPG-Serie wurde bereits zweimal neu aufgelegt und auch das Aushängeschild des Franchise, Secret of Mana, erhielt 2018 eine Frischzellenkur – wirklich positiv wurde aber bisher keines der Remakes aufgenommen. Merklich niedrige Budgets, audiovisuelle Verschlimmbesserungen und zu wenige Modernisierungen des veralteten Gameplays waren nur einige der Punkte, die sowohl Presse als auch Fans zuhauf kritisierten. Mit Trials of Mana wagt das Entwicklerteam bei Square Enix nun eine weitere Neuauflage eines Mana-Klassikers – dieses Mal ist jedoch einiges anders.

Die Vorlage des Remakes erschien wie Secret of Mana auf dem Super Nintendo – allerdings nur in Japan. Erst 2019 als Teil der Collection of Mana (zum NplusX-Test) konnten westliche Fans in den Genuss des Action-RPGs kommen. Nun stehen euch also sowohl das Original als auch das Remake auf der Hybridkonsole zur Verfügung. Welche Version ist die bessere? Taugt das Remake auch als eigenständiges Action-RPG? Wie schlägt sich die Switch-Version technisch? Lest weiter und erfahrt es!

Das Jahr 2000 hat angerufen… 

… und es möchte sein Action-RPG zurück. Trials of Mana kann zwei Dinge offensichtlich nicht verbergen: Dass die Entwickler nicht über das allergrößte Budget verfügten und dass die Grundlagen für das Spiel aus dem Jahre 1995 kommen. Tatsächlich hätte man das Remake mit einem kleinen Downgrade der Texturen und der Auflösung auch schon Anfang der 2000er für die PlayStation 2 entwickeln können und es hätte sich als Alternative zu Kingdom Hearts vermutlich einen Namen gemacht. Wie gut oder schlecht dieser Fakt ist, hängt natürlich stark vom Geschmack des Spielers ab.

25 Jahre nach dem Original lockt die Story von Trials of Mana, die im Gegensatz zu Square Enix‘ anderem JRPG-Remake unverändert übernommen wurde, aber natürlich niemanden mehr hinter dem Ofen hervor. Wie schon in der SNES-Vorlage stellt ihr euch ein Dreierteam aus sechs verfügbaren Charakteren zusammen, die alle aufgrund eines tragischen Ereignisses eine Reise zum Priester des Lichts in der heiligen Stadt Wendel antreten. Resi, die Kapitänin der Amazonenhauptwache, ist beispielsweise auf der Suche nach ihrem entführten Bruder und einer Möglichkeit, ihr Königreich zurückzuerobern, das von einer Diebesbande eingenommen wurde. Der Bestienmann Kevin, Sohn des Königs von Ferolia, wurde indessen gezwungen, seinen besten und einzigen Freund Karl, ein Wolfsjunges, zu töten und sucht nach einem Weg, ihn wiederzubeleben. Von einer Fee erfahren die Protagonisten dann, dass sie das heilige Mana-Schwert an sich nehmen müssen, um die schlafende Mana-Göttin zu wecken und zu verhindern, dass die Benevodoner, gewaltige Ungeheuer, von einer der drei Antagonistengruppen des Spiels aus ihren Gefängnissen befreit werden. Alle sechs Kämpferinnen und Kämpfer starten in einem eigenen Gebiet und auch der letzte Dungeon und das Ende hängen davon ab, wen ihr als euren Hauptcharakter wählt, der Rest der Handlung bleibt allerdings weitgehend unberührt von euren Entscheidungen und bietet lediglich leicht abgewandelte Dialoge, die abhängig von eurer Partykonstellation sind (hiervon hätte sich Octopath Traveler eine Scheibe abschneiden können). 

In dem rund 20-25 Stunden dauernden Abenteuer führt ihr euer Dreiergespann durch eine märchenhafte, bunte Fantasywelt, bekämpft in Echtzeit allerlei fantastisches Getier, erkundet Dörfer, Felder und Höhlen und prügelt euch dann und wann mit einem imposanten Bossgegner. Das Gameplay wird dabei nur selten von kleinen, schnell durchschaubaren Schalterrätseln oder kurzen Platforming-Passagen unterbrochen und konzentriert sich mehr auf das Kampfsystem. Dieses hat im Gegensatz zur Story und zum Aufbau der Spielwelt ein beachtliches Facelifting erhalten. 

