Angezockt: Minecraft Dungeons (BETA)

Nutzer-Story von GF0P am 14. April 2020

Auf der letztjährigen E3 kündigte Microsoft das neueste Spiel der Minecraft-Macher seit... nunja, Minecraft an! Und es ist ein Minecraft-Spiel. Ein erster Eindruck.

Aktuell läuft eine Closed Beta des gehypten (?) neuen Minecraft-Titels, was mir die Möglichkeit gab, mich vorab ein wenig umzusehen.

Minecraft Dungeons ist ein klassischer Hack-and-Slay-Titel in der beliebten Klötzchenwelt. Entgegen des großen Vorbilds hat man hier jedoch keinerlei Möglichkeit, die Spielwelt nach seinem Wunsch zu verändern oder gar kreativ tätig zu werden. Neben der Spielwelt und den Gegnerdesigns hat der Titel nämlich keinerlei Gemeinsamkeiten mit dem großen Bruder. Auch Crafting fällt - zumindest in der Beta - komplett weg. Klötzchen aus dem Weg räumen oder Treppen bauen? Geht nicht!

Was dafür geht - und das gleich massenweise - ist Zombies, Skelette und Creeper aus dem Weg räumen. Hierzu bietet das Spiel eine Auswahl zahlreicher klassischer Waffen wie Schwerter, Äxte, Hämmer und dergleichen.

Man startet mit seinem Charakter und wahlweise bis zu zwei Mitspielern lokal oder via Internet am Startpunkt und hackt sich von dort bis zum Ausgang durch. Die beiden in der Beta verfügbaren Level sind dabei recht linear und bieten nur geringe Verzweigungen. Immerhin sind diese aber in mehreren Schwierigkeitsgraden spielbar und mit jedem Start unterscheiden sie sich ein wenig vom vorherigen Durchlauf. Die namensgebenden Dungeons bekam man in den ersten drei Spielstunden allerdings nicht zu sehen.

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Immer feste druff!

Bei Gegnern und in am Wegesrand abgestellten Kisten findet man neue Rüstungen oder Waffen, welche das Heldenleben um einiges erleichtern. Typische Waffennamen wie Bezwingende Klinge der Bestrafung finden sich allerdings nicht. Die Waffen und Rüstungen wirken sogar austauschbar: Es gibt Schwert (gewöhnlich) oder Schwert (selten), was nicht zwingend heißen muss, dass das seltene Schwert mehr Schaden anrichtet als das gewöhnliche Schwert. Es ist eben nur... selten. Wobei auch das nur die halbe Wahrheit ist, denn jede Waffe verfügt über zufallsgenerierte Verzauberungen, welche mit jedem Levelaufstieg verbessert werden können. Hier haben wir auch gleich den größten Unterschied zu Diablo & Co: Es gibt kein Skillsystem. 

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Im Inventar wird die Ausrüstung verwaltet und Verzauberungen aktiviert.

Stattdessen erhält man pro Levelaufstieg einen Verzauberungspunkt, welcher in die Nahkampfwaffe, die Fernkampfwaffe oder die Rüstung gesteckt werden kann. Welche Verzauberung die jeweilige Waffe hat, ist von vornherein festgelegt. Positiv ist, dass einmal investierte Verzauberungspunkte nicht auf alle Ewigkeit verschwunden sind. Findet man eine bessere Rüstung, lässt sich der bisherige Favorit verwerten und gibt seine Verzauberungspunkte wieder frei. Der Gegenstand wird dabei jedoch unwiederbringlich zerstört.

Und hier sehen wir dann auch den Unterschied zwischen gewöhnlichen und seltenen Gegenständen: Die Qualität und Quantität der Verzauberungen unterscheidet sich bei den beiden Typen eklatant.

Technisch macht die Beta bereits einen recht ausgereiften Eindruck. Es läuft alles flüssig und Abstürze oder Glitches sind nicht aufgefallen. Allerdings ist die Präsentation recht bieder. Klar, es ist ein Minecraft, da erwartet man keine Irre Grafik, aber ein paar stimmige Lichteffekte sollte ein größerer Titel im Jahr 2020 schon enthalten.

