Test: Bridge! 3

Von Andreas Held am 10. April 2020

Brücken zu bauen, ist spätestens seit Poly Bridge in Mode - mit Bridge! 3 steigt nun ein weiterer Vertreter des Genres in den Ring.

Das Spielkonzept der Brückenbau-Simulatoren ist mindestens seit dem Release des Freeware-Titels Bridge Builder im Dezember 2000 keine Unbekannte mehr. Das Spielkonzept ist immer gleich: Auf einem zweidimensionalen Raster muss der Spieler eine Brücke bauen, die anschließend von einem Fahrzeug passiert wird. Erreichen die Fahrzeuge das andere Ende, gilt das Level als abgeschlossen (selbst wenn die Brücke im Nachhinein noch eingestürzt ist). Poly Bridge brachte das Genre in den Mainstream, indem es eine "lustige" Physik-Engine und Brücken, die solche Frivolitäten wie Sprungschanzen oder Katapulte enthalten, in den Vordergrund stellte. Kein Wunder also, dass auch Bridge! 3 nun auf Bauelemente wie Trampoline setzt, die in realen Brücken undenkbar wären.

Ein Spiel wie ein Schildbürgerstreich

Das zentrale Element von Bridge! 3 ist das Brückenbau-UI. Mit dem Steuerkreuz oder dem linken Stick bewegen wir einen Cursor, mit dem rechten Analogstick die Kamera, und mit den ZL- und ZR-Tasten können wir herein- und herauszoomen. Und es spricht Bände über die (nicht vorhandene) Qualität dieses Titels, dass keine dieser drei Funktionen ordentlich funktioniert. Dem Cursor wohnt eine Art Massenträgheit inne, sodass sich dieser noch ein bis zwei Sekunden, nachdem wir die Richtungstaste losgelassen haben, weiter bewegt (wenn auch etwas langsamer). Beim Herein- und Herauszoomen der Kamera haben wir ein ähnliches Problem. Das Verschieben der Kamera mit dem rechten Analogstick funktioniert noch schlechter, da diese Funktion schlichtweg stümperhaft programmiert ist. Neigen wir den rechten Stick nach links, bewegt sich die Kamera entweder nach links oben oder nach links unten - da die Entwickler offenbar nicht wissen, was eine Deadzone ist.

Da ist es wenig überraschend, dass auch die Physik-Engine kaum funktioniert. Eines unserer Brückendesigns mussten wir verwerfen, da die Autos an einer unsichtbaren Wand hängen geblieben sind, die sich zwischen zwei Stahlträgern eingeschlichen hatte (siehe Screenshot oben). LKWs machen ohne jeden erkennbaren Grund plötzlich Wheelies. Auch die Statikberechnungen sind kaum nachvollziehbar: In einer Mission stürzte eine symmetrische Brücke auf der linken Seite sofort ein, während die rechte Hälfte selbst beim Belastungstest durch Fahrzeuge unbeschädigt stehen blieb. In einer anderen Mission haben zusätzliche Stahlträger ohne Verbindung zum Festland, die unsere Brücke eigentlich zusätzlich hätten belasten müssen, stattdessen die Stabilität verbessert. Da ist es kaum nötig zu erwähnen, dass wir in schwierigeren Levels nicht etwa durch logisches Nachdenken auf die richtige Lösung kommen, sondern irgendwann durch Glück und plumpes Ausprobieren auf ein Design stoßen, das zufällig stehen bleibt. Erfolgserlebnisse bleiben dabei aus, aber immerhin wird die Spielzeit etwas gestreckt, sodass wir zum Abschluss aller 30 Missionen durchaus ein paar Stunden brauchen würden.

Optisch ist Bridge! 3 ganz passabel, allerdings haben die Entwickler einfach die 3D-Umgebungen des zweiten Teils in deutlich schlechterer Qualität nachgebaut und dabei zum Teil auch ganze Missionen ohne Veränderungen in das "neue" Spiel übernommen. Das ist vor allem deshalb bitter, weil Bridge! 2 von einem anderen, mittlerweile offenbar geschlossenen Studio entwickelt wurde. Darüber hinaus haben wir eines der drei Musikstücke des Spiels, This is Folk, nach kurzer Recherche unter dem Namen Esto es Folk auf einer spanischen Internetseite zum Download gefunden. Da auch die 3D-Modelle so aussehen, als seien sie einfach aus irgendeinem Unity-Asset-Store heruntergeladen worden, muss man sich also sehr ernsthaft fragen, ob Bridge! 3 überhaupt noch eigene Arbeiten des neuen Entwicklers SilentFuture enthält, oder ob es sich bei dem Spiel mehr oder weniger um einen sogenannten Asset Flip handelt. Dass ein solcher Titel dann auch noch ähnlich bepreist wird wie das mit viel Liebe und Herzblut entwickelte Hollow Knight, dürfte jedem Videospiele-Liebhaber in der Seele weh tun.

Fazit:

Der Publisher Aerosoft GmbH, der auf Steam solche Software-Perlen wie Fernbus Simulator oder Polizeihubschrauber Simulator herausgebracht hat, verwöhnt nun also auch Switch-Besitzer mit Bridge! 3, dem nächsten Big Player im Brückenbausimulator-Genre. Aber Sarkasmus beiseite: Viel schlechter als hier kann man dieses Genre wohl nicht mehr umsetzen, denn angesichts eines in jeder Hinsicht stümperhaften UIs, einer kaputten Physik-Engine, fast ausschließlich aus dem Vorgänger oder anderen Genrevertretern kopierten Gameplay-Elementen sowie Grafik- und Sound-Assets, die zumindest in einem Fall nachweislich aus dem Internet heruntergeladen wurden, muss man sich fragen, wofür man hier überhaupt noch Punkte vergeben soll. Wir finden: Für gar nichts.

Wertung:

1.0

Andreas Held meint:

"Software-Müll, wie man ihn sonst nur aus den dunkelsten Tiefen der Steam-Bibliothek kennt."
Spielerlebnis: Schlecht
Umfang: Mangelhaft
Technik: Schlecht

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5 Kommentare:


Denios
vor 1 Monat | 0
nice, hol ich mir für Switch

KeeperBvK
vor 1 Monat | 1
Serh schönes Review, Vyse. Respekt auch dafür, dass du dich offenbar durch das gesamte Spiel gequält und dazu noch Hintergründe recherchiert hast. Das ist investigativer Journalismus. :D Nein, wirklich gut.

Vyse
vor 1 Monat | 0
Naja, wenn ich behaupten will dass das Spiel ein Asset Flip ist, muss ich es halt auch beweisen können. Und es war mir ein persönliches Bedürfnis, das in meinem Review unmissverständlich klarstellen zu können.
Nintendofan
vor 1 Monat | 0
Man muss allerdings sagen, dass es sich optisch deutlich von Bridge! 2 unterscheidet. Kommt sogar von einem anderen Entwickler^^

Vyse
vor 1 Monat | 0
Hmm, ja, jetzt wo ich Screenshots beider Spiele nebeneinanderlege fällt es mir auch auf. Wenn man die im Abstand von 1-2 Stunden sieht kann man aber wirklich leicht denken, dass es sich um dasselbe Spiel handelt. ^^

An meiner eigentlich Argumentation ändert das wenig, aber ich hab mal 1-2 Sätze geändert, um zumindest die faktischen Fehler zu bereinigen.