Ys-y come, Ys-y go

Was ich mit dieser seltsamen Überschrift sagen will: Trials of Mana spielt sich ungefähr wie ein etwas entschleunigtes Ys VIII: Lacrimosa of Dana. Kämpfe starten, sobald ihr nahe genug an eine Gegnertruppe herangetreten seid und werden mittels Kombinationen aus schwachen und starken Angriffen, Ausweichrollen und Sprüngen bestritten. Während des Kampfes steuert ihr nur einen eurer Kämpfer, die anderen beiden agieren automatisch mit von euch einstellbaren Parametern. Wirklich verlassen könnt ihr euch auf diese allerdings nicht, da sie unabhängig von eurer Konfiguration oft nur in der Gegend herumstehen, selten Angriffen ausweichen und ihre Spezialattacken ziellos einsetzen. Per Knopfdruck könnt ihr aber immerhin jederzeit zwischen euren Charakteren durchwechseln.

Um Magie, Spezialattacken oder Items einsetzen zu können, muss wie auch im Original ein Ringmenü geöffnet werden (wodurch das Spielgeschehen angehalten wird), allerdings funktioniert das jetzt deutlich flotter. Außerdem könnt ihr für jeden Charakter vier Shortcuts für Items und Spezialattacken anlegen, was das Kampfgeschehen noch einmal etwas flüssiger macht. Schön ist hier, dass ihr jederzeit die Wahl habt, das Spiel zu pausieren, eure Magieangriffe durchzuscrollen und zu schauen, welche effektiv gegen welchen Feind ist (es wird nämlich angezeigt, ob ein Feind schwach oder immun gegen eine bestimmte Magiesorte ist) oder per Shortcut draufloszufeuern, um die Action am Laufen zu halten.

Das Klassensystem wurde ebenfalls aus dem Original übernommen, wobei das Skillsystem generalüberholt und verbessert wurde. Mit jedem Levelup erhalten eure Charaktere Talentpunkte, die ihr auf fünf verschiedene Stats wie Angriff, Ausdauer und Intelligenz verteilen könnt. Je nach Klasse eures Charakters kann dieser mit der richtigen Menge an Talentpunkten dadurch verschiedene passive Skills und Spezialattacken lernen. Ab Level 18 kann der erste Klassenwechsel durchgeführt werden, wobei ihr für jeden Kämpfer zwischen einer hellen und einer dunklen Variante wählen könnt, was sich sowohl auf die Stats als auch auf die lernbaren Skills auswirkt. Auf Level 38 könnt ihr euch für einen weiteren Klassenaufstieg noch einmal für die helle oder dunkle Seite der Macht entscheiden, was in vier verschiedenen Endklassen (jeweils mit eigenem Kostüm) für jeden Charakter resultiert. Die vielen Optionen, eure Party zusammenzustellen, sorgen zusammen mit der angenehm kurzen Dauer eines Durchlaufs für enormen Wiederspielwert – ganz im Gegensatz zur weniger spannenden Story, die mit merklich niedrig budgetierten Cutscenes erzählt wird. Sehr steife Charakterbewegungen, eine in der Qualität stark schwankende Synchronisation (die wahlweise aber auch auf Japanisch gestellt werden kann), unnötiges Stottern und sehr spätes Laden einiger Texturen lassen nur einen Schluss zu: Die Entwickler wussten selbst, dass man Trials of Mana keineswegs für die Story kaufen würde und steckten ihre Ressourcen vor allem in das Gameplay und die Charaktermodelle der Hauptfiguren, die qualitativ eine ganze Ecke besser aussehen als die gewöhnlichen NPCs.  