Einige Texte sind darüber hinaus noch nicht komplett übersetzt und die Untertitel passen nicht zur Sprachausgabe, aber dass eine Closed Beta überhaupt lokalisiert ist, zeugt schon von dem weiten Fortschritt der Entwicklung. Immerhin sollte der Titel bereits im April erscheinen und wurde erst kürzlich auf den 26. Mai verschoben.

Also alles super und ein Pflichtkauf für Minecraft Fans?

Nein. Und das aus gleich mehreren Gründen: Zum einen wird echten Minecraft-Fans das enge Gameplay-Korsett, dass das Spiel hier schnürt, möglicherweise nicht schmecken. Die große Freiheit mit schier unendlichen Möglichkeiten sucht man hier vergebens. Denn wie bereits erwähnt erlebt man hier kein individuelles Abenteuer auf seine eigene Art und Weise, sondern folgt den vorgegebenen Pfaden der rudimentären ("Besiege den bösen Erz-Magier") Story.

Also ein Pflichtkauf für Hack-and-Slay Fans?

Nein. Und auch das aus gleich mehreren Gründen: Zum einen wird echten Diablo-Fans das enge Gameplay-Korsett, dass das Spiel hier schnürt, möglicherweise nicht schmecken. Die große Freiheit mit seinen schier unendlichen Möglichkeiten sucht man hier vergebens. Denn wie bereits erwähnt erschafft man hier keinen eigenen Helden, levelt ihn auf und wählt dabei aus einem Füllhorn an Skills, Klassen und Waffengattungen. Die typische Sucht nach neuen Gegenständen, die Diablo und seinen Nachahmern so eigen ist, will sich hier nicht einstellen.

Darüber hinaus gibt es noch einen Kritikpunkt, der mich sehr skeptisch dem fertigen Spiel entgegenblicken lässt. Im Lager, welches als Startpunkt für alle Missionen fungiert, gibt es einen Schmied und einen Händler. Hier lassen sich gegen von Gegnern erbeutete Smaragde neue Ausrüstungsgegenstände erwerben. Leider gibt es keine Auswahl, welche Kategorie und Qualität man gerne hätte. Es wird immer eine feste Anzahl an Smaragden verlangt und dafür gibt es dann einen zufälligen Gegenstand. Ob man den auch brauchen kann, stellt man leider erst hinterher fest. Die Lootbox-Diskussion könnte sich hier erneut entfachen, vor allem wenn Microsoft auf die Idee kommt, Smaragde gegen Echtgeld anzubieten.

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Hallo Lootbox

Fazit:

Insgesamt hinterlässt die Beta für mich einen etwas ernüchternden Ersteindruck. Die Ankündigung des Titels auf der letztjährigen E3 hat mich auf eine interessante, familientaugliche Diablo-Alternative hoffen lassen, welche die Wartezeit auf Teil 4 verkürzt und auch mal Couchkoop mit der Familie erlaubt.

Letzteres funktioniert zwar, macht aber mangels sich bis auf die Skins nicht unterscheidbarer Charaktere nicht so viel Spaß wie erhofft. Warum gibt es nicht wenigstens den Krieger, Magier und Bogenschützen als auswählbare Klassen? Das wäre zwar auch ausgelutscht, böte aber im Koop die Möglichkeit unterschiedlicher Spielweisen.

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2 Kommentare:


nibez
vor 2 Monaten | 1
Dank Game Pass werde ich bestimmt mal reinschauen. Dass das Spiel nicht so umfangreich wie Diablo ist passt mir auch ganz gut, dann kann man das besser nebenher zocken imo.
Danke für den Bericht!

GF0P
vor 2 Monaten | 0
Um kein MIssverständnis aufkommen zu lassen. Ich wollte nicht sagen, dass es ein schlechtes Spiel ist. Es sitzt nur irgendwie zwischen den Stühlen.
Im Forum habe ich noch einen kleinen Nachtrag zum ersten Dungeon verfasst: https://nplusx.de/thread/91-zuletzt-gespielt?page=35#post-47174