Test: Star Wars Jedi Knight: Jedi Academy

Von Michael Prammer am 13. April 2020

Star Wars ist dank des Streamingdienstes Disney+ gerade wieder in aller Munde, da kommt die Portierung eines Klassikers für Switch und PlayStation 4 nicht ungelegen.

In den letzten Jahren sind Star-Wars-Fans nicht gerade mit vielen herausragenden Videospielen des Franchise verwöhnt worden, obwohl der eine oder andere Titel durchaus unterhalten konnte. Zuletzt etwa Star Wars Jedi: Fallen Order (zum NplusX-Test), was allerdings um die Nintendo Switch einen großen Bogen machte. Da es in der Vergangenheit durchaus gute bis sehr gute Star-Wars-Spiele gab, ergeben Portierungen älterer Titel für aktuelle Systeme durchaus Sinn, was mit Star Wars Jedi Knight II: Jedi Outcast im letzten Jahr bewiesen wurde. Das Abenteuer um Kyle Katarn galt 2002 als eines der besten Spiele seiner Art und wurde ordentlich auf Nintendo Switch und PlayStation 4 portiert. Der direkte Nachfolger, Jedi Academy, ist am 26. März neu erschienen und unterzog sich unserem Test.

Willkommen in der Academy

Die Geschichte hat nichts mit dem filmischen Erzählstrang der Star-Wars-Saga zu tun, beinhaltet aber natürlich einige wichtige Schauplätze, Figuren und Gegenstände, die in der Weltraum-Erzählung Bekanntheit erlangten. Luke Skywalker hat nach den Ereignissen aus Episode VI (Die Rückkehr der Jedi-Ritter) eine Jedi-Akademie auf Yavin 4 errichtet, um den geschundenen Jedi-Orden wieder aufzubauen und mit neuen Kadetten zu verstärken. Einer dieser Kadetten ist der Protagonist des Spiels, den ihr zu Beginn in einem rudimentären Charaktereditor selbst erstellen dürft. Mit eurem selbst erstellten Charakter befindet ihr euch beim Start des Spiels auf dem Weg zur Akademie, stürzt allerdings vor der Ankunft ab. Den Weg zum Tempel müsst ihr plötzlich selbst suchen und schnell merkt ihr dabei, dass die dunkle Seite der Macht mit dem Tempel verbunden ist. Nachdem euer Held das Tutorial abgeschlossen hat, geht es auf einzelne Missionen, um sich mit den Kenntnissen der Macht vertraut zu machen.

Die Story ist ein wichtiger Bestandteil für ein Star-Wars-Spiel, aber gerade hier lässt das Spiel bereits Federn und wird erst gegen Ende interessant inszeniert. Die einzelnen Missionen, die frei wählbar sind, bieten dabei zwar immer wieder kleinere Geschichten über ein Briefing, an die starke Story des Vorgängers um den auch in diesem Teil auftauchenden Kyle Katarn kommt diese neuere Star-Wars-Geschichte aber zu keiner Minute heran. Wirklich schlecht ist die Geschichte aber deshalb noch lange nicht, sie lässt jedoch wie bereits erwähnt im Vergleich zu Jedi Knight II vieles vermissen. Dafür treffen wir viele Charaktere aus der ersten Filmtrilogie, zum Beispiel Chewbacca, der mit seinem unvergleichlichem Charme entweder begeistert oder nervt (ihr wisst sicher, was ich meine).

Das Erwachen der Macht

Die größte Änderung gegenüber des Vorgängers ist die Spielmechanik selbst, die bereits von Beginn an mit der Waffenauswahl zusammenhängt. Verfügte man im Vorgänger noch in gut zwei Dritteln des Spiels ausschließlich über Schusswaffen, sind das Lichtschwert und der Einsatz der Macht nun schon von Beginn an wichtige Begleiter. Hobby-Jedi-Ritter haben hier sicher ihre helle Freude, Shooter-Fans nicht unbedingt. Zwar gibt es nach wie vor Schusswaffen und ein insgesamt ordentliches Waffenarsenal zu finden, allerdings sind die Gegner um einiges leichter mit Lichtschwert und Macht zu erledigen. Die Balance stimmt hier nicht unbedingt, da der Spieler mit den Lichtschwertern und den übernatürlichen Fähigkeiten schnell überpowert wirkt, mit Standardwaffen dafür aber kaum Land sieht. Dafür bekommt ihr hier immerhin die wohl beste Jedi-Simulation seit Langem.