Lil‘ Cactus in da House

Normalerweise kommt in meinen JRPG-Reviews an dieser Stelle eine Auflistung der vielen Nebenbeschäftigungen (Sidequests, Minispiele, Collectibles), die das Spiel zu bieten hat, aber Seiken Densetsu 3, wie Trials of Mana im Original hieß, hatte damals tatsächlich überhaupt keine. Die Klassenwechsel waren so ziemlich das einzig Optionale an dem gesamten Abenteuer. Auch das Remake kann diesbezüglich nur bedingt mit neuen Features aufwarten. Lil‘ Cactus (dt. Kaktusfratze), ein kleines Kaktuswesen, das erstmalig in Legend of Mana seinen Auftritt hatte, bereist beispielsweise die Welt von Trials of Mana. Jedes Mal, wenn ihr es findet, bekommt ihr einen Stempel von dem Wesen und für je fünf Stempel macht es euch ein Geschenk. So zeigt es euch beispielsweise an, wie viele Schatztruhen ihr im aktuellen Gebiet noch nicht gefunden habt oder verdoppelt gelegentlich die gewonnenen Erfahrungspunkte nach einem Kampf. Zusätzlich haben die Entwickler dem Spiel ein kleines Postgame spendiert, in welchem ihr in eine übermächtige, vierte Klasse wechseln, einen weiteren Dungeon bestreiten und einen Mana-Fans nur allzu bekannten Oberbösewicht bekämpfen könnt. Weitere Neuerungen umfassen einen neu arrangierten Soundtrack, der sich im Gegensatz zum Secret-of-Mana-Remake aber penibel am Original orientiert, vier verschiedene Schwierigkeitsgrade (Action-RPG-Veteranen dürften aber selbst auf dem schwersten kaum Probleme haben), einen leider nicht optionalen Questmarker, der euch stets den Weg zum nächsten Story-Event anzeigt und ein Auto-Save-Feature. Von den zwölf Speicherplätzen, die ihr zur Verfügung habt, solltet ihr übrigens dringend Gebrauch machen, denn leider fiel wohl auch die Testphase des Spiels dem geringen Budget zum Opfer und war nicht ausreichend für das Ausbügeln einiger Probleme.

Einmal patchen, bitte!

So kann es an mindestens vier Stellen im Spiel vorkommen, dass das aktuelle Event nicht als beendet registriert wird, was euer Weiterkommen verhindert. Da diese Probleme zufällig aufzutreten scheinen, können sie mit dem Laden eines etwas älteren Savefiles oft gelöst werden – habt ihr also nur einen Speicherplatz benutzt, bleibt euch leider nichts anderes übrig, als entweder von vorne anzufangen oder zu hoffen, dass Square Enix einen Patch bereitstellt, was zum Zeitpunkt des Testes noch nicht geschehen ist. Ein Update könnte auch ein paar weitere Probleme beheben, wie beispielsweise die bereits angesprochene, schwache KI der computergesteuerten Partymitglieder oder das Stottern des Bildes während einiger Cutscenes. Ein weiterer, noch höherer Schwierigkeitsgrad würde dem Spiel ebenfalls nicht schaden. Abseits davon ist Trials of Mana zwar wahrlich kein technisches Meisterwerk, macht aber gerade auf der Switch, auf der es keine Konkurrenz à la Final Fantasy VII Remake gibt, durchaus eine solide Figur. Die Bildrate von 30 FPS bleibt weitgehend stabil und auch die dynamische Auflösung bewegt sich in den meisten Fällen bei 720p oder knapp darunter im Handheldmodus und über 720p im TV-Modus. Die PS4-Fassung läuft mit 60 Bildern pro Sekunde und einer Auflösung von 1080p natürlich schärfer und flüssiger. 

Fazit:

Nach dem desaströsen Secret-of-Mana-Remake ist Trials of Mana für die angeschlagene Serie ein gewaltiger Schritt in die richtige Richtung. Die fehlende Entwicklungszeit macht sich an vielen Stellen bemerkbar, aber die bunte Fantasy-Welt, die toll designten Charaktere und der Fokus auf das kurzweilige, unkomplizierte Gameplay machen das Spiel dennoch empfehlenswert für Freunde des Genres, die sich auf der Switch bereits durch Ys VIII und Tales of Vesperia geprügelt haben und/oder auf der Suche nach etwas Action-RPG-Comfort-Food für zwischendurch sind. Weder die Vorgänger der Reihe noch das Original müssen bekannt sein, um Spaß mit dem Abenteuer zu haben, allerdings sollte euch beim Kauf bewusst sein, dass ihr hier kein Epos à la Xenoblade Chronicles erwarten dürft.

Die Collection of Mana enthält zwar mehr Spiele und ist für Freunde des Genres ebenfalls eine empfehlenswerte Anschaffung, die vielen Verbesserungen gerade im Kampfsystem des Trials of Mana Remakes machen das Original allerdings fast schon obsolet. Lediglich Pixelart-Fetischisten und Nostalgiker dürften weiterhin mit der SNES-Fassung vorlieb nehmen.

