Test: Tharsis

Von Michael Prammer am 27. April 2020

Ein mysteriöses Signal aus der Mars-Region Tharsis führt euch auf eine außergewöhnliche Mission. Woher kommt es und was hat es zu bedeuten? Diese und weitere Fragen soll das gleichnamige Spiel klären, welches wir für euch getestet haben.

Verloren im Weltraum

Die Geschichte beginnt mit zwei Crewmitgliedern auf einer schwer beschädigten Raumstation. Die Reise hätte zum Mars gehen sollen, doch durch einen Meteoriten-Schauer wurden diese Pläne schnell durchkreuzt. Schlimmer noch: Im Laufe der Story wird schnell der Eindruck erweckt, dass diese Expedition von Anfang an zum Scheitern verurteilt gewesen war. Jedenfalls steht der Spieler mit einem beschädigten Raumschiff, bzw. einer beschädigten Raumstation, wenig Nahrung und einer niedergeschlagenen Moral kurz vor dem Abgrund. Aufgeben ist allerdings keine Option und so ist das Ziel der knapp vierstündigen Story, das Beste aus der Situation zu machen und die Crew zu retten.

Tharsis ist ein rundenbasiertes Strategiespiel im Weltraum. So lässt sich das Spielprinzip zu Beginn am einfachsten erklären. Jedes Crewmitglied hat je nach Fähigkeiten eine unterschiedliche Anzahl an Würfeln zur Verfügung, welche die Handlungspunkte des Spielers darstellen. Gleichzeitig gibt es Aufgaben auf dem beschädigten Raumschiff zu bewältigen und daraus generiert sich der Spielablauf. Ein beschädigter Raum zeigt zum Beispiel zwölf Punkte an. Der Spieler hat in diesem Fall vier Felder, darf also vier Würfel einsetzen. Hat der Spieler die Zahl 12 gewürfelt, ist die Aufgabe des Raums erledigt und die restlichen Würfel dürfen anderweitig verwendet werden. Schafft man die geforderte Würfelzahl nicht, kann je nach Crewgröße ein weiterer Spieler hinzugezogen werden, um den Raum zu erledigen. Ein Szenario ist abgeschlossen, wenn alle Aufgaben erledigt sind.

Überleben ist alles

Dann gibt es Belohnungen und es muss abgewogen werden, wie diese eingesetzt werden. Ihr habt die Wahl, ob ihr Punkte in die Schiffsreparatur steckt, die Moral eurer Truppe verstärkt oder die Stärke eurer Charaktere durch Nahrung aufpeppt und dadurch mehr Würfel zum Einsatz habt. All dies muss zu Beginn sinnvoll durchdacht sein, da sich der Beginn jeder neuen Mission oder jedes neuen Szenarios dadurch erleichtern oder erschweren lässt. Jedes neue Szenario bringt neue Aufgaben und Herausforderungen mit sich, hält aber auch neuen Ärger parat. Während beispielsweise weitere Crewmitglieder zu eurer Mission stoßen, welche bei der schier ausweglosen Situation immer willkommen sind, löst sich das Raumschiff immer mehr in seine Bestandteile auf. Dabei werdet ihr allerdings immer nur mit maximal vier Mitgliedern auf eurem Schiff unterwegs sein.

Sind die ersten Szenarien noch leichte Aufwärmübungen und ohne Probleme locker durchzuwürfeln, stellen sich euch bereits nach etwa einer halben Stunde Spielzeit die ersten echten Herausforderungen in den Weg. Die Zahl der zu würfelnden Punkte wird immer höher, die Nahrung immer knapper und die Probleme an Bord häufen sich. Dass sich hier dann das makabere Thema Kannibalismus mit ins Spiel geschlichen hat, möchte ich an dieser Stelle nicht weiter beleuchten. Allerdings spitzt sich die Situation zu und ein interessanter Handlungsbogen zeichnet sich ab. Leider ist der Spielablauf sehr monoton und birgt nicht wirklich viel Spieltiefe. Man kann zwar Fähigkeiten aufwerten und Charaktere verbessern, indem man die nicht benutzten Würfel am Ende der Züge in Sonderfähigkeiten steckt, aber auch diese Maßnahme ist nicht wirklich motivierend.

So würfelt man sich von einer Aufgabe zur nächsten, wiegt am Ende ab, wie sich die kommende Mission am einfachsten bewältigen lässt und versucht diese dann mithilfe der Ressourcen zu schaffen. Drei Schwierigkeitsgrade bieten hierbei für jeden Spielertypen die richtige Herausforderung. Zusätzlich bietet Tharsis in weiteren Modi kleinere Herausforderungen und ein paar Trainingsmissionen. Allerdings reicht die Story alleine kaum, um das Spiel noch ein zweites Mal durchzuspielen und somit ist der Umfang einer der größten Kritikpunkte. Die bereits angesprochenen vier Stunden für die Story lassen sich mit den Herausforderungen nur geringfügig strecken.

Auch technisch ist Tharsis eher Schonkost. Das gesamte Spiel ist optisch relativ simpel gehalten und birgt kaum visuelle Höhepunkte. Die Grafik ist dabei aber immerhin absolut zweckmäßig und liefert sich keine Fehler. Der elektronische Soundtrack ist stimmig und passt zur Atmosphäre. Dem Titel fehlt natürlich an allen Ecken und Enden an Content und so ist auch kein Mehrspielermodus mit an Bord. Es lässt sich zwar darüber streiten, ob das Spielprinzip einen zweiten Spieler sinnvoll einbinden lässt, als Zusatzoption wäre es jedoch sicherlich eine nette Geste gewesen.

Fazit:

Tharsis lebt von seinem Szenario. Die Geschichte ist interessant und das beklemmende Gefühl, im Weltraum komplett auf sich alleine gestellt zu sein und einen Überlebenskampf nach dem anderen zu absolvieren, wird glaubhaft rübergebracht und atmosphärisch spannend erzählt. Das Spielprinzip, also eine Mischung aus strategischem Würfelspiel und RPG ist auch ganz nett gedacht, lässt allerdings Spieltiefe vermissen. Wirklich Grund zur Kritik bietet der Umfang, der mit drei bis vier Stunden sehr mager ausfällt. Aufgrund der mangelnden Spieltiefe ist der Wiederspielwert nicht gerade hoch und nach dem einmaligen Erlebnis der Story legt man das Spiel auf die Seite. Wer auf Survivalspiele steht und für Weltraumabenteuer etwas übrig hat, darf dem Titel dennoch eine Chance geben.

Von uns getestet: Nintendo-Switch-Version

Wertung:

6.0

Michael Prammer meint:

"Atmosphärischer Survival-Trip, dem es an Tiefe fehlt."
Spielerlebnis: Durchschnittlich
Umfang: Mangelhaft
Technik: Durchschnittlich

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