Test: Good Job!

Von Michael Prammer am 31. März 2020

Viele Menschen arbeiten aktuell entweder im Homeoffice oder befinden sich in Kurzarbeit. Bei Good Job! geht das Arbeitsleben ganz normal weiter.

Auf einer überraschend ausgestrahlten Nintendo Direct Mini (NplusX berichtete) wurde unter anderem das Puzzle-Spiel Good Job! angekündigt und auch am gleichen Tag veröffentlicht. Zwei Sachen fielen beim Ansehen des Trailers auf: Der sehr minimalistische Grafikstil und das etwas abgedrehte Gameplay. Beides machen jedoch den Charme des Spiels aus und wir verraten euch in unserem Test, warum ihr dieses Spiel unbedingt auf dem Schirm haben solltet.

Auf dem Weg zum Boss

Der Vater ist der Chef eines hiesigen Unternehmens und der Spross möchte eines Tages in dessen Fußstapfen treten. So etwas ist nicht selten und kommt in der Arbeitswelt häufiger vor, auch die Story von Good Job! beginnt mit dieser Ausgangslage. Da gibt es allerdings ein kleines Problem: Der Jüngling des Firmenoberhauptes ist ein regelrechter Tollpatsch und hat die tollkühnsten Ideen parat, um sich den Arbeitsalltag zu erleichtern. Genau diese Konstellation ist auch der Dreh- und Angelpunkt des Gameplays. Der Sohnemann möchte als Protagonist des Spiels die Nachfolge seines Vaters antreten.

Das Spiel startet ganz unten in einem Bürogebäude, was auch sinnbildlich für den steinigen Weg eures Helden steht. Denn auf die Gunst des Vaters ist nicht zu hoffen, der Sohn muss die Karriereleiter alleine erklimmen und sich nach oben arbeiten. Das geschieht über mehrere Etagen, welche in unterschiedliche Level gegliedert sind. Jede Etage hat ein eigenes Thema und dementsprechend auch eine eigene Themenwelt. Die erste Etage ist zum Beispiel die Rechtsabteilung und unterteilt sich in verschiedene Büroräume, während der zweite Stock ein Logistik-Abteil darstellt, das mit seinen weitläufigen Lagerräumen wieder ganz anders aussieht. Hier herrscht Gabelstapler-Verkehr, Kisten voller Güter stapeln sich und der Arbeitsalltag der Kollegen wirkt längst nicht so entspannt wie im Stockwerk zuvor.  Dadurch kommt viel Abwechslung ins Spiel und Aufgaben wiederholen sich nicht.

Aller Anfang ist schwer

Sind alle Level einer Etage abgeschlossen, darf der Aufzug in die nächste Etage benutzt werden. Dabei gibt es immer eine konkrete Zielvorgabe, die ihr als Junior-Chef zu erledigen habt. Da sollt ihr in einem Level etwa einen Projektor besorgen oder in einem anderen Level die Pflanzen gießen. Das klingt alles ziemlich banal, in den Aufgaben verstecken sich aber oft kleine oder große Probleme. Denn meistens sind die Wege blockiert, die Türen verschlossen oder die erforderlichen Gegenstände nicht erreichbar. Und jetzt ist euer Erfindungsgeist gefragt: Ist beispielsweise eine Wand im Weg, kann diese kurzerhand aus dem Weg geräumt werden. Dazu spannt ihr ein Kabel im Flur und benutzt dieses zusammen mit der greifbaren Büroeinrichtung als Schleuder. Das ist etwas brachial, aber genau auf diese Weise funktionieren viele der kleinen Aufgaben.

Am Ende wird dann zusammengerechnet - je nachdem, wie viel Schaden angerichtet wurde, wie viele Gegenstände zerstört wurden und wie schnell eine Aufgabe erledigt wurde, gibt es eine Wertung. Diese zu verbessern steigert den Wiederspielwert jedes Levels, da die einzelnen Aufgaben manchmal zwar etwas Zeit beim Nachdenken in Anspruch nehmen, auf den zweiten Blick dann aber doch sehr simpel wirken. Das Ziel aus unternehmerischer Sicht sollte natürlich sein, mit möglichst wenig Schaden die Aufgaben zu bewältigen. Die Puzzleaufgaben sind spaßig oder fordernd oder beides - das kommt darauf an, wie man sie angeht. Wer mit dem Kopf durch die Wand prescht und auf das Firmeneigentum pfeift, der hat es bei den meisten Aufgaben ziemlich einfach und kassiert zwar eine niedrigere Wertung, lacht dafür aber mehr. Wer die höhere Herausforderung sucht, der achtet auch Mensch und Maschine. Einen Leveleditor, der hier sicherlich gut funktioniert hätte, gibt es leider nicht. So lässt sich das gesamte Spiel je nach persönlicher Spielweise in fünf bis sechs Stunden beenden. Wer das bestmögliche Ergebnis aus allen Level holen möchte, der ist noch etwas länger beschäftigt.

Good Job! ist sehr minimalistisch inszeniert, doch genau das macht den Reiz des Spielprinzips aus. Das Abenteuer kommt mit ganz wenigen Stilmitteln aus und weiß trotzdem zu begeistern. Einzig die Ladezeiten zwischen den Leveln sind unerklärlich lang. Die Steuerung, der Soundtrack und die Performance passen wiederum. Auch toll ist der Mehrspielermodus, der zwei zukünftige Chefs auf einmal an einer Konsole spielen lässt. Dadurch wird das Chaos natürlich größer aber auch der Spaßfaktor steigt immens.

Fazit:

Good Job! ist ein richtig interessantes Puzzlespiel geworden, das viel Spaß bringt, herrlich chaotisch inszeniert ist und mit stilistisch passenden minimalistischen Mitteln auskommt. Die Entscheidungsfreiheit, ob man für die Lösung der Aufgabe alles in Schutt und Asche legt oder wohl überlegt durch das Level knobelt, ist einfach genial und lässt mehrere Spielstile zu. Dazu kommt noch der spaßige Mehrspielermodus, bei dem die Gaudi an vorderster Front steht und gleich doppelt Freude macht. Wenn etwas wirklich nervt, dann sind das die sehr langen Ladezeiten, die man sich mit etwas mehr Entwicklungszeit wohl auch hätte schenken können. Ansonsten gibt es bei diesem Puzzlespiel kaum etwas zu meckern.

Wertung:

8.0

Michael Prammer meint:

"Spaßiges und chaotisches Puzzleabenteuer für Hobby-Chefs."
Spielerlebnis: Sehr gut
Umfang: Gut
Technik: Gut

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1 Kommentare:


Denios
vor 4 Monaten | 0
das wäre mal ein Spiel, wo ich echt gerne selbst mal Hand anlegen wollen würde, um ein besseres Gefühl dafür zu bekommen, wie sich das spielt. schade, dass es keine Demo gibt.