Von uns getestet: Nintendo-Switch-Version

Wertung:

6.5

Deniz Üresin meint:

"Trials of Mana ist ein drolliges kleines Action-RPG mit einigen technischen Problemen."
Spielerlebnis: Gut
Umfang: Gut
Technik: Mangelhaft

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10 Kommentare:


prog4m3r
vor 2 Monaten | 0
Hat der Softlock dich doch noch runter geholt von deiner überzogenen Wertung :D

Denios
vor 2 Monaten | 0
die ist nicht überzogen. ohne den Softlock wäre es halt locker ne 7 gewesen

mega
vor 2 Monaten | 1
Schon bei der Einleitung merkt man dem Autor/Tester an das er wohl keinerlei Lust auf das Spiel hat. Technische Mängel sind sicherlich vorhanden, aber das hier beschriebene ist teilweise arg überzogen. Es ist nicht perfekt, aber dennoch eine 7.5 bis 8er Wertung wert. Ihr redet in letzter Zeit gute Spiele einfach nur unnötig schlecht, im Gegenzug werden FirstParty Spiele die nicht so das wahre sind übermäßig gehypt und überbewertet... Wird langsam mehr sls offensichtlich..

Vyse
vor 2 Monaten | 1
Nicht jeder hat dieselben technischen Probleme mit einem Spiel.
Matthew1990
vor 2 Monaten | 2
"Schon bei der Einleitung merkt man dem Autor/Tester an das er wohl keinerlei Lust auf das Spiel hat."

Der Autor schrieb vor fast zwei Wochen folgendes auf Discord:
"ich glaube, Trials of Mana ist erstmal mein favorite Action-RPG für die Switch"

Ich glaube nicht, dass der Autor "keinerlei Lust auf das Spiel" hatte. :)

Denios
vor 2 Monaten | 0
Ich kann dich beruhigen, ich habe wirklich Lust auf das Spiel. Ich spiele es auch trotz des Softlocks noch und es macht mir deutlich mehr Spaß, als es meiner Bewertung zu entnehmen ist. Es ist aktuell sogar mein Lieblingsspiel aus dem Jahr 2020 :D Meine Wertung ist im Idealfall komplett unabhängig von dem Spaß, den ich mit einem Spiel habe. Ich bewerte eben, was das Spiel im Vergleich mit Genrekollegen besser oder schlechter macht. Mir ist bewusst, dass ich oft relativ hart bewerte und gelegentlich auch mal unter den Metacritic-Spiegel falle, aber das ist nunmal mein Wertungsstil. Ohne die krassen Programmierungspatzer (ich bin wahrlich nicht der einzige, der diese Probleme mit dem Weiterkommen hatte) wäre ich durchaus für eine 7, an guten Tagen auch ne 7,5 gewesen.

McClane
vor 2 Monaten | 2
Ich bin ganz bei User mega. Ich sehe bei Autor Deniz Üresin ein Muster, dass er First-Party-Games immer deutlich besser bewertet, obwohl sie keine Qualität liefern. ToM hätte mehr verdient. Das nächste Mal jemanden anderes testen lassen? Fragen!


Tobsen
vor 2 Monaten | 6
Man merkt an allen Ecken und Enden, dass Deniz von vornherein dem Spiel abgeneigt war. Warum lässt ihr Redakteure so ein Spiel testen, von denen bekannt ist, dass sie weder die Switch, noch JRPGs, noch märchenhafte Settings, noch fantasievolle Grafikstile mögen?

Denios
vor 2 Monaten | 1
Kommentarschreiber Tobsen hat mich enttarnt. Dem habe ich nichts hinzuzufügen.

TraxDave
vor 2 Monaten | 1
Uff, Game-breaking-Bugs sind ein sofortiges KO-Kriterium. Ohne diese scheint Trials of Mana jetzt objektiv und verglichen mit modernen Genre-Vertretern auch nicht der Burner schlechthin zu sein. Was nicht heißt, dass es mir nicht gefällt, im Gegenteil. Die Demo hat mir gut gefallen. Ein wenig negativ aufstoßen tut mir nur das wirklich merklich geringe Budget. Aber das ist nicht so schlimm für den Spielspaß. Auf die Liste kommt's sowieso. :)