Das Spielgeschehen wirkt wie aus einem Guss. Der Einsatz der Laserschwerter kommt streckenweise einem Tanz gleich, welcher die Gegner elegant aus dem Weg räumt - vor allem gepaart mit dem Einsatz der Macht entsteht ein flüssiges Gameplay. Ihr dürft zu Beginn übrigens auch die dunkle Seite der Macht wählen. Dabei kommen unterschiedliche Lichtschwerter zum Einsatz und ihr dürft neben dem einfachen Laserschwert zum Beispiel auch die ikonische Doppelklinge von Darth Maul aus Episode I (Die dunkle Bedrohung) verwenden. Was das für einen Spaß macht, muss ich an dieser Stelle kaum erwähnen. Auch die Machtkenntnisse eures Protagonisten bieten einen großen Umfang. Gerade das Repertoire der dunklen Seite wie Machtblitze oder Würgegriffe lassen den Sith in jedem Spieler aufblitzen und den Spieler richtig böse werden.

Wer die Story nach etwa zwölf Stunden beendet hat, kann sich am Mehrspielermodus versuchen. Hier stehen verschiedene Spielmodi zur Auswahl, darunter Capture the Flag, Belagerung oder „Macht-Duell“. Bis zu 16 Spieler sollen dabei in den Schlachten gegeneinander antreten, leider waren bei meinen Testpartien die meiste Zeit gar keine oder nur drei bis vier Spieler online. Schade, denn gerne hätten wir euch die Erfahrung einer großen Schlacht geschildert. Technisch läuft das Spiel sauber, auch online gibt es keine Probleme. Die Charaktermodelle und Hintergründe sehen etwas grobkörnig aus - das Spiel stammt immerhin aus dem Jahr 2003 und die Entwickler haben wieder einmal nur so viel Arbeit wie nötig in den Port gesteckt. Ganz schlimm programmiert allerdings ist die Sprungmechanik. Diese war im Original schon eine Katastrophe und führte bei engen Sprungpassagen nicht selten zu ungeplanten Ableben. Hier hat sich im Port leider nichts getan.

Fazit:

Jedi Academy ist ein solider Nachfolger eines brillanten Spiels, mehr leider nicht. Das Potential zu einem der besten Star-Wars-Spiele überhaupt wäre aber vorhanden gewesen. Die Lichtschwertkämpfe zählen noch bis heute mit zu den besten, die es in einem Videospiel zu erleben gibt. Dass die Shooter-Mechanik hier etwas zu kurz kommt, liegt wohl in der Natur der Sache, immerhin wurde Jedi Academy ganz auf den Jedi-Orden spezialisiert. Die Geschichte ist gut, kommt aber leider nicht an den Vorgänger heran und lässt vieles im Vergleich zu Jedi Knight II  vermissen. Erfreulich ist allerdings, dass ihr im Laufe des Abenteuers auf viele bekannte Gesichter des Star-Wars-Universums trefft und die Schauplätze sowie der Soundtrack echtes Sternensaga-Feeling aufkommen lassen. Die technische Umsetzung ist in Ordnung, nur die Sprungmechanik hätte einer Generalüberholung bedurft. So bleibt unter dem Strich ein Spiel, dass für Fans ein Leckerbissen sein dürfte, sich für Außenstehende und vor allem für Shooter-Fans allerdings nicht wirklich lohnt.

Von uns getestet: Nintendo-Switch-Version

Wertung:

7.0

Michael Prammer meint:

"Jedi-Simulator, der nicht ganz an seinen Vorgänger heran kommt."
Spielerlebnis: Gut
Umfang: Gut
Technik: Durchschnittlich

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